Ratgeber

Der rechtliche Hintergrund von Coverversionen

Putnam Konsole

Die Begriffe Coverversion, Sample oder Remix hat sicher jeder schon einmal gehört. Was sie bedeuten und welcher rechtliche Hintergrund damit verbunden ist, soll in diesem Workshop geklärt werden.

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Coverversion – Hits aufgewärmt

Eine wissenschaftliche Studie hat ermittelt, dass etwa jeder fünfte Song in den Charts eine sogenannte Coverversion ist. Unter Coverversion versteht man im strengen Sinne eine Neuaufnahme einer bereits veröffentlichten Komposition, meist durch einen anderen Interpreten.

Die Gründe dafür können vielfältig sein. Vielleicht ist die Originalaufnahme vergriffen, also nicht mehr im Fachhandel erhältlich. Oder die alte Komposition soll mittels neuer Studiotechnik in neuem Glanz einem Publikum präsentiert werden, das möglicherweise bei der Erstveröffentlichung des Werkes noch gar nicht auf der Welt war. Natürlich können auch rein finanzielle Gründe bei Coverversionen eine Rolle spielen. Etwa wenn die Plattenfirma auf die naheliegende Idee kommt, einen alten Song – der sich in der Vergangenheit schon als Hit bewiesen hat – mit einem aktuell angesagten Künstler zu verbinden, um so einen potenziellen Megahit mit relativ wenig Risiko zu platzieren.

Wenn das Original dabei lediglich nachgespielt wird, ist das eine Coverversion im engen Sinne. Diese Coverversion ist rechtlich auch am wenigsten problematisch, weil dann ganz klar ist, dass Urheber des Songs die ursprünglichen Komponisten und Textdichter sind und bleiben. Das deutsche Urheberrecht besagt, dass bereits veröffentlichte Kompositionen, deren Rechte von einer Verwertungsgesellschaft für den Urheber wahrgenommen werden, von jedermann ohne besondere Genehmigung nachgespielt oder neu aufgenommen werden dürfen, solange der Urheber angemessen an der Nutzung seines Werkes – also der Coverversion – beteiligt wird.

Praktisch alle kommerziell genutzten Werke werden von Verwertungsgesellschaften verwaltet. In Deutschland ist das die GEMA, was die Abkürzung von „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ ist. Daraus folgt, dass bei echten Coverversionen die Komponisten des Originals nicht extra um Erlaubnis gefragt werden müssen, wenn die Veröffentlichung der Coverversion auf Tonträger oder die Aufführung des Werkes bei Konzerten der GEMA gemeldet wird und die von ihr verlangte Vergütung von der Plattenfirma oder dem Konzertveranstalter bezahlt wird.

Wenn der neu aufgenommene Titel dann tatsächlich beim Publikum einschlägt, verdienen nur die Original-Urheber an den von der GEMA vereinnahmten Lizenzgebühren. Dem Interpreten bleibt sein Anteil an den Einnahmen der Plattenfirma oder die Konzertgage. So versuchte sich zum Beispiel Marc Terenzi in der Vergangenheit an einer Akustikgitarren-Coverversion von Michael Jacksons „Billie Jean“, welcher sich über ein wenig Taschengeld, ohne dafür etwas tun zu müssen, sicher freut.

Coverversion – Aber bitte mit Sahne

n den meisten Fällen begnügt sich der Interpret aber nicht damit, die Komposition mehr oder weniger originalgetreu nachzuspielen. Vielmehr möchte er dem Song seinen eigenen individuellen Stil aufprägen und dem Sound der heutigen Zeit anpassen. Vielleicht ist das Original auch nur Ausgangspunkt für die kompositorische Eigenleistung. Dann bekommt ein etwas angestaubter Hit durch diese Coverversion sozusagen ein frisches Sahnehäubchen verpasst.

Um das zu erreichen, werden der Beat und die Instrumentierung geändert, zusätzliche Stimmen geschrieben oder Melodien abgewandelt. Ein Beispiel für diese Art der Coverversion ist das eingangs erwähnte All Summer Long. Diese Coverversion basiert zwar hörbar auf dem Song Sweet Home Alabama, doch musikalisch passiert ein bisschen etwas anderes. Auch der Text ist bei dieser Coverversion neu, wenngleich darin mit „[…] singing sweet home Alabama all summer long“ ausdrücklich auf das Original Bezug genommen wird.

