Update-Check

Steinberg Cubase PRO 8.5

Anzeige

Die Hamburger Firma Steinberg arbeitet konsequent an den Verbesserungen ihres Software-Sequenzers Cubase und liefert in sehr regelmäßigen Abständen Updates. Auch die „Null-Fünfer“ bieten stets einen ordentlichen Feature-Nachschub.

Steinberg Cubase Pro 8.5_01

Anzeige

Wie immer bleiben ältere Versionen von Cubase, sofern vorhanden, auch nach der Installation auf dem Rechner erhalten. So kann man in aller Ruhe das Update „probefahren“ und bei etwaigen Problemen auf den Vorgänger zurückgreifen − nicht, dass das im Test nötig gewesen wäre … Als Warmup ein Blick auf optische Neuerungen: Die grafische Bedienoberfläche der Software lässt sich noch besser an die jeweilige Situation anpassen. Wird in Cubase die Maus an die Ränder des Mixers bewegt, kann man mit nur einem Klick verschiedene Fensterbestandteile einblenden.


Am 7.12.2016 hat Steinberg Cubase 9 angekündigt. Hier geht’s zur Presse-News, der Test von Cubase 9 selbst folgt as soon as possible. 

cubase_9_family-triple3d-packshot_reflex-shade-transparent


In der Mitte rechts öffnet ein Mausklick den „Control Room“, links hingegen die „Kanalübersicht“. Auch im Arrangement kann man so den „Inspector“ oder das „Rack“ ausklappen. Dieses „Rack“ ist recht zeitgemäß gestaltet, denn es hält auf zwei Tabs sowohl die „VST-Instrumente“ als auch die „MediaBay“ bereit − also ein Browser, der sich nahtlos in das Arrangement-Fenster einfügt (ja, Cubase verwandelt sich nach und nach in einen Sequenzer mit modernem Einzelfenster-Design). Man kann nun Audiodateien und MIDI-Loops sofort per Drag&Drop an beliebiger Stelle im Arrangement einfügen, wobei Cubase automatisch die entsprechenden Spuren erzeugt. Zudem listet die neue MediaBay den gesamten Content auf einem Start-Bildschirm mit drei weiteren Tabs: „Instrumente“ listet zuerst alle installierten Klangerzeuger aus dem Hause Steinberg auf.

Nach einem Klick auf „Mystic“, „Padshop“ oder „Halion Sonic“, allesamt als repräsentativer Screenshot angezeigt, gelangt man dann in den Cubase-Browser, der die dementsprechenden Patches und Kits auflistet. Über die Computer-Tastatur kann man die Sounds gleich vorhören. Die anderen beiden Tabs sind nach gleichem Prinzip aufgebaut. „Loops und Samples“ versammelt alle Libraries des Herstellers, und unter „Mehr“ sind Effektketten sowie Presets für Spuren oder Channel-Strips in Cubase organisiert. Eine hübsche Sache, nur leider ignoriert die – se Ansicht jegliche Produkte von Drittanbietern. Wer die MediaBay doch lieber als Einzelfenster, etwa für einen zweiten Monitor, aufrufen möchte, kann dies wie gewohnt über [F5] machen.

Here is the punch in Cubase

Bisher war der Bereich für Punch-Recording mit Cubase abhängig vom linken und rechten Locator, die jedoch gleichzeitig auch den Loop-Bereich in der Timeline definieren. Mit dem Update hat Steinberg den Punkten für „Punch In“ und „Punch Out“ einen eigenständigen Bereich auf der nun zweigeteilten Timeline spendiert. Somit ist ein gezieltes Aufnehmen von Passagen mit Cubase selbst während eines Cycle-Recordings jederzeit möglich. Ziemlich praktisch, möchte man beispielsweise nur eineinhalb Takte austauschen, jedoch die Aufnahme stets im Kontext von vier Takten inklusive Vor- und Nachlauf beurteilen.

Trimmen, loopen, kopieren mit Cubase

Nachdem wir einen Blick auf die Ränder der Cubase-GUI geworfen haben, widmen wir uns nun dem Arrangement-Fenster selbst. Zu den altbekannten „Hotspots“ für das Trimmen oder Einfügen von Fades an einer Region gesellt sich ein weiterer Kandidat in der Mitte der rechten Region-Seite. Dieser dient zum Verlängern bzw. Loopen des Materials. Cubase zeigt die Anzahl der „Wiederholungen“ während des Ziehens per Maus an. Klar, mit [Strg]+[D] klappt das genauso, aber jetzt geht’s noch ein bisschen schneller. Mit gehaltener [Shift]-Taste entstehen virtuelle Wiederholungen, d. h., Änderungen im Original spiegeln sich in den folgenden Regionen wieder − zumindest klappt das bei MIDI-Events. Verwendet man beispielsweise Vari-Audio oder den Befehl „Umkehren“ in einer AudioRegion, bleibt der Effekt in den virtuellen Wiederholungen leider aus.

