Spielerei oder sinnvoll?

Apple Logic Remote − Kontrolle für Apple Logic Pro

Apple-Logic-Remote

Mit dem iPhone seine DAW zu steuern ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Dennoch erwies es sich vor allem in großen Sessions, die jenseits der 40 Spuren liegen, als eher unpraktisch. Aber wie sieht es mit dem iPad Air 2 oder dem erst kürzlich veröffentlichten iPad Pro aus? Ein Apple-Device in dieser Größe könnte im alltäglichen Mixing-Prozess tatsächlich eine Alternative zu DAW-Controllern darstellen. Ich habe mir mal den Workflow mit diesen beiden iPads und dem iPhone 6 angeschaut.

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Mit dem 12,9 Zoll großen Bildschirm des iPad Pro legt Apple nochmal eine Schippe drauf. Die Diagonale entspricht hier 32,78 cm. Endlich kommen wir in einen Bereich, in dem solche Apps wie Logic Remote wirklich Sinn machen. Man muss jetzt nicht mehr mit der Lupe nach den Funktionen suchen, denn die Objekte werden in einer vernünftigen Größe angezeigt. Täusche ich mich, oder können iPads in Zukunft wirklich den DAW-Controller ersetzen? Dieser Frage möchte ich im Folgenden auf den Grund gehen.

In der Praxis 

Das Verbinden des iPads mit dem MacBook Pro geht sehr einfach. Ich starte eine Session in Logic Pro X und öffne auf dem Tablet Logic Remote. Auf dem Bildschirm taucht direkt ein Fenster auf, in dem ich das iPad mit meinem MacBook Pro verbinden kann. Klappt sogar! Bei späteren Tests ist mir allerdings aufgefallen, dass die Qualität der Verbindung stark abhängig vom WLAN-Empfang ist. Bei einer geringen Signalstärke bricht die Verbindung öfter auch mal ab.

Es können sogar mehrere Devices simultan verbunden werden. Ich hab es einfach mal probiert, und es klappt. Ich kann tatsächlich mit iPhone, iPad Air 2 und iPad Pro gleichzeitig in Logic Pro X arbeiten. Für welchen Zweck das Sinn macht, weiß ich an dieser Stelle allerdings noch nicht.

Kleiner Tipp: Bildschirmsperre deaktivieren, sonst muss man sich immer wieder neu mit Logic Pro X verbinden.

Der Mixer 

Ich habe in Logic Pro X einmal 24 Spuren angelegt, um zu sehen, wie sich eine etwas grö- ßere Session handeln lässt. Im Mixer werden auf dem iPad Air neun Spuren inklusive Master-Fader im Display angezeigt, beim iPad Pro sind es 12, und auf dem iPhone 6 sind es nur zwei. Lautstärke und Pannings können auf beiden iPads über die gleiche Ansicht im Mi – xer geregelt werden. Auf dem iPad Air 2 wirkt diese Ansicht allerdings etwas gestaucht, deshalb gibt es dort auch eine separate Darstellung, wo nur die Fader zu sehen sind. Sieht etwas aufgeräumter aus, funktioniert aber beides.

Beide iPads können eine Beschriftung von elf Zeichen pro Kanal darstellen. Eine möglicht sinnvolle Benennung sowie eine strukturierte Farbgebung der einzelnen Kanäle sind also sehr wichtig, um sich hier zurechtzufinden!

Die Steuerung der Fader fühlt sich gut an, wobei das Regeln der Fader fast latenzfrei läuft. Die Controller reagieren ab und an etwas verzögert, aber ich merke auch, dass ich den Fader nicht immer direkt mit meinem Finger erwische − liegt vielleicht auch an meinen dicken Fingern. Aber kein Problem, denn wenn ich ihn nicht richtig treffe und verschiebe, springt er zur Ursprungsposition zurück, und ich habe die Session nicht zerstört. Bei der Darstellung der Fader auf dem iPad Pro sollte die Treffgenauigkeit kein Problem sein. Das ist mit dem iPhone schon etwas fummeliger. Ist aber alles Gewöhnungssache. Die Drehregler sind dagegen tatsächlich nicht ganz so User-freundlich. Hier dauert es, bis man den richtigen Dreh raus hat.

