Steuerzentrale

Loupedeck CT – USB-Controller im Test

Loupedeck ist ein relativ junges Unternehmen aus Finnland, das momentan nur zwei Produkte im Repertoire hat. »Creative Tool« (CT) nennt sich eines davon, und es macht mit seinem modernen Konzept und Design ziemlich neugierig.

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Kreativschaffende, die mit Photoshop, Lightroom oder Final Cut arbeiten, kennen Loupedeck CT vielleicht schon. Der Controller ließ sich bereits in einige Grafik- und Videoprogramme erfolgreich integrieren. Der Schwerpunkt liegt auf der Optimierung des Workflows – durch eine clever organisierte und individuell anpassbare Bedienoberfläche.

Auf den ersten Blick wirkt das Gerät wie eine futuristische Version von einem P.I. Engineering »X-Keys« oder Elgato »Stream Deck«, jetzt mit schicker Avid-Optik. Das vollkommen schwarze Chassis mit Maßen von 150 x 160 x 24 mm (B x T x H) bringt ein Gewicht von knapp 350 Gramm auf die Waage. Die Deckplatte besteht aus Aluminium, der Boden hingegen ist aus Kunststoff und besitzt vier kleine Gummipuffer zum stabilen Einsatz auf dem Desktop. Links und rechts sind je drei gerasterte Push-Encoder eingelassen. Ein Gitter zwischen den Encodern unterteilt den Bereich in 14 kleine Touchscreens. Sehr prominent erscheint das Jog-Wheel mit einem Durchmesser von 52 mm. Das drehbare Aluminiumrad fasst wiederum ein rundes Touchscreen ein. Zusätzliche 20 Buttons, mit mehrfarbigen LEDs hinterlegt, füllen den Rest der Oberfläche. Verarbeitung und Haptik sind durchgehend erstklassig.

Die Rückseite wird lediglich von einer USB-C-Buchse geziert. Das Gerät arbeitet also »Bus-Powered«. Alternativ kann hier auch eine Powerbank o. Ä. als Stromversorgung dienen – in diesem Fall erfolgt laut Hersteller die Datenverbindung zukünftig über die bereits integrierte Bluetooth-Schnittstelle. Zum Lieferumfang gehört außerdem ein gedruckter Quick-Start-Guide und ein mit Nylongeflecht ummanteltes USB-Kabel.

In der Loupedeck-Software lassen sich verschiedene Workspaces verwalten, hier für Ableton Live.

Setup

Der Controller wird ab Windows 10 und Mac OS X 10.3 unterstützt. Für die Nutzung muss man allerdings die aktuelle »Loupedeck Software« für das jeweilige Betriebssystem von der Hersteller-Website herunterladen. Wird das Kabel nach der Installation angesteckt, leuchten die Screens bereits auf, und im Jog-Wheel erscheint die Systemuhrzeit. Nice! So kann man schon mal im Web-Browser, in Spotify oder sogar im Textverarbeitungsprogramm navigieren. Auch Bildschirmhelligkeit oder Systemlautstärke lassen sich regeln.

Beim ersten Anschließen an den Rechner kommt noch ein weiteres interessantes Feature zum Vorschein. Das Loupedeck ist mit einem internen Speicher von 8 GB ausgestattet, der vorerst unter dem Namen »LD_Drive« im System erscheint.

Software / Editor

Die »Loupedeck Software« ist jedoch nicht nur für den laufenden Betrieb nötig, sondern birgt auch einen Editor, der mehrere Workspaces verwalten kann. Der Editor ist derartig umfangreich, dass ein Blick ins Handbuch keineswegs schadet. Der Hersteller versucht, die Struktur durch verschiedene Farben so übersichtlich wie möglich zu gestalten. Begriffe wie Workspace (grün), Page (blau), Action (lila), allgemein (weiß) und Benachrichtigungen (rot) müssen erst einmal verstanden werden. Nach etwas Einarbeitungszeit ist es jedoch sehr leicht, ein eigenes Setup zu bauen.

