Über Mastering, Digitalisierung, Restaurierung und mehr

Das Besondere an Vinyl

Die Lieblingsplatten auf den Rechner kopieren oder als Tonstudio Vinyl-Erbgut sichern und sogar bewusst die Vinyl-Ästhetik digitalisieren … die Rille ist noch lange nicht Vergangenheit. Im Gegenteil, derzeit bekommt Vinyl immer mehr Aufmerksamkeit sowohl von Konsumenten als auch von Labels und Musikern. In unserem Special gehen wir der Frage nach, woher die empfundene »Wärme« bei Vinyl eigentlich kommt, wobei uns unter anderem die Mastering-Legenden Bob Ludwig und Bob Katz überraschende Antworten geliefert haben. Auch zeigen wir Beispiele, welche Rolle Vinyl als Selfmarketing für Musiker leisten kann. Im zweiten Teil befassen wir uns mit der Digitalisierung, Archivierung und Restauration von Vinyl-Aufnahmen.

 

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Und warum Vinyl so klingt wie es klingt, zeigen wir euch hier!

 

Vinyl-Transfer? Das Thema, so könnte man meinen, betrifft in erster Linie Hörer, die ihre Schallplatten im Rechner speichern wollen. Darüber hinaus kommen auch Tonschaffende damit in Berührung, um altes Material zu remastern oder zu restaurieren, das nur noch auf Vinyl verfügbar ist. Im Zuge des aktuellen Vinyl-Revivals entstanden vereinzelt neue Aufgaben: Arcade Fire etwa ließen ein Album direkt von einer vorher geschnittenen Schallplattenvorlage mastern − wegen des Eigenklangs −, Beck hat für den MP3-Download zur Vinyl-Version seines aktuellen Albums Morning Phase die Schallplatte transferieren lassen. Das Phänomen Vinyl und sein Eigenklang, der − gerade nach dem Siegeszug der CD − immer eine eingeschworene Fangemein – de unterhielt, gewinnt gerade durch den RetroTrend mehr an Bedeutung. Zeit, nachzuhaken: Was ist das eigentlich, der meist als »warm« beschriebene Vinyl-Sound?

Das Medium Vinyl

Rein technisch betrachtet ist das Medium Vinyl alles andere als ideal: ein Rauschabstand von maximal 40 dB, schlechte Kanaltrennung zwischen den beiden Stereokanälen, Störgeräusche, Knackser und Rumpeln, von der Vergänglichkeit durch vielfaches Abspielen ganz zu schweigen. Immerhin − beim Frequenzbereich ist theoretisch eine Wiedergabe bis 100 kHz möglich. Aber der Kernpunkt: Bei Vinyl geht es hauptsächlich um die entstehende Klangveränderung, die das Medium mitbringt, den »Medienbruch«. Warum klingt Vinyl anders als eine CD und anders als das Master, von dem es stammt? Einer der Gründe für die wahrgenommene Wärme, so Mastering-Engineer Bob Katz, sind die »Phasenverschiebungen zwischen den Kanälen, die eine angenehm klingende ›Unschärfe‹ des Stereobilds hinzufügen.

Die empfundene Stereotrennung, -abbildung und räumliche Tiefe wird dadurch verbessert.« Im ursprünglichen Master sind die Phasenverschiebungen nicht enthalten, sie entstehen beim Schneiden und Abtasten einer Schallplatte, da die bewegten Massen von Schneidestichel und Tonabnehmer über- und unterschwingen und Klangtiefe entstehen auch harmonische Verzerrungen, wie Bob Katz erzählt: »Einige der auftretenden Verzerrungen verbessern wahrgenommen ebenfalls die Kanaltrennung, Tiefe und Wärme. Verzerrung bedeutet Kompression und immer auch eine Änderung der Transienten-Wiedergabe.« Sein Mastering-Kollege Bob Ludwig ergänzt: »Teilweise kann für die wahrgenommene Wärme auch ein günstiges Tonabnehmersystem verantwortlich sein, das keine saubere Höhenwiedergabe hat.

Heutzutage wird die überwiegende Mehrheit neuer Pop-Platten von digitalen Quellen produziert − oft 24 Bit/96 kHz −, und sogar Kritiker stellen meistens fest, dass die Vinyl-Version am Ende wärmer klingt. Hier spielen Verluste im Höhenspektrum aufgrund der physikalischen Beschaffenheit von Vinyl eine Rolle, was den ›warmen‹ Eindruck verstärkt. Wenn du eine gänzlich analog gemachte Platte aus den 1970ern oder 1980ern mit einer früh digitalisierten CD des entsprechenden Albums vergleichst, klingt die CD normalerweise grell, etwa aufgrund schlechter Digitalwandler und fehlendem Dithering.« Neben der generellen Klangveränderung aufgrund der Materialbeschaffenheit spielt zusätzlich die Position des Songs auf der Platte eine Rolle. Katz: »Das Schneiden einer Platte kann den Sound beeinflussen, während die Nadel von der Außen- zur Innenseite der Platte geht, wo praktisch die Auflösung geringer ist und der Höhenbereich an Klarheit verliert.«

Phono „in the Box“. Manche Phono-Vorverstärker bieten die RIAA-Entzerrung auch als abschaltbare Option an. Wer seine Schallplatten ohne Entzerrung im Rechner verstärkt, kann die RIAA-Entzerrung auch mit einem guten Equalizer-Plug-in nachträglich durchführen.

Vinyl-»Lautheit«

Ein Lautheitsrennen wie bei CDs erscheint bei Vinyl wenig sinnvoll: Hier hat sozusagen das Medium übertriebener Lautheit einen Riegel vorgeschoben. Die Abtastnadel des Plattenspielers erlaubt keine übermäßige Lautstärke, weil sie sonst aus der Rille springt, die Auslenkung wäre zu stark. Und selbst bei der »machbaren« Lautstärke müsse man vorsichtig sein, meint Bob Katz: »Schneidet man ein Master zu laut, verzerren Zischlaute furchtbar.« Auch Kompression und Limiting führen hier nicht zu Lautheit, wie Robin Schmidt von 24-96 Mastering erklärt: »Die Lautheit wird beim Schneiden gemacht. Wie stark Limiting oder Multiband-Kompression eingesetzt wird, hat nur sekundär Einfluss auf die Lautheit einer Schallplatte.

Limiting bringt nichts − die kurzen Pegelspitzen abzuschneiden, macht Vinyl nicht lauter. Vor allem aber bei Clipping, also aktive Verzerrung, die man heute für CD-Lautstärke oft verwendet, entstehen nur Nachteile: Zum einen bringt es, wie erwähnt, auf Vinyl keine Lautstärke, und auf dem Medium kommen die Verzerrungen viel stärker heraus. Es kann also sein, dass das CD-Master auf der gewollten Lautstärke in Ordnung klingt, aber wenn man das Vinyl von derselben Quelle presst, klingt das Ergebnis sehr ›sägend‹− ohne eine Testpressung kann man das vorher nicht absehen.« Robin Schmidts Arbeitsweise: »Für ein Vinyl-Master gebe ich immer eine gänzlich unbeschnittene Dynamik ab, und derjenige, der an der Schneidemaschine sitzt, wird den besten Kompromiss hinsichtlich des Dynamikumfangs machen.«

Ob diese Unterschiede den Entscheidern in der Industrie überhaupt noch geläufig sind? »Nicht immer. Als Künstler sollte man seiner Plattenfirma oder dem Management klarmachen, dass man die Vinyl-Veröffentlichung von einem separaten Master geschnitten haben möchte. Es ist oft so, dass die Leute, die die Abwicklung dazwischen machen − A&R’s etc. −, meist kein Bewusstsein dafür haben.« Die Bedenken teilt Bob Katz: »Du wärst überrascht, wie viel Vinyl von den superkomprimierten Mastern gezogen wird, die dann einfach leiser geschnitten werden!« Das sei auch ein Kostenfaktor; er gehe ein auf Lautheit ausgerichtetes Mastering und ein rein auf Klangqualität optimiertes, dynamisches Mastering komplett anders an, um für das jeweilige Ziel optimale Ergebnisse zu liefern. »Es würde etwa anderthalb Tage statt nur einen Tag dauern, eine separate Version zu mastern, und das ist teuer für den Künstler.«

In der Jubiläumsausgabe von Sound&Recording findest du ein Interview mit Pete Hutchinson, dem Besitzer eines Vinyl-Schnitt-Mastering Studios, der alte Platten auf originalem Vinyl neu mastert. 

