Produkt: Sound & Recording 09-10/2019
Sound & Recording 09-10/2019
HD-VINYL von REBEAT – höher, weiter, mehr? +++ MIXPRAXIS: Rob Kinelski mischt Billie Eilish +++ INTERVIEW: Elektro-Trio MONOKOMPATIBEL +++ AUSTRIAN AUDIO OC818 – Großmembran-Kondensatormikrofon +++ HITS NACHGEBAUT: Billie Eilish de/constructed
Eierkartons - akustisch vermessen?

Raumakustik: Das Studio, der Eierkarton, die Absorber und Architektur

Raumakustik: Der Aufnahmeraum zu Hause – Von Wandschränken und Raum-Moden

 

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(Bild: Archiv)

Die perfekte Aufnahme kann überall lauern! Wenn man sich einmal auf die Suche begibt, tun sich in den eigenen vier Wänden mit ein bisschen Einsatz wahre Schatzkammern gut klingender Räumlichkeiten auf. Akustik-Spezialist Markus Bertram spricht mit SOUND & RECORDING über kostengünstige Lösungen und bewährte Herangehensweisen.

Wenn man keinen perfekten Aufnahmeraum hat, heißt es: kreativ werden! Und genau dazu möchte Markus Bertram auch ermutigen, denn in jedem Raum stecken akustische Möglichkeiten, die es zu entdecken gilt. »Für mich ist ein Aufnahmeraum immer so etwas wie ein Klanglabor. Ein Raum, in dem ich experimentieren und meine Soundvorstellungen in die Realität umsetzen kann. Dafür kann es meiner Meinung nach keine allgemeingültigen Vorschriften geben. Davon ausgehend ist für mich ein idealer Aufnahmeraum immer einer, der mir maximale Freiheit beim kreativen Umgang mit der Akustik bietet.

Für eine gute Aufnahme gibt es, was die Räumlichkeit angeht, kein universelles Rezept! Für mich ergeben sich daraus zwei Konsequenzen. Die erste wäre: Variabilität. Ich benötige einen Aufnahmeraum, den ich selber gestalten kann − eine Umgebung also, die nicht immer gleich klingt und sich meinen Anforderungen anpassen kann. Das zweite wichtige Element beim Aufnehmen ist Kontrolle. Ich benötige dringend einen zweiten Raum, idealerweise einen Regieraum, der mir die Möglichkeit gibt, das aufgezeichnete Material beurteilen zu können.«

Auf der Suche nach dem Aufnahmeraum

»Im Grunde sollte man versuchen, jeden Raum, der einem zur Verfügung steht, daraufhin zu untersuchen, ob und was man in ihm denn vielleicht mal gerne aufnehmen möchte. Als Gitarrist habe ich z. B. die Möglichkeit, mit dem Instrument durchs Haus zu laufen und kann den Klang in den unterschiedlichsten Räumen und Ecken sofort ausprobieren. Man merkt dann recht schnell, wie groß der Einfluss eines Raumes auf den Klang eines Instrumentes tatsächlich ist. Möchte man den Sound dann noch weiter kontrollieren, empfehle ich zunächst auch immer den Griff zu naheliegenden Hausmitteln. Was im professionellen Tonstudio durch teure Absorber- und Diffusor-Lösungen erreicht wird, kann im privaten Rahmen auch schon einmal ein geöffneter Kleiderschrank, eine gut positionierte Matratze, ein Vorhang oder ein Bücher- bzw. vollgestelltes Küchenregal leisten. Wenn man dann noch ein wenig mit Mikrofonen und den Abständen zwischen Wand und Instrument experimentiert, hat man meist für viele Fälle schon viele Klangmöglichkeiten geschaffen.«

Kenne dich selbst, deine Umgebung und deine Möglichkeiten

»Mein Plädoyer lautet eigentlich immer: Wenn es um die kostengünstigste Umsetzung eines Homestudios geht, sollte man zuerst einmal in eine ordentliche Regie bzw. Abhörsituation investieren. Erst mit einem solchen »Control-Room« komme ich ja überhaupt in die Lage zu hören, was ich da in meinem gewählten Aufnahmeraum überhaupt mache.

