Recording ohne Grenzen

Interview mit Mark Johnson von »Playing For Change«

(Bild: Dirk Heilmann)

Die amerikanische Organisation »Playing For Change« nimmt Cover-Versionen bekannter Songs mit vielen Musikern weltweit auf, darunter Straßenmusiker und Prominente wie Ringo Starr, Robbie Robertson oder Keith Richards. Die Aufnahmen finden im Freien statt, teilweise in entlegenen Gebieten. Ein Gespräch mit Toningenieur Mark Johnson über Herausforderungen und besondere Momente.

Er wolle die Menschen über Songs miteinander verbinden, erklärt Mark Johnson seine Motivation, warum er durch die Welt reist, um in allen möglichen Ländern interessante Musiker aufzuspüren. Mit seinem Team nimmt er mit einem mobilen Aufnahme-Setup in Ton und Bild einen Beitrag auf. Am Ende entsteht beispielsweise eine Cover-Version eines bekannten Songs, auf dem sich Künstler unterschiedlicher Kulturen die musikalische Klinke in die Hand geben – und vor allem Begeisterung und Leidenschaft vermitteln.

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Ursprünglich arbeitete Johnson als Toningenieur in der New Yorker Hit Factory, später in Los Angeles. Er nahm etwa Paul Simon, Jackson Browne, Rickie Lee Jones oder Los Lobos auf. »An einem Tag arbeitete ich mit Paul Simon, am nächsten an Filmmusik, anschließend vielleicht mit einem 70-köpfigen Orchester für eine Broadway-Produktion. Mir fiel die Freude auf, die die Leute am Aufnehmen ihrer Musik hatten.

Eines Tages war ich auf dem Weg zur Arbeit in den Gängen der New Yorker U-Bahn unterwegs. Dort standen zwei Mönche in ihren Roben, einer spielte Gitarre, der andere sang. Praktisch jeder stoppte und hörte zu. Im Publikum sah ich einen Obdachlosen neben einem Geschäftsmann, ein kleines Mädchen und eine ältere Frau. Mir schien: Die beste Musik, die ich gehört habe, fand auf dem Weg zum Studio statt, nicht im Studio. Meine zweite Erkenntnis: Was Menschen trennt, verschwindet bei Musik.

Musiker auf Kuba, in den Straßen von Havanna
Mit dem Straßenmusiker Roger Ridley begann das weltweite Projekt: Mark Johnson nahm dessen Performance von Stand By Me mit Akustikgitarre und Gesang 2005 auf; hinzu kommen im Song 18 weitere musikalische Beiträge, die weltweit nacheinander aufgenommen wurden.
Toningenieur Mark Johnson (rechts), der mit seiner Partnerin Whitney Kroenke die »Playing For Change«-Organisation gegründet hat, bei Aufnahmen in Kinshasa, Kongo Bamako, Mali
The-Band-Gitarrist Robbie Robertson unterstützte das Projekt von Beginn an, bei der Cover-Version seines Songs The Weight spielte er selbst Gitarre.
Ein weiterer prominenter Gast: Keith Richards spielte und sang bei seinem Song Words Of Wonder.
Zwei Mönche bei der Aufnahme mit Blasinstrumenten in Indien.
Eine Harfenistin spielt ihren Beitrag in Materna, Italien ein.

Ich entschloss mich, ein Teil des Equipments, das ich im Studio benutzte, auf die Straße mitzunehmen: in die U-Bahn, zu afrikanischen Dörfern, in den Himalaya – wo immer ich hinreisen könnte. Dort würde ich Musik praktisch in ihrer natürlichen Umgebung aufnehmen.«

Johnson gründete 2002 die Organisation »Playing For Change« mit seiner Partnerin, der Filmemacherin Whitney Kroenke. Sie waren zunächst in den USA unterwegs, um Menschen beim Musikmachen einzufangen. Daraus entstand die prämierte Dokumentation »A Cinematic Discovery of Street Musicians«.

2005 nahm er den mittlerweile verstorbenen Straßenmusiker Roger Ridley in Kalifornien auf, dessen Performance des Ben-E.-King-Klassikers Stand By Me beeindruckte. »Ich meinte: ›Du klingst wie Otis Redding – was machst du auf der Straße?‹ « Er sei im »Joy Business«, habe Ridley geantwortet, wolle mit der Musik direkt bei den Leuten sein. Diese Feststellung beeindruckte Mark Johnson. Er nahm weltweit Musiker auf, die zu Ridleys Performance aus Akustikgitarre und Gesang weitere Beiträge einspielten. Das Video der Cover-Version wurde 2008 auf YouTube veröffentlicht, mittlerweile wurde der Clip über 150 Millionen Mal abgerufen.

Die komplette Story findest du in der Sound&Recording-Ausgabe 2/2022. Hier versandkostenfrei bestellen oder als PDF kostengünstig herunterladen. 

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