Was ich in der App vermisse, ist das Track-Arrangement mit den einzelnen Spuren und Clips. Super ist dagegen die Shortcut-Übersicht, die die wichtigsten Kürzel auf dem iPad anzeigt. Je nach Anwendung kann man die Ansicht anpassen, und nun zeigt sich auch, dass es durchaus Sinn machen kann, mehrere Devices gleichzeitig am Start zu haben: Mit dem einen iPad die Short-Cuts anzeigen lassen, mit dem anderen Device mischen, während man die Arrangement- Ansicht vor sich auf dem Mac hat. Zugegeben eine vielleicht etwas dekadente Anwendung, aber schön wär’s schon, oder?

In der Sound&Recording-Ausgabe 05/16 findet ihr ein iOS-Songwriting-Special


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Sound&Recording Ausgabe 05/16

Songwriting Special

Diese Ausgabe widmet sich dem Thema Songwriting per App! Wir stellen euch iOS-Tools vor, die eure Kreativität beim Songwriting unterstützen und zeigen euch iOS-Hardware die umfangreiche, mobile Recording-Lösungen anbieten, wie Motive von Shure, die Lurssen Mastering Console und Lightning-Interfaces und –Mikrofone sowie Software. Eine Band die weiß wie man Songs schreibt sind AnnenMayKantereit. Mit ihrem Debüt-Album „Alles nix Konkretes“, das von Moses Schneider produziert wurde, schafften die Kölner-Jungs auf Anhieb den Sprung auf die #1 der deutschen Single Charts. Den Studio-Report findet ihr im Heft. Außerdem waren wir in Chino, USA in der Edel-Maufaktur bei Manley Labs zu Gast. Den dort hergestellten Channelstrip Manley Core haben wir für euch im Test. Für die Mixpraxis spricht Illangelo Montagnese über die Produktion mit The Weeknd und in De/Constructed zerlegt Henning Verlage King Kunta von Kendrick Lamar.

Getestet haben wir das Roli Seaboard Rise 25, das „Volksbändchen“ sE Electronics X1R und in Love The Machines gibt´s den Klassiker Roland JP-8000.

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Recording und Mixing

Für Recording und Mixing findet man die Standard-Buttons, die man aus den Transportfenstern der gängigen DAWs kennt: Klick, Circle-Mode, Record, Play und Stop. In jedem Kanal sind auch Automation, Solo, Record Ready und Mute integriert. Die Ansicht kann über vier Felder auf der rechten Seite ausgewählt werden, je nachdem, ob gerade die IOs, die Sends oder der Mixer angezeigt werden sollen. In Letzterem können auch Plug-ins ge- öffnet und der Klang bearbeitet werden. Sogar meine UAD Plug-ins lassen sich über Logic Remote ohne Weiteres laden und speichern.

Nach einem Klick auf den Transport-Manager in der Mitte am oberen Rand erscheint als Dropdown die Timeline des Arrangements. Durch ein Scrollen nach links oder rechts findet man recht gut die richtige Stelle. Eine optische Orientierung ist aufgrund der fehlenden Arrangement-Ansicht nicht möglich − es sei denn, man setzt sich Marker. Die werden nämlich in der Timeline angezeigt. Marker und Loop-Bereiche können auch über die App festgelegt werden. Das erinnert mich an früher, als ich mit einem kleinen Tape-Recorder aufgenommen habe und immer hören musste, ob ich an der richtigen Stelle bin.

MIDI-Aufnahmen sind auch kein Problem mit Logic Remote. Über den Schraubenschlüssel oben rechts auf dem Pad können Audiound MIDI-Spuren für Software-Instrumente hinzugefügt werden. Einfach das gewünschte Software-Instrument im IO-Reiter auswählen, laden und los geht’s.

Beim Rumprobieren fällt mir übrigens gerade auf, dass ich bereits eine ganze Weile in der DAW arbeite, ohne die Tastatur des Rechners zu benutzen.


Fünf verschiedene Ansichten stehen im iPad Pro zur Verfügung, um Plug-ins, Effekte, Software-Instrumente, Sends, Lautstärke und Pannings bearbeiten zu können. Diese Trennung sorgt für eine aufgeräumte und übersichtliche Darstellung. Die Ansicht kann am rechten Rand über die fünf Tasten I/O, MIDI FX, AUDIO FX, SENDS sowie PAN & LAUTSTÄRKE selektiert werden.


