Ableton

Ableton liefert individuelle Sounddesign-Lösungen aller Art: Dank ihrer modularen Entwicklungsumgebung Max for Live lassen sich schnell eigene Patches zusammenstellen − einfach per Drag&Drop, ohne dafür die komplexe Programmierung in den Grund zügen zu erlernen. Wer hier tiefer einsteigt, findet ein Universum an Möglichkeiten für Musikproduktion, eigene Instrumente und Plug-ins.

Keine Software hat in den letzten Jahren die Art, elektronische Musik zu produzieren, so beeinflusst wie Ableton LIVE. Doch nicht nur intuitives Arrangieren und blitzschnelles Modulieren aller Klangerzeuger, sondern auch komplexe Routing-Setups sind hier möglich. Folgendes Feature ist zwar nicht auf den ersten Blick ersichtlich, dennoch können alle Outputs eines Plug-ins auf einzelne Kanäle gelegt werden. Um z. B. alle Ausgänge des „Impulse” zu benutzen, programmieren Sie dort Ihren Loop und öffnen anschließend einige Audio-Channels.

In deren I/O-Setup schalten Sie bei „Audio From” auf den Kanal des Impulse und wählen den jeweiligen Slot eine Spalte darunter an. Um das ankommende Signal zu hören, müssen Sie „Monitor IN” aktivieren. So haben Sie die freie Wahl der Effekte für jeden einzelnen Slot des Impulse und können nun beispielsweise Sounds mit verschiedenen Reverbs in der Tiefe staffeln. Falls Sie Ihren Loop noch in der Summe komprimieren möchten, erstellen Sie einen letzten Audiokanal, der als Subgruppe dient, nachdem diese in den Einzelspuren bei „Audio To” angewählt wurden.

De-Esser Marke „Eigenbau“

De-Esser Marke „Eigenbau“ Vocals, die mit bestimmten Kondensatormikrofonen aufgenommen wurden, weisen des Öfteren eine gewisse Überbetonung der „S”-Laute auf, die in einer unangenehmen klanglichen Schärfe resultieren. Um das natürliche Klangbild der Stimme wieder herzustellen, arbeitet man mit einem De-Esser, der sich ebenfalls durch eigens erstellte Geräteketten in LIVE realisieren lässt. Laden Sie in die betroffene Spur einen EQ Three, in dem Sie Gain-Low (L) deaktivieren und Freq-Low auf 5.00 kHz setzen. Danach brauchen Sie einen „Compressor I” mit ungefähr der im Screenshot dargestellten Konfiguration. Markieren Sie die Plug-ins durch Klicken bei gedrückter Shift-Taste, und gruppieren Sie sie anschließend durch einen Rechts-Klick.

Diese Gerätekette befindet sich nun in einem Rack und lässt sich, wurde sie einmal in den Browser gezogen, in späteren Sessions wieder abrufen. Durch Klicken auf das Symbol der waagrechten Linien links am Rack erscheint eine Übersicht der parallel agierenden Geräteketten. Um eine zweite Kette zu erstellen, ziehen Sie in das Kettenfeld einen weiteren EQ Three, in dem diesmal Gain-Hi (H) ausgeschaltet und Freq-Hi auf 5.00 kHz gestellt ist. Die Vocals durchlaufen nun einerseits unkomprimiert die Kette für Tief- und Mittenbereich und anderseits die Kette für den Hochtonbereich, in der der nachfolgende Compressor I je nach Höhe des Threshold störende „S”-Laute glättet.

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Die zahlreichen mitgelieferten Patches stellen da sicherlich nur einen kleinen Einblick dar, sind aber äußerst nützliche Tools beim Musikmachen. Wir haben Ableton Live getestet!

Nach einer ausgedehnten Wartezeit von drei Jahren meldeten sich die Berliner Anfang des Jahres mit einem Major-Update von Ableton Live zurück. Nach einer weiteren Beta-Testphase kommen mit Version 9.1 nun weitere Verbesserungen ins Spiel, die weitaus mehr als nur ein paar Bug-Fixes darstellen. Vor allem bei der Integration von Abletons Controller Push und dem Dual-Monitor-Support hat sich etwas getan.

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Doch zum besseren Verständnis einiger 9.1- Features vorweg ein paar Worte zu Live 9 an sich. Bisher war Lives Browser folgenderma- ßen aufgeteilt: Live-Geräte, Plug-ins und drei Browser-Tabs, die den jeweils zuletzt gewählten Ordner anzeigten. Letztere Tabs sind nun komplett verschwunden. Stattdessen hat man das Material etwas spezifischer geordnet: Sounds, Drums, Instruments, die Live-internen Audio Effects und MIDI Effects, Max for Live, Plug-ins (hier findet man alle Drittanbieter), Clips und Samples.

