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Roli Blocks – 5D-MIDI-Controller

Der britische Hersteller Roli hat sich besonders in den letzten Jahren einen Namen mit dem Seaboard gemacht. Diese Keyboard-Serie mit extravagant anmutender Silikon-Tastatur bietet sehr expressive Spielmöglichkeiten mit insgesamt fünf Berührungsdimensionen dank Multidynamic Polyphonic Expression, kurz „MPE“. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Technologie auch im Stile einer Matrix bzw. eines Drum-Pads auf den Markt kommt.

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Und genau das hat Roli offenbar mit seinen neuen Blocks realisiert. Das Lightpad, ein Teil des neuen „Modular Music Studio“, unterstützt ebenfalls die hauseigene 5D-Technologie. Die erste Dimension namens „Strike“ verarbeitet die Anschlagsdynamik, während die zweite namens „Press“ den Druck über die gesamte Haltedauer in MIDI-Daten umwandelt. Besonders interessant sind aber die zwei folgenden Dimensionen: „Glide“ erkennt Fingerbewegungen auf horizontaler und „Slide“ auf vertikaler Ebene. Zu guter Letzt sendet „Lift“ Informationen über die Geschwindigkeit beim Loslassen der Oberfläche.

Hardware

Das Lightpad besitzt die Maße 94 x 20 x 94 mm (BxTxH) und ist mit einem Gewicht von knapp 250 Gramm sehr kompakt. Das schwarze Kunststoffgehäuse ist oben mit einer Silikonbzw. Urethan-Beschichtung versehen, welche die 5D-Touch-Technologie ermöglicht. Darunter sind insgesamt 225 farbige LEDs in Form einer 15×15-Matrix eingelassen.

Neben einer USB-C-Buchse sind an den Seitenwänden lediglich ein Knopf für den Wechsel der Modi sowie ein Power/BluetoothKnopf integriert. Ein USB-C-auf-USB-A-Kabel gehört zum Lieferumfang.

Jede der vier Seiten ist mit zwei sogenannten »DNA Connectors« versehen, sprich magnetische Pins, die man in ähnlicher Form von der Stromversorgung einiger MacBooks her kennt. Diese Ports dienen zum Verbinden mit weiteren Lightpads bzw. den beiden anderen Modulen namens »Loop« und »Live«. Beide dieser optional erhältlichen Module sind rechteckig ausgelegt und weisen die gleiche Breite und Höhe, jedoch nur die Hälfte der Länge eines Lightpads auf. Dadurch kann man die Blocks in beliebiger Anordnung kombinieren. »Loop« und »Live« besitzen allerdings keine Touch-Oberfläche, sondern jeweils zehn Buttons, die verschiedene Funktionen übernehmen. Loop kümmert sich beispielsweise um das Aufnehmen von Phrasen oder die Quantisierung der Performance. Live währenddessen erlaubt das Umschalten von Oktaven und Skalen sowie das Spielen von Arpeggios und Akkorden.

Installation und Einrichtung

Da alle Blocks mit einem fest verbauten Akku ausgestattet sind, muss dieser vorerst aufgeladen werden. Beim Lightpad geschieht dies über die USB-Schnittstelle, Loop und Live erhalten ihren Strom über die DNA-Ports des Hauptmoduls. LEDs geben Auskunft über den aktuellen Ladezustand, der nach etwa zwei bis drei Stunden abgeschlossen ist.

Für iOS-Geräte gibt es eine kostenlose App namens »Noise«, die man in der Zwischenzeit installieren sollte. Auch ohne Blocks kann man sich hier einen ersten Eindruck der Arbeitsweise verschaffen. Die minimalen Systemvoraussetzungen sind hier ein iPhone ab Version 6 oder ein iPad ab Air-Version, beide mit mindestens iOS 9.

Sind alle Vorbereitungen getroffen, wird die Bluetooth-Schnittstelle des iOS-Gerätes aktiviert und die App gestartet. Sobald das Lightpad ebenfalls angeschaltet ist, erscheint es in der Liste der verfügbaren Geräte und verbindet sich mit der App. Im Nachhinein lassen sich weitere Blocks per DNA-Port an das Hauptmodul »andocken«.

