(Er)kenne den Unterschied

Neuigkeiten und Empfehlungen zum Apple M1

Der Umstieg zum neuen Apple Silicon (M1) nimmt auch im Bereich der Musik-Produktion an Fahrt auf. Zwar fehlen bisher noch die wirklich professionellen Macs von Apple, aber läuft alles nach Plan, sollen diese bald erscheinen. Die bereits jetzt erhältlichen neuen M1-Rechner erfreuen sich aber schon großer Beliebtheit bei den Tonschaffenden, auch wenn die DAWs noch nicht alle für den M1 angepasst sind.

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Doch gerade auf dem Plug-in-Markt haben einige teilweise kleine Hersteller besonders schnell ihre Produkte an die ARM-Architektur angepasst. Dabei ist es wichtig zu achten, was die Hersteller genau angeben: „Big Sur-kompatibel“ vs. „Apple-Silicon kompatibel“ vs. „nativ für den Apple Silicon“

Eine Kompatibilität zu Big Sur heißt erst mal nur, dass diese Software auf Intel-Macs mit installiertem Big Sur läuft. Dies sollte mittlerweile der Großteil der Audiosoftware sein.

Auch M1-kompatible Software nutzt noch nicht die volle Leistung des neuen Chips, denn sie läuft vorerst nur unter Rosetta 2 (Apples ins System eingebauter ARM-Übersetzer) und wurde dadurch nur notdürftig zum M1 kompatibel gemacht. Das kann zwar in vielen Fällen schon ganz ordentlich laufen, ist aber nur ein Zwischenschritt, bis die Software nativ auf dem Apple Silicon läuft.


Weitere Infos zum Apple M1:

Apple M1 – So läuft der Wechsel von Intel-Prozessoren zu Apple Silicon

Apple M1-Prozessor: So reagieren Hersteller von Audio-Software auf den Umstieg


Native Unterstützung:

Erst wenn eine Software oder ein Plug-in nativ (das heißt ohne „Zwischenübersetzer“) den Apple Silicon unterstützt, wird die ganze Performance der neuen Macs ausgenutzt.

Wichtig in diesem Zusammenhang:

Erst wenn die gesamte Audio-Software (also Plug-in und DAW/Host-Software) „nativ“ auf dem Apple Silicon läuft, funktioniert das Ganze reibungslos. Vorher bleibt nur der Umweg über Rosetta für alle beteiligen Softwarekomponenten, auch wenn einige schon nativ laufen würden!

Verwirrende Namensgebung entschlüsselt:

Bei den Angaben kommen immer wieder die selben Begriffe zu Einsatz, aber was bedeuten sie? Die neue Prozessorgeneration von Apple basiert auf der ARM-Architektur und Apple nennt ihre eigenen Prozessoren „Apple Silicon“. Alle „Apple Silicon“-Prozessoren sind also ARM-Prozessoren, aber  nicht alle ARM-Prozessoren sind „Apple Silicon“.

Der Name „M1“ bezeichnet wiederum die Baureihe des „Apple Silicon“. Bisher gibt es nur den M1, der in allen neuen Geräten (mit kleinen Unterschieden) identisch ist.

Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Apple in Zukunft Weiterentwicklungen herausbringt, die dann M1x oder M2 heißen. Das kennt man schon von iPhone mit den Prozessoren A11, A12, A13, ….

Wichtig ist aber, dass eine nativ laufende Software nicht jedes Mal wieder neu angepasst werden muss. Der große Umstieg auf die neue Plattform ist also für viele Entwickler bereits geschafft! Wir wollen Euch deswegen hier immer wieder interessante Software vorstellen, die bereits nativ für Apple Silicon erhältlich ist. Damit könnt ihr alles aus euren neuen Macs herausholen!


Update 19.10.2021: UVI (Falcon 2.5) / Modartt (Pianoteq 7) / Sugar Bytes / Valhalla DSP

Es wird fleißig weiter an toller neuer Software und Updates mit nativer Unterstützung für den Apple Silicon gearbeitet. Für alle Nutzer eines aktuellen M1 Macs haben wir wieder ein paar Empfehlungen zusammen gestellt, und für alle anderen ist die Software ja abwärtskompatibel.

