Der Dickmacher

Love The Machines: Electro Harmonix Micro Synthesizer

(Bild: Dieter Stork)

Der Electro Harmonix Micro Synth ist Kult bei Gitarristen, die anders klingen wollen. Das legendäre Synth-Pedal kommt bei Acts wie Smashing Pumpkins, Sonic Youth oder Korn zum Einsatz und sorgt für kalorienreiche und unkonventionelle Sound-Kost.

 

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Bodentreter

Der Micro Synthesizer haust in einem typischen 70er-Jahre-Electro-Harmonix-Kästchen aus stabilem, silbernen Stahlblech und wird per Fußschalter aktiviert − dabei muss man übrigens aufpassen, dass man nicht versehentlich mit dem Fuß die Regler verschiebt. Auf der Bedienoberfläche des Bodentreters findet man zehn Fader:

Der Trigger-Regler dient der Einstellung des Eingangssignals; man sollte ihn nicht zu hoch setzen, um Mehrfach-Trigger zu vermeiden.

In der Voice-Mix-Sektion lassen sich vier Audiosignale mischen: Suboktave, Original-Signal (meist wohl Gitarre), Oktave (eine Oktave über dem Original) und Squarewave. Letztere ist weniger ein Rechteckoszillator als ein extrem verzerrtes Originalsignal. Mit dem Attack-Delay-Fader lässt sich die Einschwingphase formen; bei hohen Werten hört sich das Effektsignal wie eine Rückwärtsgitarre an.

Sweep it!

In der Filterabteilung wird die Hüllkurve eines 2-Pol-Lowpassfilters getriggert, bei der man die Geschwindigkeit (Rate) und die Start- und Stop-Frequenz des Filter-Sweeps einstellen kann. Stehen beide Frequenz-Fader auf der gleichen Höhe, wird kein Sweep generiert. Regelbar ist außerdem noch die Filter-Resonanz, die nicht ganz bis zur Eigenschwingung reicht.

Versionen

Electro Harmonix hat unterschiedliche Modellvarianten des Micro Synthesizers herausgebracht; so gibt es das Gerät auch als Bass-Version mit anderer Oktavlage und optimiertem Tracking für den E-Bass.

Außerdem existiert eine ultra rare und luxuriöse 19″-Version mit drei Oszillatoren und vielen Synthesemöglichkeiten, der Guitar Synthesizer EH-8000. Hier sind die vier wichtigsten Varianten der Standard-Version für Gitarre:

Das Original kam 1979 heraus und ist am linksseitigen Fußschalter zu erkennen. Die zweite Version stammt aus den frühen 80er-Jahren; bei ihr liegt der Fußschalter auf der rechten Seite. Sie besitzt wie der Vorgänger ein eingebautes Netzteil.

Das Reissue-Modell aus den 90er-Jahren ist mit einem externen 24V-Netzteil ausgestattet und gilt bei vielen als die beste Micro-Synth-Variante, denn sein Tracking und der Bypass wurden verbessert. Außerdem klingt das Gerät im Bassbereich sehr fett.

Die aktuelle XO-Version hat ein kompaktes abgerundetes Gehäuse. Sie verfügt über das beste Tracking aller Modelle und wird von einem externen 9V-Netzteil gespeist. Klanglich wirkt sie allerdings zahmer als die Vintage-Versionen.

Sound

Mit dem Micro Synthesizer kann man Gitarren-Sounds schön anfetten und synthetische Analogsounds erzeugen. Der Rate-Parameter sollte auf die Spielweise abgestimmt werden, um versehentliches Verschlucken von Tönen zu verhindern. Werden Akkorde gespielt, verarbeitet der Effekt den obersten oder untersten Akkord-Ton.Der Micro Synthesizer ist aber nicht nur für Gitarristen interessant, auch Elektronik-Produzenten haben ihn schnell ganz lieb.

Der Micro Synthesizer ist aber nicht nur für Gitarristen interessant, auch Elektronik-Produzenten haben ihn schnell ganz lieb. Dank der unkonventionellen Klangerzeugung mit doppelten Oktaven und der eigenartigen Filter-Sweep-Sektion lassen sich ohne großen Aufwand leicht erkrankte und dank verzerrter »Squarewave« böse Analog-Sounds erzeugen, die mit einem konventionellen Synth nicht so einfach machbar wären. Man muss den kleinen Racker nur mit rhythmischem Audiomaterial wie etwa Synth-Sequenzen oder Drumloops füttern, und er dankt es einem mit oft inspirierenden und interessanten Klangverläufen.

Der Electro Harmonix Micro Synthesizer wurde uns freundlicherweise vom Weltraum-Keyboarder und Multi-Instrumentalisten MaEasy (www.maeasy.de) zur Verfügung gestellt.

 

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