Neben zahlreichen Video- und Grafikprogrammen wird unter »Application« leider nur Ableton Live aufgelistet.

Die Zuweisung einer Aktion zu einem Bedienelement erfolgt ganz einfach per Drag&Drop. So kann man verschiedenste Funktionen auf separaten Seiten organisieren. Auch Mehrfachbelegungen sind dank Options-Tasten erlaubt. Aktionen sind in zwei Kategorien unterteilt: »Rotation« oder »Press«, und das für jeden Encoder und Workspace.

Auch gibt es sogenannte »User Actions«, mit denen sich Tastaturkombinationen »aufnehmen« lassen. Diese kann man wiederum innerhalb einer Gruppe zusammenfassen, wodurch individuelle Makros konfigurierbar sind. Zum Glück kann man das Profil nach getaner Arbeit auch abspeichern, sinnigerweise auf dem internen Flash-Speicher.

In den Einstellungen kann man den Flash Drive und die Vibrations-Rückmeldung ggf. deaktivieren. Die Bluetooth-Unterstützung war zum Zeitpunkt des Tests noch nicht verfügbar. Hier lassen sich auch Profile importieren und exportieren.

Der Controller in der DAW

Ein hochflexibles System, wie wir gesehen haben. Insofern ist es etwas schade, dass momentan nur für Ableton Live ein vorgefertigter Workspace zur Verfügung steht. Ein großes Fragezeichen wandert durch den Raum, warum keine Kommunikation mit Cubase, StudioOne oder Samplitude angeboten wird – allein schon wegen des tollen Jog-Wheels, das sich bestens für Timecode-Arbeiten, Spot-Editing oder Scrubbing eignen würde. Vermutlich liegt es daran, dass Loupedeck keinerlei Steuerungsprotokolle wie beispielsweise Mackie HUI, Eucon oder gar MIDI versteht. Dass der Controller in Ableton Live so wunderbar funktioniert, hat man eher dem entsprechenden Skript zu verdanken.

Nun gut, die Einrichtung in Live ist simpel. Loupedeck CT wird dort einfach als Fernbedienungsgerät ausgewählt, und schon kann es losgehen. Der Workspace zeigt auf der ersten Page Werkzeuge für das Editieren an, also Schaltflächen zum Kopieren, Einfügen oder Duplizieren von Clips. Page 7 hingegen listet auf den rechteckigen Touch-Segmenten diverse Funktionen zum Ein- und Ausblenden von Mixer, Sends, Returns oder dem Browser. Die verschiedenen Pages werden entweder mithilfe der acht runden Buttons in der Mitte des Gerätes aufgerufen, oder man kann auf dem Gitter nach links und rechts »swipen«, wie von Tablets her bekannt.

Das Navigieren in der Arrangement- und Session-Ansicht ist ebenfalls möglich. Zum einen sind die vier Buttons mit den Pfeiltasten so vorkonfiguriert, dass man elegant Spuren und Clip-Slots auswählen kann. Zum anderen können auch die Encoder, je nach aufgerufener Page, Spuren auswählen oder Bereiche selektieren.

Das Jog-Wheel übernimmt ebenso diverse Aufgaben. Je nach Modus, wird in Ableton vertikal oder horizontal gezoomt, das Taktraster geändert oder in den aktuellen Fensterbereichen navigiert. Da das Innere des Jog-Wheels auch ein Touchscreen beherbergt, erscheinen hier beispielsweise die Transport-Funktionen »Play«, »Stop«, »Rec« oder es zeigt Informationen, wie den Namen der aktuell selektierten Szene. Zudem hat man hier direkten Zugriff auf den Browser und kann Instrumente und Presets laden.