Unter »Places« hingegen werden Packs, User-Library und weitere frei definierbare Ordner direkt aufgelistet. So lässt sich hier etwa eine externe Festplatte mit der eigenen Sample-Sammlung anmelden. In Live 8 erstellte Sets ließen sich problemlos öffnen, und alle Clips, Scenes und Sounds waren noch an Ort und Stelle. Auch Sampler-Instrumente griffen zuverlässig auf diverse Libraries zurück. Skeptische Nutzer finden den altbekannten Inhalt immer noch unter »Places«, wo extra die »Live 8 Library« angelegt ist.

Die überarbeitete Stichwortsuche, die nun schon ohne Bestätigen sofort nach Eingabe von ein paar Zeichen nach übereinstimmenden Dateinamen forscht, hilft beim schnellen Finden von Clips, Samples und Sounds. Da der Browser zweigeteilt ist, zeigt Live den relevanten Inhalt des jeweils gewählten Tabs in der rechten Spalte an. Wem das neue Farbschema nicht zusagt, kann das alte Design namens »Default 8« unter »Options« wieder aufrufen. In diesem Menü lässt sich nun sogar die Helligkeit und Farbtiefe stufenlos anpassen. Gut gefällt auch der frisch unter »Voreinstellungen / Look Feel« integrierte Bildschirm-Zoom, der den Inhalt des Live-Fensters zwischen 50 und 200 % frei skaliert.

Konnte man bisher nur mithilfe eines speziellen Max-for-Live-Patches Fenster – elemente auf mehrere Monitore verteilen, ist nun endlich eine waschechte MultiscreenUnterstützung direkt an Bord. Sobald man einen zweiten Monitor einsetzt, zeigt der erste Monitor Session-Ansicht, Mixer, Device Racks und Browser an, während der andere Arrangement und Clip-Editor beherbergt. Die Tab-Taste erfüllt dabei weiterhin ihren Dienst und tauscht nun lediglich den oberen Hauptteil der beiden Fenster aus. Außerdem ist der Transfer von Clips zwischen beiden Ansichten ohne Umwege möglich. Der Workflow lässt sich also stark beschleunigen, ohne dass das SOUND & RECORDING 12/13 ursprüngliche Einzelfenster-Konzept zerfällt. Das ist super, denn so kann man im Studio oder zu Hause komfortabel mit zwei Screens arbeiten, während man unterwegs oder bei Live-Gigs nur den Laptop im gewohnten One-Screen-Modus verwendet.

Automation

Auch hinsichtlich des Schreibens von Automationsdaten hat sich einiges getan. Bisher war dies nur in der linearen Arrangement-Ansicht möglich. Mit Live 9 kann man diese Steuerinformationen nun direkt in die Clips in der Session-Ansicht aufzeichnen. Die Kurven sind dann im Gerätemenü neben der Modulation zu sehen und werden bei einer Clip-Übertragung von einer Ansicht in die andere mitgenommen. Ab Version 9.1 ist nun auch die Automation »per Step« mit Push möglich.

Audioanalyse

Ein weiteres Feature, das man in ähnlicher Form etwa aus Cubase (»Audio-To-Midi«) kennt, beherrscht ab Version 9 auch Ableton Live, denn im Kontextmenü direkt unter dem Befehl »Auf neue MIDI-Spur slicen« findet man nun die drei Befehle »Convert Drums / Harmony / Melody to new MIDI Track«. Bei einfachen Drum-Loops klappt das hervorragend, sobald das Pattern aber mehrere Onsets gleichzeitig spielt − etwa ein komplexerer Breakbeat mit durchgehender Hi-Hat −, interpretiert Live leider etwas zu frei. Lange 808-Kicks werden doppelt notiert, und auch die Unterscheidung zwischen Snare und Kick stimmt nicht immer.

Ein großer Vorteil aber ist, dass auch Groove- und VelocityInformationen berücksichtigt werden, wodurch das Austauschen oder Layern von Drums sehr gut funktioniert − ohne zusätzliches Trigger-Plug-in. Die beiden anderen Algorithmen arbeiten mit ähnlicher Qualität. So verschluckt der monofone Algorithmus »Convert Melody« bei schnellen Arpeggios etwa von einer Akustik-Gitarre ein paar Noten, und PianoAkkorde werden durch die polyfone Analyse von »Convert Harmony« hier und da mit zusätzlichen Noten versehen. Nach ein paar Durchgängen entwickelt man jedoch schnell ein Gefühl dafür, mit welchem Material Live bestens zurecht kommt, ohne dass manuelle Korrekturarbeiten im Anschluss anfallen.