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Bassbereich wird Mono-Summiert

Eine weitere Klangveränderung spielt sich in den Tiefenanteilen ab: »Bei Vinyl wird der Bassbereich traditionell mono-summiert«, erzählt Robin Schmidt. »Dadurch müssen die Rillen nicht so breit sein, und man bekommt mehr Spielzeit auf eine Plattenseite bzw. bessere Klangqualität pro Spielzeit.« Allgemein gelten grob bis 20 Minuten Spielzeit pro Plattenseite als problemlos, für längere Spielzeiten werden Bass und Lautstärke weiter abgeschwächt, weil die Rillen enger werden müssen. Umgekehrt waren in den 1980ern Maxi-Singles wegen ihres potenziellen Klangbilds begehrt und wurden auch als »Supersound-Singles« bezeichnet − aufgrund der größeren Rillenbreite, die für das kürzere Material zur Verfügung stand, waren mehr Bassanteile und Lautstärke möglich.

Kleine 7-Zoll-Singles dagegen klangen selten optimal, nicht zuletzt weil hier die Musik vorwiegend im engen »Innenbereich« spielt, wo laut Bob Katz Auflösung und Höhenteile verlorengehen. Zurück zum Bass: Die Mono-Summierung wird vom Schneidetechniker vor Ort selbst vorgenommen, nicht bereits im normalen Mastering-Prozess. »Es bringt wenig, das vorher zu machen − solange man nicht vor einer Schneidemaschine sitzt, rät man einfach eine Einstellung − derjenige an der Schneidemaschine weiß sie«, meint Schmidt. Abgesehen von der Mono-Summierung wird der Bass-Anteil ab einer zu wählenden Frequenz komplett entfernt, wie Bob Katz erzählt. »Nicht immer, aber oft gilt: Die Auflö- sung der tiefen Frequenzen unterliegt Kompromissen, wenn es darum geht, mehr Spielzeit auf einer Plattenseite unterzubringen. Sehr tiefe Frequenzanteile − unterhalb von 40 Hz − werden oft ganz abgeschnitten.« Das Problem der »springenden Nadel« bei der Lautstärke einer Schallplatte durch zu starke Auslenkung gilt auch für die Intensität der Basswiedergabe. Bob Ludwig erinnert sich an seine Erfahrungen mit »The Band«, ab deren Platte Up On Cripple Creek er in den 1970ern Mastering und Vinylschnitt übernahm.

»Wie bei allen laut geschnittenen Platten würden Songs mit sehr vielen Bassanteilen die Nadel springen lassen − besonders damals, als die Leute viele schlechte Tonabnehmersysteme zum Hören verwendeten. Beim Schneiden war es immer eine Frage des Verhältnisses, wie viele der billigen Plattenspieler springen würden und ob die daraus resultierenden Rückläufer der Pressung akzeptabel wären.« Der Sound der »Band« war auf reichhaltigem Bassvolumen aufgebaut, er war Teil der eigenen Ästhetik − der richtige Kompromiss zwischen Bass und Lautstärke war gefragt. »Ich habe für sie Referenz-Exemplare ihres Albums The Big Pink geschnitten. Ein gewerkschaftlicher Schneide-Engineer in New York, der die endgültige Pressung schnitt, nahm dann der Einfachheit halber schlicht einen Low-Cut bei 80 Hz vor. Das Ergebnis hat die Musiker nicht gerade begeistert, und danach sollte ich ihre Platten schneiden.«

