Studioqualität für den Einsteiger

Shure PG27 und PG27 USB im Test

Shure kennt jeder als Hersteller des Bühnenklassikers SM58, aber auch höherpreisige Studiomikros wie die KSM-Serie gehören zum Portfolio. Mit den PG27 Mikrofonen möchte Shure dem Einsteiger ein gutes Stück Studioqualität (fast) zum Preis des SM58 bieten.

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Was steckt drin im Paket?
Sowohl das PG27 als auch seine USB-Version kommen in einer gepolsterten Pappschachtel, die nicht nur als Einweg-Transportverpackung dient, sondern für die kommenden Jahre einen geeigneten Aufbewahrungsort darstellt. Beigelegt ist eine feste Stativhalterung aus Metall, die mit dem Mikrofon eine bombenfeste Schraubverbindung eingeht. Auch das für hiesige Mikrofonständer nötige Reduziergewinde hat man nicht vergessen. Eine elastische Spinnenhalterung darf man bei Straßenpreisen von ca. 140 bzw. 200 Euro wohl nicht erwarten. Beiden Mikros liegt ein Kunstlederetui bei; die Standard-Analogversion kommt, wie es sich gehört, mit einer Kurzanleitung inklusive Datenblatt. Der USB-Version lag nichts dergleichen bei, dafür aber ein gut drei Meter langes USB-Kabel.

>> EQ-Tipp zum Shure SM57: Snares und Toms abnehmen <<

Shure PG27 und PG27 USB  genauer betrachtet
Beide PG27-Varianten haben ein formschönes, mattschwarzes Metallgehäuse von 56 x 154 mm. Das überraschend hohe Gewicht von rund 430 g lässt auf eine robuste Konstruktion schließen. Der Mikrofonkorb ist recht offenporig, um interne Reflexionen zu minimieren. Beim Schallwandler-Element handelt es sich um eine Doppelmembran-Kondensatorkapsel im 1-Zoll-Format, wobei jedoch nur die vordere Membran elektrisch aktiv ist; die rückwärtige ist unbeschichtet, denn die PG27-Mikros arbeiten mit fester Nierencharakteristik.

Technische Daten nennt Shure nur auszugsweise: der Grenzschutzpegel, also der Pegel, bis zu dem ein Mikrofon keine hörbaren Verzerrungen produziert, ist mit 134 dB SPL angegeben und kann mittels des –20db-Pad-Schalters auf der Rückseite auf 154 dB SPL erhöht werden. Damit lässt sich das PG27 auch für sehr laute Schallquellen verwenden. Einen Wert für das Eigenrauschen gibt Shure nicht an; nach unseren Tests liegt es bei etwa 18 dB A. Das ist für heutige Verhältnisse zwar kein Spitzenwert, aber in der praktischen Anwendung ausreichend. Die Mikrofonempfindlichkeit ist spezifiziert mit –41 dB re 1 Pa (entspricht 8,9 mV/Pa). Das Testexemplar zumindest war etwas „lauter” mit –40 dB re 1 Pa (entspricht 10 mV/Pa). Damit liegt das PG27 in Sachen Ausgangspegel im unteren Kondensatormikro-Mittelfeld. Und das ist eigentlich ganz gut so, denn einerseits ist der Pegel hoch genug, dass kein besonders rauscharmer Mikrofonvorverstärker erforderlich ist, andererseits knüppelt das PG27 aber auch nicht so viel Saft durch die Buchse, dass bei etwas lauteren Signalen gleich der Preamp übersteuert.

Satter Bass und breitbandige Präsenzanhebung
Der von uns ermittelte Frequenzgang deckt sich weitgehend mit dem Sollfrequenzgang des Herstellers – in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit! Wie bei S&R üblich, haben wir nicht „akademisch” im reflexionsfreien Raum mit weitem Abstand gemessen, sondern praxisbezogen in einem gewöhnlichen Aufnahmeraum bei 33 cm Abstand zur Schallquelle. Der Plot stellt das Mikrofon also so dar, wie man es tatsächlich einsetzt, inklusive Nahbesprechungseffekt. Die Messkurve zeigt eine breitbandige Präsenzanhebung, die schon ab etwa 2 kHz einsetzt und bei etwa 5 kHz ihr Maximum von etwa 4 dB erreicht. Oberhalb dieser Betonung der Hochmitten liegt eine kräftige Höhenanhebung bei 12 kHz von etwa 6 dB. Der Nahbesprechungseffekt sorgt zudem für einen satten Bass, der bei kürzeren Abständen natürlich noch stärker betont wird als beim Messabstand von 33 cm. Insofern kann man durchaus von einer gewissen „Badewannenkurve” reden, mit etwas zurückgenommenen Mitten zwischen kräftigen Höhen und Bässen.

