Tipps & Equipment-Empfehlungen für Fieldrecorder

Field Recording Guide

Beim Field Recording sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Viele Klänge aus dem Alltag, wie beispielsweise eine laufende Rolltreppe, die Einfahrt eines Zuges in den Bahnhof oder das Blätterrascheln im Park um die Ecke, können die Basis für einen außergewöhnlichen und beeindruckenden Sound sein. Die meisten Sounds begegnen einem meistens ausgerechnet dann, wenn man gerade nicht damit rechnet. In unserem Field Reording Guide zeigen wir euch, wie ihr euch auf solche Momente vorbereitet und euer Field Recording perfektioniert.

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(Bild: Marc Bohn)

Spontanität ist angesagt, denn oft werden die besten Sounds von »Field Rekordisten« irgendwo unterwegs gefunden und direkt aufgenommen. Sounds, die man nicht hätte planen können, weil man gar nicht wusste, dass sie existieren. Und nicht selten ist es ein zufällig wahrgenommenes Geräusch oder eine besondere Atmosphäre, die einen zur nächsten genialen Songidee inspiriert. Gott sei Dank gibt es Fieldrecorder: kompakte Aufnahmegeräte, die auf Speicherkarten aufzeichnen.

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Fieldrecorder, auch »Handy Recorder« oder »Mobile Recorder« genannt, gibt es inzwischen seit rund 10 Jahren, und in dieser Zeit hat sich eine Menge getan. Die Batterielaufzeiten haben sich drastisch verbessert, inzwischen hält praktisch jedes Gerät mit nur einer Akkuladung über 10 Stunden durch, und auch die Qualität der eingebauten bzw. mitgelieferten Mikrofonkapseln ist stetig besser geworden. Viele Fieldrecorder bieten endlich auch pegelfeste Line-Inputs − wichtig für den Pult-Mitschnitt! Zudem sind die Speicherkarten immer größer und billiger geworden, sodass man heute auch ohne MP3-Datenreduktion viele, viele Stunden Audiomaterial aufnehmen kann. Und schneller sind die Geräte geworden. Während die ersten Fieldrecorder mitunter gähnend lange Bootzeiten hatten, sind aktuelle Modelle innerhalb weniger Sekunden einsatzbereit. Wichtig für spontane Aufnahmen!

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Wir empfehlen als Aufsteckmikrofone das Shure MV88 sowie iQ6 und iQ7 von ZOOM. (Bild: Andreas Hau )

Übrigens, auch bei den Batterien hat sich was getan: Sehr empfehlenswert für mobile Aufnahmegeräte sind Eneloop-Batterieakkus mit verringerter Selbstentladung. So bleibt der Fieldrecorder auch nach längerer Nichtbenutzung sofort einsatzbereit.

Finde den Klang!

Die beim Field Recording aufgenommenen Sounds werden hauptsächlich in der Post-Production und weniger in der Musik eingesetzt. Film-Sounddesigner greifen bei der Vertonung auf ein Soundarchiv zu, das Unmengen an Klängen für die verschiedensten Filmmomente beinhaltet und mit dessen Libraries man die Klangrealität im Bausteinsystem in der DAW zusammenpuzzeln kann. Deshalb haben professionelle »Field Rekordisten« schon während den Aufnahmen eine Filmkomposition im Kopf und wissen, welche Lautstärkeverhältnisse beispielsweise in einer Atmo-Aufnahme herrschen sollen. Darum auch auf eine Separierung von Geräuschen achten. Bei Atmosphären lassen sich durch die Ausrichtung der Mikrofone oder die Art der Mikrofoncharakteristik Störgeräusche ausblenden. So kann man sich auf eine bestimmte Klangquelle innerhalb einer Geräuschkulisse fokussieren.

Je mehr Sounds am Ende in einer Tonspur vorhanden sind, umso schwieriger ist es später in der Post-Production, den Sound passend zu seinem Bild zu mischen. Um die Lautstärkeverhältnisse schon beim Recording zu beeinflussen, kann man auch mal seine Aufnahmeposition verändern. Sounds, die im Vordergrund stehen sollen, positioniert man dann auch am besten in der Mitte und weniger auf den Seiten.

Smartphone als Handrekorder

Es lohnt sich, immer einen Handrekorder dabeizuhaben. Oft hat man aber nur ein paar Sekunden Zeit, um einen Klang einzufangen. Als praktisch und mittlerweile auch qualitativ sehr hochwertig präsentiert sich die neue Generation an Aufsteckmikrofonen fürs Smartphone. Diese Kombination erweist sich als gute Alternative zu einem Handrekorder. Das Smartphone hat man für gewöhnlich sowieso dabei, und solch ein Mikrofon passt auch in jede Jackentasche. Auch bezüglich des Signalrauschabstands sind die Mikrofone fürs Smartphone in eine höhere Liga aufgestiegen. Und das Thema Speicherplatz ist bei dem Angebot an hohen Speicherkapazitäten und dem Cloud-basierten Arbeiten sowieso kein Thema mehr.

Die Akkulaufzeiten sind ebenfalls deutlich gestiegen und ausreichend für eine Session von 4 bis 5 Stunden. Die Sampleraten sind mit 44,1 kHz bei 16 Bit und 48 kHz zwar begrenzt, aber für den Alltagsgebrauch absolut aus – reichend. Alles, was darüber liegt, ist Profi-Bereich, in dem man sowieso ganz anderes Equipment auffahren würde.

Neben der Flexibilität haben Smartphones noch weitere Vorteile. Soundfiles können direkt benannt, grob geschnitten und in einer Cloud archiviert werden. Bei einem großen Datenaufkommen, was beim Field Recording oft der Fall ist, sind diese Prozesse mit Fieldrecordern oft etwas mühsam, und das direkte Archivieren in einer Cloud ist erst gar nicht möglich. Außerdem muss man beim Smartphone auch keine Angst haben, eine Speicherkarte und somit auch die aufgenommenen Sounds zu verlieren. An das Backup auf einer externen Festplatte sollte man aber trotzdem denken.

Undercover − Die Handlung hinter den Klängen

Macht man seine Aufnahmen an Orten, wo sich viele Menschen aufhalten, gilt es, unauffällig vorzugehen. Also: Lieber nicht mit großen Kopfhörern, der Tonangel oder selbst nur durch den Handrekorder auffallen. Damit stört oder verändert man oft die Handlung und die zusammenhängenden Umgebungsgeräusche.

Durch eine Präsenz mit großen Mikrofonen und vielen Kabeln reagieren die Menschen im Umfeld auf den Tonmann und verhalten sich dementsprechend auch anders. Würde man in einem Restaurant die Geräuschkulisse aufnehmen wollen, so würde man einfach einen kleinen Fieldrecorder unscheinbar an die Tischkante stellen − so unauffällig wie möglich, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

Bei manchen Rekordern lässt sich sogar die rote Signalleuchte, die während der Aufnahme leuchtet, deaktivieren. Dadurch wird dem Umfeld auch nicht signalisiert, dass aufgenommen wird. Rot = Aufnahme, das macht die meisten von uns nervös. Nur im Stile eines Undercover-Agenten lassen sich wirklich authentische Sounds aufnehmen.

Ich hör nur Rauschen

Der Rauschabstand ist bei Handrekordern, Aufsteckmikrofonen und externen Mikrofonen ein sehr wichtiger Parameter, gerade beim Aufnehmen von leisen Geräuschen wie beispielsweise Atmos in der Natur. Dort ist es oft schwierig, einem Tier überhaupt ein Geräusch abzugewinnen, geschweige denn ein Signal, das laut genug ist, um sich vom Grundrauschen abzuheben.

Gerade bei Atmos, die über einen längeren Zeitraum durchlaufen, ist die Nachbearbeitung (siehe S. 36) mit Restaurationsprogrammen schwierig, da sie oft so leise sind, dass sich das Signal beim Einscannen in die Software nicht vom Rauschen unterscheidet. Das macht das Entrauschen für jede Software schwierig. Bei Aufnahmen von leisen Geräuschen, die einen klaren Start und Endpunkt haben, hat man das Rauschen zwar auch, dort kann es aber von der Software differenziert und entfernt werden.