Auf der Page »Mixer Control« kümmern sich die Encoder um den Lautstärken- und Panoramaregler des selektierten Kanalzuges. Außerdem hat man hier direkten Zugriff auf den Master-Fader sowie den Cue-Ausgang.

Wie bei den meisten Controllern, die für Ableton Live konzipiert wurden, gibt es auch bei Loupedeck eine Ansicht namens »Clip-Launch«. Im Touchscreen-Gitter erscheinen alle Clips, die sich gerade im Fokus der Session View befinden und die sich durch Antippen starten und stoppen lassen. Es wäre jedoch hilfreich gewesen, auch die farbige Codierung der Clips aus Session-View zu übernehmen. Momentan erscheinen alle Clips im gleichen Violett. Im »Device Mode« wählt man per Jog-Wheel eines der Devices im Kanal aus. Automatisch werden alle schaltbaren Parameter auf dem Touch-Gitter gespiegelt. Im Beispiel des »Compressor« also etwa »Auto«, »Look Ahead« oder »Device On«.

Die Kommunikation verläuft einwandfrei, nur geben die Touch-Buttons keinerlei optische Rückmeldung, in welchen Zustand sich ein Schalter in Ableton Live befindet – die Buttons erscheinen auch hier stets im gleichen Violett.

Ähnlich ist das bei den Encodern. Dreht man zum Beispiel an der »Attack«, ist nirgends ersichtlich, auf welchem Zeitwert sich der Parameter aktuell befindet – außer man blickt wieder auf den Computer-Bildschirm. Zum Schreiben von Automationen, gerade wenn mehr als nur ein Parameter fahren möchte, eignen sich die Encoder allerdings sehr gut.

Hat man sich einmal in den Pages verlaufen, genügt ein Druck auf den Button mit dem grünen Kreissymbol. So gelangt man wieder auf die erste Page namens »Home«, die alle verfügbaren Ansichten anzeigt.

Wenn CT den Fokus momentan nur auf Ableton Live legt, hätte man sich noch ein paar Extra-Features gewünscht, etwa einen Step Sequencer oder eine Ansicht zum Triggern von Drum Pads. Ende Januar veröffentlichte der Hersteller allerdings über die hauseigene »Developer Platform « ein »SDK« . Vermutlich dauert es nicht mehr lange, bis ambitionierte Entwickler auch im Audiobereich das hohe Potenzial des schwarzen Kistchens voll auskosten. Wir sind gespannt!

Fazit

Im Gegensatz zu den meisten DAW-Controllern läuft bei Loupedeck CT ohne die Loupedeck-Software im Hintergrund nichts. Diese beinhaltet einen erstklassigen und vielseitigen Editor, der individuelle Setups erlaubt. Qualitativ und konzeptionell ist die Hardware den etwas höheren Preis auf jeden Fall wert, allerdings ist das riesige Potenzial der Software/Firmware momentan noch nicht ausgeschöpft. Insbesondere professionelle DAWs wie Steinberg Nuendo, Avid Pro Tools oder Apple Logic würden von der hervorragenden Performance des Loupedeck profitieren – wenn es denn nur die entsprechenden Protokolle, Presets oder Skripte geben würde. Bis dahin muss jeder für sich selbst entscheiden, ob Loupedeck CT als Controller für Ableton Live die richtige Wahl ist. Live besitzt im Vergleich zu anderen DAWs ein relativ übersichtliches Set an Shortcuts. Wer diese Tastaturkurzbefehle bereits verinnerlicht hat, wird mit der Maus unter Umständen schneller sein.


Hersteller: Loupedeck
Straßenpreis: ca. 500,- Euro
Internet: loupedeck.com

Unsere Meinung:
+++ sehr gute Verarbeitung und Haptik
+++ Editor-Software ermöglicht höchst individuelle Konfigurationen
+++ Integration in Ableton Live
–– momentan keine native Unterstützung für andere DAWs
– kein MIDI, Mackie HUI und Eucon

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