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Plug-in im Test: UAD Manley Voxbox

 

Dank Unison-Technologie kann das UAD Voxbox-Plug-in nicht nur in der Nachbearbeitung, sondern auch aufnahmeseitig eingesetzt werden.

Plug-ins für die UAD-2-Plattform sind zugegebenermaßen nicht ganz billig, aber gerade im vorliegenden Fall möchte man fast von einem Schnäppchen reden, wenn man mit den Preisen der Originalhardware vergleicht. Der Chandler Curve Bender liegt derzeit bei 7.853,− Euro, die Manley Voxbox bei 5.592,− Euro.

Manley Voxbox

Mancher mag nun einwenden, dass solche Boutique-Geräte sowieso total überteuert seien. Das kann man so pauschal aber nicht sagen. Da ich erst kürzlich eine Manley Voxbox im Studio hatte, kann ich aus eigener Anschauung bestätigen, dass der Preis, gemessen an der hochwertigen Verarbeitung und der verbauten Technik, sogar eher günstig ist. Die Manley Voxbox gehört zu den wenigen Geräten heutzutage, bei denen keine Kompromisse gemacht wurden. Der Edel-Channelstrip ist quasi ein Best-Of klassischer Studiotechnik, abgerundet durch ein paar innovative Ergänzungen, die der heutigen Aufnahmepraxis Rechnung tragen. Gespart wurde nirgends: Die Voxbox arbeitet in Vollröhrentechnik; Ein- und Ausgänge, und sogar die Inserts sind mit hochwertigen Übertragern ausgestattet, die Manley selbst fertigt. Der Preamp arbeitet sehr rauscharm und ist klanglich variabel von sauber bis hörbar röhrig.

Zur Abstimmung der Klangbalance steht ein 3-Band-EQ zur Verfügung, der sich am Pultec MEQ-5 Mid-Range-EQ orientiert, d. h. mit Spulenfiltern arbeitet. Der Kompressor arbeitet nach dem Opto-Prinzip; seine Regelcharakteristik erinnert an den LA2A, ist aber deutlich variabler. Als Besonderheit greift der Kompressor unmittelbar hinter dem Eingangsübertrager ein, d. h., Pegelspitzen werden bereits vor der ersten Röhrenstufe abgefangen. Clever! Zusätzlich hat Manley einen De-Esser integriert, der S-Laute entschärft; wahlweise lässt sich diese Sektion auch als »normaler« Peak-Limiter mit Ratio 10:1 betreiben.

Digitalisierter Kult

Das UAD-2-Plug-in bietet dieselbe Ausstattung, aber ist sie auch klanglich ebenbürtig? Bislang waren Preamp-Emulationen ja von begrenztem Wert, da das Signal ja erst einmal in den Rechner gelangen muss und somit bereits eine Mikrofon- bzw. Line-Vorstufe durchläuft, die natürlich anders agiert und interagiert als die emulierte Hardware.

Mit der Unison-Technologie hat sich Universal Audio dieser Thematik angenommen. Diese ermöglicht es dem Plug-in, mit der Hardware zu interagieren, beispielsweise die Eingangsimpedanz des Mikrofoneingangs dem emulierten Gerät anzugleichen. Umgekehrt kann das Audio-Interface Funktionen des Plug-ins steuern, beispielsweise die Gain-Steuerung. Natürlich funktioniert das nur in Verbindung mit Universal Audios Apollo-Audio-Interfaces, die die entsprechende Unison-Funktionalität mitbringen.

Der Console-2.0-Mixer bietet in den Eingangskanälen einen zusätzlichen Unison-Plugin-Slot, der noch vor den vier »normalen« Inserts liegt und ausschließlich für Preamps und Channelstrips mit Unison-Funktionalität vorgesehen ist. Bei der Manley Voxbox-Emulation ist die Unison-Steuerung recht umfangreich, wie ich anhand eines Apollo Twin USB ausprobieren konnte. Durch längeres Drücken des Einstellreglers wird der »Unison Gain Stage«-Mode aktiviert, d. h. alle drei Gain- bzw. Level-Regler lassen sich separat ansprechen. Durch kurzes Drücken des großen Einstellrads wechselt man vom Input-Level (Pegel direkt hinter dem Eingangstrafo) zum Gain-Stufenschalter (Grundverstärkung), zum Output-Regler und wieder zurück. Ein farbiger Punkt markiert im Plug-in-Fenster, welcher Regler gerade dem Einstellrad zugeordnet ist. Auch der Low-Cut und der Phasenumkehrschalter der Apollo-Hardware interagieren mit dem Plug-in. Die übrigen Funktionen muss man weiterhin mit der Maus im Plug-in-Fenster einstellen.