Makros und Shortcuts

Neben Cubase lassen sich nur sehr wenige Software-Sequenzer mit individuellen Tastaturbefehlen, selbstgestalteten Macros und tiefgreifenden Einstellungen konfigurieren. Top, doch wer Cubase mit mehreren StudioNutzern teilt oder beim Produzieren gerne mal kollaboriert, kennt das Problem: Plötzlich springt die Songpositionslinie nach jedem Stop zurück auf Start, die Taste [P] erzeugt keinen Loop, sondern öffnet den Pool, die Farbgebung des Mixers wirkt vogelwild, oder die Toolbar erscheint in komplett ungewohntem Stil − da hat jeder Cubase-Nutzer seine kleinen Spezialitäten.

Abhilfe bei der Organisation kann unter Umständen der neue „Profil- Manager“ schaffen, welcher diverse Programmeinstellungen unter verschiedenen Namen speichert. Eigentlich gut durchdacht, doch leider fordert Cubase nach jedem Profilwechsel einen Neustart − eher unpraktisch, wenn zwei oder drei Personen gleichzeitig an einem Projekt hantieren. Sollte es sich nur um Shortcuts handeln, geht der Wechsel mithilfe der üblichen „Presets“ weitaus schneller.

Spurverwaltung

Fügt man im Arrangement neue Audio-Spuren hinzu, bietet das altbekannte Dialogfenster weiterhin Drop-Down-Menüs für die „Anzahl“ oder „Lautsprecherkonfiguration“. Allerdings wurde der Dialog um ein paar sehr praktische Felder erweitert. Nun kann man gleich den Spurnamen eingeben − und sogar das Ausgangs-Routing (!) sofort festlegen. Bei Gruppen- und Effektspuren gibt es außerdem noch Einstellungsmöglichkeiten hinsichtlich des Gruppenkanalordners. Bisher landeten neue Gruppen oder Effektspuren immer in dem entsprechenden Ordner, den Cubase am unteren Ende des Arrangements anlegt. Diese Option ist mit dem entsprechenden Befehl „Innerhalb des Ordners“ auch weiterhin vorhanden.

Wählt man in Cubase hingegen „Außerhalb des Ordners“ an, erscheinen die neuen Gruppen- oder Effektspuren direkt unter der aktuell ausgewählten Spur − ein Segen, denn es hat wirklich sehr genervt, jedes Mal die Gruppe für beispielsweise „Kick In“ und „Kick Out“ oder für die beiden „Overheads“ nach dem Anlegen aus dem Ordner zu fischen und weiter oben im Arrangement bzw. Mixer einzufügen. Wollte man bisher einzelne Spuren aus vorherigen Cubase-Projekten importieren, war das nur über das „Spur-Archiv“ möglich − vorausgesetzt, man hatte diese XML-Datei zuvor auch angelegt. Direkt unter dem betreffenden Menüpunkt findet man nun den Befehl „Spuren aus Projekt“.

Cubase liest somit die ausgewählte Projektdatei und listet alle Spuren auf. Hier kann man seine Auswahl treffen, und nach einem Mausklick liegt das Material inklusive aller Insert-Effekte und sonstigen Kanaleinstellungen im Arrangement vor. Ein sehr praktisches Feature, das in ähnlicher Form etwa aus Ableton Live oder Pro Tools bekannt ist. Soll keine neue Spur angelegt werden, lässt sich das Material auch auf bestehende Spuren laden, wobei automatisch eine neue „Track Version“ erzeugt wird. Außerdem funktioniert dieser Prozess auch mit Akkord-, Marker- und Videospuren. Top!

MIDI

Obwohl Cubase schon seit Jahren mit die besten MIDI-Funktionen anbietet, hat Steinberg doch noch ein paar Kniffe gefunden, die Arbeit mit den MIDI-Editoren effizienter zu gestalten. Der Drum-Editor hat einige kleine Neuerungen erfahren. So kann man die für diese Ansicht typischen Rauten-Symbole auch als herkömmliche MIDI-Events darstellen und dementsprechend die Länge von Drum-Sounds variieren. Eine weitere Ansicht ermöglicht, nicht verwendete Drum-Spuren auszublenden, um mehr Übersicht zu schaffen. Im Key-Editor hätte dies bestimmt auch eine gute Figur gemacht, wenn man sich vergleichsweise die „Fold“-Funktion in Ableton Live vor Augen führt.

