Making off Video

Zoom F8: Field-Recording in Kroatien als kompositorischer Ansatz

(Bild: Sebastian Heinrich)

Großangelegte Field-Recordings werden gemeinhin assoziiert mit aufwendigen Hollywood-Blockbustern, AAA-Computerspielen oder professionellen Sound-Libraries, welche in der Vertonung weniger stark budgetierter Produktionen zum Einsatz kommen. Im Bereich Dokumentarfilm und Klangkunst finden sich auch vereinzelt ambitionierte Field-Recording-Projekte. Bei Fernsehproduktionen beschränken sich die Außenaufnahmen hingegen häufig auf „Nur-Töne“, also Klänge, die der Tonmeister – zur Freude der Kollegen in der Postproduktion – abseits der Dreharbeiten aufzeichnet. Geräuschaufnahmen „im Feld“ sind also eher eine Randerscheinung im weiten Feld der Audioproduktion.

Der Reiseveranstalter Wikinger Reisen produzierte unlängst eine Werbekampagne in Zusammenarbeit mit der Dortmunder Agentur überRot, die sich für dieses Projekt etwas Außergewöhnliches einfallen ließ. Zwei Jahre zuvor warb das Hagener Reiseunternehmen mit dem Slogan »Komm mit ins Besondere«, und dieses Besondere soll nun auch im Zentrum der neuen Kampagne − »Wir sind vom gleichen Schlag« − stehen.

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Etwas Besonderes anbieten! Keine leichte Aufgabe. Weder für einen Reiseveranstalter in der globalisierten Welt noch für eine Werbeagentur in der digitalen Medienlandschaft. Wer bietet den besonderen Look, die neue Sprache oder den einzigartigen Sound? Und vor allem: Wie?

Kein leichtes Wandergepäck: Sebastian (links) mit dem IRT-Kreuz, Patrick (rechts) mit Tonangel und Windkorb (Bild: Sebastian Heinrich)

Das Besondere, aber wie?

Diese Frage beschäftigte sowohl die Filmschaffenden bei überRot als auch uns: Sebastian Heinrich und Patrick Leuchter, die verantwortlichen Sounddesigner und Komponisten hinter der Produktion. Schließlich wurde das Außergewöhnliche zum Konzept erhoben: Der 60-sekündige Spot verzichtet weitgehend auf bewährte Werbemusikmuster. An die Stelle von eingängigen Riffs und vertrauten Melodien treten atmosphärische Klangwelten, Außenaufnahmen und Geräusche, die eine Beziehung zur akustischen Umwelt des Naturreisenden herstellen. Auch dies ist wiederum keine leichte Aufgabe.

Für den authentischen Sound, der einen integralen Teil der kompositorischen Arbeit bilden soll, reisen wir eine Woche lang zusammen mit dem Filmteam von überRot, dem Cast aus den eigenen Reihen der Hagener Wikinger und einem einheimischen Location-Guide durch Kroatien. Zur Ausrüstung gehört neben Wanderschuhen und Outdoor-Kleidung auch tontechnisches Equipment der gehobenen Qualität. Unter anderem fünf Shure KSM 137 Kleinkondensatormikrofone, ein seltenes Schoeps KFM 6U Stereomikrofon, Kontakt- und Richtrohrmikrofone, ein Sound Devices 722 und der achtkanalige F8 aus dem Hause Zoom.

Und Action!

Die Dreharbeiten beginnen noch am späten Nachmittag des Anreisetages mit einer Radfahrszene an der Uferpromenade von Vodice vor malerischer Mittelmeerkulisse. Für die Tonaufnahmen kommen die fünf KSM 137 in einer Surround-Anordnung (L, C, R, Ls, Rs) zum Einsatz. Als Befestigung dient der Prototyp einer Halterung mit fünf schwenkbaren Armen und variabel verstellbarem Mikrofonabstand von Markus Limberger − eine Art »Surround-Spinne«.

Als Aufnahmegerät dient der F8, welcher via Bluetooth mit einer kostenlosen iOS-App ferngesteuert werden kann. Diese Remote-Kontrolle mit dem iPad erlaubt nicht nur das kabellose Starten und Stoppen der Aufnahme, sondern auch das Verlinken mehrerer oder aller Mikrofon-Preamps für die exakt gleiche Vorverstärkung, was sich über die rasterlosen Drehregler am Gerät selber nur näherungsweise realisieren lässt.