In rechtlicher Hinsicht nennt man so etwas eine „Bearbeitung“ eines vorbestehenden Werkes. Die Originalurheber haben auch an der Coverversion von Kid Rock ihre Urheberrechte behalten, die Anteile verringern sich jedoch, da die Komponisten der neuen Version ebenfalls ihren Teil vom Kuchen abhaben wollen. Es ist klar, dass so etwas niemals ohne die Zustimmung der Urheber des Originals geht. Schließlich könnte eine solche Bearbeitung auch in die Hose gehen und sich die Original-Komponisten in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt sehen. Aber auch wenn es nicht so schlimm kommt, muss kein Urheber die Veränderung seines Musikwerkes, also eine Coverversion, dulden.

In der Praxis läuft das so, dass die Plattenfirma des Interpreten der neuen Version den Musikverlag, der die Interessen der Original-Urheber vertritt, um Zustimmung zur Veröffentlichung bittet. Wird nach einer Hörprobe die neue Version als akzeptabel empfunden, geht es eigentlich nur noch um Geld, also wer wie viel von den Urheberrechtstantiemen abbekommt. Da die Rechteinhaber der Neuauflage zwingend auf die Zustimmung der Berechtigten am Original angewiesen sind, können letztere praktisch alles verlangen. So kommt es häufig vor, dass urheberrechtlich eigenständige Bearbeitungen eines Werkes, rechtlich und wirtschaftlich wie echte Coverversionen behandelt werden, die Bearbeiter also leer ausgehen.

Sample – In der Kürze liegt die Würze

Anders als bei einer Coverversion stellt sich die Situation beim sogenannten Sampling dar. Hier wird in erster Linie nicht auf eine vorbestehende Komposition zurückgegriffen, sondern das Sample ist ein Ausschnitt aus einer bereits bestehenden Tonaufnahme. Das kann ein einzelner Trommelschlag sein oder eine kurze Sequenz aus einem Lied, welche dann in einen neuen musikalischen Zusammenhang gestellt werden.

Die Rechte an Samples müssen immer geklärt, also die Erlaubnis hierfür eingeholt werden („Sample-Clearing“). Ansprechpartner für ein Sample ist die Plattenfirma der Originalaufnahme. Bei der Verwendung von Sequenzen ist dies auch der oder die beteiligten Musikverlage. In letzterem Fall ist meist auch die der Aufnahme zugrundeliegende Komposition betroffen.

Zwar hat die Rechtsprechung noch nicht endgültig geklärt, ob diese strengen Anforderungen auch für kleinste Soundschnipsel gelten. Es ist aber definitiv falsch, dass es – wie oft behauptet – eine Regel gäbe, wonach eine bestimmte Anzahl von Takten frei verwendet werden dürfte. Das Oberlandesgericht Hamburg hat im Jahr 2006 entschieden, dass zwei Takte eines Drumloops aus dem Stück Metall auf Metall der Elektronik Gruppe Kraftwerk nicht ohne deren Genehmigung gesampelt werden dürfen.

Bei einem Sample ist daher dringend zu empfehlen, die Sounds selbst zu erzeugen und aufzunehmen oder sich kommerzielle Sampling-CDs zuzulegen, bei denen die Rechte normalerweise geklärt sind.

Remix – Mix it, Baby!

Der Remix wird regelmäßig von den Interpreten eines Songs bzw. deren Plattenfirma in Auftrag gegeben. Der Remixer bekommt dann eine oder mehrere Spuren der Originalaufnahme, die er nach Herzenslust sampeln und verwursten darf. So kann aus einem Kuschelrocksong ein Dancefloor-Kracher werden oder aus einem R’n’B-Hit ein Drum’n’Bass-Track. Da hier der Auftrag für den Remix von der Plattenfirma kommt, die die Rechte an der Aufnahme innehat, ist das Sample-Clearing hier kein Problem. Was die Komponisten betrifft, muss die Plattenfirma durchaus deren Zustimmung einholen (läuft in der Regel über den beteiligten Musikverlag).

Der Remixer bekommt normalerweise eine Einmalzahlung für den Remix-Job, egal ob er das Original bearbeitet oder (ausnahmsweise) nur covert. Die Urheberrechte bleiben dann ausschließlich bei den Original-Urhebern, was deren Zustimmung zum Remix natürlich erleichtert.

