Video Tutorial

Bob Clearmountain – Drum Recording mit vielen Mikrofonen

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Wie funktioniert eine moderne Aufnahme eines Schlagzeugs? Wir haben gelernt, dass eine Aufnahme mit zwei oder vier Mikrofonen ausreicht, um einen ansprechenden Klang mit ausreichend Tiefe zu erhalten. Warum also noch mehr Mikrofone verwenden?

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Der Grund ist einfach: oft ist es von vornherein nicht klar, wie das Schlagzeug im finalen Mix klingt. Eventuell sind noch nachträglich gezielte Anpassungen notwendig und da ist es sinnvoll, dass einem Kontrollmöglichkeiten für jedes individuelle Element des Schlagzeugs zur Verfügung stehen. In dem folgenden Video zeigen uns daher der Toningenieur Bob Clearmountain (The Rolling Stones, Bruce Springsteen) und der seit Jahren leidenschaftliche Studiodrummer Matt Chamberlain (Begleiter von David Bowie, Tori Amos, Soundgarden), wie man ein Schlagzeug mit vielen Mikrofonen aufnimmt:

Realistisch klingen!
Als Audiointerface verwenden die beiden das mit 10 Inputs ausgerüstete Apogee Ensemble Thunderbolt. Die Mikrofone sollen nun Bassdrum, Snaredrum, Toms und Hihats getrennt aufnehmen. Hinzu kommen dann noch ein Overhead Mikrofon und Room Mics für noch mehr Tiefe.

Als Overhead Mikrofon wird vom Ribbon Royer SF-12 Gebrauch gemacht, das ein tiefes Klangbild der Drums aufzeichnen kann. Damit hier alle wichtigen Klänge aufgezeichnet werden, wird das Overhead Mikrofon grob einen guten halben Meter über die Snaredrum und zwischen den Toms platziert.

Die Toms in den Tiefen
Für die Aufnahme der Toms werden Klemm-Mikrofone benutzt, in diesem Fall das Sennheiser 604e, das sich direkt an die Toms anklemmen lässt. Bei diesem Modell kann man die Entfernungsstufe einstellen – und das sollte man auch. Bei den Toms ist nämlich viel Bottom End erwünscht, daher wird die höchste Stufe des Clippers eingestellt. Würde man das Mikrofon zu nah an die Toms platzieren, hätte man in der Aufnahme viel zu viel Attack und zu wenig vom Body.

Die Hihats in den Höhen
Die Hihats werden mit dem AKG C452 aufgenommen, das allerdings nicht zum Rand der Hihats gerichtet ist, sondern zur Mitte. Der Nachteil am Rand ist, dass somit Wind Noise durchs Öffnen und Schließen hörbar wird oder andere tieffrequente Geräusche aufgezeichnet werden. Das will verhindert werden, denn hier sind nur Top End Frequenzen erwünscht.

Snare- und Bassdrum
Bei der Snaredrum wird auf den Klassiker zurückgegriffen – das Shure SM57 – das maximal 6,5 cm (aber gerne schon etwas näher) von der Snare entfernt positioniert werden sollte, um alle Nuancen aufzunehmen. Zumindest von oben, denn es kommt noch ein zweites Snare-Mikrofon (SM57) hinzu, das als Bottom Mic fungiert und unter die Snaredrum platziert wird. Dieses Signal wird dann am Apogee Ensemble Thunderbolt phasenverschoben, um noch etwas mehr Bottom End herauszuholen.

Für die Bassdrum verwenden die beiden das Shure Beta 52A. Auch hier wird das Mikrofon wie bei der Schlagzeugaufnahme mit zwei oder vier Mikrofonen durch das Loch der Bassdrum gesteckt, um den Sound “von innen” aufzunehmen und um zu verhinden, dass beim Spielen zu viel Wind auf die Membran des Mikrofons trifft.

Neu: Room Mics
Neu sind im Vergleich zu den beiden anderen Schlagzeugaufnahmen die Room Mikrofone, die an verschiedenen Positionen in den Aufnahmeraum gestellt werden. Diese werden verwendet, um den ganzen Raum aufzunehmen – sowohl den Direkt- aber eigentlich viel mehr den Diffusschall, also indirekte, reflektierte Schallanteile. Das verleiht der Gesamtaufnahme noch mehr Tiefe und lässt sie nicht zu trocken klingen.


Sound&Recording – Drum Recording Special

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Die Sommer-Ausgabe 07-08/16 von Sound&Recording steht ganz im Zeichen der Königsdisziplin im Studio – den Schlagzeug-Aufnahmen. In unserem Drum Special haben wir über 100 Mikrofone an den Drums miteinander verglichen. Udo Masshoff gibt euch Tipps, zum Stimmen des Schlagzeugs für eure Recordings. Außerdem beschäftigen wir uns mit den Themen Drum Editing in Studio One 3, mobilen Drum Recordings und damit, wie ihr mit NI Massive einen Layer für die Kick Drum basteln könnt.

Weitere Themen:

  • UAD Fender `55 Tweed – Software-AMP
  • iZotope VocalSynth – Vocal Effekte aus dem Rechner
  • Zu Besuch bei Boutique-Hersteller Royer Labs
  • Mixpraxis: Rik Simpson mischt Coldplay – Hymn For The Weekend uvm.

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