Das iPad als Musikinstrument

Als Touch-Oberfläche stehen zum Musizieren Keys, Gitarrrengriffbrett und Drum-Pads zur Verfügung. Bassisten gehen leider leer aus … Die Tastaturen sind natürlich alle nichts für Fusion-Jazzer. Aber dennoch reicht es, um mal eben ein paar Pads, eine Bass-Spur oder dezente Leads einzuspielen. Durch Sliden über die Klaviatur, ohne jeden einzelnen Ton anzuschlagen, entstehen coole Sounds und vor allem krasse Automationen, die man den unterschiedlichsten Parametern zuweisen kann.

Mit verschiedenen Short-Cuts können zusätzliche Befehle abgefeuert werden. Doppel-Touch auf ein Pad heißt beispielsweise: Note Repeat.

Der Spaßfaktor ist wirklich hoch, vor allem mit Alchemy. Die Eingliederung des früheren Camel Audio Synth war definitiv eine gute Entscheidung. Damit lässt sich in Logic Remote über das iPad ein kompletter Song erstellen.

Fazit 

Bislang stand ich den Smartphone- oder Tablet-Remotes eher skeptisch gegenüber, aber das Arbeiten mit Logic Remote macht wirklich Spaß. Logic Remote kann einen DAW-Controller in der Regie nicht ersetzen, bietet aber die Möglichkeit, seine Arbeits – umgebung sinnvoll zu erweitern − insbesondere natürlich dann, wenn man eben genau einen Hardware-Controller gar nicht braucht.

Ich habe es beispielsweise beim Song – writing zu Hause genutzt. Während ich an meinem E-Piano saß, konnte ich das iPad in die Notenhalterung stellen und die Aufnahme bequem von dort starten, stoppen und, wenn nötig, auch mal einen Take wiederholen. Vorher gab es hier immer das Platzproblem und die Frage: Wo stelle ich mein MacBook hin, und wie bediene ich über dessen Touch-Pad noch die DAW. Und wie mache ich das mit den Kabeln und dem Audio-Interface? Das funktioniert jetzt mit dem iPad trotz fehlender Ansicht des Arrangements sehr gut.

Ich bin jemand, der ständig zwischen der Mix- und Arrangement-Ansicht hin und her switcht. Ich mag einfach den geteilten Bildschirm nicht und habe lieber alles übersichtlich auf einen Blick. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, in Zukunft mein iPad daneben zu stellen, um mir dort die Fader für Lautstärke und Pannings etc. anzeigen zu lassen.

Mit Apple Logic Remote ist man auch flexibel und kann sich im Raum bewegen und von verschiedenen Positionen im Raum abhö – ren. Änderungen im Mix können direkt ausgeführt und gegengehört werden. Ein lästiges Hin- und Her-Gerenne ist somit Geschichte. Auch um Automationen zu schreiben, finde ich Logic Remote super. Es ist doch irgendwie was anderes, einen Fader statt der Maus zu bewegen, wenn auch nur virtuell.

So ein iPad Pro in einer coolen Halterung in meiner Heimregie wäre natürlich deluxe! Aber dafür knapp 900,− Euro ausgeben? Dann könnte man sich schon fast einen Slate Raven MTi 2 zulegen (dessen Testbericht findet ihr auf unserer Website).

Ich bin mir sicher, dass künftig mein iPad Air 2 beim Songwriting oder auch beim Mischen neben mir stehen wird. Ich hätte mir allerdings nie für nur diesen einen Zweck ein iPad gekauft. Aber gut, das iPad kann ja noch mehr als nur Logic Remote.


Die Remote-App kann vieles, was der Rechner in dieser Form nicht anbietet.


++ einfache Bedienung
+ Spaßfaktor
+ vielfältiger Controller

– Stromverbrauch
– Verbindung abhängig von der Qualität des WLAN

Apple Logic Remote
Hersteller/Vertrieb
Apple

UvP/Straßenpreis
kostenlos

www.apple.com

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