Coverversion, Sample, Remix – Oder Madonna vs. ABBA

Ob ein Song gecovert, bearbeitet, gesampelt oder geremixt wird, ist im Einzelfall meist recht schwer abzugrenzen. Häufig ist es sogar eine Kombination aus mehreren Elementen wie einer Coverversion und einem Remix. Vielleicht erinnert ihr euch an den Song Hung Up von Madonna. Dieser basiert auf einem Sample und zugleich der Komposition Gimme Gimme Gimme der Popgruppe ABBA, welche aber von Madonna und ihrem Produzenten stark bearbeitet wurde. Selbstverständlich gibt es von dem Track zahlreiche Remixe.

Ähnlich ist es mit Eric Prydz und seinem One-Hit-Wonder Call On Me, welches markante Teile des Klassikers Valerie von Steve Winwood enthält. Da die neue Version Steve Winwood ziemlich gut gefiel, hat er bei dieser Neuauflage sogar selbst mitgewirkt und die Vocals neu eingesungen. Ob es sich dabei also um eine Coverversion, eine Bearbeitung des Originals oder einen Remix handelt, lässt sich kaum eindeutig sagen.

 Solange ihr nur im privaten Umfeld musiziert, können euch diese Feinheiten zwischen einer Coverversion, einem Sample und einem Remix letztlich egal sein. Doch ist Vorsicht geboten, wenn ihr damit an die Öffentlichkeit geht. Spätestens, wenn ihr Musikbeispiele ins Internet stellt, könnt ihr ernsthafte Probleme bekommen, wenn die Rechte an der Coverversion, dem Remix oder dem Sample nicht geklärt sind.Wenn ihr an dem Thema Spaß gefunden habt und euch auf die Suche nach weiteren Fällen von Coverversionen oder verwendeten Samples machen wollt, sei euch die Webseite www.coverinfo.de empfohlen, die eine recherchierbare Datenbank mit unzähligen Beispielen bereithält.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Wie sieht’s aus, wenn ich als Produzent einen Remix von einem Cover machen will und die Erlaubnis vom Rechteinhaber des Covers hab. Reicht das dann aus oder brauch ich zusätzlich noch die Rechte des Urhebers und der Leistungsschutzberechtigten des Originals?

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    1. wie funktioniert das alles rechtlich wenn ich z.B. Michael Jackson Songs wie Billie Jean Covere, vocsls werden neu eingesungen und das ganze in ein neuen Glanz in House Versionen u.a. auf mp3 Portalen veröffentlichen will. Was muss ich tun, wie hole ich mir die Rechte und was würde in dem Fall für mich übrig bleiben?

      Viele Grüße
      Emre

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      1. Hallo Emre,
        du musst dir die Bearbeitungsrechte bei dem oder den Urheber/n, also Textern und Komponisten einholen. Das geht am besten über den entsprechenden Musikverlag. Diesen findest du in der GEMA-Datenbank.
        Viele Grüße!

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  2. Kleine Anmerkung zu “All Summer Long”: Die Piano Passage stammt aus “Werewolves of London” von Wareen Zevon und wurde entweder nachgespielt, oder sogar als Sample verwended!

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  3. habe eine Abmahnung für 2 Pink Floyd Limited Trance Remixe erhalten.
    Im deutschen Musikladen gekauft mit GEMA Zeichen

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  4. Hallo,

    wie sieht es aus, wenn ich den Refrain eines Songs übersetzt habe (mit Erlaubnis des Künstlers), neue Strophen dazu gedichtet habe, und dies Live aufnehme? Was muss ich bei dem Song für Copyright angaben machen? Copyright er, Copyright er und ich, oder Copyright ich?

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    1. Hey Sebastian,

      sorry, dass du so lange auf eine Antwort warten musstest.

      Wir haben deine Frage der WeSaveYourCopyrights Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Frankfurt am Main gestellt, die auf die Rechtsgebiete Musikrecht, Urheberrecht und Medienrecht spezialisiert sind.

      Daraus ist folgender Artikel entstanden: https://www.soundandrecording.de/tutorials/urheberrechte-und-deine-rechte/

      Ich hoffe, dort findest du eine Antwort auf deine Frage.

      Viele Grüße,

      Marc

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  5. Wie sieht es aus, wenn ich einen Song covern will, der noch nicht veröffentlicht ist?