Das Klangerlebnis ist durchaus beeindruckend. Alltägliche Geräusche wie vorbeifahrende Räder über eine Surround-Mikrofonierung einzufangen, ist kein alltägliches Aufnahmeszenario. Häufig werden Bewegungen im Raum in Mehrkanal-Produktionen über Panorama-Automationen abgebildet. Nach dieser ersten Bewährungsprobe von Mikrofonen, Surround-Spinne und Rekorder folgen einige Testaufnahmen auf einem Steg, der ins Meer hineinragt, um das Zusammenspiel von Mikrofonabständen und Richtcharakteristik auszuloten. Das Shure KSM 137 erlaubt nämlich das mechanische Umschalten zwischen einer Nieren- und einer Kugelcharakteristik, was es zu einem sehr flexiblen Werkzeug sowohl für mono- als auch stereofone Aufnahmen macht.

Keine leichte Aufgabe

Die nächsten Tage stellen uns vor immer neue logistische Herausforderungen. Etwa 20 Kilogramm an Kabeln, Stativen, Mikrofonen und Rekordern pro Person müssen zu Fuß lange und unwegsame Strecken transportiert werden. Die Auf- und Abstiege abseits der touristischen Hauptrouten sind teils so beschwerlich, dass wir nach dem ersten vollen Drehtag am Fluss Krupa ein handlicheres Setup für die nur fußläufig erreichbaren Orte zusammenstellen. Die sehr flexible, aber relativ schwere Surround-Spinne weicht einem IRT-Kreuz, welches neben dem geringeren Eigengewicht auch die Möglichkeit bietet, die quadrofonen Aufnahmen beliebig im Kreis zu drehen (L, R, Ls, Rs). So lässt sich in der Postproduktion entscheiden, welche Signale von vorne bzw. hinten beim Hörer eintreffen sollen. Dafür fehlt bei diesem Aufnahmeverfahren das Mikrofonsignal für den Center-Lautsprecher.

Innerhalb des Produktionsteams nehmen wir eine gewisse Sonderrolle ein. Obwohl später mit möglichst vielen Originalgeräuschen aus Kroatien gearbeitet werden soll, wird kein O-Ton im engeren Sinne aufgezeichnet. Das heißt, es erfolgen keine Tonaufnahmen synchron zum Bild. Gedreht werden kurze Szenen mit verschiedenen Kameraeinstellungen, welche die Reisegruppe beim Wandern, Kanufahren oder Bergsteigen zeigen; begleitet von häufigen Umbauten, Regieanweisungen und Wiederholungen. Ziel der Tonaufnahmen ist es hingegen, sowohl Naturklänge als auch typische Geräusche von Outdoor-Aktivitäten mitzunehmen, wie Schritte (auf Gras, Steinen, Asphalt, Sand usw.), Kleiderrascheln (von Funktionskleidung) und Radfahren. Und dies möglichst störungsfrei (sauber) und authentisch. Dementsprechend teilt sich der Produktionsansatz in zwei Aufgabenbereiche.

Für die Naturgeräusche sondern wir uns oft mehrere Kilometer vom Drehgeschehen ab. Solche Atmo-Aufnahmen im Freien erfordern sehr viel Geduld bei häufig schneller Entscheidungsfindung sowie eine Menge Hörerfahrung. Es gilt, Orte zu finden, die möglichst frei vom Einfluss menschengemachten Lärms sind. Es zeigt sich, auch in dünn besiedelten Gegenden, weitab der nächstgelegenen Straßen, klingt die Natur selten unberührt. Immer wieder dringen Sounds von Flugzeugen, entfernten Autos, Zügen oder sonstige industrielle Geräusche bis tief in die kroatischen Wälder, Gebirge und Flachlandebenen vor. Das Geduldsspiel erfordert also beharrliches Warten, konzentriertes Zuhören und lange Aufnahmen am Stück, um anschließend in der Nachbearbeitung die ungestörten Passagen aneinanderzuschneiden. Schnelle Entscheidungen sind wiederum wichtig, um kurzfristig und punktuell auftretende Geräusche wie Tierlaute oder Wetterphänomene (Windböen, Regen, Gewitter etc.) einzufangen, bevor sie verklingen.

Foley im Freien

Die Outdoor-Aktivitäten werden von uns an den Originaldrehplätzen teilweise nachgestellt, indem beispielsweise einer über verschiedene Untergründe läuft oder durch flache Gewässer watet, während der andere dies mit einem Richtmikrofon angelt. Gruppenaktivitäten wie Radfahren zeichnen wir zumeist vor oder nach den Dreharbeiten direkt vor Ort mit den Darstellern auf, indem einzelne Fahrten wiederholt werden. Schritte, Bewegungsgeräusche der Kleidung und indifferentes Gemurmel (»Walla«) bilden eine Aufnahmeeinheit, die an einem Abend nach Drehschluss in der Nähe der ruhig gelegenen Unterkunft stattfindet.

