Jubiläumsausgabe

Ableton Live 10 Suite: Software-Sequenzer im Test

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Für dieses Major-Update hat sich die Software-Schmiede Ableton mit knapp fünf Jahren deutlich mehr Zeit als sonst genommen. Es wird wohl nicht einfacher, Neues zu liefern und dabei den gewohnt simplen, intuitiven und leistungsstarken Workflow nicht zu verwässern.

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Dabei darf man den Berlinern keineswegs vorwerfen, sie würden sich auf ihren Lorbeeren ausruhen. Man tüftelt fleißig und stetig − somit bleiben auch die »Punkt«-Updates, etwa 9.5 oder 9.6, welche tolle Filter-Algorithmen, Slicing-Funktion in Simpler und wohlgemerkt »Link« hervorbrachten, bis heute in guter Erinnerung.

Erst Mitte 2017 gab es wieder einen größeren Knall, als Ableton den Software-Anbieter Cycling’74 übernahm. Es ist also nicht ganz verwunderlich, dass die modulare Programmierplattform »Max For Live«, welche bisher zusätzlich zu erwerben war, nun fester Bestandteil von Ableton Live 10 Suite ist.

GUI und Browser

Schon beim ersten Blick fällt die etwas klarer, und moderner gestaltete Bedienoberfläche auf. Konturen wirken etwas dünner und schärfer, die Farben schlichter. Wer jedoch am alten Design hängt, kann dieses über die »Preferences« zurückholen.

Eine sehr willkommene Neuerung ist im Browser zu finden. Neben »Categories« und »Places« gibt es einen dritten Bereich namens »Collections«. Hier lassen sich Samples, Plugins oder Presets in bis zu sieben Kategorien einordnen. Dazu führt man einfach einen Rechtsklick auf dem favorisierten Element aus und wählt eine der sieben Farben. Alternativ können selektierte Elemente sofort mit den Tasten [1] bis [7] der entsprechenden Sammlung hinzugefügt werden. Die eigens angelegten Collections lassen sich dann im Browser umbenennen, wodurch man beispielsweise seine bevorzugten Kick-Drums, Lead-Sounds oder Effektketten für Gesangsbearbeitung schnell zur Hand hat.

Weiter unten im Browser gibt’s auch im Abschnitt »Packs« eine Neuerung. Updates sowie verfügbare Packs werden nun direkt im Browser angezeigt und lassen sich mit nur einem Mausklick ohne Umwege herunterladen und installieren. So hat man stets einen sehr guten Überblick der vorhandenen Sound-Sammlungen.

An einem Vocal-Recording-Workshop interessiert? Hier gibt’s mehr Infos… 

Vocal Recording Workshop Aufmacher final(Bild: Matthias Zerres)

Arrangement und Audio-Editing

Beim Importieren von Audiomaterial in Ableton Live musste man sich je nach Spuranzahl entsprechend Zeit nehmen, um die Spuren aussagekräftig zu benennen. Denn sonst heißen sie dann etwa »Audio 01«, »Audio 02« usw. Besonders bei größeren Remix-Aufträgen dauerte das! Glücklicherweise übernimmt Live 10 nun automatisch die Dateinamen und sorgt damit für bessere Übersicht.

Das Schneiden von Audiomaterial direkt im Clip, so unkompliziert wie in Bitwig Studio, ist leider immer noch nicht möglich. Allerdings hat Ableton die allgemeine Handhabung mit Clips stark verbessert. So kann man mit gehaltener [Shift]-Taste den Clip per Timestretching kürzen oder verlängern. Hält man hingegen die [Alt]-Taste gedrückt, ist eine sehr genaue Selektion innerhalb des Clips möglich. Möchte man die Wellenform innerhalb des Clips verschieben und dabei die Clip- Grenzen beibehalten, erledigt man das mit gehaltenen [Shift]- und [Ctrl]-Tasten. Sehr praktisch!

Die [Links]- und [Rechts]-Tasten haben eine neue Funktion. In Live 9 setzte man mit diesen beiden Pfeilen den Playhead im Arrangement. Das klappt in Live 10 zwar immer noch, selektiert man jedoch einen Clip, kann man diesen nach links und rechts verschieben − bei gehaltener [Alt]-Taste sogar stufenlos.

In der unteren Statuszeile wird stets die exakte Position angegeben − ist der TimeRuler auf »fps« gestellt, sogar mit Angabe des Timecodes. Zwar funktioniert das »Nudging« per Frame somit schon besser, allerdings noch nicht perfekt, denn je nach Zoom-Stufe sind mal zwei, drei oder vier Schübe nötig, um den Clip auf dem nächsten Frame zu positionieren. Vielleicht kann Ableton hier demnächst noch nacharbeiten, um auch einen besseren Workflow im Videobereich zu gewährleisten.