Interessant ist auch ein Vergleich zu Shures Instrumentenmikro-Klassiker, dem SM57. Hier zeigt sich einerseits eine gewisse Familienähnlichkeit: Die Präsenzanhebung ist noch etwas stärker ausgeprägt, liegt aber exakt im selben Frequenzbereich. Andererseits zeigt sich sehr schön, was das PG27 als Kondensatormikrofon gegenüber dem dynamischen SM57 mehr zu bieten hat, nämlich einen sehr viel tiefer reichenden Bass und strahlende „Hi-Fi”-Höhen. 

Shure PG27  in der Praxis
Das PG27 macht einen angenehm frischen und hellen Vocal-Sound, der sich für viele Stimmen eignen sollte. Die Höhen sind aber nicht so unerbittlich scharf wie bei No-Name-Chinaware. Der Bassbereich bleibt auch bei naher Besprechung überraschend trocken, was der gängigen Praxis in Heim- und Projektstudios entgegenkommt. Das Klangbild behält immer seine klare Kontur. Für ein Großmembranmikrofon – speziell der unteren Preisklasse – ist außerdem das Off-Axis Verhalten recht gut; bei Kopfbewegungen des Sängers verändert sich der Klang kaum. Defizite gegenüber der 1.000-Euro-Mittelklasse finden sich eher in den mittleren Frequenzen. Das PG27 entfaltet nicht die Kraft und Autorität eines Neumann TLM 103 oder die Verfärbungsarmut eines AKG C414 XLS. Auch im Rauschverhalten hat das PG27 das Nachsehen – wirklich hörbar wird das indes nur bei ganz genauem Hinhören oder heftiger Kompression, wenn Ausklingphasen hochgezogen werden.

Außer für Gesang und Sprache eignet sich das PG27 auch gut für Instrumente wie Akustikgitarre, solange ein brillanter, moderner Sound gewünscht ist. Gedeckte VintageSounds mit tonfesten Mitten sind die Domäne des PG27 nicht. Es ist deshalb am Gitarrenverstärker nicht die erste Wahl, obwohl es dem hohen Schalldruck durchaus gewachsen ist. Schöne Ergebnisse liefert das PG27 bei Percussion-Instrumenten aller Art.

>> Shure SM7B: Dynamisches Studiomikrofon <<

Shure PG27 USB in der Praxis
Die USB-Version hat mich positiv überrascht. Zum einen ist das Klangbild praktisch identisch mit dem des analogen PG27, zum anderen überzeugt die Handhabung. Das PG27 USB installiert sich an Mac und PC ohne vorherige Treiberinstallation. Unter Windows wird das PG27 USB als Standard USB-Audiogerät erkannt und fortan als „Shure Digital” angezeigt. Ein Treiber-Panel gibt es nicht – und wäre auch unnötig, denn am Gerät sind Hardwareregler in Form von Rändelpotis angebracht. Vorne links befindet sich ein Gain-Regler mit einer groben Aussteuerungsanzeige in Form einer LED, die sich von grün nach gelb und rot verfärbt, wenn Übersteuerungen drohen. Außerdem verfügt das PG27 USB über einen regelbaren Kopfhöreranschluss. Das integrierte USB-Interface arbeitet bidirektional, d. h., es steht ein Rückkanal zur Verfügung. Zum Erstellen einer Abhörmischung gibt es ein drittes, mit „Monitor” beschriftetes Poti, das zwischen dem (latenzfreien!) Mikrofonsignal und dem Playbacksignal der Recording-Software überblendet. Feine Sache, damit ist das PG27 USB nicht nur für Podcasts, sondern auch für musikalische Anwendungen, sprich Overdubs gerüstet.

