Andere Saiten aufziehen

Sounddesign mit Native Instruments Guitar Rig 6

Kürzlich hat Native Instruments Guitar Rig 6 veröffentlich. Somit geht eine lange Durststrecke vorbei – vor allem für Gitarristen, möchte man denken. Dabei ist Guitar Rig allerdings schon immer ein fantastisches Sounddesign-Tool gewesen und auch für Nicht-Gitarristen interessant. Und da sich das Plug-in ohnehin im Besitz der meisten Komplete-User befinden dürfte, wird es Zeit, hier mal die wichtigsten Möglichkeiten abseits von Gitarrensounds zu beleuchten.

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Guitar Rig eignet sich hervorragend dazu, so ziemlich alles an Signalen zu effektieren, seien es Drumloops, Vocal-Spuren oder Synth-Flächen. Dabei ist nicht nur die Anzahl der vorhandenen Effekt module ein starkes Argument für das Plug-in, denn es bietet zudem auch eine Vielzahl an Routing- und Modulationsmöglichkeiten.

Hier findest du Infos und Links zum Kauf von Komplete 13 (beinhaltet Guitar Rig 6).

Aber fangen wir ganz vorne an und richten Guitar Rig kurz ein. Dazu reicht eigentlich ein Blick in die Zeile rechts neben dem Logo. Hier müssen wir, je nach Eingangsmaterial, entweder nur den L-Button bei Monosignalen oder den Stereo-Button bei Stereosignalen aktivieren. Ältere Guitar-Rig-Versionen hatten keinen separaten Stereo-Button, hier musste man einfach zum L- auch den R-Button aktivieren. Das Gate können wir deaktivieren, wenn wir nicht explizit ein Noise Gate benötigen. Versionen vor der aktuellen Version 6 verfügen außerdem noch über einen Qualitätsschalter ganz rechts – diesen sollten wir definitiv auf »Hi« setzen. Guitar Rig 6 ist hier schon standardmäßig auf höchste Qualität getrimmt.

Damit ist Guitar Rig für die weitere Arbeit bereit, und wir können munter Effektmodule in unser Rig hineinziehen. Ein Detail gibt es bei der Bearbeitung von Stereosignalen noch zu beachten: Obwohl wir die Eingangssektion bereits auf Stereo geschaltet haben, muss dieses bei den meisten Effekten separat und pro Effekt erfolgen. Dazu haben viele Module am rechten Rand einen eigenen Stereo-Button, welchen wir aktivieren müssen. In früheren Versionen ist der Knopf besser versteckt – hier müssen wir zunächst den Button in Form eines Dreiecks betätigen. Dieser öffnet weitere Spezialeinstellungen des Moduls und dort befindet sich dann oftmals auch der Stereo-Button.

Für die Bearbeitung eines Stereosignals aktivieren wir L und R, deaktivieren das Noise Gate und schalten den Hi-Quality-Modus ein.

Für ein komplexes Routing innerhalb des Plug-ins bietet Guitar Rig diverse Module an. Diese befinden sich in der »Tools«-Kategorie und umfassen die Frequenzweiche »Crossover«, den Signalsplitter »Split« und den MS-Splitter »SplitMS«. All diese Module können auch wiederum ineinander verschachtelt werden und bieten pro gesplittetem Signal auch noch ein eigenes Panning. Es spricht also beispielsweise nichts dagegen, einen Drumloop mit der Frequenzweiche in Bässe und Restsignal aufzutrennen, die Bässe dann mit einer sanften Zerre anzudicken und den Rest des Signals mit einem Effektgewitter zu versehen.

In derselben Rubrik befindet sich außerdem ein weiteres nützliches Helferlein, nämlich der Container, der Macro-Regler für andere Module bereitstellt und mehrere Effekte zu einem sinnvollen Block zusammenfasst.

Eines der mitgelieferten Presets, das interessante Modulationen erzeugt.

Die zusätzlichen Modulatoren sind dann das Salz in der Suppe von Guitar Rig. Diese finden sich in der »Modifier«-Kategorie und beinhalten zwei verschiedene Sequencer, eine Envelope (welche sich auch via MIDI ansteuern lässt), einen Envelope-Follower und einen LFO. Alle Modulatoren sind aber üppig ausgestattet, so bietet der Analog Sequencer bis zu 16 Steps mit verschiedenen Modulationswerten pro Step. Der schlicht »Step Sequencer« benannte zweite Sequencer hingegen verfügt über bis zu 16 Trigger, die jeweils eine eigene Envelope auslösen. Die Modulatoren können dann ebenfalls frei und in mehrfacher Anzahl ins Rack gezogen werden, und jedem können bis zu drei Modulationsziele zugewiesen werden. So ist also möglich, aus entsprechenden Input-Signalen unendlich morphende Klanglandschaften zu generieren oder statischen Signalen diverse Rhythmen aufzu prägen. Außerdem können die Modulatoren sich auch gegenseitig modulieren, was deren Wirkungsgrad noch einmal deutlich erhöht.

Die beiden Sequencer erlauben flexible rhythmischen Modulationen von bis zu vier Parametern gleichzeitig pro Instanz.

Alle Effekte von Guitar Rig aufzulisten, würde den Rahmen dieses Artikels deutlich sprengen, und es macht natürlich auch sehr viel Spaß, alles, was die umfangreiche Library bietet, zu testen. Dennoch hier ein paar Highlights:

Die Effekte aus der Traktors 12-Reihe sind wunderbar für alles Mögliche gedacht, was rhythmisiert oder verzerrt werden soll.

Mit Raum, Reflektor sowie RC 24 und RC 48 sind sehr gute Reverbs im Paket enthalten, die die alten Reverb-Klassiker aus Guitar Rig perfekt nach oben hin ergänzen.

In Sachen Distortion war die Ausstattung schon immer sehr prall und auch hier hat sich etwas getan: Die neuen Module Bite und Dirt sind auf jeden Fall einen Blick wert.

Das Gleiche gilt für die Neuzugänge in der Modulation-Kategorie: Choral, Flair, Freak und Phasis.

Hier findest du Infos und Links zum Kauf von Komplete 13 (beinhaltet Guitar Rig 6).

Ausblick

Wer also eine Guitar-Rig-Lizenz besitzt und diese vielleicht bisher gar nicht verwendet hat, weil er kein Gitarrist, der sollte das schleunigst ändern und diesen tollen Effektbaukasten neu entdecken. Die umfangreiche Anzahl an mitgelieferten Presets ermöglicht dabei auch direkt einen guten Einstieg. Viel Spaß beim Experimentieren!

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