Aber auch in der Piano-Rolle gibt’s Verbesserungen. So muss nicht erst das StiftTool gezückt werden − ein simpler Doppelklick mit dem Mauspfeil genügt, um eine MIDI-Note zu erzeugen. Wird der zweite Klick gehalten − und das erfordert Anfangs etwas Timing-Übungen −, kann man mit der Maus auf horizontaler Ebene gleich die gewünschte Notenlänge vorgeben. Bewegt man die Maus in diesem Modus vertikal, ändert sich hingegen die Anschlagdynamik. Super!

MIDI-Funktionen und Klangerzeuger

…wurden aktualisiert, und „VST Transit“ erlaubt nahtlose Integration von Online-Kollaborationen.

Arbeiten in der Cloud

Steinberg hat mit „VST Connect“ bereits einen soliden Grundstein für Recording-Sessions über das Internet gelegt. Nun folgt ein weiteres Tool, das auch für Arrangement, Mixing oder Komposition interessant ist: „VST Transit“. Der Login erfolgt über den eigenen Steinberg-Account. Nach Vergabe eines Nutzernamens öffnet sich eine übersichtlich gestaltete Maske, die in drei Tabs unterteilt ist: „Profile“, „Projects“ und „Friends“. Nun kann man ein Profil anlegen, Kontakte knüpfen und Freunde einladen, um gemeinsam an Cubase-Projekten weiterzuarbeiten. Ein Kurznachrichtensystem ermöglicht den Austausch von Notizen und Anregungen. Ein Klick auf „Create Project“ legt einen neuen Eintrag unter „Projects“ an und startet den Upload auf den Steinberg-Server, wobei alle Spuren einzeln gelistet werden. Eigene Spuren sind mit dem Attribut „Eigentümer“ versehen, d. h., nur man selbst kann diese Spuren editieren bzw. löschen.

Möchte der VST-Partner sich daran versuchen, muss er zuvor eine Kopie erstellen. Wird das eigene Projekt geändert, wird dies durch einen Pfeil nach oben signalisiert. Erscheint ein Pfeil nach unten, stehen von anderen Nutzern neue Edits bereit. Durch die Schaltfläche „Syncronize“ kann man in beiden Fällen wieder auf den neusten Stand kommen. Ein gutes System, um Versionskonflikte zu umgehen. Leider wurden im Cubase-Test sowohl Gruppenspuren als auch VST-Plug-ins von Drittanbietern ignoriert. Da die Plattform jedoch bei jedem Start nach Updates sucht, besteht Hoffnung, dass dieses Manko bald der Vergangenheit angehört. Außerdem ist anzumerken, das VST Transit WAV- Dateien während des Uploads in das FLAC-Format konvertiert. Vielleicht ändert sich das ja mit einem Premium-Account? Der kostenlose Account beinhaltet momentan immerhin einen Webspace von 500 MB und ein DownloadVolumen von 1 GB.

Schnellere Arbeitsweise

Zahlreiche kleine Tricks helfen, viele Routinen des täglichen Arbeitens mit Cubase einfacher zu gestalten. Begrüßenswert, wie praxisnah sich nun der Import von Audio-Tracks managen lässt.

Fazit

Das neue Cubase-Update bringt viele kleine, aber feine Verbesserungen mit sich, vor allem für den allgemeinen Workflow. Selektiver Spur-Import, das gut durchdachtes Punch- Recording sowie die Überarbeitung der MIDI-Editoren treffen allesamt voll ins Schwarze. Mit „VST Transit“ hat Steinberg eine hochinteressante Plattform für Online-Kollaborationen ins Leben gerufen. Wie sich die Nutzer-Community jedoch entwickelt, bleibt vorerst noch abzuwarten. Der Preis von 49,99 Euro für das Update von Version 8 ist somit durchaus gerechtfertigt, und Nutzer von Pro Tools sollten sich mal die sehr verlockende Preisgestaltung ansehen, die neuerdings für ein Crossgrade im Angebot ist.


Plus

+++ Optimierung von Editing-Funktionen
+++ sinnvoller Ausbau des Workflows
++ Retrologue 2
++ VST Transit

Minus

– Profil-Manager erfordert Neustart

 

Steinberg Cubase Pro 8.5_014jpg

 

Cubase PRO 8.5
Hersteller/Vertrieb Steinberg
Downloadpreis 549,− Euro

www.steinberg.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.