Achter-Pack

PreSonus FaderPort 8 DAW-Controller im Test

Presonus FaderPort 8

PreSonus ist bereits mit dem kleinen »FaderPort« ein großer Wurf gelungen. Selbst in einigen großen High-End-Studios ist dieser kompakte Controller, der lediglich einen einzigen Kanal-Fader mit Transport-Sektion bietet, anzutreffen. Nun legt der Hersteller aus Baton Rouge, Louisiana mit einer größeren Variante nach. Dabei handelt es sich beim neuen »FaderPort 8« keineswegs um einen Abklatsch des Vorgängers, denn PreSonus hat ein vollständig neu durchdachtes Konzept umgesetzt.

Die Rückseite ist lediglich mit einer USB- und Footswitch-Buchse ausgestattet. Die Stromversorgung erfolgt über das mitgelieferte 12- Volt-Netzteil. PreSonus legt dem FaderPort 8 vier Gumminoppen bei, welche, sobald sie an der Bodenschale aus Kunststoff aufgeklebt sind, für einen stabilen Halt des Gerätes sorgen. Die Deckplatte besteht aus schwarzem Aluminium. Hier sind acht motorisierte, berührungsempfindliche Fader mit einem Regelweg von je 100 Millimetern vorhanden. Jeder Kanalzug ist des Weiteren mit den klassischen Buttons »Select«, »Mute« und »Solo« ausgestattet. Auf der rechten Seite sind eine Transport-Sektion und ein großer Endlos- Encoder eingelassen. Diese Basiskonfiguration wird von einer Vielzahl von dedizierten Buttons erweitert, die wir uns später im Betrieb genauer ansehen.

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Im Allgemeinen macht der FaderPort 8 einen sehr guten Eindruck hinsichtlich der Verarbeitung. Auch das Oberflächen-Design erscheint gut strukturiert, wozu nicht zuletzt die mehrfarbige Hintergrundbeleuchtung aller Buttons beträgt. Im Gegensatz zur Avid Artist-Serie oder iCon qCon bietet PreSonus leider keinerlei Erweiterungen für etwa zusätzliche FaderModule an.

Installation und Einrichtung

Ein gedruckter Quickstart-Guide ist dabei, für ein ausführliches Handbuch in englischer Sprache muss allerdings ein PDF herhalten. Der Treiber »Universal Control« steht online sowohl für Mac und PC zum Download bereit. Das Software-Panel bietet neben einer Option zum Aktualisieren der Firmware sonst keinerlei Möglichkeiten zum Editieren bzw. Individualisieren der Hardware.

Im Betrieb

Die Einrichtung ist absolut unkompliziert.

 

Der FaderPort 8 unterstützt die klassischen Steuerprotokolle. Zum einen »Mackie Control«, welches von fast allen DAWs wie Steinberg Cubase, Apple Logic, Ableton Live oder Cakewalk Sonar verwendet wird, zum anderen das Protokoll »HUI«, welches man für Pro Tools auswählen sollte. Klar, bei einem Controller mit einem Verkaufspreis von unter 600 Euro darf man kein EuCon-Protokoll erwarten. Von Euphonix ins Leben gerufen und von Avid adaptiert, bietet dieses System erstklassige Kommunikation zwischen Sequenzern wie Nuendo oder Pro Tools, wozu auch eine sehr gute Bedienoberfläche von Plug-ins gehört.

Selbstverständlich ist der FaderPort 8 primär auf den Betrieb mit Studio One ab Version 3.3.2 optimiert. »Studio One Artist« wird mitgeliefert. In diesem Fall muss der Controller im Modus »Native« arbeiten, welcher ähnliche Vorzüge wie das EuCon-Protokoll mit sich bringt − ganz ohne Ethernet-Architektur.

Der Wechsel zwischen den verschiedenen Steuerprotokollen ist kinderleicht. Dazu werden die »Select«-Buttons von Kanal 1 und 2 während des Anschaltens gleichzeitig gedrückt. Somit hat man Zugriff auf die verschiedenen Modi und das Menü »Setup«, in dem man die Geschwindigkeit sowie die Empfindlichkeit der Fader anpassen kann. Die Haptik der Fader ist sehr gut, und mit dem großzügigen Regelbereich lassen sich sehr feine Einstellungen vornehmen. Die Geräuschentwicklung ist relativ gering.