All diese Feinheiten mögen vorerst weniger relevant erscheinen, erlauben aber nach kurzer Einarbeitung ein weitaus schnelleres und flexibleres Editieren. Super!

Es ist auch nicht mehr nötig, für einen Fade die Geräteauswahl umzuschalten, denn ab einer gewissen Spurhöhe sind die Knotenpunkte für Fade-Länge und Kurvenform stets griffbereit.

Des Weiteren hat Ableton ein paar neue Shortcuts auf Lager. Die Taste [S] klappt alle Spuren und Gruppen ein, während [Z] den Zoom auf die gegenwärtige Selektion im Arrangement setzt. Ein Druck auf [R] dreht den ausgewählten Audio-Clip per Reverse-Befehl um. Letztendlich blendet [A] die Automation für alle Spuren ein und aus. Dieser Funktion wurde sogar ein eigener Status-Button rechts oben im Fenster spendiert.

Apropos Automation: Beim Einzeichnen oder Bewegen der Knotenpunkte rasten diese automatisch auf dem aktuellen Raster ein. Um dies zu umgehen, nimmt man die [Alt]- Taste hinzu. Sehr nützlich … nur ist es etwas weniger elegant, dass alle der vier neuen Shortcuts auf Tasten liegen, die sich ebenfalls das »Computer MIDI Keyboard« zunutze macht. Besonders am Laptop ist es manchmal recht praktisch, Noten oder Drum-Patterns ohne einen externen Controller einzuspielen. Da man Shortcuts nicht, wie in Steinberg Cubase oder Cockos Reaper, selbst ändern kann, muss man das »Computer-MIDI-Keyboard« ab Version 10 erst mit der Taste [M] oder der dazugehörigen Statusanzeige links oben aktivieren bzw. deaktivieren.

MIDI

Auch in der MIDI-Domäne hat sich etwas getan. In erster Linie ist das »Multi-Clip-Editing« interessant. Bisher stellte der Noten-Editor immer nur den Clip-Inhalt des ausgewählten MIDI-Clips dar. Selektiert man nun mehrere (maximal acht) Clips gleichzeitig, etwa durch Halten der [Shift]-Taste, erscheinen die Noten aller Clips gleichzeitig im Editor. Dabei übernimmt Ableton die Clip-Farbe für die Noten, welche aktuell zu bearbeiten sind. Noten der anderen Clips werden währenddessen grau dargestellt – das kennt man in ähnlicher Form bereits von Steinberg Cubase oder Magix Sequoia. Durch diese neue Ansicht ist es sehr einfach, rhythmisches und harmonisches Verbesserungspotenzial, wie etwa beim Zusammenspiel von Bass und Synth-Akkorden, zu erkennen.

Die Dauer einer Note wird im MIDI-Protokoll allgemein durch zwei Befehle definiert: »Note On« zu Beginn und »Note Off« zum Ende. Was aber passiert, wenn der Sequenzer die Wiedergabe zwischen diesen beiden Befehlen startet, sprich inmitten eines Notenwertes? Ableton verschluckte diese Informationen bisher! Die meisten anderen Sequenzer haben diesen Sonderfall schon sehr lange über eine Funktion namens »Chase MIDI Notes« gelöst. Schön, dass dieses kleine, aber praktische Hilfsmittel nun auch im Ableton-Menü »Options« zu finden ist.

Diesen automatischen Rückblick führt Ableton mit »Capture« noch weiter. Sofern ein MIDI-Eingang auf Aufnahmebereitschaft bzw. »Monitoring« geschaltet ist, hört Live 10 ständig mit. Hat man mal vergessen, die Aufnahme zu starten, kann einen der Klick auf die Schaltfläche »Capture« in der Transportleiste retten. Denn so wird ein neuer Clip erzeugt, der die letzte Performance beinhaltet. Live spielt die letzten zwei Takte im Loop ab, alle vorherigen Noten sind jedoch im Clip vorhanden. Falls das Projekt noch keine anderen Clips beinhaltet und der Sequenzer gestoppt ist, versucht sich Live an einer automatischen Tempoerkennung im Bereich zwischen 80 und 150 BPM. Das alles klappt wirklich gut, nur stimmt der »Downbeat« nicht immer, wenn die Melodie einen Auftakt besitzt. Fast schon schade, dass diese »rückwirkende Aufnahme« nicht auch mit Audiosignalen funktioniert.