Modartt (Pianoteq 7)

Aus unerfindlichen Gründen ist mir Pianoteq bisher unbekannt gewesen, und das, obwohl ich ein großer Liebhaber virtueller Pianos bin. Umso mehr hab ich mich gefreut, dass ich im Rahmen der Recherche auf diese Software von Modartt gestoßen bin, das aktuell in der Version 7.4 erhältlich ist und bereits nativ auf dem M1 läuft.
Bei virtuellen Klavierklängen greife ich sonst oft zu gesampelten Instrumenten, von denen es beispielsweise von Spitfire Audio, Native Instruments, Audio Brewers und VSL hervorragende Produkte gibt. Doch Samples verbrauchen viel Platz auf der SSD: VSL hat es z. B. mit deren sechs sehr detailliert gesampelten Pianos auf rund 1,2 TB an Daten gebracht.
Mit gerade einmal 50 MB für die Standalone-Variante ist Pianoteq 7 selbst in der größten Version mit weit mehr als 40 Instrumenten deutlich platzsparender. Das liegt an der Klangerzeugung, die nicht auf Samples basiert, sondern auf detailgetreuen, virtuellen Computermodellen, bei denen jeder angespielte Ton in Echtzeit komplett errechnet wird. Dabei werden alle relevanten physikalischen und akustischen Parameter des gewählten Instruments nachgebildet – und das so genau, dass Modartt sogar eine offizielle Autorisierung z. B. von Steinway & Sons oder Blüthner für seine Modelle bekommen hat. Das Ergebnis ist eine praktisch perfekte Nachbildung eines sonst für Normalsterbliche unerschwinglichen Flügels oder eines der fragilen historischen Instrumente.

Pianoteq 7 gibt es in drei Versionen: Stage, Standard und Pro. Sie unterscheiden sich z. B. in den Möglichkeiten, mit denen man die virtuellen Modelle (und damit den Klang) modifizieren und anpassen kann. Die Detailtreue und die Klangqualität der Engine unterscheiden sich hingegen glücklicherweise nicht. Allerdings ist die Anzahl der mitgelieferten Instrumenten-Modelle unterschiedlich: Je nach Version wählt man zwischen zwei und vier Pakete aus einer wachsenden Auswahl von momentan über 20 Instrumentengruppen mit jeweils vielen Presets. Dabei gibt es neben klassischen und historischen Klavieren und Flügeln aus den letzten fünf Jahrhunderten auch Harfen, elektrische Pianos und sogar eine Steeldrum.

Eine Neuerung der Version 7 ist neben der tollen Möglichkeit, Felt-Pianos zu modellieren, auch die Option, mehrere Instrumente ineinander zu morphen, was zu sehr real klingenden Fantasieinstrumenten und Klangexperimenten führt. So kann z. B. ein Flügel von Steinway entstehen, der gleichzeitig auch ein Xylofon ist! Das mit klassischen Samples so nicht möglich.
Ein „normales“ Layering mehrerer Presets geht natürlich auch. Wer Sorge hat, ein ideal nachgebildetes Klavier könnte zu steril klingen, kann jederzeit den Zustand des Instruments per Schieberegler von hervorragend („mint“) stufenlos auf katastrophal („worn”) stellen oder das Tuning aller oder auch nur einzelner Klaviersaiten verändern – und das (wie alle Parameter des Plug-ins) auch per Automation in der DAW steuern.

Beim Anpassen der Instrumente lernt man nebenbei, wie welche Bauteile und Parameter den Klang bestimmen und wie unterschiedlich sich die einzelnen Instrumentenbauer im direkten Vergleich anhören. Das macht großen Spaß. Aber schon die Presets klingen wunderbar, sodass selbst die preiswerteste Variante „Stage“ dem Musiker den Klang großartiger Flügel in die DAW holt.
Nutzer von Komplete Kontrol freuen sich zudem über die Unterstützung von NKS.
Modartt hat bisher ausschließlich Pianoteq nativ für den Apple Silicon veröffentlicht; das ebenfalls von dem französischen Hersteller erhältliche Organteq, das auf eine ähnliche Weise Orgeln  modelliert, wartet noch auf sein Update.

Hersteller: Modartt

Website: https://www.modartt.com/pianoteq

Preise: zwischen 129 Euro (Stage) – 369 Euro (Pro) (Bundle von Pro mit allen Instrumenten: 799 Euro) einzelne Instrumentenpacks: 49 Euro


Sugar Bytes:

Es ist schon erstaunlich, wie oft man bei der Recherche über tolle Software stolpert, die aus Deutschland kommt. Dazu gehört auch die Berliner Firma Sugar Bytes, die gerade erst ihr neuestes Produkt „Nest“ vorgestellt hat (s. a. www.soundandrecording.de/allgemeines/sugar-bytes-stellt-modularen-sequenzer-nest-vor/).

