Made in Chino, not China!

Zu Besuch bei Manley Laboratories Inc – Firmenrundgang mit EveAnna Manley

Im Januar dieses Jahres haben wir die Gelegenheit genutzt, im Rahmen der NAMM Show die Manufaktur von Manley Labs zu besuchen. Getoppt wurde dieser Besuch davon, dass uns EveAnna Manley persönlich durch die Produktionsstätte führte.

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(Bild: Marc Bohn)

Bei der Ankunft an der Manufaktur von Manley Labs wurden wir von EveAnna Manley, dem Marketing Manager Rick McClendon und Firmenhund Riley empfangen. Die Mitarbeiter des Unternehmens waren gerade dabei, Feierabend zu machen. Somit hatten wir viel Zeit und Ruhe, uns die gesamte Produktionsstätte anzuschauen. Während der Tour hat uns EveAnna vieles über die Gründung von »Manley Laboratories Inc.«, wie es ganz offiziell heißt, und über den Produktionsablauf erzählt.

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Von Südafrika über England nach Kalifornien

1980 gründete David Manley seine erste Firma Vacuum Tubes Logic in Südafrika, wo er ursprünglich herkommt. Zu Beginn stellte der Sound-Engineer ausschließlich Hi-Fi-Produkte her. Er wollt jedoch schnell raus aus Südafrika und nach Europa. Also steckte er sein ganzes Geld in Dinge, die man später wieder teuer verkaufen konnte, packte alles auf zwei Boote und fuhr damit die afrikanische Küste entlang, durch den Sueskanal nach Zypern, von wo aus er dann bis nach England pilgerte. Dort machte er dann seine Käufe zu Bargeld, denn dies war in den 80ern die einzige Möglichkeit, Vermögen aus Südafrika nach Europa zu schaffen, erzählt uns EveAnna.

1983 startete dann in England die Produktion des ersten Vaccuum Tube Logic Amplifiers, der ein Nachbau der Firma LEAK war, für den europäischen Markt; Vacuum Tube Logic existiert übrigens heute immer noch und wird von Davids Sohn Luke geführt. 1988 zog das Unternehmen dann aufgrund des Erfolges auf dem amerikanischen Markt mit der gesamten Firma nach Chino in Kalifornien um. In diesem Zuge wurde dann auch das zweite Unternehmen Manley Labs von David und seiner damaligen Ehefrau EveAnna gegründet.

1989 gingen dann mit einem Mikrofonvorverstärker und einem Manley Enhanced Pultec Equalizer die ersten Studiogeräte in Produktion. Heute leitet EveAnna das Unternehmen, dessen Voxbox und Massive Passive absoluten Recording-Kultstatus erreicht haben. Interessant zu wissen: In den 60ern und zu Beginn der 70er-Jahre war EveAnnas Stiefvater Albert J. Dauray Eigner der Firmen Ampeg und Dan Armstrong Guitars. Heute lebt er in Vermont.