GUI, Workflow und Routing-Optionen wurden optimiert.


Klangerzeuger

Ableton beherrscht viele verschiedene Verfahren der Klangerzeugung. Neben der subtraktiven Synthese, Granularsynthese und Frequenzmodulation sind sogar einige Devices, die auf Physical Modeling zurückgreifen, mit am Start. Doch eine Art der Klanggestaltung war bisher unterrepräsentiert: die Wavetable-Synthese. Mit dem Update wird jedoch ein Instrument mit dem schlichten Namen »Wavetable« eingeführt. Das Konzept erinnert etwas an Serum von XFer, nicht nur weil zwei Oszillatoren mit einer ziemlich schicken Visualisierung der Wellenform als Ausgangsbasis dienen.

Das weitreichende Angebot von Wavetables ist in elf Kategorien unterteilt, z. B. Complex, Harmonics oder Noise. Über den Slider auf der rechten Seite der beiden Oszillatoren lässt sich die Position innerhalb der Wavetable ändern. Ist beispielsweise das Patch »AEIOU« aus der Kategorie »Formant« geladen, kann man mit dem Slider stufenlos zwischen den einzelnen Vokalen überblenden.

Wavetable vereint zwei Filter in einer übersichtlich gestalteten Sektion. Hier findet man die verschiedenen Filtertypen, welche bereits aus dem »Auto Filter« bekannt sind: OSR, MS2, SMP, usw.

Bisher liefert der Synthesizer schon ein sehr spannendes und intuitives Feature-Set. Noch interessanter wird es allerding in der Modulationsmatrix. Auf der horizontalen Achse sind alle Envelopes und LFOs sowie diverse MIDI-Parameter als Quellen aufgelistet. Die vertikale Achse hingegen repräsentiert die Modulationsziele. Die Zuweisung bzw. Verknüpfung in der Matrix ist sehr clever gelöst. Klickt man in der GUI auf einen beliebigen Parameter, beispielsweise auf den »Wave Position Slider« von Oszillator 2 oder die Sustain-Zeitkonstante in Envelope 3, erscheint eine neue Zeile in der Matrix. Mit gehaltener Maustaste kann man die Modulationsquelle für diesen Parameter auswählen und die Intensität entsprechend einstellen. Wählt man jedoch keine Quelle aus, wird die Zeile aktualisiert, sobald man einen anderen Parameter verändert. So bleibt die Modulationsmatrix, trotz maximaler Flexibilität, möglichst kompakt und übersichtlich.

Die Klangvielfalt von Wavetable ist erstaunlich hoch, und bereits die Presets überzeugen mit aggressiven Dubstep-Wobbles, breiten Pads und modernen Synth-Leads. Top!

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Effekte

Live besitzt schon lange ein umfangreiches Repertoire an Effekten. Natürlich haben es sich die Entwickler nicht nehmen lassen, auch bei diesem Update wieder tief in Trickkiste zu greifen. Mein persönlicher Favorit der Effektneuzugänge ist mit Abstand das »Echo«, ein Delay, das sich an analogen Klassikern wie dem Echoplex EP-34 oder Roland RE-201 orientiert. Während das in Ableton altbekannte »Simple Delay« oder »Ping Pong Delay« oft etwas steril klingt, ist das »Grain Delay« in vielen Fällen einfach zu abgefahren. Das neue »Echo« kommt mit seinem leicht dreckigen Touch also sehr gelegen.

Was hat Ableton hier anders gemacht? Klar, eine Filtersektion ist mit dabei, aber in erster Linie ist die zuschaltbare Sättigungsstufe zu erwähnen, welche das Eingangssignal verzerren kann. Zudem ist eine Sektion namens »Modulation« eingebaut, die eine Beeinflussung von Filterfrequenz und Verzögerungszeit der Delay-Rückwürfe via LFO erlaubt. Diese kleinen Finessen sorgen für eine sehr vielschichtige Ästhetik.

In einem weiteren Tab namens »Character« steht ein »Gate« bereit, welches das Eingangssignal abschneidet. Durch entsprechende Einstellungen von Threshold und Release lassen sich somit etwa nur die Transienten oder laute Passagen mit dem Effekt versehen.

Die gleichen Parameter stehen auch im Feld »Ducking« zur Verfügung, allerdings wird hier der Effekt je nach Stärke des Eingangssignals abgesenkt. Diese Funktion eignet sich bestens, um beispielsweise Lead-Vocals mit einem sehr starken und langen Delay zu versehen, welches jedoch nur in den Gesangspausen in den Vordergrund tritt.