Der Hersteller hat bereits früh angefangen, alle Produkte auf den neuen Apple Silicon anzupassen und folgerichtig gibt es die Software auch als separate Version zum Produzieren auf dem iPad. Im vielfältigen Portfolio findet man ungewöhnliche und kreative Tools, wie z. B. den ganz neuen modularen MIDI Sequenzer Nest oder Effectrix und Obscurium, aber auch Effekt-Plug-ins wie Tunado oder WOW2, sowie Klangerzeuger wie Guitarist, Unique oder Factory.
Zu den Synth gehört auch der beliebte DrumComputer – eben ein Drum Computer, aber aufgebohrt im besten und modernen Sinne – vollgepackt mit Sounds und noch mehr Möglichkeiten, diese zu verdrehen und anzupassen, um dann daraus Beats zu bauen. DrumComputer hat acht Slots für verschiedene Sounds aus den Kategorien Kick, Snare, Clap, Percussion, Hats, Cymbal und Synth. Jeder Slot besteht aus bis zu drei eigenständigen Klanggeneratoren (einem Resonator, Wavetable oder Analog und Resynth oder Sampler). Dazu gesellen sich diverse Effekte, wie Filter, Hall, Kompressor, Distortion und Modulationen. Alles zusammen bildet dann das Drum-Kit.

Als Kickstarter für die eigene Kreativität lässt sich wunderbar der Randomizer verwenden. So verlässt man eingetretene Pfade und kann sich von DrumComputer ein zufälliges Kit mit komplett neu generierten Drumsounds überraschen lassen. Wer mehr Kontrolle darüber möchte, kann den Zufall einschränken und z. B. nur Teile des Kits per Zufall verändern. Wem das immer noch zu zufällig ist, nimmt einfach eines von Hunderten mitgelieferter Presets. Eine Mastersektion mit einem Transient Shaper, Sättigung und Kompressor sorgt am Ausgang noch für den Feinschliff der Beats.

Natürlich gehört zum DrumComputer aber auch ein umfangreicher Sequenzer. Dieser kann händisch programmiert werden oder man nimmt die mitgelieferten Presets als Ausgangspunkt. Der Randomizer kann aber auch hier auf eine intelligente (also nicht komplett freilaufende) Zufallsbetankung der Muse auf die Sprünge helfen. Gesammelt und arrangiert werden die Pattern dann wiederum in den bis zu 16 Slots der „Chain“ oder werden per MIDI-Drag’n’Drop in die DAW verfrachtet.

Spaß macht auch die Remix-Funktion, die einem beim Erstellen von Breaks und Übergängen inspiration liefert.

DrumComputer gibt es als Plug-in für die DAW und auch als Standalone-Version.

Hersteller: Sugar Bytes
Website: https://sugar-bytes.de
Preise: zwischen 99 Euro und 119 Euro
Bundle: 499 Euro
für iPad: ab 20 Euro


UVI (Falcon 2.5):

Mit dem neuesten Update auf Falcon 2.5 bietet der Flagship-Hybrid-Synthesizer von UVI nun auch die native Unterstützung für den Apple Silicon. Dazu kommen sehr viele neue Funktionen und über 100 neue Werks-Presets, die die neuen Möglichkeiten voll ausnutzen.

Zeitgleich ist auch der kostenlose Player UVI Workstation für den Apple Chip optimiert worden. Mit diesen Updates bekommen die neuen Macs nativ Zugriff auf die große Auswahl von kommerziellen Bibliotheken, gesampelten vintage Synths, akustischen Instrumenten bis hin zu orchestralen Libraries, ungewöhnlichen Instrumenten und speziellen Soundeffekten. Viele davon laufen bereits in der kostenfreien UVI Workstation. Alle diese Soundbänke und einige zusätzliche Erweiterungen nutzen dann aber erst die endlosen Möglichkeiten in Falcon. Das Hybrid-Instrument ist modular aufgebaut und man kann Klänge auf alle nur erdenklichen Arten kreieren und eigene Instrumente bauen.

Die Basis bilden z. B. Samples aus den verschiedenen Libraries oder ganz simple Oszillatoren. Zur Klangformung gibt es dann ein riesiges Arsenal an Effekten und Tools wie Granular, Timestretch und physikalisches Modelling oder spezialisierte Filter – eben alles, was man sich zum Sounddesign wünscht.