>> Kolumne – Vinyl macht Musik hören zum Event <<

Vinyl-Sound für digitale Alben

Den Schallplatten-Eigenklang hat die Indie-Band Arcade Fire bei ihrem zweiten Album The Suburbs bewusst nutzen wollen, um auch bei der CD-Version die typisch »warme« Vinyl-Ästhetik einzuhauchen. Dazu wurde vom mittlerweile verstorbenen Mastering-Engineer George Marino bei Sterling Sound in New York jeder Song auf ein eigenes 12- Zoll-Acetat geschnitten − um maximale Rillenbreite und Basswiedergabe zur Verfügung zu haben. Acetate werden oft als Test-Referenz erstellt, bevor am Ende für die Pressung einer Schallplatten-Auflage eine Matrize angefertigt wird; sie sind allerdings nur ein paar Dutzend Mal abspielbar. Das Acetat wurde bei Arcade Fire jeweils beim ersten Abspielen in den Rechner überspielt. Ein aktuelles Mastering-Projekt von Bob Ludwig, das neue Beck-Album Morning Phase, setzt ebenfalls auf einen Vinyl-Transfer: Einigen Vinyl-Veröffentlichungen bieten ja mittlerweile gratis einen MP3-Download an (etwa bei der »Back In Black«-Serie von Universal Music), wobei diese digitale Version jeweils vom CD-Master abstammt.

Das sollte beim Beck-Album anders sein: Für den zum Vinyl gehörigen Download − das MP3-Set wird als »The Vinyl Experience« beworben − überspielte Ludwig die Schallplatte in den Rechner. »Das Konzept der Vinyl-Experience ist etwas, dass das Management von Beck mit den angeschlossenen Künstlern anbietet. Dazu habe ich die Testpressung von Morning Phase auf meinem Well-Tempered-Plattenspieler mit einem tollen Dynavector-Ton – abnehmersystem über einen modifizierten Manley Steelhead Phono-Preamp abgespielt. Dabei habe ich das Aufsetzen der Nadel zu Beginn und die Auslaufrille am Ende mit aufgenommen − dadurch kann man hören, dass es sich wirklich um eine Vinyl-Pressung handelt! Das Konzept, Vinyl für den Download zu überspielen, wird allerdings nur von wenigen Künstlern umgesetzt.« Der »herkömmliche« Download entstammt dem normalen Master.

So funktioniert Vinyl: die RIAA-Kurve

Abgesehen von der ästhetischen Klangveränderung, die Künstler wie Beck und Arcade Fire bewusst mitnehmen, findet bei Vinyl zusätzlich eine komplette Klangverformung statt, die der Hörer im Normalfall kaum mitbekommt: Wer seinen Plattenspieler schon mal versehentlich an den Aux-Eingang statt an den Phono-Eingang seines Hi-Fi-Verstärkers angeschlossen hat, dem kommt lediglich ein dünner, greller Sound entgegen, der gänzlich auf Bass-Fundament verzichtet. Der Grund: Eine Schallplatte enthält eine »eingebaute« Equalizer-Kurve, die die Bässe bei 50 Hz um −17 dB (500 Hz: −3 dB) absenkt und die Höhen ab 2.120 Hz um 3 dB anhebt: die RIAA-Kurve − eine von der »Recording Industry Association of America« festgelegte EQ-Kurve. Die entspricht einer technischen Notwendigkeit: Die Bassanteile, voll abgebildet, bräuchten zu breite Rillen und könnten von der Nadel aufgrund der entstehenden Vibrationen nicht abgetastet werden.

Der Höhenbereich würde ohne zusätzliche Anhebung auf dem Vinyl im Rauschen untergehen. Zum Abspielen braucht man das passende »Gegenstück«: Ein Phono-Vorverstärker liefert neben der Verstärkung des Signals auch das Gegenstück zur RIAA-Kurve, um die Platte schließlich so wiederzugeben, wie die Musik auch gedacht war. Abgesehen von der RIAA-Vorgabe existierten noch andere Normen, die sich allerdings nie durchgesetzt hatten. Bob Ludwig: »Die RIAA-Kurve kam um 1956 auf und wurde ab 1960 weltweit eingesetzt − einer der wenigen weltweit gültigen Standards!«

Der Klang von Vinyl. Die Bandmaschine als analoge Zwischenstation beim Mastering kennt man bereits — dabei geht es um die dynamischen und klanglichen Effekte der Bandsättigung. Bei der Schallplatte verhält es sich anders, dennoch haben die Schallplatte und die gesamte Wiedergabetechnik Einfluss auf den Sound, weshalb auch Vinyl inzwischen für Masteringzwecke genutzt wird. Hier zwei prominente Beispiele …

