Legendäre Gitarren-Sounds mit Guitar Rig 5 nachgebaut

Sounds Like… Prince

„He wasn’t a Prince, he was a King“ sagte Steve Vai nach dem überraschenden Ableben des US-amerikanischen Künstlers. Das trifft den Nagel wohl mehr als nur auf den Kopf! Der „kleine“ Mann aus Minnesota war ein ganz Großer im Musikkosmos und hat uns ein unfassbar großes Vermächtnis hinterlassen. Wir beschäftigen uns heute mit einem Part aus dem Song „Kiss“, den wohl ziemlich jeder kennen dürfte...

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Prince war nicht nur ein außergewöhnlicher Sänger und Komponist, sondern er produzierte seine Musik auch selbst und spielte „nebenbei“ auch Gitarre, Klavier, Bass und  Schlagzeug – und das auf allerhöchstem Niveau!!! Er hätte quasi eine One Man Show hinlegen können und trotzdem hatte er seine Begleitbands wie z.B.: „The Revolution“ auch mit im Studio. Seine Mitmusiker ließ er zum Beispiel bei den legendären Aftershows viel mehr Spielraum. Es gab bei diesem kultigen Events, die nach den eigentlichen großen Konzerten im kleinen Rahmen stattfanden auch immer mal Gastmusiker wie Bono, Lenny Kravitz oder Seal…

Er verkaufte in seiner Karriere mehr als 100.000.000 Tonträger, was für seine Musik spricht, die wahrlich einzigartig ist. Und dabei hatte er nicht immer das beste Verhältnis zu seinen Labels, wie man es an seinen Namens- und Plattenfirmenexperimenten sehen konnte. In meinen Augen ein Mann, der sich stets weiterentwickelte und probierte – egal ob es erfolgversprechend war oder nicht.

Eine der für Prince wichtigsten Gitarren war die MadCat Telecaster von Hohner, einer deutschen Firma, die eher für gute Akkordeons und Mundharmonikas bekannt sein dürfte. Im Film „Purple Rain“ sah man ihn dann zum ersten Mal mit der Cloud Guitar – ein Instrument mit durchgehendem Hals, 24 ¾ Mensur und aktiven Pickups von EMG. Dieses Instrument ist ein absoluter Hingucker!!! Genauso wie sein Love Symbol Gitarre, die im Übrigen vom deutschen Gitarrenbauer Jerry Auerswald gebaut wurde. Diese drei Gitarren verbindet man wohl am ehesten mit dem Ausnahmekünstler. Aber er benutzte auch eine Ibanez George Benson, Stratocaster oder eine Gibson Les Paul Junior. Prince spielte meist über Amps von Mesa Boogie. Lonestar, Nomad und Heartbraeker waren die Modelle seiner Wahl, die dann von Boxen des gleichen Herstellers oder von Vintage 30 bestückten Marshall zu Gehör gebracht wurden. Bis auf das Whammy von Digitech und 1-2 andere Pedale wie den Line 6 MM4, verwendete er jede Menge BOSS Pedale. Ist ja auch irgendwie praktisch! Wenn man auf Welttournee ist, kriegt man die überall zu kaufen. Mit einem super speziellen Boutique Kistchen ist das nicht ganz so einfach…

Das Lick im Guitar Rig 5

Für diesen Part hat Prince sein Hohner Telecaster direkt ins API Pult gespielt. So macht es Funklegende Nile Rodgers übrigens auch, nur dass er meistens mit einer Neve Konsole arbeitet. Nebenbei gesagt finde ich es gut, dass er nicht auf Namen schaute, sondern sich damals für ein (zumindest was Gitarren angeht) No Name – Hersteller entschieden hat. Was klingt, klingt eben… Der PU Wahlschalter an meiner Tele wird in die Mittelposition gebracht und somit werden beide Pickups aktiviert. Nun öffne ich ein Mono Instanz vom Guitar Rig 5, wo ich die Amps allerdings außen vor lasse und dafür den SOLID EQ ins Spiel bringe. Per Schieberegler wird er in den G Modus gebracht, der für meinen Geschmack passender ist. Als erstes setze ich den Lo Cut bei 100 Hz. Um ein bisschen mehr Hub zu bekommen, hebe ich bei 197 Hz ein wenig an und bemühe den Bell Knopf, welches für das LF Band zur Verfügung steht. Mit den beiden Mittenbändern räume ich im dafür vorgesehenen Bereich ein wenig auf indem ich bei 790 Hz und bei 2,5 kHz absenke. Obenrum fehlt noch der crispe Biss, weswegen ich ab 4,8 kHz gehörig anhebe. Grundsätzlich stimmt der Sound, nur bei 2936 Hz ist noch eine störende Frequenz, die ich mit dem „Equalizer parametric“ sehr schmalbandig ziehe.

Klangbeispiel:

Damit der Sound noch dichter wird und sich im Mix somit besser durchsetzt, bringe ich mit den Emulationen vom LA 2A und dem 1176 eine altbewährte Kompressor – Kette in den Signalweg. Das mit Röhren bestückte Unikum kann man zwischen Limiter und Kompressor hin- und herschalten und es fungiert in unserem Fall als Letzteres. Mit Peak Reduktion wird solange geregelt, bis es für meine Ohren stimmt. Nun soll der FET Kompressor, der als Hardware 1968 die Studiolichter dieser Welt erblickte, den Gitarrensound noch ein wenig verschönern. Mit dem Input – Regler wird nicht nur der Eingangspegel bestimmt, sondern auch wie weit das was reinkommt, die Ansprechwelle übersteigt. Das erlaubt ein sehr intuitives Arbeiten, wobei ich mit Sicherheit nicht der Einzige bin, der das so sieht! 😉 Ratio stelle ich 4:1, Attack verweilt auf 9 Uhr und Release ist mit der 3 Uhr Position etwas länger eingestellt. Das war’s mit unserem Funksound…

>> Hier kannst du den Prince-Sound für dein Guitar Rig herunterladen <<

Spielweisen & Tipps Für dieses Lick wird die Telecaster ganz normal in E gestimmt. Für diese Stilistik ist das Zusammenspiel der beiden Hände besonders wichtig. Hier sorgt nicht nur die rechte Hand für Groove und Rhythmik sondern auch die Linke, die durch leichtes Loslassen der Saiten (nur soweit, das die Saite gedämpft wird), einem großen Teil dazu beiträgt! Viel Spaß beim Probieren!!!


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>> Recording-Kult und Prince Special <<

Für das Thema Recording-Kult haben wir Studio-Legende Al Schmitt getroffen und waren in den Abbey Road Studios, um uns ein paar edle Teile des dortigen Mikrofonparks anzuschauen. Engineers aus deutschen Studios zeigen, wie man heute mit echtem Vintage-Gear aufnimmt! In unserem Prince-Special widmen wir uns dem Sound, der Musik und der Person Prince, der die Musikwelt weit über Minneapolis hinaus geprägt hat!

Weitere Themen:

  • Loudness War − Interview mit Lautheitsforscher Rudi Ortner
  • Focusrite Clarett 8Pre − Thunderbolt-Audio-Interface im Test
  • Tube-Tech HLT 2AM − Mastering-EQ mit Röhrentechnik im Test

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