Gerade bei geringem Budget sollte man sein Geld erst einmal in eine ordentliche Abhöre und gute Mikrofone investieren. Im Aufnahmeraum ist es dagegen viel einfacher, durch Improvisation mit Hausmittelchen und Alltagsgegenständen zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Es ist auch gar nicht verkehrt, Aufnahme und Abhörsituation räumlich und sogar zeitlich von einander zu trennen. So macht man zunächst einmal bei der Aufnahme in Ruhe vielleicht zwei oder drei Takes, die man dann auch praktischerweise mit einer Info zur Aufnahmesituation »bespricht«. Wenn ich also einen Gitarrenpart in verschiedenen Varianten einspiele, spreche ich zu Beginn der Aufnahme einfach ins Mikrofon, was ich bei diesem Take ausprobiere, wie etwa Abstand zum Mikro, Position im Raum, oder ich protokolliere verwendete ‚Mittelchen‹ wie eine geöffnete oder geschlossene Schranktür. So kann man geglückte Experimente auch später wieder reproduzieren und lernt dabei Stück für Stück die eigenen Räumlichkeiten besser kennen.«

Dieses systematische Vorgehen mag zunächst wenig mit der künstlerisch spontanen Umsetzung zu tun haben, es hat aber auf ein optimales Ergebnis hin betrachtet einen sehr wichtigen Hintergrund: »Häufig sieht es ja schon so aus, dass man eigentlich eine frische Idee sofort recorden möchte. Die Raumakustik gerät in diesem Fall aber manchmal ein bisschen zum Zufallsprodukt. Ich halte es hingegen für enorm sinnvoll, Raumakustik in die Klangbildung sowie -findung stärker einzubeziehen. Man macht einen viel bewussteren Take, geht sich dann erst mal einen Kaffee kochen und hört sich anschließend in der Regie alles in Ruhe noch einmal an. Damit hat man auch die nötige Distanz dazu, die so logischerweise viel größer ist, als würde man die Kontrolle direkt vor Ort über Kopfhörer machen.«


Gute Aufnahmen entstehen an den unterschiedlichsten Orten – auch in den eigenen vier Wänden. Nur muss man offen für Experimente sein und ausprobieren, wo und wie der Raum eine Aufnahme positiv beeinflussen kann.


Experimente und Baumaßnahmen

Markus Bertrams Tipps zum heimischen Projektstudio sind grundsätzlich eher konzeptioneller Natur und betreffen daher viel mehr die Art der Vorgehensweise und nicht so sehr konkrete Vorschläge zu Bauweisen und Installationen. »Wenn man natürlich etwas bauen will, gibt es eine ganze Reihe an Materialien, die man verwenden könnte, um die Raumakustik gewinnbringend zu beeinflussen.

Da Mineralwolle wegen der enthaltenen Mikrofaseranteile ja im Verdacht steht gesundheitsschädlich zu sein, würde ich dieses Absorbermaterial nur benutzen, wenn es sehr gut eingepackt ist. Mit Akustikschäumen wie Basotect (hochporöser Akustikschaum aus dem Hause BASF; Anm. der Red.) kann man ebenfalls sehr gute Ergebnisse erzielen.

Es ist im Vorfeld grundsätzlich wichtig, dass man seinen Aufnahmeraum durch strukturiertes Abnehmen und Testaufnahmen kennengelernt hat, dann kommt man vielleicht später dazu, dass man merkt, mir fehlt da oder hier etwas. Beispielsweise kann es sein, dass man trotz geöffneter Kleiderschranktür keine Position im Raum findet, die wirklich trocken klingt und nicht doch noch eine störende Reflektion generiert.

Erst dann muss ich an dem Raum noch etwas tun − jetzt muss ein Absorber her. Ob ich dann fertige Absorber eines Anbieters nehme oder so etwas selber baue, das ist erst einmal zweitrangig. Ich sollte mich aber auf jeden Fall ein wenig damit beschäftigen. Wenn ich mir etwas selber baue, habe ich ja die Möglichkeit, es auch schon während des Bauvorgangs auszuprobieren. Wenn ich zum Beispiel so etwas wie Basotect nehme, kann ich die Platten ja, bevor ich sie in einen Holzrahmen packe und mit Stoff bespanne, irgendwo hinstellen und deren Wirkung akustisch überprüfen.

