Multitrack fürs Handgepäck

Zoom F8 Fieldrecorder und Setmixer im Test

Mit handlichen und preisweiten Geräten wie H4 und H6 hat Zoom sich einen Namen gemacht und Standards gesetzt. Lag der Fokus bislang auf Handy-Recordern mit zugehörigen Mikrofonen zum schnellen Einfangen der Sounds, positioniert Zoom den F8 nun in einer höheren Liga der mobilen Aufnahmetechnik. Anscheinend will man es mit den ganz Großen unter den Fieldrecordern aufnehmen — und das zum deutlich günstigeren Preis …

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(Bild: Stephan Lembke)

Bei Außenaufnahmen von Klangkulissen, Soundeffekten oder Dialogen am Filmset wird seit Langem Audio-Equipment der Königsklasse eingesetzt. Firmen wie Nagra, Sound Devices und Zaxcom stellen dabei den Industriestandard dar, weisen jedoch oft eine unüberbrückbare preisliche Hürde für den Gelegenheitsnutzer auf.

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Mit dem Aufkommen der bezahlbaren Zweispur-Fieldrecorder stiegen viele Firmen − sogar aus Bereichen Hi-Fi und Bürobedarf − in den mobilen Recording-Markt ein und sorgten für eine Flut an preisgünstigen FieldRecording-Lösungen. Zoom verfolgte dabei schon früh das Konzept, dass mehr als zwei Eingänge gleichzeitig aufgenommen werden können. Nach dem Zoom H4 mit vier Eingängen und dessen Weiterentwicklung H6 mit sechs Eingängen wurde auf der diesjährigen NAB-Messe in Las Vegas das neue Field- Recording-Flaggschiff des japanischen Herstellers präsentiert. Mit acht eingebauten Mikrofonvorverstärkern, einem beachtlich erweiterten Funktionsumfang und der Integration eines sehr flexiblen digitalen Setmixers stellt sich der F8 an die Spitze des aktuellen Field-Recording-Lineups von Zoom.

>> Fieldrecorder-Klangvergleich: Zoom F8 und H4N vs. Sound Devices <<

Kompakt + leicht = mobil

Mit seinen kompakten Abmessungen und einem Gewicht von unter 1 kg (ohne Batterien) spielt der F8 in der obersten Liga mit und bleibt für einen Fieldrecorder mit acht Mikrofonvorverstärkern extrem handlich. Das Aluminiumgehäuse wirkt sehr beständig, und die Verarbeitung des Gerätes ist durchweg hochwertig. Dies macht sich besonders bei den Bedienelementen auf der Vorderseite bemerkbar, die zudem eine gute Haptik aufweisen. So ist beispielsweise der von anderen Zoom-Recordern bekannte Endlosregler mit Drucktaster zur Menüführung in stabiler Metallausführung vorhanden und ähnelt den einfacheren Geräten damit nur in der Funktionsweise, jedoch nicht in der Ausführung. Fragile Kunststoffteile sucht man bei erster Betrachtung des kleinen Japaners vergebens. Erst der Blick auf die Rückseite und hinter die massive Abdeckung des Batteriefachs zeigt die etwas zu einfach geratene Batteriehalterung.

Verbindungsmöglichkeiten

Eingangsseitig sind die XLR- und TRS-Verbindungen als Neutrik-Combobuchsen ausgeführt, und selbstverständlich ist eine Verriegelung für eingesteckte XLR-Stecker vorhanden, wie es sich für einen ernstzunehmenden mobilen Recorder gehört. Wer’s gerne kompakter hätte, kann die Zoom-Mikrofonkapseln mittels einer optional erhältlichen Verlängerung direkt an den Recorder anschließen (Abb. 2) und so den F8 wie einen Handrekorder mit Zooms »Plugin Power« nutzen.

Ausgangsseitig stehen neben einem sehr kräftigen Kopfhörerverstärker mit 6,3-mmKlinkenausgang zwei voneinander unabhängige und frei routbare Stereo-Ausgänge zur Verfügung. Die Main-Outs sind als symmetrische TA-3-Buchsen ausgeführt, die durch zwei mitgelieferte Adapter auf XLR gewandelt werden können. Die Sub-Outs sind unsymmetrisch als 3,5-mm-Klinke ausgeführt und erlauben somit eine einfache Verbindung zu vielen gängigen Camcordern und DSLR- Kameras (Abb. 3).

Aufnahmefunktion

Trotz der acht Eingangskanäle bietet der F8 die gleichzeitige Aufnahme von zehn Spuren an, welche neben den physischen Eingängen die Aufnahme der Stereo-Mischung beinhaltet. Dies ist gerade für den Einsatz am Filmset sehr interessant, da man direkt bei der Aufzeichnung eine Vormischung erstellen kann, die sich für den Rohschnitt und die schnelle Beurteilung des Materials eignet. Der Setmixer im F8 bietet neben Phasendrehung, Filter und Panorama auch Eingangs- und Ausgangsverzögerungen an, was für die technisch korrekte Mischung oft unabdingbar ist.

Aufgezeichnet wird auf bis zu zwei SD-Karten (max. 512 GB), wobei entweder die Gesamtkapazität beider Karten zur Verlängerung der Aufnahmezeit genutzt wird oder direkt auf beide Karten aufgezeichnet wird, um direkt eine Sicherheitskopie zu erstellen − Audioprofis schätzen solche Safety-Funktionen ebenso wie die flexible Stromversorgung. Neben externem Netzteil und AA-Batterien können auch externe Gleichstrom-Akkus (9 − 16 V) über den integrierten Hirose-Anschluss genutzt werden.

Letzteres ermöglicht die problemlose Einbindung in professionelle Location- und Fieldrecording-Setups mit externer Spannungsversorgung. Nennenswert ist auch die einstellbare Redundanz, die das Umschalten zwischen verschiedenen Stromquellen ohne eine Unterbrechung der Nutzung ermöglicht oder ein automatisches Beenden der Aufnahme und Abschalten des Gerätes vornimmt, um die aktuelle Aufnahme zu sichern. Features wie dieses zeigen klar auf, dass Zoom mit dem F8 die professionellen User für sich gewinnen will.

Praxis

Der erste Praxistest des F8 hatte wenig mit der eigentlichen Domäne des Fieldrecordings zu tun, zeigt jedoch ein weiteres Anwendungsgebiet des kleinen Recorders: den Livemittschnitt. In diesem Fall handelte es sich um die spontane Aufnahme einer Leseveranstaltung, die in Vertretung eines befreundeten Toningenieurs übernommen wurde.

Schon beim Aufbau war der Auftraggeber sichtlich davon überrascht, wie schnell alles einsatzbereit war (im Gegensatz zum sonst üblichen Setup mit Laptop, Interface und dem dazugehörigen Netzkabelgewirr). Aufgenommen wurden ein Hauptmikrofon am Lesepult sowie zwei Mikrofone im Publikumsbereich. Gleichzeitig wurde auch die verfügbare Beschallungsanlage über den Zoom F8 mit dem Signal des Sprechermikrofons beschickt, was dank des internen Mixers und der intuitiven Bedienführung leicht von der Hand ging.

Klanglich fielen direkt die gute Qualität und das geringe Eigenrauschen der Mikrofonvorverstärker auf, welche überzeugende Ergebnisse bei der Sprachaufnahme lieferten. Zudem wurde die »Dual Channel Recording«- Funktion des Zoom F8 genutzt, um auf eventuelle Pegelsprünge vorbereitet zu sein und die gesamte Dynamik der Darbietung einzufangen. Dabei liegt das Signal der ersten vier Eingänge wahlweise auch an den korrespondierenden Preamps 5 − 8 an, sodass das Eingangssignal mit zwei unabhängig voneinander regelbaren Pegeln aufgezeichnet werden kann. Ein Unterschied von 10 dB stellte sich hier als geeigneter Übersteuerungsschutz heraus.

Und damit kommen wir auch zum größten Kritikpunkt des F8: die Limiter. Da diese digital arbeiten, sind sie im Signalfluss logischerweise hinter dem A/D-Wandler platziert und stellen somit keinen Schutz vor eventuellen Clippings dar. Für einen Fieldrecorder ist dies absolut unbrauchbar, da die aufzunehmenden Sounds in ihrem Pegel oft nur grob eingeschätzt werden können und es schnell zu Übersteuerungen kommen kann. Dies kann nur durch die zuvor beschriebene »Dual Channel Recording«-Funktion umgangen werden, was die Kanalzahl des F8 dann jedoch reduziert. Hier sollte Zoom definitiv nachbessern!

Im zweiten Praxistest stand die Überprüfung der Preamp-Qualität unter Studiobedingungen im Fokus. Hierfür wurde ein mechanischer Wecker aufgenommen, dessen Ticken aufgrund des geringen Pegels demonstriert, wie sich die Preamps F8 in Bezug auf das Eigenrauschen verhalten.

Mit 75 dB Verstärkung sind die neuen Mikrofonvorverstärker definitiv dieser Aufgabe gewachsen und weisen nach der Aussteuerung immer noch Gain-Reserven auf. Eine deutliche Qualitätssteigerung lässt sich im Vergleich zu den anderen Zoom-Fieldrecordern feststellen, und selbst im Vergleich mit dem deutlich teureren Sound Devices 722 schlägt sich der F8 sehr ordentlich.

Während der Aufnahme fielen jedoch Klangunterschiede zwischen dem F8 und der etablierten Konkurrenz auf. Das Signal wirkte über den F8 im unteren Frequenzbereich kräftiger, verlor dadurch jedoch etwas an Transparenz. Bei dem anschließenden Hörvergleich auf der Studioabhöre bleibt dieser deutliche Unterschied aus. Es scheint, als würde der Kopfhörerverstärker des Zoom F8 die klangliche Veränderung hervorrufen, was die genaue Beurteilung des aufzunehmenden Klangs einschränkt − in kritischen Aufnahmesituationen könnte das ein Nachteil sein. In unseren Praxistests war die auftretende Klangfärbung aber zu vernachlässigen, da es sich lediglich um Nuancen handelt.

Für den dritten Praxistest wurde der Recorder in einer abendlichen Atmo-Aufnahmesession durch die Stadt transportiert. Hier kam die von Zoom als Zubehör erhältliche Tasche PCF-8 zum Einsatz. Sie bietet neben dem perfekten Schutz des F8 viele geschützte Eingriffe für die Kabelverbindungen und eine Menge Platz für Zubehör.

Neben der abendlichen Marktplatz- Atmosphäre wurden auch diverse technische Atmos und Soundeffekte aufgezeichnet, wie beispielsweise Rolltreppen oder eine in eine unterirdische Haltestelle einfahrende U-Bahn.

Bei den Aufnahmen zur späteren Stunde stellte sich neben der intuitiven Bedienung das beleuchtete LCD-Farbdisplay als klare Erleichterung beim Aufnehmen heraus. Die Pegelanzeigen waren auch auf weitere Entfernung gut lesbar, und Einstellungen konnten präzise vorgenommen werden.

Gestört hat uns aber immer ein wenig, dass die Stop-Taste nicht beleuchtet ist, zu – dem wäre aufgrund von Windgeräuschen stellenweise der Einsatz eines Lowcut-Filters sinnvoll gewesen – der Lowcut des F8 war durch die sehr hoch angesetzte Mindestfrequenz von 80 Hz für diese Aufnahmen leider nicht zu gebrauchen.

Fazit

Zoom präsentiert mit dem F8 eine neue Qualitätsstufe unter den Fieldrecordern im mittleren Preissegment. Der F8 überzeugt sowohl durch seine Klangqualität und die Verarbeitung des Gerätes als auch durch die Fülle an Funktionen, die bisher nur Top-Geräten vorbehalten waren. Eine Qualitätssteigerung der Mikrofonvorverstärker ist im Vergleich zum H4n von Zoom deutlich wahrnehmbar, und selbst mit weitaus teureren Geräten kann das neue Flaggschiff der mobile Zoom-Recorder mithalten.

Einsatzgebiete gibt es für den F8 zu Genüge − egal ob man echtes Fieldrecording betreibt, den F8 als kleinen Mehrspurrekorder für Livemitschnitte verwendet oder ihn als Interface im Studio einsetzt − das Gerät macht in jeder Situation eine gute Figur.

Wer einen hochwertigen Fieldrecorder mit mehr als zwei Kanälen sucht, der zudem alle Eingänge mit einer Samplerate von 192 kHz aufzeichnen kann, kommt am Zoom F8 nicht vorbei. Fest steht, dass ich den hier getesteten F8 nicht mehr aus den Händen geben werde!

Besser geht’s nicht — zumindest nicht bei Zoom. Der F8 steht mit seinen acht eingebauten Mikrofonvorverstärkern und dem digitalen Setmixer unangefochten an der Spitze des aktuellen Field-Recording-Lineups von Zoom.

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(Bild: Stephan Lembke)

F8

Hersteller/Vertrieb

ZOOM / Sound Service

UvP/Straßenpreis

1.300,— Euro / ca. 1.100,— Euro

www.sound-service.eu

++ gute Qualität der Mikrofon-Preamps

++ intuitive Menüführung

++ Verarbeitung und Stabilität

– Lowcut-Filter ist mit 80 Hz als Untergrenze sehr hoch angesetzt (aber seit Firmware 3.0 gelöst)

– – Limiter auf digitaler Ebene

>>Hier geht’s zu den Klangbeispielen vom F8<<

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo Herr Lembke,

    den F8 benutze ich nun schon seit eineinhalb Jahren. Deshalb kann ich ihnen versichern, dass der Einstellbereich des HPF 10-240 Hz beträgt (seit der Firmware 3.0 von 2016).