Foley-Sounds dieser Art werden üblicherweise im Tonstudio erzeugt. Der Produktionsanspruch und die einfache Tatsache des Vor-Ort-Seins der Gruppe bewegen uns jedoch dazu, auch diese Performance-Effekte schon in Kroatien aufzuzeichnen. Und so trampeln, bewegen und murmeln sieben erwachsene Personen nachts in einem kleinen kroatischen Dorf unter wechselnder Regie von Sebastian und mir vor sich hin. Wie ein Dirigent leitet Sebastian die Gruppe an, zeitgleich sowohl einzelne Schritte als auch Schrittpassagen in verschiedenen Tempi auszuführen. Schwieriger gestaltet sich das unkonkrete Gemurmel, bei dem es zwar thematisch um das Reisen gehen soll, aber dennoch nichts so richtig verständlich sein darf.

Atmo-Aufnahmen im stillgelegten Eisenbahntunnel bei Vela Draga: Quadrofonie und der Zoom F8 Fieldrecorder mit der Remote Control App für das iPad (Bild: Sebastian Heinrich)

Sounds dieser Art sind in Sound-Libraries schwer bis unmöglich zu finden, und wenn, dann vornehmlich in englischer Sprache. Erzwungene Gespräche und ein wenig unfreiwilliges Gelächter lassen diese Aufgabe zu einer echten Herausforderung werden. Schließlich teile ich die Darsteller in zwei Kleingruppen mit je drei Personen ein, während die siebte Person die Aufgabe bekommt, sich wahllos in die Gespräche beider Trios einzumischen. Auf diese Weise wird das Gemurmel am Ende genauso, wie es sein soll: ein undeutliches Stimmengewirr.

Im selben Boot

Die Höhepunkte der Produktionswoche in Kroatien aus klanglicher Perspektive sind eine Kanufahrt, ein stillgelegter Eisenbahntunnel und ein Bären-Wildgehege.

Für die Kanutour auf dem Zrmanja verpacken wir das mitgebrachte Ton-Equipment wasserdicht in Peli-Cases und Vakuumbeuteln, Schwachstelle bleiben die Mikrofone. Die Anschlüsse werden sorgfältig mit Gaffa-Tape abgeklebt, damit die spannungsführenden Kabel nicht mit Wasser in Kontakt kommen. Die Mikrofone selbst sind im Windschutz aber nur spritzwassergeschützt. Die Navigation und das Vorankommen gestalten sich zudem sehr schwierig, da einer von uns vorne im Boot sitzt und aufnimmt, während der andere hinten rudert. Nachdem sich das Kanu unzählige Male im Kreis gedreht hat und wir den Anschluss an den Rest des Teams verloren haben, kentern wir auch noch beinahe. Der ambitionierte Plan, in einem Ruderboot ein IRT-Kreuz durch den Fluss zu bewegen, muss aufgegeben werden. Zur Hilfe kommt daraufhin ein praktischer H5-Handrekorder von Zoom, der nun die Flussfahrt aus dem Bug heraus aufzeichnet. Gemeinsam mit der Reisegruppe überwinden wir Stromschnellen und Wasserfälle, während das kompakte Aufnahmegerät sicher in Sebastians Hand ruht und nur gelegentlich wasserdicht verstaut werden muss.

Drehschluss: Cast und Crew nach einer spannenden und anstrengenden Woche (Bild: Sebastian Heinrich)

Highlights für die Ohren

Am stillgelegten Eisenbahntunnel bei Vela Draga dreht die Gruppe einige Wanderbilder unter sonnigem Himmel, während wir − mit Taschenlampen ausgerüstet − tief in den Tunnel hineingehen, um eine beinahe klaustrophobische Atmo aufzunehmen. Hier drinnen ist es so still, dass wir unseren eigenen Atem hören können. Als Sebastian den Blitz der Fotokamera auslöst, schrecken einige Fledermäuse auf. Die nachtaktiven Kleinsäuger hören und kommunizieren zwar zu großen Teilen im Ultraschallbereich, dennoch stoßen sie immer wieder Chirps aus, die wir wahrnehmen können. So bildet sich eine leicht unheimliche Atmosphäre aus vereinzelten Wassertropfen und Fledermausrufen heraus, eingebettet in den langen, flattrigen Nachhall des Tunnels.