Signalkette für den Transfer

Der »eine« Vinyl-Sound existiert nicht − das Ergebnis entsteht im Zusammenspiel aus Plattenspieler, Tonabnehmersystem samt Nadel und Phono-Vorverstärker (sowie Digitalwandler). Das ideale Setup für einen Vinyl Transfer ist − ein entsprechendes Qualitätsniveau vorausgesetzt − dem eigenen Geschmack unterworfen. Zeit, die Komponenten genauer zu betrachten: Wir stellen im Folgenden ein paar Beispiele für einen dieser Bestandteile eines professionellen Transfers vor.

Der Phono-Preamp

Fast jeder Phono-Preamp im anspruchsvollen Consumer-Bereich enthält bereits eine recht akkurate Variante der RIAA-Entzerrungskurve. Der Unterschied zwischen Phono-Vorverstärkern liegt vor allem im jeweiligen Eigenklang der Verstärkung und in der generellen Klangqualität. Für die Arbeit im Studio zählen zudem praktische Features: Ist das Gerät ordentlich geschirmt, um Brummeinstreuungen zu vermeiden? Passt der Ausgangspegel zum Eingang der Digitalwandler? Die meisten Hi-Fi-Lösungen mit Cinch-Anschlüssen liefern einen Ausgangspegel von −10 dBU, während Studiowandler oft +4 dBU am Eingang erwarten. Manche Wandlermodelle bieten umschaltbare Eingangspegel, wie beispielsweise das RME Multiface II (drei schaltbaren Pegelstufen) oder die Lynx Aurora-Serie mit umschaltbaren Pegeln zwischen −10 und +4 dBU. Als grobe Regel gilt: Klinken- bzw. Cinch-Anschlüsse: −10 dBU, XLR (Line): +4 dBU. Holt man den »fehlenden« Pegel nachträglich im Computer einfach digital auf, wird sowohl das Quantisierungsrauschen angehoben als auch die Auflösung verringert.

Ein solider Allrounder: Der Radial J33- Phono-Preamp war zunächst vor allem für DJs gedacht, die ihre Plattenspieler an ein reguläres Mischpult anschließen wollten. Neben den Cinch-Ausgängen mit −10 dBU sind auch XLR-Anschlüsse vorhanden, die das Phono-Signal entzerrt auf Mikrofon-Pegel ausgeben − ein interessantes und reizvolles Konzept, »cleane« Mikrofonvorverstärker, die bereits in einem Studio vorhanden sind, als Aufholverstärker einzusetzen (nichts anderes macht ein Phono-Vorverstärker schließlich beim Verstärken). Allerdings gilt: Selbst die noch vorhandene Färbung bei einem halbwegs transparent klingenden Mikrofon-Preamp muss nicht zwangsläufig für Vinyl funktionieren. Der Radial kostet im Laden 179 Euro.

Das Gegenprogramm: Ein angesehener Kandidat in Hi-Fi-Kreisen ist der Simaudio Moon LP5.3 Phono-Preamp − mit ca. 1.500 Dollar zwar nicht gerade günstig, allerdings bietet er als einer der wenigen Phono-Preamps überhaupt symmetrische XLR-Ausgänge mit +4-dBU-Pegel (neben −10-dBU-Cinch-Anschlüssen) − wer den hohen Pegel braucht, stößt hier auf eine sehr gut klingende Komplett – lösung. Ein weiterer High-End-Kandidat ist der von Bob Ludwig erwähnte Manley Steelhead aus der Hi-Fi-Serie des amerikanischen Röhren-Equipment-Herstellers. Das Modell ist in verschiedenen Ausführungen erhältlich, beschränkt sich auf −10 dBU Ausgangspegel und schlägt in der aktuellen »Steelhead II«- Ausführung immerhin mit ca. 8.000 Euro unverbindlicher Preisempfehlung zu Buche. Eher eine theoretische Option.

