Studiomonitore

Welcher Studiomonitor ist für meine Anwendung optimal geeignet? Die Frage nach dem optimalen Studiomonitor stellt sich immer wieder, nahezu unabhängig von der speziellen Anwendung über alle Größen und Preisklassen. Die Anzahl der Hersteller ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen, und die Modellvielfalt ist nahezu unendlich groß. Hinzu kommt der schnelle Generationenwechsel bei einigen Herstellern, der auch nicht gerade zur besseren Übersicht beiträgt …

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In vergangenen Zeiten wurden vom IRT (Institut für Rundfunktechnik) Standards für Studiomonitore vorgegeben, die von einigen wenigen „amtlichen“ Herstellern umgesetzt wurden. Rundfunk- und Fernsehanstalten im In- und Ausland orientierten sich weitgehend daran, und größere Studios ließen sich zudem auch gerne eigene Monitore, meist von englischen Firmen, entwickeln und bauen.

Aus der Sicht der wenigen Hersteller zu dieser Zeit waren das beinahe paradiesische Zustände, die jedoch jäh endeten, als der Markt dank der Digitaltechnik aufbrach und Projektstudios wie auch das Homerecording immer zahlreichere Freunde fanden. Moderne Fertigungsmethoden machten es möglich, Equipment bester Qualität für einen Bruchteil des Preises zu entwickeln und somit viele neue Kunden zu gewinnen, für die die traditionelle Studiotechnik noch finanziell unerreichbar war.

Der Bedarf nach Studiomonitoren stieg damit dramatisch an, und die alten Regeln wurden aufgebrochen. Diese Deregulierung des Marktes ließ viele neue Hersteller entstehen und altbekannte Namen verschwinden. Das allgemeine Preisniveau fiel zudem deutlich, wobei dieser Trend nun beileibe keine Besonderheit des Studiotechnikmarktes ist, sondern sich ja in vielen technischen Bereichen findet − bei Telekommunikationsgeräten, Computern, Kameras und vielem mehr.

Studiomonitor-Anwendungen

Umso mehr muss man sich angesichts der gebotenen Vielfalt fragen, welchen Studio Monitor man nun für welche Anwendung nimmt? Ein erster Entscheidungspunkt wäre die Abhörentfernung. Stehen die Monitore direkt am Arbeitsplatz, PC-Tisch, Mischpult etc. und ist so nur 1 bis 2 Meter von dir entfernt, dann nennt man diese Nahfeldmonitore (Nearfield). Größere Entfernungen von 2 bis 4 Metern werden „Mid-Field“ genannt, und für wirklich große Räume mit Wandeinbauten oder für große Mastering-Studios oder Vorführräume werden meist Sonderbauten oder typische Main-Monitore genommen − die Bezeichnung „Main“ bezieht sich auf die klassischen, großen Studios, die meist eine Reihe verschiedener Monitore im Einsatz haben.

Speziell im Mastering und teilweise sogar in öffentlich rechtlichen Sendern haben sich neben diesen, speziell ausgewiesenen Studiomonitore auch einige Hi-Fi- oder, besser gesagt, High-End-Hersteller platzieren können, wobei hier häufig Modelle des 1965 in England gegründeten Herstellers Bowers & Wilkins zum Einsatz kommen. Wir wollen uns in diesem Artikel auf die typische Nahfeldanwendung beschränken, die heute mit Sicherheit am häufigsten − und somit wohl auch in deinem Homestudio − vorkommt. Hier gilt grundsätzlich: je kürzer die Abhörentfernung, umso kleiner kann oder sollte der Monitor sein.

Das akustische Umfeld

Das akustische Umfeld eines Lautsprechers hat eine erhebliche Auswirkung auf das, was man letztendlich hört. Für ein gutes und möglichst neutrales Ergebnis solltest du daher einige wichtige Regeln befolgen. Die Lautsprecher sollten gemäß den Empfehlungen des Herstellers auf deinen Abhörplatz ausgerichtet sein, und es sollten keine Hindernisse direkt im Weg stehen. 2-WegeSysteme solltest du möglichst so aufstellen, dass sich Hoch- und Tieftöner übereinander − und nicht nebeneinander − befinden. Im direkten Umfeld der Lautsprecher sollten sich keine reflektierenden Gegenstände befinden, und der ganze Aufbau sollte symmetrisch gestaltet werden. Ganz ungünstig wäre es z. B., wenn sich der linke Lautsprecher direkt an einer Wand befindet und der rechte frei im Raum steht. Den Raum, in dem du abhörst bzw. produzierst, solltest du möglichst danach auswählen, dass er nicht zu hallig ist und möglichst keine großen glatten Flächen besitzt.

Ein sehr guter Nearfield-Monitor, der im Labor einen fast perfekten Frequenzgang (rote Kurve) hat, wurde im direkten Umfeld eines Hörplatzes an verschiedenen Positionen gemessen. Der Verlauf wird hier bei mittleren und hohen Frequenzen durch vielfältige Reflexionsmuster bestimmt und unterhalb von 150 Hz durch die Raumresonanzen. Hier sind die Auswirkung geradezu dramatisch, mit heftigen Resonanzen einerseits und völligen Auslöschung für andere Bereiche. Aufgrund der großen Wellenlänge bei tiefen Frequenzen sind diese Effekte identisch für alle Messpositionen im Umfeld des Hörplatzes.

Anders sieht es für die feinen Strukturen bei höheren Frequenzen aus. Mittelt man über viele Messpositionen im Umfeld des Hörplatzes, dann gleichen sich diese Strukturen gegenseitig aus.

Eine solche Kurve kannst du dann auch als Basis für mögliche Filtereinstellungen nehmen. Für die Mitten und Höhen bedeutet das meist eine leichte tonale Korrektur, die in der Regel zu guten Ergebnissen führt. Die Extreme bei den tiefen Frequenzen erlauben per Filtereinstellung jedoch bestenfalls einige Symptom-kurierende Eingriffe, wo du mit schmalen Sperrfiltern am besten die besonders übel dröhnenden Resonanzen herausziehst.

Autor: Anselm Goertz

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