Am vorletzten Drehtag fahren wir mit Cast und Crew zum Bärenrefugium Ursorum Kuterevo im Velebitgebirge. In weitläufigen Wildgehegen finden verwaiste Braunbären hier ein neues Zuhause. Anfangs begegnen die größtenteils ausgewachsenen Tiere unserer Gruppe mit distanziertem Desinteresse, als jedoch Fütterungszeit ist, kommen sie neugierig zum Zaun. Zwei Volontäre, die im Refugium Ursorum gegen Kost und Logis arbeiten, legen eine extralange Fütterung ein, sodass wir fast eine Stunde Zeit bekommen, die sanften Riesen beim Kauen, Schnauben, Atmen und Brummen mit dem Richtmikrofon zu begleiten. Zum letzten Mal erlischt das rote Lämpchen des Rekorders − ein toller Drehschluss unserer einwöchigen Kroatienreise.

Screenshot der finalen ProTools-Session: oben zu sehen die Tempo-Map

Postproduktion: Mein Herz schlägt nicht höher, aber schneller

Zurück in Köln beginnt die ca. zweiwöchige Postproduktionsphase im Hidden Track Studio. Mit knapp 50 GB aufgenommenem Material liegt die große Herausforderung für die auditive Gestaltung eines 60-Sekünders nun vor allem in der Auswahl, der Reduktion, der Beschränkung. Neben der konzeptionellen Idee, mit vielen Originaltönen zu arbeiten, gibt es nur zwei weitere Vorgaben: Anstelle von werbetypischen Drums soll ein Herzschlag als rhythmisches Kernelement den Spot durchziehen, und statt des üblichen konstanten Tempos ist ein Accelerando gewünscht. Es gibt keine Temp-Tracks (Vorlagemusik) oder sonstigen kreativen Einschränkungen.

Wir beginnen die Arbeit mit dem Erstellen einer sich organisch steigernden TempoMap in Pro Tools 12 und dem Sounddesign des Herzschlags. Beide Aufgaben erweisen sich als knifflig: Wie schnell soll und kann die Musik beschleunigen, ohne hektisch zu wirken? Beschleunigt sie gleichmäßig, stufenförmig oder in mehreren Abschnitten? Wie muss der Herzschlag klingen, dass er sowohl tieffrequentes Fundament der Kinofassung als auch deutlicher Impuls auf kleinen Lautsprechern von Laptops und Smartphones sein kann?

Der rote Faden

Die Beantwortung der Tempofragen liegt insbesondere im narrativen Moment des Spots. Welche Bilder sollen in welcher Reihenfolge gezeigt werden und mit welcher Schnittfrequenz? Wir treffen uns mit den Verantwortlichen bei überRot, um eine gemeinsame Vision zu entwerfen. Neben dem Herzschlag gibt es einen gesprochenen Text, der die inhaltliche Dramaturgie konkretisiert. Als Sprecherin wird Mayke Dähn verpflichtet.

Vor den finalen Sprachaufnahmen dient ein von mir eingesprochener Guide-Track als Orientierung für die Kompositionsarbeit. Die 60 Sekunden lassen sich grob in drei Stationen mit je einer Übergangssequenz gliedern. Der erste Teil zeigt die Reisegruppe am Lagerfeuer nachts am Strand, der zweite Abschnitt greift verschiedene Outdoor-Aktivitäten auf (Wandern, Radfahren und Kanufahren), und die finale Station führt die Gruppe vor imposanter Wanderkulisse ins Gebirge. Die erste Übergangssequenz zeigt Detailaufnahmen der Wandervorbereitung wie Schuhe binden oder Reißverschlüsse zuziehen, und die zweite Zwischenetappe führt die Reisegruppe auf eine Lichtung, wo sie Auge in Auge einem Bären gegenübersteht.

Im Rausch der Geräusche

Die dynamische Tempogestaltung lässt uns mit einem gleichmäßigen, langsamen Herzschlag bei der Strandsequenz beginnen, einem Ruhepuls. Die Steigerung setzt erst mit dem zweiten Teil ein, in dem wir das Tempo nun langsam beschleunigen, um schließlich im Schlussteil den Höhepunkt zu erreichen.

Die nächste Herausforderung besteht im Entwurf einer harmonischen Progression, die gemeinsam mit dem Accelerando auf 60 Sekunden eine geschlossene Form ergibt. Zudem liegt das Hauptaugenmerk der Tongestaltung auf den Geräuschen, die im besten Fall gemeinsam mit Musik und Wort ein stimmiges Ganzes bilden. Die Musik darf dementsprechend gegenüber der Geräuschebene nicht zu exponiert sein.