Ich habe viele Kunden, die mit einem sehr kleinen Budget sehr viel erreicht haben. Und das sind eigentlich ausnahmslos Leute, die sich ein strukturiertes Vorgehen zu Eigen gemacht haben. Es ist kaum jemand dabei, der das studiert hat. Sie haben sich alle ein Konzept erarbeitet und sich durch dieses immer wieder selbst kontrolliert.«

DIY-Absorber zur Dämpfung von Mitten und Höhen 

Klangkarten und das Finden akustischer Schätze

»Über die Zeit kann man sich damit eine regelrechte Klangkarte für sein Haus oder seine Wohnung erstellen. Erst wenn man mit eigenen Mitteln nicht mehr weiter kommt und genau benennen kann, was einem im Aufnahmeraum fehlt, könnte es nötig werden, einen Termin mit einem Akustiker vor Ort zu vereinbaren, um den Raum exakt auf die eigenen Wünsche und Klangvorstellungen abzustimmen. Hier kommen wir dann aber auch schon in den professionellen und kostspieligeren Bereich. Da wird es dann richtig ernst!

Was man bei allen DIY-Experimenten in Aufnahmeräumen nicht vergessen sollte, ist im Übrigen auch das Bassverhalten. Ein für Aufnahmen genutzter Raum weist immer auch sogenannte Eigen-Moden auf, die sich dadurch auszeichnen, dass der Schalldruckpegel im Bassbereich nicht überall gleich ist. Das ist je nach Position und Ort sehr unterschiedlich und lässt sich ausgesprochen gut zur Klanggestaltung nutzen. Wenn ich beispielsweise ein Schlagzeug aufnehmen möchte, und ich habe eine Kick, die einfach zu groß, zu fett und zu boomig ist, stehen die Chancen gut, den Sound durch Verschieben des Drum-Sets im Raum positiv beeinflussen zu können.

Erreicht man mit dem Schlagzeug einen sogenannten Wellenknoten, der sich bei der Grundfrequenz in der Mitte des Raumes befindet, kann es sein, dass meine Kick auf einmal viel trockener und dünner klingt. Sollte der umgekehrte Fall vorliegen, dass mir ein Instrument im Bassbereich nicht genug Druck aufbaut und es an Wärme fehlt, kann ich auf der anderen Seite auch durch Verrücken in Richtung eines Wellenbauches dafür sorgen, dass ich plötzlich deutlich mehr Schalldruck habe.

 


Raumakustik optimieren: Ausbau einer Regie – Studiobau in einem ehemaligen Büroraum

 

Zur Überprüfung der akustischen Maßnahmen nimmt Markus Bertram die Abhörposition am Arbeitsplatz als Messpunkt. Allerdings können später noch eventuelle Reflexionen auftreten, welche durch die Frontplatten der 19“ Geräte im Studiotisch entstehen können. (Bild: Stephan Lembke)

Bei einem Umzug des eigenen Arbeitsplatzes in andere Räumlichkeiten stellt sich für einen Tonschaffenden in erster Linie die Frage nach dem Klang der neuen Arbeitsumgebung. Gerade wenn ein Raum nicht vollkommen neu aufgebaut und frei konstruiert werden kann, sind der Anpassung der Akustik oft klare Grenzen gesetzt. Wie so ein Umbau und Studio-Upgrade in der Realität aussehen kann, wird in diesem Bericht genauer betrachtet. 