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  6. Eine schöne Übersicht zum Thema! Ergänzen möchte ich, dass oft darüber gestritten wird, ob es sich um eine Bearbeitung handelt. Manchmal verweigern die Verlage (die meistens die Rechte der Urheber verwalten) die Veröffentlichung. In solchen Fällen lässt sich der Sachverhalt von einem Gutachter klären. Mehr Infos gibt es u. a. im Musikrechtslexikon unter http://www.musikgutachter.de

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  7. was mich noch interessiert:
    wie is das mit den erlösen aus cd-verkäufen online, wie physisch…

    wenn ich die bearbeitungsrechte, bzw die erlaubnis habe, meine bearbeitung zu veröffentlichen und ich die songs verkaufe (CD, oder online)…wer bekommt die erlöse? GEMA is klar… aber der rest 🙂

    danke schonmal!

    Marcus

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  8. Hey,
    Ich habe für eine bestehende und veröffentlichte Instrumentale Song von jemanden anders einen Text geschrieben. Die Melodie habe ich behalten, habe da keine significante Änderung gemacht. Kann ich das einfach veröffentlichen oder brauche ich da eine Genehmigung?

    Danke im voraus

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  9. Wie sieht es aus, wenn man aus einem englischen Originaltitel, ein Cover mit deutschem Text machen möchte. Was ist da zu beachten?

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    1. Zählt als Bearbeitung. Zusätzlich musst Du hier in der Genehmigungs-Phase eine englische Rück-Übersetzung Deines Textes beifügen. (Immer englisch, auch wenn Du z.B. ein arabisches Lied umdichtest.)

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  10. Ich habe da auch gerade ein kleines Problem, Ich bin Songtexterin und habe mit einem Komponsten der auch ein studio hat einen Song geschrieben (er Kompos. ,ich denText) der Song ist mit einem Interpreten veröffentlicht worden . Jetzt möchte ich selber auch singen und diesen Song als Coversong bringen und evtl. veröffentlichen . Jetzt mäckert der Interpret und Komponist (meine version ist die bessere). Wie sieht das rechtlich aus.??

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  11. Wie sieht es z.b. aus, wenn man z.b. den Text eines alten Gedichtes nimmt und daraus einen Songtext macht? Wie ist das geregelt? Vorallem wenn der Verfasser des Textes nicht mehr lebt.

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    1. Dann musst Du den rechtlichen Nachfolger anschreiben und um Erlaubnis bitten.
      Listen dazu kann man bei der GEMA finden. Den Titel des Gedichts/Songs eingeben oder den Namen des Verfassers/Komponisten.

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  12. Hallo zusammen, was muss ich denn machen, wenn ich einen bekannten Song in eine andere Musikrichtung transportieren möchte. Also zum Beispiel einen Pop-Song als Rockversion. Der Text bleibt gleich, nur der musikalische Kontext ändert sich.

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  13. Ich bin ein Hobby Musiker in der afg Musikebene ,ich möchte mit meiner Tochter,den Song von MJ -you are not alone-auf Original Text und afg Text covern .,darf oh das eigentlich? Ich hoffe auf eine Antwort..Danke

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    1. Hallo,
      es kommt auch ganz drauf an, wo und wie man es öffentlich vorführt. Nur für den privaten Bereich, kann man jeden Song covern, soviel man will.
      Lieben Gruß

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  14. Ich möchte einen Cover unverändert hochladen, also Melodie und Text alles unverändert. Kann man es auf Youtube hochladen ohne eine Mahnung zu erhalten? Und wie meldet man sein Cover den Gema an, dazu habe ich leider kein Tutorial gefunden.

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  15. Hallo Richard!

    Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht. Dabei fiel mir eine Frage ein:
    Wie sieht die rechtliche Lage aus, wenn man ganz offiziell die Erlaubnis für die Bearbeitung und Veröffentlichung eines berühmten Songs beantragt und das Demo hierfür mitschickt (Viele Verlage haben hierfür vorgefertigte Formulare), hinterher aber keine Antwort oder eine Absage bekommt, aber irgendwann MEINE bearbeitete Version (oder wiederum leicht überarbeitete Version meiner Verarbeitung) plötzlich auf allen öffentlichen Medien zu hören ist?

    Hab ich in so einem Fall das Recht zu klagen? Hätte ich hierfür eine Chance? Zwar besitzt der Urheber bzw. der Verlag die Rechte des Songs, aber nicht die meiner Bearbeitung. In so einem Fall kann man doch auch von “Diebstahl geistigen Eigentums” sprechen, schließlich würde sich der Verlag ungefragt meiner eigenen Idee bedienen…

    Freue mich über eine Antwort.

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