iPhone als Fieldrecorder

Zoom iQ6 und iQ7 – Aufsteckmikrofone für iOS-Geräte

Als Alternative zum „klassischen“ Fieldrecorder hat der japanische Zoom zwei Aufsteckmikrofone fürs iPhone bzw. iPad entwickelt. Das iQ6 arbeitet mit einer (echten) XY-Anordnung, das iQ7 mit Mitten/Seiten-Aufnahmetechnik.

Angeschlossen werden beide Mikros über Apples Lightning-Schnittstelle, die gleichzeitig die einzige mechanische Verbindung darstellt. Entsprechend sollte man ein bisschen achtgeben, dass es hier zu keinem Bruch kommt. Der Aufnahmepegel wird über einen Drehregler eingestellt. Daneben liegt eine rudimentäre Aussteuerungsanzeige mit drei Segmenten. Das iQ7 verfügt zusätzlich über einen Schalter zur Wahl der Stereobasisbreite, der den Pegel des S-Kanals steuert. Wahlweise kann man auch das „rohe“ d. h. unmatrizierte M/S-Signal aufgezeichnet werden. Beim iQ6 lässt sich die Basisbreite durch verändern des Mikrofonwinkels (90/120 Grad) verändern; das geschieht Zoom-typisch über eine clevere Drehmechanik.

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Beide Mikrofonmodule verfügen über einen Kopfhörerausgang, der in Verbindung mit Zooms kostenloser HandyRecorder-App latenzfreies Monitoring ermöglicht. Beiden Mikros liegt ein Schaumstoff-Windschutz bei, den man für Außenaufnahmen aufsetzen sollte.

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Die iQ6 Kapseln zeigen ein recht ausgeglichenes Frequenzverhalten mit schlankem Bass und einer Höhenanhebung bei 10 kHz. Das Stereo-Matching ist gut.

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Beim Zoom iQ7 zeigen das Nierenmikrofon (M-Kanal) und das Achtermikrofon (S-Kanal) leicht unterschiedliche Frequenzgänge, was aber völlig normal ist und aufgrund der M/S-Technik zu keinem Stereoversatz führt.


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Sound&Recording Ausgabe 05/16

Songwriting Special

Diese Ausgabe widmet sich dem Thema Songwriting per App! Wir stellen euch iOS-Tools vor, die eure Kreativität beim Songwriting unterstützen und zeigen euch iOS-Hardware die umfangreiche, mobile Recording-Lösungen anbieten, wie Motive von Shure, die Lurssen Mastering Console und Lightning-Interfaces und –Mikrofone sowie Software. Eine Band die weiß wie man Songs schreibt sind AnnenMayKantereit. Mit ihrem Debüt-Album „Alles nix Konkretes“, das von Moses Schneider produziert wurde, schafften die Kölner-Jungs auf Anhieb den Sprung auf die #1 der deutschen Single Charts. Den Studio-Report findet ihr im Heft. Außerdem waren wir in Chino, USA in der Edel-Maufaktur bei Manley Labs zu Gast. Den dort hergestellten Channelstrip Manley Core haben wir für euch im Test. Für die Mixpraxis spricht Illangelo Montagnese über die Produktion mit The Weeknd und in De/Constructed zerlegt Henning Verlage King Kunta von Kendrick Lamar.

Getestet haben wir das Roli Seaboard Rise 25, das „Volksbändchen“ sE Electronics X1R und in Love The Machines gibt´s den Klassiker Roland JP-8000.

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Sound

Die Klangqualität der Zoom-Mikros ist deutlich besser als die von Apples eingebauten Mikrofonen und entspricht in etwa der eines Fieldrecorders der 150- bis 200-Euro-Preisklasse. Die Mikrofonkapseln des iQ6 sind identisch mit denen des (inzwischen etwas betagten) Zoom H4n. Mit den Mikros der aktuellen Zoom-Topmodelle H5 und H6 kann das iQ6 nicht ganz mithalten. Gemessen am Ladenpreis von knapp unter 100 Euro ist die Klangleistung jedoch sehr gut.

Das iQ7 besticht durch eine clevere Drehmechanik, die den Platzbedarf bei Nichtbenutzung minimiert. Im Klang gleicht es dem Zoom H2n im M/S-Modus. Also auch hier solide Kost, wenngleich neuste Fieldrecorder (nicht zuletzt die von Zoom selber) noch eine Schippe draufpacken. Für Songdemos und spontane Aufnahmen reicht die Qualität allemal.

Die zugehörige HandyRecorder-App von Zoom ist sehr leicht zu bedienen und läuft auch auf dem iPad (getestet habe ich auf einem iPad Air). Sie beschränkt sich auf die Grundfunktionen eines Fieldrecorders und unterstützt selbstverständlich eine automatische M/S-Matrizierung für das iQ7. Als Extras gibt es einen Grafik-EQ, einen Hall-Effekt und „Mastering“-Einstellungen. Typische Fieldrecorder-Zusatzfunktionen wie Tuner o. Ä. sucht man vergebens, aber dafür gibt’s ja jede Menge weiterer iOS-Apps, die ebenfalls auf die Zoom-Mikros zugreifen können. Das latenzfreie Direktmonitoring über den eingebauten Kopfhörerausgang unterstützt dagegen nur die Zoom HandyRecorder-App.

Fazit

Insgesamt würde ich dem iQ6 dem Vorzug geben, weil es ein wenig frischer klingt und durch den simplen mechanischen Aufbau schneller einsatzfähig ist. Denn bei spontanen Aufnahmegelegenheiten geht’s oft um Sekunden. Genau in solchen „unverhofften“ Momenten spielt eine iPhone-Lösung ihre Stärken aus. Viele interessante Aufnahmen kann man nur machen, wenn man dem Zufall eine Chance gibt und einfach immer einen Recorder bei sich trägt. Dafür sind Zooms platzsparende Mikrofonaufsätze ideal. n

 

Hersteller- & Produktinfos

iQ6 / iQ7 Hersteller/Vertrieb Zoom / Sound Service UvP/Straßenpreise je 141,61 Euro / ca. 90,– Euro (iQ6), ca. 100,– Euro (iQ7) www.sound-service.eu

Pro und Contra

++
günstiger Preis

++
gute Klangqualität

+
latenzfreies Direktmonitoring


nicht ganz auf dem Niveau der neusten Fieldrecorder

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