Ausblick

Im zweiten Teil unseres Specials widmen wir uns passenden Plattenspielern, Tonabnehmersystemen sowie verlustfreien Abspielmethoden per Laser-Plattenspieler oder Video-Abtastung, was sich besonders für beschädigtes und/oder restaurationsbedürftiges Material anbietet. Beim Thema Restauration zeigen wir Tricks, wie man Click-Geräusche aus einer Wellenform manuell entfernt − und damit die Artefakte, die praktisch alle »Declicker«-Werkzeuge erzeugen, umgeht.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Schöner artikel. Ich frag mich ob es eine ” ungeschriebene regel” unter profis gibt wie groß der dynamischer umfang einer Dance musik platte sein sollte um im club gut durchsetzungsfähig zu sein? Also in der DR skala ? 8 db, 10 db ? Wo bewegen sich Dance platten?

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  2. Wirklich ein vortefflich gut Artikel um irgendwie zu erklären warum Vinyl noch was taugt, obwohl im Artikel nur nachteile genannt werde.
    Dann die Tatsache, dass die Vertikale Modulation den Stereo Sound komplett kaputt macht. Der einzigste vorteil einer Schallplatte ist und war, dass die Boxen nicht falsch stehen konnten wegen Montoner wiedergabe.
    Mit der Digitalisierung kam das Problem auf, mit dem guten Stereo Sound und Sorround Sound. Das sind aber alles andere Probleme. Egal wie man dreht Digital gewinnt in jeglicher Form gegen Vinyl, allein aus dem Grund, dass eine Schallplatte sich nur einmal gut anhört und danach fürn Arsch ist. Die meisten FIrmen setzten eh einfach nur die Abtastrate zu gring an und schneiden nur zu viel Sound weg. Was bei Vinyl noch viel schlimmer ist. Es gibt kein Sinnvollen Grund den Mist wieder aufleben zu lassen, nur der Glaube lässte die Schallplatte wieder auferstehen.

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  3. @Lepaw … das ist wohl die uninformierteste Meinung zum Thema, die man sich vorstellen kann.
    Alleine die Aussage “…allein aus dem Grund, dass eine Schallplatte sich nur einmal gut anhört und danach fürn Arsch ist….” zeugt nicht davon, dass Du dich mit der Materie wenig befasst hast.
    Ich kenne keinen echten Musiksammler, der Digital dem Analog vorziehen würde … es sei denn der Bequemlichkeit wegen. Zugegebener Weise kenne ich nicht alle, und die, die ich kenne haben meine Vorlieben.
    Ich selbst habe tausende LPs und tausende CDs – wenn ich mich entscheiden muss, dann bevorzuge ich (fast) immer die LP – warum das so ist (bis auf wenige an zwei Händen abzuzählende Einzelfälle), das kann und werde ich hier nicht darlegen (würde zu weit führen).

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  4. Allein die Wortwahl ist fürn A….
    Ich habe Schallplatten, die ich seit meiner Jugend besitze. Nach einer Wäsche klingen diese LP´s immer noch gut, und das nach 40 Jahren und teilweise über 100 Abspielvorgängen.
    Ebenso habe ich diverse Alben auf CD und LP. Beim direkten Vergleich ist oft kein Unterschied in Bezug auf mehr oder weniger Information (hörbare Töne/Details) zu hören. Trotzdem ist auch mit Gebrauchsspuren auf den Schallplatten das Hören entspannter. Dafür gibt es diverse Erklärungen, die nicht einfach zu verstehen sind. Jeder muss das für sich entscheiden. Leider ist echter LP-Genuss recht teuer, da er gute Technik voraussetzt. Dagegen ist selbst ein guter CD-Player ein Sonderangebot.
    Die Alternative zu CD ist Streaming oder HiRes-Download. Mit ordentlichem Equipment ist das richtig gut.
    Ich genieße derweil auch meine uralten Schallplatten mit sehr alten Single Malt Whiskys oder echtem Rum. Genuss braucht Ruhe und Reife. Übrigens eine gute Basis für vernünftige Kommentare. Ohne Wissen und Nachdenken ( und natürlich gutes Deutsch ) sind sie schnell niveaulos oder “für´n Arsch”.

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