Oder man nutzt als Grundlage die verschieden Synth-Engines, wie FM, Additive Synthese oder Wavetable, um sich seinen eigenen Synth zu bauen, mit traditionellen LFOs, Envelopes und Step Sequenzern. Alles lässt sich modulieren und frei kombinieren. Mit Falcon bekommt man also ein mächtiges Sounddesign-Tool. Aber trotz einer durchdacht strukturierten Oberfläche bedarf es auch einer intensiveren Einarbeitung, um alle Möglichkeiten ausnutzen zu können.

Glücklicherweise gibt es die über 1200 enthaltenen Werks-Presets, die als Startpunkt zum Spielen, Komponieren oder zum Sounddesign einladen, aber auch die über 50 optional erhältlichen Erweiterungen und thematischen UVI Soundbänke versprechen endlose Inspiration. Netter Bonus: UVI legt Falcon einen Gutschein über 100 Euro bei, der im hauseigenen Shop direkt für weitere Sounds eingelöst werden kann.
Alle gängigen Arten von Effekten wie Delay, Hall und Tape sind natürlich auch mit an Bord, sowie umfangreiche Arpeggiatoren und Sequenzer, die mit der Version 2.5 unter anderem durch einen Rain- und einen Warp-Sequenzer noch stark erweitert wurden.

Auch spezielle Tools finden sich im Lieferumfang von Falcon: Neben Harmonizer, Strum-Simulator für Saiteninstrumente und den tiefergehenden Multi-LFO kann man auch über eventbasierte Steuerung bis in die Programmierebene vordringen und per LUA eigene Skripte anfertigen. Trotz der fast erschlagenden Funktionsvielfalt bleibt Falcon übersichtlich und ist gut strukturiert. Das moderne Interface ist aufgeräumt und die unterschiedlichen Sequenzer sind optisch gut aufbereitet.

Gut gefällt mir die sehr reduzierte Oberfläche vieler Presets, die mit wenigen Macro-Reglern auch Einsteigern und Preset-Junkies einen leichten Zugang zu komplexen Klangmodulationen bieten. Das erleichtert den Einstieg und die Spielfreude. Später kann man dann ja immer noch in die Tiefen des Sounddesigns einsteigen.

Falcon gibt es als Plug-ins für die Verwendung in der DAW und als Stanalone-Variante. Noch laufen nicht alle Plug-ins von UVI nativ auf dem Apple Silicon, aber auf unsere Nachfrage wurde bestätigt, dass bereits an der Kompatibilität der Effekte wie Shade, Drum Replacer und Sparkverb gearbeitet wird.

Hersteller: UVI
Website: https://www.uvi.net/de
Preise: Falcon: 349 Euro (Update auf 2.5 für Bestandskunden ab Version 1.0 kostenfrei)
UVI Workstation: kostenlos
Erweiterungen: ab 39 Euro


Valhall DSP:

Zum Schluss noch ein Hersteller von Plug-ins, den man eigentlich nicht mehr großartig vorstellen oder empfehlen muss, aber dennoch hier eine Erwähnung wert ist: Valhalla DSP vertreibt seit vielen Jahren ein solides Portfolio an Plug-ins zum konstanten Preis von 50 Dollar, pflegt diese regelmäßig mit Updates und unterstützt – deswegen die kurze Erwähnung in dieser Rubrik – den Apple Silicon nativ mit allen Plug-ins.
Alle Effekte sind immer wieder in vielen ‚Best of‘-Listen vertreten und gehören scheinbar zur Standardausstattung der meisten Audioschaffenden.

Für alle, die bisher noch kein Plug-in von Valhalla DSP ausprobiert haben, empfehle ich dringend, die Website zu besuchen, denn anstelle regelmäßiger Deals bietet der Hersteller drei Plug-ins als Freeware an. Mein Favorit davon ist Supermassive mit seinen abgefahrenen Hallräumen, aber auch Free Echo und Space Modulator sollte man direkt mitnehmen, um seinem M1 Mac etwas zum Rechnen und den Ohren etwas zum Verwöhnen zu geben!

Hersteller: Valhalla DSP
Website: https://valhalladsp.com
Preise: 50 Dollar (und Freeware)


Update: 29.7.2021

Abyss von Dawsome/Tracktion:

Abyss ist ein neuer Synth vom Hamburger Entwickler Dawsome, der in Zusammenarbeit mit Tracktion veröffentlicht wurde. Ziel bei der Entwicklung war es, ganz neue und lebendig-organische Klänge auf eine sehr intuitive und einfache Art selbst gestalten und diese beim Verwenden in der Komposition weiterhin vielfältig verändern zu können. Schon das ungewöhnliche, übersichtliche und farbenfrohe GUI lässt erahnen, dass neue Pfade beschritten wurden, denn der Begriff „Klangfarbe“ wird hier wörtlich genommen.