Studiogemeinschaften platzen heutzutage meist aus allen Nähten. Die ursprünglich oft großzügig angelegten Räumlichkeiten beherbergen mittlerweile oft mehr Tonschaffende, als ursprünglich eingeplant waren. Wo sich eine Studiogemeinschaft mit bis zu drei Studios mit eigenen kleinen Aufnahmekabinen, Maschinenräumen und einem gemeinschaftlichen Aufnahmeraum befand, tummeln sich heute Produzenten, Musiker und Medienschaffende an jedem freien Schreibtischplatz. Oft werden dabei Räume umfunktioniert, die nicht die optimalen Gegebenheiten für einen Tonarbeitsplatz aufweisen, einfach weil eine große Nachfrage dafür besteht. Platzmangel gehört meist zur Tagesordnung, und Vermieter können sich kaum vor Anfragen retten. Genau in dieser Situation bin ich die letzten drei Jahre verharrt, und nun kam endlich die Möglichkeit zur räumlichen Erweiterung innerhalb der Gotteswegstudios in Köln.

Gegebenheiten 

Lange wurde überlegt, wie ein Neubau von weiteren Studioräumen aussehen könnte, für den eine nicht unerhebliche Zahl von Proberäumen hätte weichen müssen. Allerdings ist die Mietsituation in Köln genauso grausig wie in Hamburg, Berlin, München und in vielen deutschen Großstädten, sodass eine Veränderung und Verlängerung der bestehenden Mietverträge viele Fragen entstehen lässt. Um Problemen und Investitionsruinen aus dem Wege zu gehen, wurde ein Neubau daher zunächst vertagt und nun doch ein ehemaliges Büro zur Tonregie umfunktioniert. Damit sind den Baumaßnahmen natürlich auch klare Grenzen gesetzt, weil eine Veränderung der Raumgrundfläche nicht möglich ist. Zudem soll der Fokus auf der Raumakustik liegen; nicht geplant ist eine Verbesserung der Bauakustik, um beispielsweise Schall von außen und somit Nebengeräusche zu reduzieren.

Zunächst musste der vorhandene Raum genau vermessen werden, damit später eine detaillierte Planung am Modell erfolgen konnte. Nach der Bemaßung wurden die ersten Überlegungen zur Bewertung des Raumes vorgenommen. Beim sogenannten Bolt-Verhältnis werden dafür die Länge und Breite des Raumes durch dessen Höhe geteilt. Liegt das Verhältnis innerhalb des von Richard Bolt definierten Bereichs, weist der Raum eine grundlegende Eignung als Regieraum auf.

Eine zweite Bewertung wird mithilfe der Überprüfung des Bonello-Kriteriums vorgenommen, welches Auskunft über die Eigenmoden-Verteilung in einem Raum gibt. Das Bonello-Kriterium gilt als erfüllt, wenn der Raum in jedem Terzband mindestens die gleiche Anzahl von Eigenmoden aufweist wie die vorangegangene, tiefere Terz. Unglücklicherweise fallen beide Bewertungsmethoden für die hier geplante Tonregie negativ aus. Beim späteren Feintuning des Abhörplatzes können jedoch noch Maßnahmen zur Klangverbesserung vorgenommen werden.

Des Weiteren wurden Messungen an verschiedenen Stellen im Raum durchgeführt, um ein genaues Bild von den akustischen Gegebenheiten zu bekommen und die genaue Planung vornehmen zu können.

Der ehemalige Büroraum wurde schon längere Zeit als Musik- und Produktionsraum verwendet. Daher musste dieser vor der Vermessung leergeräumt und entrümpelt werden, bevor die akustischen Messungen von Markus Bertram, Geschäftsführer der Firma mbakustik aus Osnabrück durchgeführt wurden. (Bild: Stephan Lembke)

Planung 

Daniel Rathke von mbakustik erstellte zunächst ein detailliertes 3D-Modell des Raumes mit allen Details wie Vorsprünge, dem vorhandenen Heizkörper, hervorstehende Rohre und Besonderheiten der Wand- und Deckenstruktur. Anschließend wurde zunächst eine Optimallösung erarbeitet, welche mehrheitlich auf abgestimmten Bassfallen und Breitbandabsorption basierte.

Auch wenn der erste Entwurf ein nahezu optimales Ergebnis unter den gegebenen Umständen erzeugen würde, so wären die Platzeinbußen im Raum einfach zu hoch. Zudem bestand das Problem, dass die individuell auf den Raum abgestimmten Resonanzabsorber bei einem eventuellen Umzug kostspielig verändert werden müssten.

Da eine räumliche Veränderung mit Sicherheit in den nächsten Jahren stattfinden wird, musste also von der maßgeschneiderten Bassabsorption Abschied genommen werden. Nach sechs weiteren Entwürfen, die unterschiedlichen Umfangs waren, wurde schließlich ein passender Kompromiss gefunden. Diese stellt eine Lösung dar, die gleichermaßen eine klangliche Verbesserung bringt, platzsparend ist und im Falle eines Umzugs wiederverwendbar wäre.


Messergebnisse vor und nach dem Umbau: Die Messungen an der späteren Abhörposition wurden vor und nach dem Umbau durchgeführt, wobei stets das gleiche Equipment zur Messung verwendet wurde. Markus Bertram hat passende Bewertungskriterien gewählt, welche interessante Ergebnisse hervorbringen.


Insgesamt kamen drei Bassfallen mit je 50 cm Tiefe an der Kopfseite des Raumes zum Einsatz, während vier Bassfallen mit 35 cm Tiefe seitlich auf Höhe des Arbeitsplatzes positioniert wurden. Der Breitbandabsorber an der Kopfseite verdeckt den dort vorhandenen Heizköper und wird auf den Bassfallen abgestützt. An den Seitenwänden und der Rückseite sowie der Decke befinden sich insgesamt fünf große Breitbandabsorber mit den Maßen 215 x 120 x 15,5 cm. Insgesamt kommen in der Planung also sieben Bass- und sechs Breitbandabsorber zum Einsatz.

Als sehr angenehm ist hervorzuheben, dass mbakustik im Planungsprozess äußerst flexibel war und wir uns im ersten Gespräch zunächst auf eine mögliche Richtung einigten, die im Verlauf der Planung weiter angepasst wurde. Hätte ich mehr Zeit für den Umbau aufbringen können, so hatte mir das Team von mbakustik lediglich beratend zur Seite gestanden. Der Bau der Bassfallen und Absorber hätte eigenständig nach den Vorgaben der Akustikplanung durchgeführt werden können.

Zeit für den Umbau 

Aufgrund der Tatsache, dass mbakustik fertige Module einschließlich entsprechender Wandund Deckenhalterungen anbietet, war wenig Vorbereitung für den eigentlichen Studioausbau notwendig.

Die Breitbandabsorber wurden mit jeweils sechs Schraubhaken in L-Form an den Wänden befestigt. Für die Deckenmodule wurden dünne Rückwände mitgeliefert, die zunächst befestigt werden und die Breitbandabsorber mithilfe von Klettstreifen positionieren lassen. Alles in allem dauerte der Aufbau mit vier tatkräftigen Helfern einen Tag.

Das Mobiliar darf nicht fehlen 

Neben der Optimierung der Raumakustik stand zudem die Auswahl von neuem Studiomobiliar auf der Agenda. Da an meinen bisherigen Plätzen fast ausschließlich Büromöbel umfunktioniert wurden oder sehr einfache Multiplex-Lösungen zum Einsatz kamen, sollte sich mit dem Umzug in den neuen Raum auch diese Situation verbessern. Während es bei meinem letzten Studiotischkauf nur ungefähr drei Hersteller gab, die entsprechende Möbel anboten, so wurde die Auswahl mittlerweile erheblich erweitert. Dennoch fiel die Wahl mit dem Hersteller Sterling Modular auf einen Klassiker, der bereits über 20 Jahre im Geschäft ist. Neben einem Produktionstisch mit viel Platz und guter Erreichbarkeit für mein 19″-Outboard-Equipment sollte ein Side-Rack her, in dem unter anderem die Patchbays untergebracht werden sollen.

Neben der Funktionalität war der Klang ein entscheidendes Kriterium, das zur Auswahl von Sterling Modular geführt hat. Firmengründer Jim Maher hat sich mit der Plan-Serie zum Ziel gesetzt, das Studiomobiliar »akustisch transparent« zu gestalten und besonders die Reflexionen des Tisches an der Abhörposition zu minimieren. Mehr Informationen zur Philosophie von Sterling Modular und ein Testbericht des Plan-D-Produktionstisches sowie des Versa-Side-Racks werden in einer der nächsten Ausgaben folgen, da sie an dieser Stelle den Rahmen deutlich sprengen würden.