Haptik und Optik sind denn auch die markantesten Unterschiede zum Original. So imposant wie die voluminöse Manley Voxbox mit ihrer panzerbrechenden massiven Alufront und ihren elegant eloxierten Knöpfen ist dann doch kein Plug-in. Ihr Soundverhalten ist indes wirklich gut getroffen. Frappierend ist, wie das Plug-in tatsächlich mit der Apollo-Hardware verschmilzt. Die UAD-Emulation wirkt nicht wie ein Effekt, sondern verleiht dem internen Preamp ein ganz anderes Klangverhalten. Der Sound wird deutlich geschmeidiger, weicher, smoother. Da wirkt nichts »verdreht« oder »aufgepfropft«.

Auch der EQ ist sehr nah am Original. Der Mid-Dip eignet sich bestens, um Quäkfrequenzen zu entfernen, die gerade bei dynamischen Mikros häufig den Klang verunzieren. Der Hi-Peak macht in den oberen Frequenzeinstellungen einen wunderbaren Glanz, ähnlich wie der Manley Massive Passive. Typisch für einen Induktor-basierten Passiv-EQ, klingen auch größere Klangveränderungen sehr natürlich.

Wirklich gelungen ist auch der De-Esser; wenn man ihn korrekt einstellt, arbeitet er weitgehend artefaktfrei, sodass man ihn durchaus schon während der Aufnahme einsetzen kann.

Das UAD Manley Voxbox-Plug-in ist eine durchweg gelungene, detailgetreue Emulation, die das Mojo des Originals zu einem Großteil einzufangen vermag. Natürlich hat ein Plugin nie die physische Ausstrahlung der entsprechenden Hardware, insofern muss sich niemand grämen, teuer Geld für das Original ausgegeben zu haben. Umgekehrt hat aber das Plug-in selbst dann noch einen nicht unerheblichen Reiz, wenn man diesen Hardware-Boliden besitzt. Denn das Voxbox-Plugin eignet sich ausgezeichnet auch zur Nachbearbeitung bereits aufgenommener Signale − Gott sei Dank, denn ohne Unison-fähiges Audio-Interface ist es ja nur zur Nachbearbeitung tauglich. Außerdem kann das Plug-in natürlich auch Stereosignale bearbeiten und das in mehreren Instanzen − sofern man über genügend UAD-2-Power verfügt, denn die Voxbox belegt 46 % (mono) bzw. 56 % (stereo) eines SHARC-DSP.

 

Fazit

Wieder einmal tolle Neuzugänge für die UAD-2-Plattform. Das Voxbox-Plug-in ist dank Unison-Technologie eine überraschend gefühlsechte Emulation der entsprechenden Manley-Hardware. Wer kein Apollo-Interface besitzt, darf sich zumindest über ein sehr hochwertiges Plug-in mit umfassenden Möglichkeiten zur Nachbearbeitung bereits aufgenommener Spuren freuen. Den Namen »Voxbox« sollte man nicht zu wörtlich nehmen: Die Anwendungen gehen weit über Gesang und Sprache hinaus. Amerikanischer Sound edelster Prägung!


+++ erstklassiger Sound

+++ authentische Emulation

++ Unison-Integration (UAD Manley Voxbox)

++ M/S-Modus (UAD Chandler Curve Bender)

– hoher DSP-Bedarf (UAD Manley Voxbox)

 

UAD Manley Voxbox

Hersteller/Vertrieb: Universal Audio

Preis: 299,— Euro

 

www.uaudio.com

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