Ökologisch, fair Aufnehmen?

Die Klangstube in Bremen

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Der Schlagzeughersteller Suso Custom Drums unterstützt die Kampagne und hat sogar ein Custom-Shop Schlagzeug beigesteuert. (Bild: Die Klangstube)

Ein Nachhaltig gebautes und betriebenes Tonstudio? Bei dem Wort Nachhaltig denke ich meist eher an Jutebeutel statt Plastiktüten und Elektroautos statt SUVs. Zugegeben: das ist nur die Sperrspitze unserer derzeitigen nachhaltigen Entwicklung und ich selbst versuche auch immer häufiger daran zu denken und möglichst nachhaltig zu essen, zu leben und zu reisen. Aber ein Tonstudio nachhaltig aufziehen? Den Gedanken hatte ich noch nicht – schließlich sind Mikros keine Wegwerfprodukte. Doch genau hier wollen Sebastian und Jessica mit ihrem Konzept unter dem Namen “Die Klangstube – solidarische Medien” ansetzen und bauen gerade in Bremen ihr erstes eigenes Studio auf.

Die Nachhaltigkeit beginnt bereits bei ihrer Holz-Lehm-Bauweise: Zunächst einmal – und das ist nur ein positiver Nebeneffekt – ist das Raumklima viel angenehmer als in den meisten anderen Studios, betonen die beiden. Das liegt vor allem an der guten Feuchte- und Wärmespeicherung der Materialien. Außerdem sollen sich die Materialien positiv auf die Raumakustik auswirken, wie man es eben aus Räumen mit viel Holz kennt.

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Für die Dämmung wird hier statt Steinwolle ein FSC zertifizierter Holzfaserdämmstoff verwendet. Der ist zwar etwa 30% teurer, stammt aber aus nachhaltiger Forstwirtschaft und ist biologisch abbaubar, so Sebastian. Und die Holzfasern werden ebenfalls Verwendung als Absorbermaterial finden. Basotec von BASF z.B. kam für die beiden nicht in Frage, da der Konzern einfach nicht nach ihren ökologischen Überzeugungen handelt. Aber die Grenze dieser Umweltgedanken ist nicht etwa die Türschwelle: Ihre Werbemittel lassen sie bei einer Umweltdruckerei drucken, ihr Geschäftskonto haben sie bei einer Bank mit sozial-ökologischen Grundsätzen angelegt und selbst ihren Webhoster haben sie gezielt ausgesucht – er arbeitet mit Ökostrom.

Als solidarische Medien geben sie außerdem keinen festen Stundenlohn an, sondern nur einen Mindestlohn und eine Empfehlung. Der Mindestlohn deckt dabei mit 20 Euro pro Stunde die laufenden Kosten und die Empfehlung liegt bei 30-40 Euro. Dadurch sollen auch weniger finanzstarken Bands Aufnahmen ermöglicht werden.

Die Klangstube soll nicht nur als umweltfreundliches und solidarisches Studio verstanden werden, sondern ist ebenfalls ihre Antwort und ein Alternativvorschlag auf den Kapitalismus. Wenn die Betreiber auch wissen, dass es nicht der Ausweg aus selbigem ist, so soll es doch als positives Signal fungieren, dass man etwas bewirken kann, wenn man nur will.

www.dieklangstube.de/

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Toll – bravo! Nachahmenswert. Ich habe auch ähnliche Vorstellungen für mein zukünftiges Studio. Wird zwar noch etwas dauern, aber die Richtung stimmt:-)
    In der Materialwahl beim Studiobau ist ein enormes Potential vorhanden anders und eben wohltuend – klanglich, wie atmosphärisch zu bauen und zu gestalten. Begrüßenswert, wenn man die Kosten mit 20 €/Std. decken kann. Mein Bereich wäre zwischen 30-50 €/Std. Egal, wenn für die beiden die Rechnung aufgeht – super! Viel Erfolg von Herzen!

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