Das Ergebnis 

Nach dem Möbelaufbau wurden direkt die ersten technischen Geräte in die neue Arbeitsumgebung gebracht, um natürlich möglichst schnell einen Eindruck zur klanglichen Situation am Arbeitsplatz zu gewinnen. Beim Hören fielen direkt der verringerte Nachhall und die fokussierte Frequenzwiedergabe im Mitten- und Höhenbereich auf. Um jedoch klare Aussagen zur Akustik treffen zu können und den Vorher/nachher-Vergleich zu ermöglichen, führte Markus Bertram eine erneute Messung in der neu entstandenen Regie durch.

To Be Continued 

Auch wenn die Abhörsituation noch nicht als optimal zu bezeichnen ist, das Mobiliar viel unbelegten Rack-Space aufweist und die technischen Geräte noch ohne Schaltzentrale miteinander verbunden werden müssen, so wurde in einem überschaubaren Zeitraum schon eine deutliche Verbesserung erreicht.

Wer mehr Zeit mitbringen kann, kann sparsamer wirtschaften, wenn Arbeitsschritte wie beispielsweise die Schreinerarbeiten für die Akustikelemente selbst erledigt werden. Es ist jedoch eine immense Hilfe, wenn die Akustik vom Fachmann geplant wird, und an dieser Stelle sollte sinnvollerweise nicht eingespart werden, um möglichen Fehlern direkt vorzubeugen.

Allerdings konnte der Raum nicht vollständig fertiggestellt werden, da meine eigentliche Tonarbeit weitergehen muss. Aus diesem Grund wird sich das Studio-Upgrade wohl noch einige Monate hinziehen, bis man wirklich von einem komfortablen Arbeitsplatz in einer klanglich optimierten Tonregie sprechen kann. Der weitere Fortschritt und die notwendigen Anpassungen werden selbstverständlich in einer späteren Folge des Artikels aufgegriffen, um ein genaues Bild zum gesamten Umbau- und Entstehungsprozess liefern zu können.

 


Raumakustik – Absorption vs. Diffusion – Grundlagen für Homestudios

 

DIY-Absorber im Homestudio: Weiche Schaumstoffplatten ohne »Akustiknoppen« besitzen bei gleicher Tiefe einen höheren Absorptionsgrad.

Ein Punkt, der in vielen Homestudios vernachlässigt wird, ist die Optimierung der Raumakustik. Häufig wird versucht, mit »klassischem« Noppenschaum die Nachhallzeit im mittleren und oberen Frequenzbereich zu reduzieren − immerhin besser als gar nichts.

Betrachtet man nun die Begriffe »Noppen« und »Schaum« separiert, wird alleine dadurch ein gewisser Widerspruch klar: Der feinporige Schaumstoff dient dazu, Schallwellen zu absorbieren und in Wärmeenergie umzuwandeln − nun gut! Die Noppen hingegen erreichen aber eine Diffusion bzw. Schallbrechung, die bestenfalls für Fledermäuse interessant wäre, da sie beim Noppenschaum eben aus keinem harten, reflektierenden Material bestehen.

Wenn es also um reine Absorption geht, eignen sich Schaumstoffplatten mit glatter Front meist besser. Diese sind zum einen einfacher herzustellen und damit preiswerter, zum anderen nutzen sie den Platz an der Wand oder Decke bei gleicher Tiefe viel besser aus. Mein geschätzter Kollege Markus Thiel beschreibt in unserem Sonderheft HOMESTUDIO 2,0 sogar eine Methode, wie man aus Basotec-Platten vom Großhandel und dem Ikea-Bilderrahmen »Riba« einen sehr kostengünstigen Absorber selbst bauen kann.