Während sich die Motoren kaum bemerkbar machen, gibt der Controller während automatisierten Fader-Fahrten oder Bank-Wechseln nicht mehr Laute von sich als ein Avid Artist Mix. Gut gemacht! Das LC-Display lässt sich nicht aufklappen. Etwas schade für das sonst sehr gut konzeptionierte Desktop-Gerät, denn sitzt man vor der Konsole, fällt es je nach Blickwinkel et was schwer, die Informationen abzulesen. Jedes Display zeigt Name, Nummer und PanoramaPosition des Kanals an. Die Kanäle lassen sich per Select-Button oder Jog-Wheel auswählen und Spuren mit der »Arm«-Funktion scharfschalten. Selbstverständlich funktionieren auch die Solo/MuteButtons und die entsprechenden Clear-Funktionen.

In anderen DAWs stimmte die tatsächliche Zuweisung teilweise nicht so ganz überein. So blendet der »Latch«-Button in Ableton Live die Detail-Ansicht, »Touch« hingegen den Browser ein und aus. In Studio One lässt sich jedoch das gesamte Potenzial der Bedienelemente ausschöpfen: »Bypass«, »Macro«, »Edit Plugins«, usw. Bei aktivierter Shift-Taste erhöht sich der Funktionsbereich, da die meisten Buttons mit einer zweiten Aufgabe versehen sind. Ist die »Link«-Funktion aktiv, kann man per MouseOver jeden beliebigen Parameter auch von Drittanbieter-Plug-ins mit dem Pan-Encoder einstellen. Das ist in etwa mit dem »AI Knob« von Steinberg zu vergleichen.

Interessant wird es allerdings mit der »Lock«-Funktion, die den ausgewählten Parameter fest dem Panorama-Poti zuweist. So könnte man beispielsweise die Lautstärke der Lead-Vocals jederzeit zur Hand haben, während man die acht Kanal-Fader am Controller frei »banken« kann. Hilfreich sind auch die »Mixer Views«. Mit fünf dedizierten Buttons lassen sich beispielsweise nur die Audio-Eingänge, MIDIKanäle, Ausgangs-Busse, VCAs oder Effekt Returns von Studio One auf die Bedienoberfläche holen. Der Übersichtlichkeit halber wäre es schön gewesen, wenn sich die jeweils aktive Ansicht auch im Mixer der Software widerspiegeln würde. Vielleicht kommt das ja noch mit einem Update?

Die rückseitigen Anschluss-Möglichkeiten: USB/Footswitch/Footswitch

Fazit

Mit dem FaderPort 8 ist eine erstklassige Integration in Studio One gelungen. Die Arbeit mit dem hauseigenen Software-Sequenzer wird stark beschleunigt und macht großen Spaß. Abstriche hinsichtlich Workflow muss man aber beim Einsatz mit anderen DAWs wie beispielsweise Ableton Live oder Apple Logic machen. Zwar klappt die Kommunikation mit den entsprechenden Steuerprotokollen einwandfrei, jedoch besitzt der FaderPort 8 eine Vielzahl an Buttons, deren eigentliche Aufgabe nicht mit der fremden Umgebung einhergeht. In diesem Fall muss man die Bedienelemente erst den gewünschten Funktionen per Mapping zuweisen. Unter dem Strich ein tolles Stück Hardware, bei dem man hofft, dass PreSonus zukünftig noch Erweiterungsmodule nach dem Vorbild von Avid, iCon oder Mackie für eine größere Anzahl von gleichzeitig einsetzbaren Fadern auf den Markt bringt.


+++ hervorragende Studio-One-Integration
+++ gute Verarbeitung
+++ zahlreiche Bedienelemente
– manche Bedienelemente beim Einsatz von Drittanbieter-DAWs unbelegt
– gegenwärtig keine Erweiterungsmodule

FaderPort 8 Hersteller PreSonus
Straßenpreis 549,− Euro

www.presonus.com

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