Grundlage und Startpunkt für eigene Sounds sind über 2000 Klangbausteine. Diese wurden #übersichtlich nach Klangfarben in einer Matrix angeordnet. Die Klangbausteine sind keine Samples, sondern extra für Abyss erstellte Klangmodelle, die jeder für sich auch noch umfangreich angepasst werden können.

Individuell angeordnet und kombiniert auf einem Farbstrahl sind sie dann der Ausgangspunkt für die weitere Bearbeitung und Modulation. Die Klänge werden zum Einen durch verschiedene Parameter beeinflusst, die man auch von anderen Synth kennt, wie Filter und EQs, aber auch von plastisch benannten Regeln wie Dirt manipuliert. Alle Werte können extrem umfangreich gegenseitig, über LFOs oder über externe Controller moduliert und verändert werden und dadurch werden praktisch endlos viele lebendige Sounds möglich.

Neben der Herangehensweise mit den Farben ist ein weiteres Thema des Instruments die Unterwasserwelt, was sich auch im Namen Abyss, aber auch im GUI widerspiegelt. So ist z. B. die FX-Sektion mit Grafiken von Quallen, Seegras und Tintenfischen liebevoll gestaltet worden. Auch die Presets der eingebauten Effekte Shimmer, Delay, Reverb und Phaser laden mit Namen wie Pacific, Leviathan und Bermuda zum Sounddesign ein. Da macht es einfach Spaß, sich treiben zu lassen.

So klingen einige der 130 mitgelieferten Presets auch direkt wie der Soundtrack zu einem Unterwasserfilm, aber es gibt viel mehr zu entdecken. Manchmal meint man, natürliche Klänge zu vernehmen, aber dennoch klingt es gleichzeitig auch wie ein Synth. Damit eignet sich das Instrument sehr gut für Ambient- aber auch für Underscore-Produktionen mit organischen Texturen.

Der spielerische Ansatz und die tolle Klangqualität lassen einen schnell die Zeit vergessen und zu endlosem Herumspielen animieren. Und die vielen Möglichkeiten, auf den Klang auch beim Spielen Einfluss zu nehmen, macht wirklich Spaß.

Weitere Instrumente dieser neuen Reihe und auch Soundbänke für Abyss sind in Planung. Sehr vorbildlich ist, dass diese Neuerscheinung nicht nur für die bisher gängigen Plattformen erhältlich ist, sondern direkt ab dem Launch auch nativ für die neuen Apple Silicon Prozessoren programmiert wurde.

Vertrieb: Tracktion
Website: https://www.tracktion.com/products/abyss
Preis: 129 Dollar (77.40 Dollar Einführungsangebot)


XO von XLN Audio:

Auch sehr farbenfrohe geht es bei XO von XLN Audio zu. Bekannt ist die schwedische Software-Schmiede vor allem durch die Instrumente Addictive Drums und Addictive Keys, die schon seit vielen Jahren gern verwendet werden XO ist die neueste Software von XLN und ist vor allem für Musiker*innen mit großen Sammlungen von One-Shot und Drumsamples gedacht. Sie ist neben deren Tool DS-10 Drum Shaper bereits für den Apple Silicon nativ erhältlich – der Rest des Portfolios wird nach und nach folgen.

XO versammelt alle Drum- und Percussion-Sounds – automatisch analysiert und sortiert von einer schlauen KI – in einem einzigen Fenster als bunte Punkte, wobei jede Farbe für eine Sound-Kategorie steht: rot sind z.B. alle Kicks, blau die Snares. Ähnliche oder verwandte Sounds liegen in der Matrix nebeneinander, sodass man schnell das gewünschte Sample finden kann, ohne aufwendig in unzähligen Ordnern auf verschiedensten Datenträgern suchen zu müssen. Als Ausgangsbasis werden über 8000 ausgewählte Samples bereits mitgeliefert (über 2000 in der Lite-Version).

Es handelt sich aber nicht um ein reines Verwaltungsprogramm von Samples, sondern man kann auch direkt in der App komfortabel Beats bauen. Dafür gibt es einen 8-kanaliger Pattern-Sequencer, der auch grundlegende Klangbeeinflussung der Samples je Kanal erlaubt sowie eine Palette von Grooves mitbringt. Auch eine einfache Effekt-Sektion mit zwei Sends ist mit an Bord. Fertige Loos können dann per Drag-and-Drop in die DAW als MIDI gezogen oder als Audio-Files exportiert werden.