Der ELOP+, der auf der NAMM 2016 vorgestellt wurde, ist fertig für den Versand. Ein LA2A Limiter mit einer geringen Klangfärbung. „All the lines are regulated, super low impedance and really quiet.”, sagt EveAnna stolz.
Der originale ELOP aus dem Jahre 1994 wurde im Studio oft auf der Stimme von David Bowie verwendet und Live bei Tina Turners letzter Tour eingesetzt. Das Zusammensetzen des ELOP+ dauert lediglich eine Stunde, für die Voxbox wurden zu Beginn 9 Stunden benötigt. Lange Zeit wurde erst nach der Entwicklung der Produkte geschaut, wie lange es dauert um eine Unit zusammenzusetzen und danach erst Kostenaufwand sowie der Preis für das Gereät festgelegt. „So kam es dazu, dass teilweise Units entwickelt wurden, die über 6000 Dollar kosten müssten, damit sie sich lohnen.“, so EveAnna. Jetzt wird bereits in der Entwicklung im Team festgelegt, was die Unit am Schluss kosten soll und anhand diesem Wert der Produktionsaufwand angepasst.
Die Mitarbeiter von Manley sind bis 18 Uhr an ihrem Platz. Gegen Abend wirkt die Halle allerdings wie leer gefegt. Viele sind bereits seit mehr als 15 Jahren dabei! Schönen Feierabend!
Die Verkabelung der originalen Voxbox aus dem Jahr 1996 im Vergleich zum neuen Manley Core. Eine Maschine übernimmt das Strippenziehen und liefert als Ergebnis einen gebündelten Kabelstrang. EveAnna: „Die Anschaffung dieser Maschine war eine Erlösung für denjenigen, der die Kabel von Hand zusammengefügt hat.“
EveAnna mit der Alu-Frontplatte des neuen Nu Mu Limiters, die von der Maschine im Hintergrund poliert wurde. Im gleichen Raum standen mal große CNC-Fräsen für mehrere 100000 Dollar, die jedoch verkauft wurden. Heute steht dort eine Poliermaschine, wo alle Frontplatten von einem Mitarbeiter poliert werden.
Ein Apple II steuert die mechanische Gravur der Manley Frontplatten. Das Programm dazu ist auf einer alten Floppy-Disk gespeichert. Ein PC-Update wurde bereits gekauft aber man nutzt in manchen Fällen weiterhin das Museumsstück.
Beim Apple II muss immer ein „Babysitter“ dabei sein, der kontrolliert, ob die Maschine auch wirklich das richtige tut und um gegebenenfalls die Gravur abzubrechen. Vor zehn Jahren gab es eine Vollzeitstelle für die Person, die diese Maschine bediente.
Nachdem die Mikrofone zusammengesetzt wurden, werden sie an der Teststation durchgecheckt.
Alle Mikrofone werden mit den „God Mics“, die auf dem Bild zu sehen sind, verglichen. Die Messwerte der getesteten Mikrofone dürfen nur wenig von den Werten der „God Mics“ abweichen.
Hier werden den Spulen für die Transformatoren gewickelt.
Alles auf dem Prüfstand. Abgehört wird natürlich mit den Manley Tannoy ML10. Der Originalpreis aus dem Jahr 1990 lag bei 2095 Dollar pro Paar!
»Hier eine lustige Story aus unserem Röhrenlager«, erzählt EveAnna. »Wir hatten ungefähr 7.000 Stück der 6072er-Röhre, die wir mal verwendet haben, die aber für unsere Zwecke einfach zu noisy waren. Deshalb lagen sie ungenutzt herum. Der Typ, von dem wir sie gekauft hatten, rief mich an und sagte, dass er unbedingt welche davon haben muss, er bräuchte sie für einen Kunden. Wir haben sie ihm dann alle für das Doppelte, was wir ihm gezahlt hatten, verkauft — die Preise sind über die Jahre einfach unglaublich gestiegen. Kurze Zeit später bekamen wir dann die Pressemeldung eines anderen Mikrofonherstellers, in der stand, dass sie den letzten Bestand der seltenen 6072er- Röhren in ihren Mikros verbaut haben. Da wussten wir, für was er sie verwendet hatte. Wir haben uns natürlich darüber gefreut, dass wir die Dinger los waren.«
Made In U.S.A. − bei Manley wird Wert auf gute Handarbeit gelegt.

EvaAnna-Rick-Katja-Marc Bohn

Rick, EveAnna, Katja, Riley und ich im Foyer von Manley Labs. Firmenhund Riley hat uns während der Tour ebenfalls begleitet. °

“Ich mache diesen Job schon sehr lange und bin immer noch Überrascht darüber, welche Probleme bei der Entwicklung auftreten können und wie lange man mit der Fehlersuche beschäftigt ist.”, EveAnna Manley!

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