Vienna Symphonic Library − Reloaded

Multimikrofonierung in der Synchron Stage

(Bild: VSL)

Als die Vienna Symphonic Library um die Jahrtausendwende gegründet wurde, hat wohl niemand mit den heutigen Dimensionen gerechnet — weder mit denen des Produktportfolios, noch mit denen der exklusiven Scoring-Stage, die seit wenigen Jahren Arbeitsmittelpunkt und gleichzeitig Hauptquartier der VSL ist. Die neuen Gegebenheiten waren Grund genug, den Wienern einen erneuten Besuch abzustatten, um sich u. a. mit Herbert Tucmandl, dem Gründer der VSL, zu unterhalten und die Neuerungen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass im Einleitungstext von einem erneuten Besuch die Rede ist, was demnach einen vorausgegangenen impliziert. Das ist absolut richtig. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem sei der Artikel »Synchron Stage Vienna − modernste Scoring-Stage Europas« in der S&R-Ausgabe 02.2017 ans Herz gelegt, der von genau jenem Besuch der Synchron Stage berichtet.

Anzeige

In der Zwischenzeit ist viel passiert. Große Filmmusik-Recording-Projekte wie Inferno, The Meg oder The Crown kamen und gingen, neue Synchron-Libraries kamen und blieben. Und tatsächlich ist spürbar, wie sich die VSL mit den beiden Bereichen Sampling und Scoring-Business neu definiert. »Wir würden mit unseren Samplings als nächsten Schritt gerne in den Ambient-Bereich gehen«, erklärt Herbert Tucmandl, »weil es einfach allgemein gewünscht wird, dass man neben trockenen Samples auch ein raumakustisch gesampeltes Material zur Verfügung hat. Dafür braucht man klarerweise den entsprechenden Raum. Der Grund, warum wir einen kleinen Reboot machen wollten, ist, weil wir mit dem, was man an Sampling, Anzahl der Instrumente und Spieltechniken liefern kann, schon sehr weit gegangen sind. Klar kann man das bis ins Endlose treiben, aber hier werden dann die Zielgruppen immer dünner. Und mit der Synchron Stage besteht die Möglichkeit, unser Portfolio in dieser Richtung sinnvoll zu erweitern. Und wo jetzt noch die ganze Technologie zur Verfügung steht, die 1:1 für Filmmusik genutzt werden kann, ist es sicher kein Fehler, dieses Business parallel hochzuziehen.«

Neben den üblichen Mikrofonpositionen werden beim Sampling auch Surround- und High-Mikrofone aufgezeichnet, um den Raum in einer entsprechend ausgestatteten Abhörsituation dreidimensional abbilden zu können. Aber auch in einem Stereo-Setup zahlen sich diese zusätzlichen Kanäle aus und bringen als Downmix mehr Tiefe und Farbe.

Die Möglichkeit, die Synchron Stage zu erwerben war somit ein absoluter Glücksgriff in beide Richtungen, wie Tucmadel erläutert. »Wir dachten, eigentlich wäre es ja klasse, wenn man einen Raum zur Verfügung hätte, der für Filmscoring genutzt werden kann und wo dann idealerweise, weil das jetzt eh gängiges Procedere ist, darin gesampeltes Material mit darin live recordetem Material kombiniert werden kann und somit dann alles aus einem Guss hat.

Das große, große Risiko und die Überraschung war allerdings, wie der Raum überhaupt klingt. Wir haben Spezialisten hergeholt, die die Halle akustisch vermessen haben, die auch begeistert waren, aber wir hatten nie die Möglichkeit, ein Orchester reinzusetzten, aufzunehmen und zu hören, wie das dann klingt. Wir mussten damals die Katze im Sack kaufen. Als wir dann zum ersten Mal ein Orchester hier hatten, wurde es spannend. Getreu dem Motto ›No risk, no fun‹ hatten wir auch gleich Dennis Sand und Conrad Pope hier, die unsere erste interne Produktion betreut haben und spontan begeistert waren, was der Saal kann und wie er klingt. Da hatten wir wirklich Glück, und ich habe mich den Verantwortlichen gegenüber, die das damals entworfen und konzipiert haben, verneigt, weil da offensichtlich ganz, ganz exzellente Arbeit geleistet wurde.«

www.vsl.co.at/de

www.synchronstage.com

Den kompletten Artikel findest du in der Sound&Recording 4+5 2019. Hier versandkostenfrei bestellen. 

Die Tonregie der Synchron Stage mit ihrer SSL Duality Pro-Station Delta mit 96 Kanälen ist vom Feinsten und erlaubt neben dem Abhören in Surround auch das von 3D-Audio.
Der durchdachte Synchron Player beherbergt die zahlreichen Mikrofonpositionen, eine Batterie unterschiedlicher Plug-ins sowie eine Vielzahl weiterer Annehmlichkeiten. Einzig die Player für die Pianos haben die schicke Effektauswahl nicht. Ob wir uns diesbezüglich auf ein Update freuen dürfen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren