De/constructed - Hits zum Nachbauen

Der Stranger Things Soundtrack mit Softwareinstrumenten in der DAW nachgebaut

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. Dieses Mal geht es um den Synth-lastigen Soundtrack zur Netflix-Serie Stranger Things, der nicht nur das Herz von Analog-Nerds höher schlagen lässt.

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Der fast ausschließlich mit analogen VintageSynthesizern erzeugte Soundtrack versprüht 80er-Jahre-Nostalgie und ist eine Hommage an die Blütezeit von Künstlern wie Jean- Michel Jarre, Tangerine Dream, Vangelis oder Giorgio Moroder. Elektronik pur, technisch kühl ratternde Sequenzen, ostinate Pattern, warme Flächen und tiefe, sich langsam entwickelnde Drones kreieren eine düstere Atmosphäre, die perfekt zur Inszenierung der Serie passt. Gleichzeitig klingen die Kompositionen soundtechnisch frisch und modern, und so ist es nicht verwunderlich, dass der Soundtrack eine ebenso hohe Popularität genießt wie die Serie selbst. Für die Umsetzung im Rechner kommen alle Arten von klassischen Synthesizer-Emulationen zum Einsatz, vorwiegend von Arturia, Native Instruments und Spectrasonics, sowie der Cubase-interne Retrologue 2.

Am 24.3.2018 findet in Senden der erste De/constructed Praxis-Workshop mit Henning Verlage und Christoph Aßmann statt. Hier findest du die Infos.

Sequencing & Instrumentierung 

Main Sequenz: Im Gegensatz zu klassischer Filmmusik gibt es kein wirkliches Hauptthema, sondern ein markantes, den gesamten Track durchziehendes Arpeggio, das die Funktion des Leitmotivs übernimmt und im Verbund mit Bass und Pads für mysteriöse Atmosphäre sorgt. Dyxon und Stein verfügen über ein riesiges Arsenal an analogen Synths, fürs Sequencing arbeiten sie mit einer Akai MPC oder mit Stepsequencern und nehmen die so kreierten Lines direkt als Audiotracks in Logic auf.

Henning Verlage und Christoph Aßmann, werden auch auf bei der Studioszene auf der Muszikmesse anwesend sein und De/constructed live vorführen. Mehr dazu hier.

Die Original-Sequenz wurde mit einem Oberheim SEM Two Voice gespielt, in unserem Beispiel haben wir ein Layer aus Arturia Jupiter-8V und tiefer oktaviertem Native Instruments Monark verwendet. Zwei diffuse Sounds aus Sylenth 1 (»Morphing Pad«) und Omnisphere (»Buenos Aires«) doppeln die Sequenz und verstärken das mysteriöse Flair.

Bass und Kick: Der Bass besteht ebenfalls aus einem Layer, hier aber vor allem, um zu zeigen, dass mit unterschiedlichsten Synths dicke, breite Sägezahn-Sounds erzeugt werden können. Sie spielen lang gehaltene Töne, bringen damit Schwere in den Track und sorgen für die harmonischen Wechsel. Der »Herzschlag«-Puls als einziges rhythmisches Element ist ein abgefiltertes Kick-Sample, im Original übernimmt dies ein Sequential Pro One.

Chor: Die Chor-Sounds im Soundtrack wurden mit einem Mellotron M400 eingespielt, wir haben ein Layer aus der Arturia-Version des legendären Fairlight CMI, Omnisphere und Kontakt verwendet. Sie spielen durchgängig nur einen liegenden Akkord sowie minimale melodische Einwürfe und fügen damit ein organisches Element mit schwebendem Charakter in das Klangbild ein.

Am 24.3.2018 findet in Senden der erste De/constructed Praxis-Workshop mit Henning Verlage und Christoph Aßmann statt. Hier findest du die Infos.

Add-ons: Für das Intro- und Outro-Arpeggio wurden zwei Instanzen der Kontakt Retromachines eingesetzt (»Polylead 2«, »Metabell«) und der interne Arpeggiator aktiviert. Ein weiteres Layer aus dem Sylenth 1sorgt mit weißem Rauschen und hoher Resonanz für klassisches »Synth-Zirpen«. Kleinere Soundakzente wie Synthsweeps, kurze Attacks und Effekt-Noises sorgen für Abwechslung und durchgehende Spannung im Verlauf des Tracks.


Die Magie des Stranger-Things-Soundtrackslässt sich mit folgenden Software-Instrumenten nachbauen.


Arrangement & Maste

Arrangement: Die Produzenten der Serie benutzten bereits bei deren Konzeptionierung Musik von Survive als Temptrack (Beispielmusik), womit die stilistische Richtung schon klar definiert war. Basis des ca. einminütigen Titeltracks ist ein älteres Demo des Duos, das größer und dicker ausgearbeitet wurde und auf einen Klimax hinausläuft. Es startet mit einem luftigen Arpeggio-Intro als sofort wiedererkennbares Audiologo, bevor es in die schwere und ostinate Hauptsequenz übergeht, einem gebrochenen Cmaj7-Akkord, der mit den darunter wechselnden Basstönen C, E und H für bestes Akte-X-Feel sorgt und so den mysteriösen Charakter der Serie unterstreicht.

Die Akkordwechsel kommen tatsächlich nur durch die Bassnoten zustande, die zusätzlichen Pads verharren durchgehend auf einem E-Moll-Akkord. Kurz vor dem Klimax wird durch einen kurzen Breakdown noch einmal »Luft geholt«, um die nachfolgende Steigerung noch intensiver zu gestalten.

Hier findest du alle Soundfiles, um das Theme von Stranger Things selbst nachzubauen. 

Master: Die Summe wird mit dem an den klassischen SSL Buss Compressor angelehnten Slate Digital FG-Grey mit bis zu 3 dB Gain-Reduction verdichtet, gefolgt vom UAD Pultec-EQ, der Bässe und Höhen leicht anhebt ca. +1 dB bei 100 Hz und 10 kHz). Der Brainworx bx_1 verbreitert das Stereobild (130 %).

Danach fügt der PSP Vintage Warmer noch »analoge Wärme« durch seine Drive-Schaltung hinzu, iZotopes Ozone 8 schließt die Kette mit einem leichten Limiting ab. Viel Spaß beim Experimentieren!


Stranger Things / S U R V I V E

Die Science-Fiction/Mystery-Serie Stranger Things läuft seit 2016 bei Netflix und aktuell aufgrund des großen Erfolgs bereits in der dritten Staffel. Die Serie selbst wie auch Hauptdarstellerin Winona Ryder wurden für einen Golden Globe nominiert, und der perfekt zur düsteren Stimmung inszenierte Soundtrack gewann 2017 sogar einen Emmy. Die Komponisten dahinter sind die beiden Texaner Michael Stein und Kyle Dixon von der ansonsten vierköpfigen Elektronik-Band Survive, die sich 2009 gründete und seitdem mehrere Alben veröffentlicht hat. Ihr Sound ist inspiriert von düsteren Horrorfilm-Scores und sehr Vintage-Synthund Drumcomputer-lastig

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