Auf der Website von Roli sollte man einen User-Account einrichten und die jeweiligen Blocks mit der Seriennummer registrieren. Für Mac und Windows steht dann die Software »Blocks Dashboard« als kostenlose »open beta« zum Download bereit. Dort lassen sich die Blocks individuell konfigurieren und bevorzugte Setups griffbereit abspeichern.

Ganz nebenbei ist auch ein dreimonatiges Testpaket von »Cycling ’74 Max 7« mit inbegriffen.

Die App

In der Noise-App gibt es die zwei Hauptansichten »Song« und »Instrument«, zwischen denen man mit einem vertikalen Swipe wechselt. Die Instrumentenansicht beherbergt drei »Solo Instrumente«, die jeweils mit einem Tonartfilter, Arpeggiator oder einer Akkordspielhilfe versehen werden können. Des Weiteren ist in dieser Ansicht noch ein »Multi Instrument« verfügbar. Hier kann es sich entweder um klassische »Drum Kits« mit One-Shot-Samples handeln oder um »Groove Kits«, die auf jedem Pad bereits ein Pattern anbieten, welches durch Bewegung variiert.

In der Song-Ansicht findet man oben vier Icons: Play/Pause, Click zum Aktivieren des Metronoms und Ändern des Tempos sowie eine Quantisierungsfunktion und einen Lautstärkeregler. Der untere Bereich der Song-Ansicht zeigt eine Matrix, wo vier Reihen die Instrumentenspuren darstellen. Pro Instrument stehen zwölf Loop-Slots zur Verfügung, in denen man seine Performance aufnehmen, starten und stoppen kann.

Die Loop-Länge beträgt vier Takte und lässt sich nicht ändern. Leider kann man keine eigenen Kits zusammenstellen, geschweige denn eigene Samples importieren. Die Noise-App wird mit einer hochwertigen, aber überschaubaren Auswahl von Sounds und Drums ausgeliefert. Zum Nachfüllen wird man im »Soundpacks Store« zur Kasse gebeten.

Glücklicherweise ist mit dem aktuellen Update nun auch ein Export der Audiodaten möglich. »Loop Export« speichert jeden Loop des ausgewählten Projekt als eigene Wav-Datei, die man anschließend mithilfe von iTunes auf den Computer übertragen kann.

Dank Cloud-Integration stehen zwei weitere Funktionen zu Kollaboration bereit. »Project Sync« sichert alle Projekte im eigenen User-Account − sehr gut, um Backups anzulegen oder eine Komposition auf einem anderen iOS-Geräte fertigzustellen. Der Online-Speicher ermöglicht einen »Remix« von Projekten für andere User, sofern die Daten in der Community Noise.FM freigegeben wurden.



Sehr großes Potenzial − noch nicht ganz ausgeschöpft: App, Blocks und Dashboard.



Das Lightpad im Betrieb

Nun gut, kommen wir wieder zur Hardware. Das Lightpad bietet diverse Modi, die man teils per App, Dashboard oder mit dem Mode-Button am Gerät selbst wechseln kann. Im Modus »Melodic Block« verwandelt sich die Oberfläche in eine 5×5-Matrix, mit der man Melodien innerhalb einer frei definierbaren Tonart spielen kann − inklusive polyfonem Pitchbend und Aftertouch.

Noten außerhalb der Skala lassen sich durch den Befehl »Hide« verstecken. Optisch ist das recht hilfreich, obwohl die Noten dennoch erklingen, wenn man einen der schwarzen Bereiche drückt. Das kennt man in ähnlicher Form bereits von Ableton Push. Beim Lightpad gibt es jedoch keine Funktion, die alle Segmente der Matrix zusammenrückt bzw. lückenlos füllt, was den aktuell spielbaren Notenbereich nicht optimal ausnutzt.

Die Dimensionen Slide und Glide sind durch das Design zwangsläufig eingeschränkt. Im Gegensatz zum Seaboard lassen sich Noten, die am unteren Rand des Lightpad liegen, nur nach oben transponieren. Diesbezüglich wäre eine Funktion wie bei Ableton Push hilfreich, welche die Matrix frei − nicht nur in Oktaven − verschiebt. Der Modus »Drum Block« zeigt ein Raster mit 2×2, 3×3 oder 4×4 Pads an, die sich bestens eignen, um Drum-Sampler wie Battery oder Ultra-Beat anzusteuern.