Hall wird dabei oft als Rauschen erkannt und sollte bei Aufnahmen vermieden werden, denn beim Entfernen ist durch ein abruptes Ende zu hören, dass die Hallfahne fehlt. Deshalb sollte man das Rauschverhalten vom Preamp seines Handrekorders kennen, um in den verschiedenen Situationen reagieren zu können und um sicher zu sein, dass man mit seinem Pegel noch genügend Abstand zum Grundrauschen hat. Das Problem wird auch nicht dadurch gelöst, indem man den Preamp voll aufdreht. Nur weil noch etwas Headroom da ist, muss man den Gain nicht unbedingt bis auf Maximum drehen. Bei den meisten Rekordern ist man in der Mittelposition am besten aufgehoben.

Schöne kleine Tools sind der AufsteckPreamp FetHead der Firma Triton Audio und die Pegelverstärker der Serie Cloudlifter von Cloud Microphones. Sie arbeiten sehr rauscharm und liefern bis 27 dB mehr Gain. Die Preamps werden über XLR mit dem Handrekorder verbunden und vergrößern den Signalrauschabstand.

Kopfhörer

Fürs Field Recording eignen sich am besten geschlossene Kopfhörer, durch die man von der Außenwelt abgeschottet ist, um sich auf das Recording zu fokussieren. Halb offene Kopfhörer sind immer dann empfehlenswert, wenn man beispielsweise beim Abhören eines Takes trotzdem noch die Geräusche von außen mitbekommen möchte.

Gute Fieldrecorder zwischen 100 und 500 Euro

Tascam DR-05 — für Einsteiger mit Schwerpunkt Ambience. Der sensationelle Ladenpreis unter 100 Euro macht den Tascam DR-05 zur Kaufempfehlung für Einsteiger.

Zoom H2n — das Universaltalent. Der H2n ist sehr kompakt, allerdings passt er aufgrund seiner Form nur bedingt in die Jackentasche. Schon zum ursprünglichen Preis war der Zoom H2n eine Sensation, mittlerweile ist er sogar noch 50 Euro günstiger geworden!

Olympus LS-14 — Allrounder mit Schwerpunkt Musikaufnahme. Der LS-14 ist handlich, sehr leicht zu bedienen und bietet sehr viel fürs Geld.

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(Bild: Marc Bohn)

Tascam DR-40 — der Geheimtipp. Ein sehr flexibles Gerät, leider für die Hosentasche ein bisschen zu groß. Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist allerdings extrem gut.

Zoom H5/H6 — Profigeräte für jedermann. Der H6 ist fast so groß wie ein Ziegelstein; der H5 ist etwas kompakter, aber in die Jackentasche passt er allenfalls bei Größe XXL. Beide Geräte sind robust verarbeitet und bieten ein gutes Preis/Leistungs-Verhältnis.

Field Recording Rescue Set

Was man beim Field Recording immer dabei haben muss …

In-Ear-Kopfhörer: Leicht zu verstauen und dazu auch unauffällig in der Anwendung (siehe Abschnitt »Undercover …«). Empfehlenswert sind die Audio-Technica ATH-ANC23BK, die auch ohne das Noise-CancellingSystem recht wenig Außengeräusche ans Ohr lassen. In manchen Geräuschkulissen ist die Quiet-Point-Technik aber auch noch eine echte Hilfe beim Abhören der Aufnahme.

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Handrekorder: Nicht zu groß, damit er leicht zu transportieren, schnell griffbereit und vor allem sofort aufnahmebereit ist. Es zählt die Aufnahme, die man hat — da nützt einem ein Gerät mit selbst den luxuriösesten Features nichts. (Bild: Dieter Stork)

Ersatzbatterien: Die meisten Recorder sind batteriebetrieben und erlauben das Austauschen der Batterien. Bei eingebauten Akkus kann eine Powerbank für Handys helfen.

Zusätzliche Speicherkarte: Zu dumm, wenn eine geniale Aufnahme am Speicher scheitert. Die mitgelieferten Speicherkarten haben meistens nur wenig Speicherplatz, lassen sich aber als Notfallkarte prima einsetzen.

Wind − Problem oder Ästhetik?

