Logic Pro X

Logic Pro X ist ein Audio/MIDI-Software-Sequenzer von Apple. Unser Autor Axel Latta hat ihn für Sound&Recording getestet. Erschienen ist dieser Test von Apple Logic Pro X in Sound&Recording 11/2013.

Apple Logic Pro X – Audio/MIDI-Sequenzer

Was lange währt …

Nach einer unglaublich langen Dürrephase von über vier Jahren fürchteten einige Nutzer schon, dass die Weiterentwicklung von Logic komplett eingestellt würde. Umso größer war die Spannung, als vor kurzem dann doch die zehnte Version erschien.

Und jetzt ist Apple Logic Pro X im Mac App Store für OS X 10.8.4 (oder höher) erhältlich, wer das Betriebssystem-Update 10.8 noch nicht gekauft hat, sollte spätestens jetzt also einen Grund dafür haben. Das Basispaket umfasst schlanke 700 MB, weitere Sound-Libraries lassen sich jedoch später nach Starten der jeweiligen Klangerzeuger oder über den Menüpunkt »Zusätzlichen Inhalt laden« aufstocken. Unerfreulich: Bei der Installation der zusätzlichen Sound-Libraries gibt’s keine Option, einen anderen Pfad anzugeben. Schade, böte dies doch Vorteile hinsichtlich der Organisation und ganz besonders der Leistungsfähigkeit des gesamten Systems. Einen Workaround für dieses Problem findest du in den Sequenzertipps ab S. 88.

 

GUI UND WORKFLOW

Nichts ist, wie es war, aber noch alles da … fast alles! Logic Pro X gibt’s nur als Download-Version und so fällt ein schwermütiger Blick auf den großen Karton von Logic 9, der neben mehreren CDs ein gedrucktes Handbuch beinhaltet. Dennoch ist neben dem über 900 Seiten starken PDF besonders die neue »Dynamische Hilfe« praktisch, welche sich im »Inspector« einblenden lässt und je nach Mausposition Bedienelemente und Funktionen erklärt.

Neben der dunkelgrauen Farbgebung fällt zuerst auf, dass die Transportleiste von unten nach oben gewandert ist. In erster Linie ist das praxisgerechter, da man so bei der Arbeit dem Dock nicht mehr versehentlich in die Quere kommt. Zusätzlich ist nun ein Vollbildmodus vorhanden, hilfreich gerade für den Einsatz am 13″-MacBook. Im Test wurde es für die beiden Icons am Rand vorerst sehr eng. Ein Update zu Version 10.0.3 hat dieses Problem, neben ein paar weiteren Bug-Fixes, jedoch gelöst.

Zu den bekannten Marker- und Tempospuren gesellt sich nun eine »Arrangement Spur«. Wie in Cubase oder Reason kann man beliebige Bereiche im Arrangement als Song-Part definieren, also etwa »Intro«, »Strophe« oder »Chorus«. Beim Verschieben dieser Arrangement-Marker folgen alle darunterliegenden Regionen inklusive der Automationsknotenpunkte.

Im Gegensatz zur DAW von Steinberg allerdings fehlt hier noch ein weiteres Fenster, um die Arrangement-Marker in Echtzeit und taktgenau anzuspringen oder eine Wiederholungsanzahl numerisch für die einzelnen Parts festzulegen − ganz zu schweigen von so mächtigen Kompositionstools wie dem Chord-Track in Cubase 7.

Ein sehr nützliches neues Feature wiederum sind die sogenannten »Track Stacks«, mit denen sich ausgewählte Spuren zum »Ordnerstapel« und »Summenstapel« wandeln lassen. Letztere Variante ist eine hilfreiche Methode, wenn sich virtuelle Klangerzeuger im Stack befinden, die gemeinsam einen Layer-Sound wiedergeben sollen. Im Mixer werden die diese Spuren auf einem Aux-Track zusammengefasst, der sich mit Insert- und Send-Effekten versehen lässt. Ein bisschen hat man sich also bei StudioOne und Ableton Live umgeschaut.

