Der lange Streit um 2 Sekunden

Kraftwerk vs. Pelham

39 Jahre ist der zweisekündige Soundschnipsel alt, um den nun stattliche 19 Jahre und durch alle Instanzen unseres rechtlichen Systems gestritten wurde, bis am 31.5.2016 eine Entscheidung vom Bundesverfassungsgericht gefällt wurde. 

Kraftwerk – The Catalogue 1 2 3 4 5 6 7 8 Tate Modern
Foto: Kraftwerk

1977 veröffentlichte Kraftwerk ihr Lied Metall auf Metall. 1997 nutzte Pelham ganze zwei Sekunden daraus und verbaute es in Sabrina Setlurs „Nur Mir“. Seit dem wurde der Streit zwischen den beiden Parteien – oder neutraler ausgedrückt zwischen Leistungsschutzrecht des Tonträgerhersteller und der Kunstfreiheit – geführt.

Anzeige

Die ausführliche Urteilsverkündung findest du hier.

Bisher orientierten sich Rechtsstreite bezüglich rechtswidriger/-mäßigen Samplings daran, ob ein durchschnittlicher Künstler mit durchschnittlicher technischer Ausstattung das Originalmaterial selbst in der Lage ist einzuspielen. Im Falle von Sampling ein recht unbrauchbarer Indikator, da Computer (oder noch moderner: allerlei Apps), die Arbeitsweise erheblich vereinfachen und zudem weit verbreitet sind. U.a. dieser Umstand wurde in der aktuellen Rechtssprechung berücksichtigt.

Darüber hinaus ist es Sinn und Zweck von Samplings, dass das Original zu erkennt bleibt und gleichzeitig geht es nicht darum das Original plump zu kopieren, sondern eben – mittels Remixing – dem Ganzen einen ganz neuen Sound zu verleihen, was seinerseits eine eigene Form der musikalischen Kunst ist. Hätte Kraftwerk Recht bekommen, so wäre dies rechtlich gesehen wohl das Aus für die Sampling-Kultur – zumindest in Deutschland. Andererseits bietet Metall auf Metall die elementare Grundlage zu Nur Mir – ohne ihn gäbe es Nur Mir schlicht weg nicht (in dieser Form).

Eine Frage die, ganz im Sinne eines Rechtsstaates, nicht nur emotional zu unserer künstlerischen Freiheit entschieden werden darf, sondern eben auch nach gültigem Gesetz. Die Urteilsverkündung spricht sich in diesem Fall deutlich für Pelham aus, was in den vorherigen Instanzen keine Selbstverständlichkeit war.

Austauschen von Gedanken und Diskutieren ist erwünscht und erlaubt. Schreibt hier oder auf Facebook.

Moses Pelham
Foto: Katja Kuhl

Erfahre mehr zum Thema:

Der rechtliche Hintergrund zu Coverversionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren: