Fix My Mix mit Waldemar Vogel

Mixing Tutorial – Wie man Effekte richtig einsetzt

Waldemar Vogel hält Fix-My-Mix-Workshops, live am Studioszene Stand auf der Musikmesse / prolight+sound 2019 (Bild: Dirk Heilmann)

Effekte gibt es ja bekanntlich wie Sand am mehr. Aber nur mit dem richtigen Einsatz bekommt man einen Mix groß und spannend, ohne dass gleich alles nach „Lagerhalle“ klingt. Schnell kann alles sehr künstlich und aufgesetzt klingen, und bevor man sich versieht, findet man sich in den 80ern wieder. Wir möchten uns in dieser Folge mal mit den gängigsten Effekten, den Unterschieden und deren Umgang beschäftigen.

Dabei beschränken wir uns bewusst auf die allgemein gängigen Effekte wie z. B. Hall, Delay und Chorus um den Bericht in einem überschaubaren Rahmen zu halten. Generell werden die meisten Effekte den eigentlichen Sounds (Spuren) extern zugemischt. Klassisch über einen Aux-Send am Mischpult oder in der DAW. So bleibt das Originalsignal komplett unbearbeitet, und man kann durch den Send entscheiden, wie viel Effekt dazukommt. Das hat den Vorteil, dass man den Effekt automatisieren und somit das Verhältnis für bestimmte Songpassagen ändern kann, ohne dass sich auch der Originalsound verändert. Ein gängiges Beispiel ist beispielsweise, dass man den Gesang zu Beginn des Song etwas trockener haben möchte und erst später die Effekte dazu bringen möchte, sobald auch mehr Instrumente im Song spielen. So ist die gängige Lehre, und so lernt man es in den meisten Fällen.

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Eine andere (oft als falsch bezeichnete) Variante ist, den Effekt direkt auf die Audiospur zu insertieren. Das ist vor allem interessant, wenn man Effekte mit einem bestimmten Sound oder Charakter benutzen möchte. Oder wenn der Effekt integraler Bestandteil des eigentlichen Sounds sein soll. So wird der Originalsound von dem Effekt gefärbt und bekommt die gleiche klangliche Eigenschaft. Dadurch verbinden sich die beiden deutlich besser miteinander und klingen homogener – vergleichbar z. B. mit dem Sound einer E-Gitarre, deren cleanes Signal durch eines oder mehrere Effektpedale läuft, sich so mit dem Effekt verbindet und komplett als ein neues Signal in den Amp geht. Leider ist man bei dieser Art der Einbindung etwas weniger flexibel, da sich das Mix Verhältnis nicht so einfach automatisieren lässt.

Kommen wir mal zu den eigentlichen Effekten und deren Einsatz. Hier unterscheide ich persönlich ganz grob zwischen Delays, Reverbs und Modulations-Effekten wie z. B. Chorus und Flanger. Beim Delay bzw. Echo wird der ursprüngliche Originalsound einfach nur wiederholt. Mit dem Feedback stellt man die Anzahl und mit der Delay-Zeit den Abstand der Wiederholungen ein. Oft gibt es auch die Möglichkeit, das Delay zum Songtempo zu synchronisieren und z. B. im Abstand einer Viertelnote zu wiederholen. Solche synchronisierten Delays fügen sich oft etwas besser in die Musik ein, wirken manchmal aber auch unauffällig und langweilig. Ein Echo mit einer frei gewählten Delay-Zeit kann dagegen etwas spannender wirken, eventuell aber auch gegen die Rhythmik des Instrumentes laufen. Ein guter Ausgangspunkt für eine frei gewählte Zeit sind z. B. ca. 300 ms.

Der Soundtoys EchoBoy ist ein sehr flexibles und einfach zu verwendendes Delay-Plug-in. Das „UAD Ocean Way Studio“-Plug-in ist besonders für räumlichen Sound gut geeignet. Die UAD EMT 140 Plate und der UAD AKG BX20 Spring Reverb machen als Effekt-Hall eine sehr gute Figur. Und der TAL-Chorus-LX klingt nicht nur sehr gut, sondern ist auch noch kostenlos.

Ein kleiner Tipp: Ist das Delay mono oder die gewählte Zeit auf dem linken und rechten Delay genau gleich, ist der Effekt auch nur in der Mitte. Das führt vor allem bei Gesang oft zu dem Problem, dass der Originalsound und Effekt sich gegenseitig im Weg sind. Hier kann man die Delay-Zeiten um ein paar Millisekunden zueinander verstellen (z. B. links +10 ms und rechts –10 ms) und damit die beiden Kanäle leicht aus der Phase bringen. So wird der Effekt nicht nur sehr breit, sondern man bekommt auch wieder Platz für den Gesang in der Mitte.