 

AUDIO-ANALYSE

Nach Cakewalk Sonar, Steinberg Cubase, Motu Digital Performer und anderen hat auch Logic mit »Flex Pitch« eine weit klaffende Lücke geschlossen. Wie der Name schon vermuten lässt, kümmert sich diese Funktion um Audiobearbeitung. Im Gegensatz zu »Flex Time« werden aber nicht Transienten in der Zeitdomäne verschoben, sondern tonale Informationen manipuliert.

Der große Vorteil gegenüber der Konkurrenz aber ist, dass dazu kein separates Editor-Fenster geöffnet werden muss, denn nach einer kurzen Analyse lassen sich die erkannten Segmente direkt im Audiomaterial nach oben oder unten pitchen. Das ist super, um mal eben einen missratenen Ton zu korrigieren! Wenn es doch etwas detaillierter sein darf, gelangt man über die Taste [E] in die klassische Ansicht im Stile von Melodyne.

 

MIXER

Ebenfalls in dunkelgrauer Farbe erscheint nun der Mixer. Die »State Plates« der Plugins, um es mal mit den Worten von Avid auszudrücken, sind nun dreigeteilt, sobald sich der Mauszeiger darüber befindet. So kann man die Inserts auch ohne zusätzlich gehaltene Tasten austauschen, öffnen und deaktivieren. Nur einen wichtigen Punkt hat Apple vergessen: Es ist leider immer noch nicht möglich, alle Inserts in einem Kanalzug gleichzeitig abzuschalten, geschweige denn im kompletten Mixer, wie es im neuen Cubase der Fall ist. Schade, könnte man so doch schnell die Resultate der vorgenommen Einstellungen − wichtig z.B. beim Einsatz von Saturations-Plug-ins im Mix − überprüfen.

 

FAZIT

Logic Pro X wurde mit zahlreichen, sehr nützlichen Features aufgerüstet. Insbesondere »Track Stacks«, »Flex Pitch« und »Smart Controls« ermöglichen einen sehr schnellen Workflow. Auch mit der Implementierung von MIDI-Plug-ins direkt im Mixer befreite man den Sequenzer von schweren Altlasten. Eine positive Überraschung sind der »Drummer « und der »Drum Kit Designer« − ein tolles Produktionswerkzeug und zudem inspirierendes Kompositions-Tool.

Ob man dafür vier Jahre warten muss, sei dahingestellt. Der Sprung zu 64 Bit war jedenfalls zu erwarten, dass allerdings keine 32-Bit-Plug-ins mehr erlaubt sind, wird vielen Nutzern ein Dorn im Auge sein.

 

EXTRA: AUDIO-ENGINE-TEST

Wirft man einen Blick in verschiedene Internet-Foren, erschallen an manchen Ecken schon wieder die kuriosesten Behauptungen, Logic Pro X würde angeblich »größer « und »breiter« klingen. Da läuten die Alarmglocken! Also wurden geschwind die Dateien unseres Summing-Tests (S&R 4.2012) aus dem Archiv gekramt und einer neuer Phasentest durchgeführt. Und siehe da: Auch der Bounce der Stereospuren aus Logic Pro X löschte sich mit allen anderen Sequenzer-Exporten hundertprozentig aus. Wäre ja auch verwunderlich, wenn Apple plötzlich die Grundsätze der Addition neu erfunden hätte.

Offensichtlich hat sich an der Engine selbst also nichts getan. Fast nichts! Denn ab sofort sind nur noch Plug-ins mit 64-Bit-Schnittstelle erlaubt, eine »Bridge« bietet Apple nicht an, und so ist es nicht mehr möglich, ältere AU-Plug-ins zu verwenden. Von einer VST/VST3-Integration fehlt ohnehin weiter jede Spur. Übel!

Zumindest ließen sich Projekte aus Logic 9 problemlos öffnen, laut Hersteller sei diese Abwärtskompatibilität sogar bis Version 5 gewährleistet.