    Zu den Eingangslimitern: Da macht Zoom keine ganz eindeutigen Angaben. Auch ich gehe davon aus, dass diese auf digitaler Ebene arbeiten. Aber: Wenn ich den Limiter auf 0dB stelle, kann ich ihn tatsächlich einige dB überfahren, ohne Verzerrungen zu hören! Das Handbuch spricht hier von “10 dB Headroom”, was ich mir so erklären kann, dass der A/D-Pegel 10 dB höher liegt als der Aufnahme-/Anzeigepegel. Das scheint mir also ein rein “mathematischer” Kniff zu sein, der in der Praxis jedenfalls sehr gut funktioniert.

    Der F8 ist jedenfalls in der Preislage absolut unschlagbar und macht auch in der Qualität und vor allem der Bedienmöglichkeiten (fast) alles richtig. Vielleicht wäre noch der Hinweis angebracht, dass er sich per Bluetooth auch mit Handy oder Tablet steuern lässt und es mit dem F-Control eine Fader-Fernbedienung dazu gibt.

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    1. Hallo Ingo,

      vielen Dank für Deinen Input zum Zoom F8 Testbericht. Da dieser schon im November 2015 veröffentlicht wurde (nicht wie hier angegeben im Januar 2018), sind die Angaben leider nicht mehr ganz aktuell. Schön zu sehen, dass Zoom auf die Kunden (und Presse) hört und negative Aspekte (wie den unflexiblen HPF) durch ein Firmware-Update gelöst hat.
      Die Arbeitsweise des Limiters ist für mich sehr undurchsichtig. Laut Signalfluss-Diagramm ist er definitiv digital und Zoom hat dies auch so bestätigt. Ob das Metering daher um 10dB versetzt wurde, weiß ich nicht. Falls dem so wäre, müsste die Datei beim Stoppen entsprechend hochgesetzt (normalisiert) werden, damit der Pegel in der DAW wieder stimmt. Das würde allerdings insgesamt zu einem höheren Grundrauschen führen, weshalb es keine wirklich gute Lösung wäre. Bei leichter Übersteuerung habe ich bisher auch keine Artefakte wahrnehmen können, doch besonders bei sehr dynamischen Schallereignissen bin ich viel vorsichtiger und nutze das “Dual Channel Recording” mit deutlichem Headroom.
      Die Darstellungen zur iOS-App sind leider dem Rotstift des Editors zum Opfer gefallen, weshalb sie hier nicht auftauchen. Im Heft waren diese (soweit ich mich erinnere) vertreten. Die F-Control App ist jedenfalls großartig und es gab nur wenige Aufnahmesituationen, die ich rein manuell bedient habe. Gerade mit dem iPad ist es eine sehr komfortable Lösung und beim Set-Ton sowieso unverzichtbar.
      Der Zoom F8 bleibt in seiner Preisklasse bisher ungeschlagen und ist ohne Bedenken zu empfehlen. Allerdings schläft die Konkurrenz nicht und Sound Devices hat mit der MixPre-Serie (besonders mit dem Modell 10T) nun auch einen sehr interessanten Recorder im Programm, der jedoch den doppelten Preis aufruft. Den werde ich mir (gerade in Bezug auf die Preamps und die Limiter) hoffentlich in den nächsten Wochen ansehen können.

      Viele Grüße und ein frohes neues Jahr
      Stephan / Sound & Recording

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  2. Was vielleicht noch zu erwähnen wäre für alle die, die sich den F8 kaufen wollen. Besorgt euch eine ordentliche Stromversorgung. Die Variante mit 8x AA im Batteriefach ist absolut unbrauchbar und gegen das nötige Umweltbewusstsein. Selbst mit Ni-Mh oder Li-Ion Batterien/Akkus macht das Gerät bei (48Khz/24bit/4xPhantomspeisung/Limiter/Lowcut…) keine 2,5 Stunden. Alkaline kann man gleich vergessen. Wer also echten Setton praktizieren möchte und nicht ständig Batterien/Akkus tauschen will, sollte mindestens auf NP-F Akkus zurückgreifen. Ich betreibe meinen F8 mit Vmount-Akkus von Axcom (14,8V/6,6Ah/99Wh) über Hirose und habe somit keine Stromprobleme mehr. Das gleiche trifft übrigens auch auf die ‘Antwort’ der Profis zu, dem MixPre-10t von SoundDevices. Auch er hat sinnloser Weise ein AA-Batteriefach welches auf keinen Fall ausreicht. Wobei da der Hirose-Anschluss auch noch an einer völlig unpraktikablen Stelle verbaut ist. Aber das ist ein anderer Testbericht.

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