Hits zum Nachbauen

De/constructed – Kendrick Lamar – King Kunta

KendrickLamar
(Bild: CHRISTIAN SAN JOSE)

 

 

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In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. Diesmal geht es um den Abräumer der diesjährigen Grammy Awards, Rapstar Kendrick Lamar, der mit elf Nominierungen beinahe mit Rekordhalter Michael Jackson gleichgezogen hätte (zwölf Nominierungen) und schließlich fünf der begehrten Trophäen mit nach Hause nehmen konnte, unter anderem für das beste Rap-Album To Pimp A Butterfly. Wir haben uns daraus die Single King Kunta angeschaut. 

Style-Analyse und Drums

Kendrick Lamar vereint auf To Pimp A Butterfly Jazz, Funk, Soul und HipHop-Elemente zu einer sehr eigenständigen Mixtur, die durch komplexe Abläufe mit rhythmischen und harmonischen Verschiebungen teils sperrig daherkommt, sich dadurch aber wohltuend vom Mainstream absetzt. In Kombination mit intelligenten Texten, die als tighter Rap oder auch Spoken Word Poetry vorgetragen werden, wird deutlich: Hier geht es um eine künstlerische Message und um das große Ganze − ein Konzept, was im schnelllebigen Singlemarkt immer seltener wird. King Kunta ist dabei noch einer der eingängigeren Tracks auf dem Album, ein Hybrid aus Sample-Arbeitsweise im MPC-Style, Programmings und Loops sowie echt eingespielten Instrumenten. Für die Umsetzung im Rechner kommen Native Instruments Battery 4, Spectrasonics Stylus Remix sowie einige verfremdete Percussion- und Noise-Sounds zum Einsatz, dazu der Trilian Bass, weitere Instrumente aus der Kontakt-Library und die musicLab Real-LPC- 12-Gitarre.

Für den Beat des Songs waren vermutlich Roland-Samples von TR-808 und JD-800 zuständig. In unserem Pattern wird als Simulation das »808 Detailed Kit« aus Battery 4 verwendet.

Drums: Hierbei handelt es sich eigentlich um ein eintaktiges 808-Pattern, das den gesamten Song hindurch ohne Pause geloopt wird. Einige geschickt platzierte Akzente, wie ein ReverseClap oder kurze Hi-Hat-Einwürfe, lassen es jedoch wie einen viertaktigen Groove erscheinen. Besonders prägnant ist der Akzent auf der »1«, der anstatt eines Crash-Beckens gesetzt ist. Dieser Sound ist ein Klassiker aus dem Drumset des Roland JD-800-Synthesizers, das z. B. in dem Song I Can’t Dance von Genesis zu hören ist. Ein weiteres Augenmerk gilt dem Hi-Hat-Sound, der eher an ein verfremdetes Uhrenticken erinnert. Hierfür wurden mehrere Geräuschsamples übereinandergelegt und in Achteln getriggert. Einzelne Tambourine-Schläge und Shaker, die nach und nach hinzukommen, runden das Pattern ab.

Bass, Keys, Atmo und Gitarren

Bass: In Kombination mit dem Bass klingt das Grundpattern ein wenig nach Eminems The Real Slim Shady, was eventuell daran liegt, dass auch hier Dr. Dre als Producer beteiligt ist. Die Bassline ist groovy, geradeaus und die Melodieführung sehr prägnant. In unserem Beispiel kommt als Instrument der Retro-60’s-Bass aus Spectrasonics Trilian zum Einsatz. Die Waves-Plug-ins Maserati B72 und RBass sorgen für den nötigen Subbass-Schub.

Ein Bass, der ordentlich schiebt, und eine Atmo, die Songs zum Leben erweckt, sind wohl die wichtigsten Charaktermerkmale dieses Tracks.

Piano und Chorpad: Hier dominieren liegende Akkorde. Ein für Kendrick Lamar typisches Stilelement ist, längere Zeit auf einem einzigen Akkord zu bleiben, um dann das Pattern einen Halbton rauf- und einige Takte später wieder in die Ursprungstonart zu transponieren, zusätzlich verbunden mit einem chromatischen Lauf.

Atmo: Ganz wichtig für den Charakter des Songs sind auch die subtilen Hintergrund-Noises. Mutet man sie testweise einmal, fehlt ein wesentlicher Part des Patterns: Es klingt dann etwas leblos und starr. Hierfür haben wir ein zweitaktiges Layer aus Sweeps, einem in Vierteln gesetzten Noise-Sound und obligatorischem Vinyl-Knistern gestapelt.

Gitarren: Die Gitarren betonen die Hybrid Arbeitsweise aus klassischem Sample-Programming und echt eingespielten Instrumenten. Gerade auch im Hinblick auf die fantastische Live-Umsetzung der Studiotracks mit einer kompletten Band sind sie außerdem ein wichtiger Bestandteil in Kendrick Lamars Songs. Zunächst ist ein gleichmäßiges Picking mit cleanem Sound zu hören, das nach und nach um fast schon orientalisch anmutende Singlenote-Lines und eine gegatete FX-Gitarre ergänzt wird.

Arrangement & Master

Beim Aufbau des Patterns sieht man, dass es nach und nach um weitere Instrumente und Percussion erweitert wird. Da das gesamte Pattern jedoch auf Loops basiert und wenig harmonische Bewegung im Spiel ist, kann man es nach Belieben verlängern und Parts muten und wieder dazuschalten, um Abwechslung zu erzeugen. Durch die modalen Verschiebungen und die ständigen Wiederholungen entsteht schnell eine Art Trance. Master: Die Summe wird von einem Steven Slate FG-Grey Kompressor mit maximal 2 dB Gain-Reduction verdichtet. Der brainworx bx1 verbreitert das Stereobild (120 %) leicht und setzt einen Sicherheits-Lo-Cut bei 21 Hz. Der UAD Precision Maximizer schließt die Kette mit Werten für Shape und Mix von 30,5 % und 85 % ab. Viel Spaß beim Experimentieren!

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Sound&Recording Ausgabe 05/16

Songwriting Special

Diese Ausgabe widmet sich dem Thema Songwriting per App! Wir stellen euch iOS-Tools vor, die eure Kreativität beim Songwriting unterstützen und zeigen euch iOS-Hardware die umfangreiche, mobile Recording-Lösungen anbieten, wie Motive von Shure, die Lurssen Mastering Console und Lightning-Interfaces und –Mikrofone sowie Software. Eine Band die weiß wie man Songs schreibt sind AnnenMayKantereit. Mit ihrem Debüt-Album „Alles nix Konkretes“, das von Moses Schneider produziert wurde, schafften die Kölner-Jungs auf Anhieb den Sprung auf die #1 der deutschen Single Charts. Den Studio-Report findet ihr im Heft. Außerdem waren wir in Chino, USA in der Edel-Maufaktur bei Manley Labs zu Gast. Den dort hergestellten Channelstrip Manley Core haben wir für euch im Test. Für die Mixpraxis spricht Illangelo Montagnese über die Produktion mit The Weeknd und in De/Constructed zerlegt Henning Verlage King Kunta von Kendrick Lamar.

Getestet haben wir das Roli Seaboard Rise 25, das „Volksbändchen“ sE Electronics X1R und in Love The Machines gibt´s den Klassiker Roland JP-8000.

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