Der „Playground-Mode“ bietet weitere spielerische Möglichkeiten, die Grooves zu verändern oder sich von zufälligen Anpassungen kreativ überraschen zu lassen. Auf Grundlage der KI-Analyse bietet XO immer mehrere Sets mit alternativen Samples an, die schnell bei laufendem Beat durchgehört werden können – sehr praktisch!

Die Lite-Version von XO hat bereits einen sehr großen Funktionsumfang. Das volle Programm mit allen Samples, über 200 Groove-Presets und Multi-Outs bekommt man dann mit der regulären Version – ein Upgrade ist jederzeit möglich.

Hersteller: XLN Audio
Website: https://www.xlnaudio.com/products/xo
Preis: 120 Euro (XO lite) und 180 Euro (XO Vollversion)


AudioHiJack und weitere Audiotools von Rouge Amoeba:

Rouge Amoeba ist ein amerikanischer Hersteller von sehr feinen Audio-Tools für den Mac. Die verschiedenen Produkte lösen eine Vielzahl von einfachen bis sehr komplexen Audio-Problemen und können eine große Hilfe für jeden Tonschaffenden sein.

Das Angebot reicht vom übersichtlichen Einstellungstool SoundSource über den umfangreichen virtuellen Audio-Mixer Loopback bis hin zu Rekorder aller nur erdenklichen internen Audioquellen Audio Hijack. Airfoil streamt jede Audioquelle praktisch überall hin und mit Fission findet man auch einen einfachen Audio-Editor im Sortiment.

Die Tools sind tief ins System integriert und verteilen – unabhängig von der sonst verwendeten Audiohard- und Software – jegliches Audio aller Apps überall hin und zeichnen nach Wunsch alles auf. Man wundert sich manchmal, warum Apple diese Firma noch nicht gekauft hat, um einige diese grundlegenden Funktionen direkt ins macOS einzubauen.

Das Portfolio wird sehr regelmäßig mit Updates gepflegt und so wundert es auch nicht, dass bereits von allen Programmen Versionen erhältlich sind, die nativ auf dem Apple Silicon laufen. Trotz ihrer tief greifenden Integration ins System laufen die Programme extrem stabil und eignen sich auch für professionelle Arbeitsumgebungen. Das scheint auch der Grund zu sein, warum die Produkte zum Teil etwas teurer sind, als man erst vermuten würde. Ich finde allerdings, dass dies durch die hohe Qualität der Software und die schnelle Anpassung an neue Systeme gerechtfertigt ist. Ich nutze die meisten Tools schon seit vielen Jahren und hatte nie Probleme. Gerade wird auch schon mit Hochdruck an Updates für Monterey gearbeitet, der nächsten macOS-Version, die erst im Herbst erscheinen soll.

Hersteller: Rouge Amoeba
Website: https://www.rogueamoeba.com
Preise: 23 – 118 Dollar  (je nach Produkt)


Stand: 29.6.2021

K1v

Nils’ K1v ist eine detailgetreue Nachbildung der Hardware des K1 von Kawai aus den späten 1980er-Jahren. Der K1 war als eine günstige Alternative z. B. zum Korg M1 angetreten. Der deutsche Entwickler Nils Schneider hat in akribischer Programmierarbeit alle Aspekte der ursprünglichen Hardware in Software gegossen und alle originalen Presets nachgebaut. Man bekommt neben den originalen Werks-Presets auch alle Patches der damals zusätzlich erhältlichen ROM-Karten und die Presets des Kawai PHm. So stehen dem Nutzer über 1300 Sounds und Multis zur Verfügung, die alle anpassbar und veränderbar sind. Sogar SYSEx Presets und Bänke des Hardware-Romplers können importiert werden oder ein „echter“ K1 kann über die Software mit neuen Sounds versorgt werden. Diese Detailtreue wurde auch von Kawai gewürdigt, sodass das Instrument den offiziell Segen vom Hersteller hat.

Zusätzliche Feature, die mit dem Original nicht möglich waren, wurden auch eingebaut, wie. z.B. eine Preset-Suche. Eine solch akkurate Nachbildung der Hardware kennt man sonst nur von Herstellern wie Arturia, aber in diesem Fall ist der Spaß auch noch kostenlos. Man kann die Entwicklung aber mit einer Spende unterstützen.

Musiker, die die Vorzüge eines Software-Instruments mit NKS-Unterstützung zu schätzen wissen, können im Forum von Native Instruments dafür ein kostenfreies Kompatibilitäts-Kit für Komplete Kontrol finden – mit Audio Previews und gemappten Controllern.