Es passiert oft, dass man gewisse Sounds nicht einfangen kann, weil es eben zu windig ist. Deshalb ist ein Windschutz, auch »Windjammer« genannt, absolut notwendig. Ein Korb wäre natürlich auch super, der passt aber leider nicht in jede Jackentasche. Je besser der Audiorekorder gegen Wind geschützt ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Aufnahme hinterher brauchbar ist. Vor allem Kleinkondensatormikrofone sind aufgrund ihrer Empfindlichkeit für Wind sehr anfällig. Manchmal reicht schon ein kleiner Luftzug, und eine tolle Aufnahme ist vermasselt. Die Windgeräusche sind dann oft auf der Aufnahme als tieffrequentes Wummern zu hören.

Es empfiehlt sich deshalb, den Windschutz immer auf seinem Aufsteckmikrofon zu haben. Denn möchte man spontan einen Sound aufnehmen, muss man nicht erst noch wild nach dem Windjammer suchen und ihn mühevoll über das Mikro ziehen. Bis dahin kann der Sound, den man aufnehmen möchte, schon nicht mehr zu hören sein. Selbst in Momenten, in denen man ihn eigentlich nicht benötigt, tut er dem Sound nichts Schlechtes. Man kann darüber streiten, ob er die Höhen etwas dämpft, aber in dem Fall ist es wirklich so gering, dass man es getrost vernachlässigen kann.

Störgeräusche

Handrekorder sind mobile Recording-Studios, die auf kleinstem Raum viele Funktionen unterbringen. Da die Mikros fest mit dem Gehäuse verbunden sind, sind mehr oder weniger alle Rekorder auch sehr geräuschempfindlich. Bei Aufnahmen aus der Hand muss man sich wirklich ganz ruhig verhalten und still stehen. Ein kleiner Schritt nach vorne oder eine minimale Bewegung der Finger ist vor allem bei hohem Gain sofort auf der Aufnahme zu hören. Nachpegeln während einer Aufnahme ist deshalb schier unmöglich. Das Drehen am Rad ist sofort zu hören und macht das Signal unbrauchbar. Falls möglich, sollte man vor allem bei Aufnahmen von leisen Sounds mit einem hohen Gain ein Stativ verwenden.

Bei mobilen Aufnahmegeräten haben sich drei Mikrofonanordnungen durchgesetzt, die man meistens am Mikrofonkopf der Rekorder erkennt, wobei manche Geräte auch verschiedene Positionierungen der Mikrofonanordnung ermöglichen oder sogar verschiedene Mikrofonaufsätze als Zubehör angeboten werden.

Field-Recording-Tipps

Kurze Ansagen zum Ort und Geräusch am Beginn der Aufnahme helfen bei der späteren Archivierung bzw. der Datenverwaltung.

Auf die Art der Namensgebung achten. Am besten standardisieren. Beispielsweise »Geräusch_Ort_Datum«

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(Bild: Marc Bohn)

Tipp zur Stereomikrofonierung

Um die Atmosphäre einer Fußgängerzone oder des Straßenverkehrs einzufangen, sollte man sich mit seinem Rekorder, um den Stereoeffekt zu bekommen, senkrecht zur Laufrichtung der Personen oder der Straße positionieren. Dafür eignen sich im Grunde alle Stereo-Aufsätze, wir empfehlen allerdings die StereoShot-Gun SSH6 von Zoom.

Field Recording Contest

Werde selber zum Soundhunter und gewinne ein Recording-Setup im Gesamtwert von über 2.000,– Euro!

Mitmachen! Dein Track sollte hauptsächlich aus deinen eigenen Fieldrecordings bestehen – du kannst aber auch Samples aus Sound-Librarys nutzen. Was zählt, ist die Originalität des Tracks.

Weitere Infos und eine Sound-Library zum Mitmachen findest du hier.

Der beste Track gewinnt und wird in SOUND & RECORDING präsentiert. Teilnehmen können alle, die uns Folgendes per Download-Link zusenden:

  1. MP3-Track
  2. Infos zum Entstehen des Tracks
  3. Kurzbio

Einsendeschluss: 31.03.2016

Zusendungen per Download-Link an:

redaktion@soundandrecording.de

Betreff: „Fieldrecording-Contest“

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  1. Field Recording am Limit mit Tonsturm › SOUND & RECORDING

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