Im Fader-Block-Mode erscheinen vier Schieberegler, die man beliebigen MIDI-CCs in der DAW zuweisen kann. Mit dem Mode-Schalter lässt sich zwischen insgesamt vier dieser Ansichten umschalten, was die Regleranzahl auf 16 erhöht.

Auch ein Mixer-Block-Mode darf nicht fehlen. Hier stehen vier Touch-Fader und vier stilisierte Buttons für die freie MIDI-Belegung zur Verfügung. Die Kontrolle von vier Fadern in der DAW klappt gut − nach der Zuweisung. Weil Blocks aber kein Steuerprotokoll wie beispielsweise Mackie Control unterstützt, wandern die Fader in der DAW nicht mit, sobald man einen fünften Kanal selektiert. Eine Bank/Nudge-Funktion fehlt ebenso.

Die quadratische Touch-Oberfläche eignet sich natürlich hervorragend als XYZ-Pad. Im gleichnamigen Modus wird für jede der drei Achsen ein eigener MIDI-CC gesendet, werksseitig 113, 114 und 115. Einmal eingerichtet, lassen sich recht komplexe Vorgänge wie etwa Frequenz, Resonanz und Drive des Auto-Filter in Ableton Live mit nur einem Finger bedienen.

Getestet wurde u. a. mit dem Software-Synthesizer Strobe 2 von FX-pansion, welcher die MPE-Technology offiziell unterstützt. Zahlreiche Patches sind dementsprechend mit dem Zusatz »5D« versehen. Im Stand-Alone-Modus funktioniert der Workflow hervorragend. Sobald der Synthesizer aber in Ableton Live auf einer MIDI-Spur liegt, werden weder Slides noch Glides erkannt. Das liegt aber nicht an Roli, sondern an der Art, wie manche DAWs mit MIDI-Daten umgehen.

Das MIDI-Protokoll verarbeitet wichtige Befehle, z. B. Modulations- oder Pitch-Wheel, global. Von Haus aus wirken sich bestimmte Bewegungen des Lightpad auf alle gleichzeitig gespielten Noten aus oder werden erst gar nicht umgesetzt. MPE schickt deshalb jede Note auf eigenen MIDI-Kanälen ab, um die besondere Spielweise zu ermöglichen. Möchte man einen multitimbralen Klangerzeuger wie Strobe 2 oder Roli Equator ansteuern, ist teilweise ein recht umfangreiches Setup in der DAW notwendig.

Fazit

Die Bezeichnung »Modular Music Studio« ist leicht irreführend, da die drei Block-Module selbst keine eigenen Klangerzeuger innehaben. In Verbindung mit der Noise-App hat man jedoch großen Spaß, interessante Melodien oder abgefahrene Drum-Loops auf vier Spuren aufzunehmen. Der nachträglich integrierte Audio- Export ermöglicht zudem ein Verwenden außerhalb des Systems. Sobald man aber eigene Sounds importieren möchte, kippt die Stimmung.

Das Konzept ist allgemein sehr gut, allerdings bedarf es noch etwas Feinabstimmung, um Blocks sowohl im iOS-Betrieb als auch am Computer flexibler und nutzerfreundlicher zu gestalten. Dazu kommt, dass einige Software-Sequenzer und Klangerzeuger von Drittanbietern die MPE-Technologie nicht direkt unterstützen und teils recht umständliche Routing-Setups mit mehreren MIDI-Spuren nötig sind, um das 5D-Potenzial des Lightpad auch ohne App zu nutzen. Wir warten also gespannt ab, bis die öffentliche Beta-Phase des »Dashboard« beendet ist.


+++ interessantes Modular-Konzept

++ gute Haptik

+ mehrfarbige LEDs

– App erlaubt keinen Import von eigenem Audio-Material

– keine Android-Unterstützung

Hersteller: Roli

Straßenpreis 199,− Euro

www.roli.com

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