Max For Live

Beim Thema »Max for Live«, einer mächtigen Entwicklungsumgebung, die Cycling 74 extra für Ableton Live anpasste, spalten sich häufig noch die Gemüter. Während einige Live Nutzer große Berührungsängste zeigen oder dieses Add-On als zu »nerdy« verschreien, wächst die Fan-Gemeinde pausenlos und liefert stetigen Nachschub von sehr simplen, aber nützlichen bis hin zu absolut abgefahrenen Max-for-Live-Patches. Diese kann man zu jeder Zeit selbst öffnen, um Signalfluss und Parameter zu modifizieren oder fertig programmierte Module aus verschiedensten Anwendungen zu einem eigenen Patch zu kombinieren, wie ein Baukasten.

Man kann − muss aber nicht! Die direkte Integration von »Max« in Live 9 (vorher war Max for Live optional erhältlich) senkt auf jeden Fall die Hemmschwelle, ein paar der Plug-ins zumindest mal auszuprobieren. Ganz einfach per Drag&Drop wie bei anderen Live-Devices auch. Also keine Scheu! Das mitgelieferte »Max-for-Live Essential Pack« beinhaltet 29 Patches, genauer 13 Instrumente, sechs MIDI- und zehn Audio-Effekte. Und wer kann bei Faltungshall, Step-Sequencer oder Drum-Synthesizer schon nein sagen?

Push in the Box

Auch hinsichtlich der Integration des hauseigenen Controllers hat man nachgelegt. Die Einrichtung von Push erfolgt in Ableton Live automatisch, nicht mal eine Treiberinstallation ist notwendig − weder unter Windows noch auf dem Mac. Wenn Live 9 läuft, wird die Verbindung sofort durch den roten Rahmen in der Session-View bestätigt, wie man es schon von der APC-Serie her kannte, selbst bei einem »Hot-Plug«!

Diesen Rahmen kann man im SessionModus mit den vier Pfeiltasten rechts unten am Controller verschieben. Hier werden alle Clips im Live-Set auf den Pads repräsentiert − mit übereinstimmender Farbgebung. Natürlich lassen sich auch komplette Szenen starten. Dies übernehmen im diesem Modus die acht Scene/Grid-Buttons. Mit Version 9.1 führt Live automatisch ein Firmware-Update in Push durch, welches nach wenigen Augenblicken abgeschlossen ist. Von da an ist auch das neue Highlight verfügbar, der »Melodic Step-Sequencer« – eine äußerst willkommene Ergänzung zu den sehr ausgereiften Drum-Programming-Funktionen in Push. Nun kann man aber auch Melodien und sogar Akkorde (!) mit der mehrfarbigen Lauflichtanzeige eintippen.

Hält man eines oder mehrere Pads länger gedrückt, erscheinen im Display zwei Optionen: »Notes« und »Automation«. Im ersten Modus hat man durch die Encoder nicht nur Zugriff auf Velocity, sondern kann auch die Länge in Steps oder sehr exakt mit dem Fine-Parameter nachjustieren. Auch die Notenposition lässt sich per »Nudge«-Regler um ±25 % variieren, um dem Pattern zu mehr Groove zu verhelfen. Der zweite Modus zeigt die automatisierbaren Parameter aller Plug-ins im Kanalzug an. Für jeden Step sind also individuelle Einstellungen möglich − die Grenzfrequenz eines Filters, der Raumanteil oder das Mischungsverhältnis innerhalb eines Layer-Sounds kann man blitzschnell modulieren. Großartig!

Fazit

Der Programmstart von Ableton Live geht nach dem Update deutlich schneller vonstatten, und selbst im gesamten Beta-Test kam es zu keinem Absturz. Während der überarbeitete Browser und die neu vorgestellte Clip-Automation gut gelungen sind und die Arbeit erleichtern, eröffnen sich durch die direkte Integration von Max for Live vollständig neue Dimensionen, stellen doch allein die hier mitgelieferten Geräte einen unglaublichen Mehrwert für die Bereiche Komposition, Sounddesign und Mixing dar. Nicht zu vergessen die unendlichen Möglichkeiten, die Max for Live als Entwickler-Tool mitbringt und damit ein riesiges Potenzial für immer wieder neuartige Instrumente darstellt.

Die Lernkurve von Push ist anfangs relativ steil, nicht aufgrund des Konzepts, eher wegen der weitreichenden Anwendungsmöglichkeiten des Controllers. Ableton hat es brillant gelöst, einen klassischen Clip-und SzenenStarter mit Step-Sequencer, Drum-Pads und Keyboard zu vereinen. Durch den gut durchdachten Aufbau ist mausfreies Arbeiten zu weiten Teilen möglich. Ausnahmen stellen da nur bestimmte Prozesse dar, wie etwa das Laden von Drittanbieter-Plugs sowie Einstellungen von Audio-Routing oder das AudioEditing. Ansonsten fühlt sich Ableton Live in der Kombination mit Push an wie ein Musikinstrument und lässt sich sehr intuitiv handhaben − eine riesige Leistung des Herstellers.

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