Natürlich dürfen bei einem virtuellen Tape-Echo Funktionen wie Noise oder Wobble nicht fehlen. Diese sind in den unteren beiden Feldern zu finden und tragen einen großen Teil zum Vintage-Vibe bei. Beide lassen sich stufenlos beimischen und decken dank des Morph-Reglers verschiedene Klang-Charakteristika ab.

Das Device ist außerdem mit einem Reverb ausgestattet, den man an drei verschiedenen Positionen im Signalfluss einschleifen kann − vor oder nach dem Delay − und in der Feedback-Schaltung. Sehr schön! Obwohl hier alles nach Retro schreit, sind drei moderne Betriebsarten integriert: Stereo, Ping Pong und Mid/Side. Der Sound bettet sich wunderbar in den Mix ein, und von dezenter Stereobasisverbeiterung mit einzelnen kurzen Rückwürfen bis hin zu abgedrehten Dub-Echos und Chorus-Effekten ist mit diesem neuen Device alles möglich.

Nicht weniger erfreulich ist das neue Device »Drum Buss«, ein Dynamikwerkzeug für die Gruppenbearbeitung von Schlagzeug. Los geht’s hier mit einem Kompressor, der fix nach der Eingangsabsenkung verbaut ist und keinerlei Zugriff auf die Zeitkonstanten oder das Kompressionsverhältnis bietet. Mit schneller Attack und mittlerer Release erfüllt dieser Prozessor seine Aufgabe meist recht gut. Das Signal kann im Anschluss mit einer von drei Sättigungsstufen angezerrt werden: »Soft« (Waveshaping distortion), »Medium« (limiting distortion) und »Hard« (clipping distortion mit zusätzlichem Bass-Boost).


Effekte von Distortion bis Dub-Delay


Noch mehr Verzerrung, diesmal im oberen Frequenzbereich, übernimmt die mittlere Sektion mit dem Drehregler »Crunch«. Damit die Obertöne jedoch nicht durch die Decke schießen, ist hier eine Klangkorrektur, kurz »Damp«, nachgeschaltet. Mit diesen beiden Bedienelementen kann man wunderbar die Snare oder Hi-Hat innerhalb eines Drum-Loops herausarbeiten.

Lange hat man in Ableton Live auf ein Plug-in zur Hüllkurvenbearbeitung von perkussiven Sounds gewartet. Mit dem Drehregler »Transient« ist genau dies möglich. Positive Werte erhöhen sowohl die Attack- als auch die Sustain-Phase, was den Sound voller und dennoch knackiger gestaltet. Negative Werte hingegen führen ebenso zu mehr »Punch«, allerdings wird hier die Sustain-Phase gekürzt. Das eignet sich sehr gut, um beispielsweise zu langes Nachschwingen einer Snare Drum oder übertriebenen Raumanteil in Percussion zu bändigen.

Rechts ist ein »Low-End Enhancer« zu finden, bestehend aus zwei Drehreglern: Boom und Freq. Im Grunde handelt es sich hier um ein steilflankiges Hochpassfilter mit stark ausgeprägter Resonanz, das prinzipiell dem »Voice Of God« von Little Labs ähnelt. Ziemlich clever ist die dazugehörige Schaltfläche »Force To Note«. Beim Betätigen wird die Resonanzfrequenz des Filters auf die nächstliegende Note verschoben. Ist die Filterfrequenz beispielsweise auf 63,8 Hz gesetzt, wird diese durch die Funktion zu 65,4 Hz korrigiert, was der Note »C1« entspricht. Dadurch kann man sicherstellen, dass das betonte Fundament sich gut in den musikalischen Kontext einfügt − passend zur Grundtonart des Songs.

»Der Wavetable«-Synth, ein weiteres Syntheseverfahren in Ableton
Live: Mit zwei Oszillatoren und einer hervorragend gestalteten Modulationsmatrix
stehen Klangtüftlern viele Türen offen.

Um einer zu langen Abschwingphase im heiklen Tiefbassbereich entgegenzuwirken, haben die Programmierer an einen »Decay«-Regler gedacht. Eine visuelle Kontrolle der Bassbearbeitung sowie des Ausgangspegels schließen die GUI rechts ab.

»Drum Buss« vereint relativ viele Prozessoren unter einer Haube und klebt lose wirkende Elemente gekonnt zusammen. Jedoch ist es etwas schade, dass keine Änderung des Signalflusses möglich ist. Auch ein Bypass der einzelnen Sektionen wäre wünschenswert, denn Drum Buss greift bereits deutlich ins Geschehen ein, selbst wenn alle Regler auf Ausgangsposition stehen.