Die erste Postproduktionsphase schließen wir mit einem Layout ab, welches im Schnitt als Vorlage dient. Häufig ordnet sich die Komposition in der Werbe- und Filmmusikgestaltung dem Schnitt unter, bei dieser Produktion arbeiten wir eng zusammen im ständigen Austausch. Bilder werden getauscht und umgeschnitten, Frame für Frame verschoben, bis sie genau unserem triolischen Metrum folgen. Dient Musik häufig dazu, Schnitte zu kaschieren, werden hier die Schnitte bewusst sichtbar musikalisiert.

Die zeitintensive Sichtung der Aufnahmen aus Kroatien fördert tolles Klangmaterial zutage und zaubert uns bisweilen ein erinnerndes Lächeln auf die Lippen. Die quadrofonen und fünfkanaligen Atmos finden durchweg Verwendung, schließlich wird für den Kinoraum produziert. Hier kommt nichts aus dem Archiv, das einwöchige Field-Recording zahlt sich aus. Die Geräusche finden zu großen Teilen Verwendung: Schritte im Gras, eintauchende Paddel beim Kanufahren, Fahrräder und ein echtes Bärenatmen. In den Audiofiles der einstündigen Fütterung findet Sebastian genau ein einziges Atmen, das frei von Nebengeräuschen ist – die Geduld zahlt sich aus.

Die Detailaufnahmen der Wanderausrüstung vertonen wir teilweise im Studio nach. Verschiedene Reißverschlüsse, Textilien und sonstige Hilfsmittel werden von mir vor dem Mikrofon bewegt, geschüttelt, aufgehoben oder abgesetzt. In Kombination mit den Originaltönen können wir so eine konsistente Geräuschspur kreieren, die sowohl den Authentizitätsansprüchen genügt als auch die klanglichen Anforderungen einer zeitgemäßen Kinomischung erfüllt.

Nichts aus der Retorte

Auch wenn die Musik eher als hintergründige Textur, als schillernde Fläche angedacht ist, investieren wir hier einen Großteil der Produktionszeit, um unseren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und die Erwartungshaltung seitens überRot und Wikinger Reisen im Idealfall sogar zu übertreffen. Neben Sounds aus der digitalen Domäne nehmen wir die meisten Instrumente selber auf: sphärische E-Gitarren mit E-Bow gespielt, Sonar-ähnliche Pianotupfer, mehrstimmige »Uhs« und allerlei experimentelle Instrumentalklänge. Auch den Field-Recordings lassen sich mit einiger Nachbearbeitung durchaus musikalische Qualitäten entlocken. So zirpen beispielsweise die Grillen nach etwas Pitch-Shifting und Time-Stretching auf einmal triolisch in Eb-Dur (gut zu hören direkt am Anfang des Spots). Wellen branden nicht zufällig, sondern auf die Musik und den Herzschlag getimed, und Fahrradketten drehen sich als 16tel-Triolen im Takt. Die Rhythmus-Ebene wird ab dem zweiten Teil um eine Textur erweitert, für die wir mehrere − in Kroatien mit der Gruppe aufgenommene − Schritte sauber schneiden und in einen Sampler laden.

>> Hier findest du den ZOOM F8 im Test <<

Im Kino und zu Hause

In der Mischung kommen neben Plug-ins auch einige analoge Geräte zum Einsatz, etwa das Roland Space Echo RE-201 oder eine alte Telefunken M-10A-Bandmaschine. Für die Kinofassung spielen wir verschiedene vorgemischte Stems aus − Voice, Music, SFX, Atmos und den Herzschlag −, die zur finalen Feinabstimmung nach »Dolby SR − 82 dB leq (m)«-Norm zu den Kollegen des Hamburger CSC-Studios geschickt werden. Der Stereo-Mixdown erfolgt bei uns im Hidden Track Studio mit −13 LUFS bei einem True-Peak von −1 dBFS optimiert für Online-Plattformen, Hi-Fi-Anlagen und Consumer-Wiedergabegeräte.

Der fertige Spot ist momentan in vielen Großstädten Deutschlands in ausgewählten Kinos zu sehen und zu hören. Und natürlich auf YouTube. Denn dort sind wir alle: Vom gleichen Schlag!

www.sebastianheinrich.audio

www.patrickleuchter.com

www.hiddentrackstudio.de

www.ueberrot.de

www.wikinger-reisen.de

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