Im Gegensatz zum Reverb machen Delays einen Mix nicht ganz so dicht bzw. undurchsichtig, da zwischen den Wiederholungen Platz ist und sie oft auch nicht so lange ausklingen. So kann man z. B. mit einem Echo einen räumlichen Eindruck erzeugen, ohne dass man einen unangenehmen „Badezimmer-Sound“ hat. Das funktioniert besonders bei Gesang ganz gut. Denn oft werden Sänger mit relativ wenig Abstand zum Mikrofon aufgenommen. Was für das menschliche Ohr leider etwas unnatürlich klingt. Wenn man hier aber ein sogenanntes Slap-Delay benutzt, das im Grunde ein einfaches Delay mit nur einer Wiederholung und einer Delay-Zeit von 60–120 ms ist, dann können wir sehr einfach einen räumlichen Eindruck (der durch Reflexionen von Wänden oder Möbeln entsteht) durch das Delay vortäuschen.

Kommen wir nun zu den viel verwendeten Reverbs. Ohne technisch zu sehr ins Detail gehen zu wollen, unterscheide ich persönlich grundlegend zwischen einem Raum bzw. räumlichen Eindruck und einem Effekt-Reverb. Möchte ich also z. B., dass die (in einem trockenen Raum und sehr nah mikrofonierte) Akustikgitarre so klingt, als ob sie in einem bestimmten Raum aufgenommen wurde, tendiere ich zu Rooms oder Halls. Auch eine Sprachaufnahme für einen Film oder Werbespot würde man eher in einen Raum als in z. B. eine Plate schicken.

Ein für Musikinstrumente sehr gut geeignetes Plug-in ist das UAD Oceanway Studios. Das klingt tatsächlich relativ realistisch nach einem Studioraum und kommt besonders gut auf Drums und Streichern. Räume sind auch sehr hilfreich, um Instrumente in einem Mix etwas homogener klingen zu lassen, auch wenn sie unabhängig voneinander in z. B. Overdubs aufgenommen worden sind.

Will man allerdings einen Gesang opulent und groß klingen lassen, wird man zu den Effekt-Reverbs tendieren müssen. Hier kommen dann z. B. Plates und Springs in Frage. Diese können den Ausklang der Instrumente stark verlängern und den Gesang effektvoll über die anderen Instrumente heben – so unter anderem bei Adele, Whitney Houston oder Mariah Carey zu hören. Würde man allerdings versuchen, diese Größe mit einem Room zu bekommen und relativ viel davon im Mix benutzen, so würde es sehr schnell klingen, als ob die Sängerinnen in einer großen Lagerhalle stehen.

Gut klingende Plug-ins für Effekt-Reverbs sind z. B. das UAD EMT 140 Plate oder der UAD AKG BX20 Spring.

Ein kleiner Tipp: Man kann den Hall zusätzlich mit einem EQ bearbeiten, um die Höhen rauszufiltern. So ist der Effekt weniger auffällig, und man kann etwas mehr davon dazugeben, bevor er deutlich hörbar und nervig wird.

Als Letztes möchte ich noch ganz kurz auf Modulations-Effekte eingehen, denn mit diesen kann man relativ einfach Instrumente breiter klingen lassen. Allerdings sind diese Effekte auch am schnellsten wahrzunehmen, deshalb sollte man damit unbedingt sparsam im Mix umgehen, vor allem, wenn die Musik handgemacht und ehrlich klingen soll. Aber wenn man z. B. ein Gitarrensolo etwas größer und breiter haben möchte, kann man gerne ein wenig Chorus hinzufügen. Auch bei Gesang kann der Effekt sinnvoll sein.

Ein sehr gut klingender Chorus ist das TAL-Chorus-LX, das übrigens umsonst beim Hersteller zu bekommen ist. Etwas weniger auffällig sind Vocal-double- oder Harmonizer-Effekt. Hier werden oft nur Tuning oder ein Delay zwischen links und rechts ganz leicht gegeneinander verstimmt und moduliert. Dadurch klingt das Signal breiter und hebt sich von der Originalstimme ab. Allerdings sollte man auch diese Effekte eher sparsam im Mix einsetzen.

Das waren einige der gängigsten Effekte. In der Praxis kann man viele davon mit einander kombinieren. So sind sie nicht so auffällig, und der Mix klingt nicht so schnell künstlich und total drüber.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. omg danke ich hoffe jetzt werde ich so gut wie david guetta

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