Beim kleinen Helferlein »Utility« kamen nützliche Funktionen hinzu. So wurde der Regelbereich des Parameters »Gain« auf −∞ bis +35 dB geändert. Zudem ist nun eine Schaltfläche namens »Bass Mono« vorhanden. Diese summiert Stereosignale unterhalb des variablen Frequenzbereichs zwischen 50 und 500 Hz. So lassen sich etwaige Phasenauslöschungen bzw. Färbungen im Bassbereich bei späterer Mono-Wiedergabe besser kontrollieren. Wie schon aus früheren Versionen bekannt, sind diese neuen Features nach Betätigen der Schaltfläche »Upgrade« verfügbar.

In diesem Zusammenhang sollte man das Thema »Abwärtskompatibilität« ansprechen. Projekte, die mit Live 10 erstellt oder nur einmal abgespeichert wurden, lassen sich nicht in Live 9 öffnen.

Integration von Push 2

Mit fast jedem Update von Live kamen auch neue Features für den hauseigenen Pad-Controller hinzu. Die vorhin erwähnte Funktion »Capture« ist selbstverständlich auch via Push abzurufen. Sobald der Button »Record« gehalten und »New« gedrückt ist, erstellt Live den neuen MIDI-Clip inklusive der zuvor eingefangenen Noten. Schön, dass auch die neuen »Collections« farblich markiert im Browser des Push-Displays erscheinen. So kann man ohne Blick zum Computer seine bevorzugten Presets, Effect-Racks und Packs per Controller laden.

Besonders imposant ist ohne Frage die Darstellung des Synthesizers »Wavetable« im Push-Display, da der Position-Slider optisch sehr stark mit dem klanglichen Resultat zusammenspielt. Auch »Echo« wird grafisch sehr hübsch umgesetzt.

Doch auch ältere Devices profitieren von der verbesserten Visualisierung. So wird beispielsweise im »EQ Eight« der Spektrum-Analyzer angezeigt, was eine Bearbeitung mit den einzelnen Filter-Bändern vereinfacht. Push stellt ebenfalls die Aktivität des Compressors über der eingehenden Wellenform dar. Da nun auch der Sidechain-Input direkt über den Controller ausgewählt werden kann, handelt es sich hier um weit mehr als nur ein Schmankerl für das Auge.

Nicht nur die Visualisierung, sondern auch der Workflow hinsichtlich Step-Sequencing, primär für das Programmieren von melodischen Phrasen, hat der Hersteller überarbeitet. In einem neuen Layout sind die 64 Pads von Push in zwei Hälften unterteilt. Auf den unteren 32 Pads kann man Noten live einspielen, während die oberen Pads den Step-Sequencer repräsentieren. Das heißt: Greift man einen Akkord, lässt sich dieser auf beliebigen Positionen im Clip einfügen − ganz einfach durch Drücken des entsprechenden Pads im oberen Bereich.

Die neue MIDI-Clip-View aktualisiert währenddessen alle eingespielten Noten im Display. So hat man einen guten Überblick, beim nachträglichen Ändern von Position, Anschlagsstärke oder Länge eines Steps. Dazu hält man einen Step auf dem Pad gedrückt und dreht den entsprechenden Encoder, um in den zu bearbeitenden Bereich hineinzuzoomen. Diese Editing-Methode funktioniert auch außerhalb des Step-Sequencers bei herkömmlichen MIDI-Clips. Eine feine Sache!

Fazit

Auch wenn Ableton immer noch auf ein echtes Comping-System oder eine Verwaltung von Playlists im Arrangement verzichtet, beschleunigen die Editing-Verbesserungen im Audiobereich den Workflow deutlich. Das gilt in der MIDI-Domäne genauso wie für das wunderbar umgesetzte Multi-Clip-Editing.

Die neuen Devices wie »Drum Buss« oder »Echo« bereichern das ohnehin schon großzügige Angebot von Effekten und liefern im Handumdrehen brillante Ergebnisse. Mit »Wavetable« hat der Hersteller allerdings einen Volltreffer gelandet: GUI, Klangvielfalt und Bedienung erhalten hier die volle Punktzahl. Zusammen mit den vielen kleinen Nachbesserungen, allen voran die Überarbeitung der Gruppenspuren, ist Live 10 Suite eine sehr gelungene DAW für Studio- und Bühnenbetrieb.

 

+++ Drum Buss, Echo

+++ Synthesizer »Wavetable«

+++ überarbeitete Gruppenspuren

+ Verbesserung von Audio- und MIDI-Editing

– – Projekte nicht abwärtskompatibel

Hersteller: Ableton
Download-Preis: 599,− Euro
www.ableton.com

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