Dass das integrierte Audiointerface nur mit 16 Bit wandelt und keine Samplingraten oberhalb 48 kHz unterstützt, dürfte für die angestrebten Anwendungen kein Problem darstellen. Eine generelle Einschränkung von USB-Mikros bleibt aber bestehen: Verkoppeln mehrerer Mikrofone funktioniert nicht richtig, da es keine Möglichkeit gibt, die Clocks zu synchronisieren. Wer Stereoaufnahmen und Multimikrofonierung im Sinn hat bzw. sein Setup nach und nach erweitern möchte, sollte daher zur analogen Variante greifen.

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Das integrierte USB-Interface des PG27 USB arbeitet bidirektional, d.h. es steht ein Rückkanal zur Verfügung. Zum Erstellen einer Abhörmischung gibt es ein mit „Monitor“ beschriftetes Poti, das zwischen dem (latenzfreien!) Mikrofonsignal und dem Playbacksignal der RecordingSoftware überblendet.

Fazit
Das PG27 ist ein gut klingendes Großmembran-Kondensatormikrofon für kleines Geld. Es ist sauber verarbeitet und liefert überzeugendere Resultate als die kaum günstigeren No-Name-China-Mikros. Shures langjähriges Know-how macht den Unterschied. Dass gemessen an Spitzenmikros noch ein bisschen Luft nach oben ist, wird niemanden verwundern. Nicht umsonst bietet Shure ja noch eine ganze Riege von Studiomikros an, die ein Vielfaches kosten.

Innerhalb seiner Preisklasse ist das PG27 aber durchaus eine Empfehlung. Besonderes Lob verdient die USB-Variante aufgrund der praxisgerechten Features und der intuitiven Bedienung. Zudem passt der moderne, frische Sound bestens zu den primären Anwendungen im Bereich Podcast/Sprachaufnahme. Das gelungene Monitoring-Konzept macht das PG27 USB aber auch zu einem praktischen Reisebegleiter beispielsweise für Songskizzen im Hotelzimmer.

>> Die Stimme im Mix: Vocal-Recording <<

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo zuerst. Welches würdest du für homerecording nehmen? Ich will damit meine Stimme aufnehmen und andere lieder covern. Usb oder das normale? Gruss

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    1. Das kommt ganz darauf an, ob du schon ein Interface mit 48V Phantomspannung besitzt. Wenn nein hast du zwei möglichkeiten:
      1. PG27 (ca.140€) + AudioInterface (ab ca. 100€) kaufen. Mit dem Audio-Interface hast du zudem die Möglichkeit, ggf noch eigene Instrumente wie Gitarren, Bass oder was die sonst noch einfällt aufzunehmen, sollte dies irgendwann dein Wunsch sein. Du hast zudem die Möglichkeit, darüber Musik wiederzugeben. Über die Wiedergabe-Charakteristik des PG27 USB wird hier nichts gesagt, ich kann die leider auch nichts dazu sagen.
      2. PG27 (ca. 200€) Kaufen. Mit diesem Gerät hast du alles in einem, kannst es auch unterwegs einfach ans Laptop anschließen und brauchst keine weiteren Geräte. Allerdings ist es (wie im Bericht erwähnt) nicht wirklich erweiterbar.

      Welche der beiden Varianten du nun nimmst hängt einzig davon ab, was du später in deinem Homerecording-Bereich anwendest.

      Ich persönlich habe UNTER ANDEREN das PG27 in meinem Homerecording-Studio im Einsatz. Ich bin vom Micro absolut begeistert, allerdings auch froh, dass ich über mein Interface auch andere Micros anschließen kann oder Direktaufnahmen von Gitarren, Bass, Keys aufnehmen kann.

      Entscheiden musst das letztendlich du, ich hoffe ich konnte dir damit helfen!

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      1. Ganz vergessen:
        Wenn du schon ein Interface mit Phantomspeisung hast, würde ich empfehlen das PG27 zu kaufen, da beide denselben Frequenzgang aufweisen.

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