Mit der neuen Version ist dieser Software-Synth nicht nur für Windows, Linux und Intel-Macs erhältlich, sondern auch nativ den Apple Silicon.

Hersteller: nilsschneider.de
Website: www.nilsschneider.de/wp/nils-k1v/
Preis: Freeware oder Spende
NKS-Kit: www.native-instruments.com/forum/threads/


Multiphonics CV-1 von AAS:

Applied Acoustics Systems, kurz AAS, ist eine kanadische Firma, die seit vielen Jahren für Ihre gemodelten Klangerzeuger und Effekte bekannt ist. Hier kommen keine Samples zum Einsatz, sondern es werden die Klänge anhand von komplexen Modellen generiert, sodass z. B. Streichinstrumente, Gitarren oder perkussive Klangerzeuger realisiert werden könnten, die es in der Realität gar nicht gibt. Der Vorteil bei dieser Herangehensweise ist, dass die Plug-ins CPU-sparsam und schnell in der Reaktionszeit sind.

Zudem findet man im Portfolio von AAS auch einen gemodelten analogen Synth, sowie elektrische Pianos und Unmengen an separat erhältlichen Preset-Packs. Alles immer mit dem besonderen Klang eines AAS-Instruments.

Vor Kurzem ist ihr neuster Klangerzeuger, der modulare Synthesizer „Multiphonics CV-1“ erscheinen, der es ermöglicht – wie bei einem Euro-Rack – sich einen eigenen Klangerzeuger zu basteln und mit virtuellen Kabeln zu verdrahten. Es stehen dazu neben einfacheren, gängigen Modulen auch sehr spezielle Bausteine zur Verfügung, die den Klang nach „Art des Hauses“ formen. Der „Objeq Filter“ ist dafür ein gutes Beispiel, der den Sound mithilfe eines Modells von akustischen Objekten wie Marimbas, Trommelfelle oder virtuelle Saiten verändert oder die Grundlage für einen Klangerzeuger als organischer Oszillator bereitstellt. Alles ist in einer übersichtlichen Oberfläche untergebracht und soll ohne versteckte Menüs auch dem Einsteiger Lust auf das Bauen eines eigenen Instruments machen.

Insgesamt werden über 200 Patches aus allen Sound-Bereichen und über 30 Module mitgeliefert. Sicherlich wird es in Zukunft auch noch weitere Module und Preset-Bänke geben. Leider ist im Gegensatz zu allen anderen Plug-ins von AAS der Multiphonics CV-1 noch nicht NKS kompatibel. Bleibt zu hoffen, dass da noch mit einem Update nachgebessert wird.

Der Multiphonics CV-1 ist, wie auch der jüngst in Version 3 erschienene Chromaphone und alle anderen aktuellen Plug-ins nativ für den Apple Silicon optimiert.

Hersteller: Applied Acoustics Systems
Website: https://www.applied-acoustics.com
Preis: regulär 99 Dollar (Vergünstigungen z.B. im Bundle möglich)


Timeless 3 von Fabfilter:

Fabfilter ist einer dieser Hersteller, der sich immer wieder in den verschiedensten Listen von Lieblings-Plug-ins wiederfindet. Gut zu wissen, dass nun auch alle aktuellen Plug-ins von Fabfilter nativ für den Apple Silicon als kostenfreies Update erhältlich sind.

Am bekanntesten ist wohl der Pro-Q 3, ein hervorragender Equalizer, der – wie alle anderen Plug-ins von Fabfilter – allein schon durch das einzigartige Design des Interfaces auffällt. So auch bei Timeless 3, der ganz neuen Version von Fabfilters featureschweren Tape-Delays. Das neue GUI lässt die vielen Funktionen leichter bedienen und die visuelle Darstellung des Effekts gibt einen besseren Überblick über alles, was mit dem Eingangssignal passiert. Zusätzlich soll das Delay auch noch viel besser klingen als der Vorgänger, denn die Algorithmen wurden grundlegend optimiert.

Das Plug-in liefert natürlich alles an Standard-Delays, lässt diese aber vielfältig und kreativ beeinflussen. Man kann praktisch jede einzelne Wiederholung separat verändern, verschieben und modulieren. So entstehen vom einfachen Ping-Pong über rhythmische Tap-Delays auch völlig freie Anordnungen jenseits jeglicher Taktraster. Der gesamte Effekt kann dann noch durch nonlinare Effekte und Filter statisch oder moduliert beeinflusst werden. Für einige Ideen stand der auch erst kürzlich erschienene Saturn 2 Pate. Die Einstellungen lassen sich so weit verdrehen und manipulieren, dass am Ende sogar verrückte Reverbs entstehen können oder man erarbeitet sich mit dem Pitch-Effekt ein schimmerndes Sound Design. Ein Multiband-EQ für den Delay, getrennt für links und rechts, Anpassungen für die Stereobreite und wirklich endlose Möglichkeiten von Modulationen runden das Bild ab und werden Timeless 3 bestimmt einen Platz in weiteren persönlichen Top-Listen bescheren. Außerdem wurden die Presets überarbeitet und an die neue Version angepasst. So kann man sich von den neuen Möglichkeiten schnell inspirieren lassen und verliert durch das neue Interface auch nicht mehr den Überblick und fordert gleichzeitig den neuen M1 etwas heraus.

Hersteller: Fabfilter
Website: www.fabfilter.com
Preis: 109 Euro regulär (günstiger im Bundle)


Beliebte Stock-Tools in Logic Pro X & Cubase 11 Pro

In dieser Episode stellen Klaus und Marc ihre Favoriten unter den Stock-Tools in Cubase 11 und Logic Pro X vor. Dabei geht es auch um versteckte Helferleine, die viele nicht kennen und sich ihre Funktion mit anderen Tools für teilweise viel Geld einkaufen. Außerdem stellen euch die beiden ihre elementaren Features beider DAWs in Sachen Sounddesign, Mixing und Songwriting vor, die der Grund dafür sind, weshalb sie sich für diese DAW entschieden haben. Alle, die live dabei sind, können die Lieblings-Features ihrer DAW per Kommentar vorstellen. Viel Spaß beim Hören!

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Hier findest du alle Episoden in der Übersicht!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Tja wie schafft man es, dass die großen Plugin Hersteller nativ M1 unterstützen?
    Da müssen die ja doppelt so viel in die Entwicklung stecken und mehr verkaufen werden die dadurch auch kaum.
    Wenn ich seh dass NI und UAD heute noch VST 2.4 Plugins verkaufen, müsste be der Bewertung von Plugins zukünftig immer die Kompatibilität mit bewertet werden.
    Kein VST3 20% Abzug
    Keine Native M1 Unterstützung 10% Abzug ….
    Und wenn dies von allen so bewertet würde, käme vielleicht mal Bewegung rein in die Geschichte.
    Ansonsten wird das noch Jahre dauern mit dieser Transition zu VST3 und M1 Kompatiblität…

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Sehe ich grundsätzlich genauso, wäre aber – angesichts des Marktanteils von Apple in den Studios dieser Welt – noch schärfer.
      Ich habe mich im Verlauf diesen Jahres als Anfänger aufgrund sehr guter Tests für Maschine 3 und Kontrol 6 von Native Instruments entschieden, daneben für ein M-Audio Pro 49, ein DJ-Mischpult von Hercules und eine Boss RC-505 Loop Station.
      Auf meinem 2013er MacBook Pro läuft das ganze zwar einwandfrei, aber der MacBook ist leider nicht mehr schnell genug: öffnet man mehr als 5 Tracks in Pro Logic kommen bereits erste Aussetzer.
      Nun habe ich mir ein neues MacBook Pro (14“, M1 Max, 64 GB RAM, 2 TB SSD) bestellt und stelle fest, dass keiner dieser Hersteller Apple Silicon nativ unterstützt – ohne dass darauf irgendwo hingewiesen wurde. Ich befürchte „stranded investments“ und bin entsprechend sauer.
      Ich weiß als ehemaliger Software-Entwickler, dass das Umstellen auf eine neue Plattform zusätzlichen Aufwand bedeutet, aber das ist zum Einen zwingend notwendig, wenn man im Geschäft bleiben will und zum zweiten mitnichten sooo aufwändig, wie immer gerne unterstellt wird. Ich verstehe daher nicht, dass ein ganzes Jahr nach Vorstellen der ersten Apple-Silicon-Prozessoren immer noch fast alle meine Produkte nicht nativ unterstützt werden. Sollte ich irgendwann eines meiner Geräte auswechseln, werde ich mich sicher an diese bewusste Untätigkeit erinnern und nach geeigneteren Alternativen Ausschau halten.

      Auf diesen Kommentar antworten
  2. Solange Entwickler noch VST 2.4 verkaufen können werden sie es tun. Man sollte das wirklich in Reviews und Test berücksichtigen. Ich bin auch der Meinung das man den faulen Entwicklern mal auf die Finger klopfen sollte. Von alleine machen die nämlich gar nichts.

    Auf diesen Kommentar antworten

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