 


Raumakustik im DIY-Studio – Expertentipps von Markus Bertram (mbakustik)

 

Der Regieraum von Chausse Filmton in der Bauphase (Foto links): Als günstige Methode, die Eigenmoden des Raums in den Griff zu bekommen, werden hier testweise vier große Ballen Mineralfaser an unterschiedlichen Positionen aufgestellt. Solch ein Ballen hat eine Absorption bei 80 Hz und tiefer. Auch wenn das im kommerziellen Studio dann nicht so bleiben kann, reicht im DIY-Raum ein einfacher Stoffbezug und fertig sind die Bassfallen. (Bild: mbakustik / www.chaussee-filmton.de))

»Raumakustik vom Experten? Viel zu teuer!«, lautet der spontane Gedanke aller Musiker, wenn es um die fachmännisch richtige und sinnvolle Ausstattung sowie Akustikbau geht. Dennoch hat es sich immer schon bewährt, jemanden zu konsultieren, der etwas von der Materie versteht. Wir haben beim Studiospezialisten Markus Bertram von mbakustik nachgefragt …

Als DIY-Musiker kann man vom High-End-Hochglanzstudio, wie es die Broschüren und Werbeanzeigen von professionellen Studio-Ausstattern zeigen, natürlich nur träumen. Aber verständlich: Wer wirbt schon gern mit Fotos, in denen verschrammelte Selbstbaustudios abgebildet sind − selbst wenn die gezeigten Akustikbaumaßnahmen einen professionellen Hintergrund haben? Nichtsdestotrotz: Auch die ganz Großen im Business haben meistens klein angefangen, d. h., der Weg beginnt für viele bei Selbstbaulösungen. Davon weiß auch Markus Bertram zu berichten, dessen Firma »mbakustik« nicht ausschließlich Recording-Tempel konzipiert und baut, sondern auch für DIY-Musiker ein offenes Ohr hat. Wir zeigten ihm die in unserem Special ab Seite 14 gezeigten DIY-Studios und fragten ihn nach seiner Meinung.

Markus Betram: Was natürlich sofort auffällt, ist, dass die Bands sich in erster Linie um eine gute Akustik des Aufnahmeraums gekümmert haben − die Regieräume hingegen wurden vernachlässigt. Das ist natürlich absolut verständlich, wenn man sich die Perspektive der Musiker veranschaulicht. Was die akustischen Maßnahmen betrifft, wird dieser Raum meistens so gestaltet, dass er für den Musiker bzw. die Band gut klingt. Das Wichtigste ist hier erst einmal, dass die musikalische Interaktion gut gelingt. Die Instrumente sollen so klingen, dass man gerne musiziert und es Spaß macht, in diesem Raum zu spielen. Das ist auch gar nicht falsch!

Ein Raum, in dem die Instrumente gut zur Geltung kommen, jedes Bandmitglied sich in seinem Teil des Raumes gut hören und kontrollieren kann, der passend und ausgewogen ist für die Musik, die man machen möchte, ist eine der Voraussetzungen, um einen guten Band-Sound zu entwickeln.

Sind all diese Gegebenheiten erfüllt, muss man noch einen Schritt weiter gehen und ein weiteres Kontrollmittel hinzufügen, und das ist der Regieraum, in welchem man die Signale, die man aufnehmen möchte, bewerten kann.

Der wohl krasseste Gegensatz zum DIY-Regieraum: Mastering-Studios. Sie bestehen praktisch nur aus Regieraum, bei dem auf höchstem Niveau für eine optimale Abhörsituation gesorgt wird. So z. B. im Mastering Mansion Madrid, das selbst unter den Mastering-Studios ein sehr ambitioniertes Projekt ist. (Bild: mbakustik)

Ideale Regie?

Im Regieraum will man den Sound möglichst ohne Einflüsse wie Lautsprecher oder Raumakustik beurteilen können, damit das, was über die Mikrofone aufgenommen wird, auch möglichst unverfälscht auf der Festplatte landet. Diese Idealvorstellung wird nie wirklich erreicht, sollte aber immer das Ziel sein. Dass dieses für DIY-Studios in sehr weiter Ferne liegt, wird deutlich, wenn man sich z. B. Mastering-Studios anschaut. Diese bestehen praktisch nur aus einem Regieraum, dem man bei der Optimierung sämtliche Aufmerksamkeit widmet. So z. B. im Mastering Mansion Madrid, das selbst unter den Mastering-Studios ein sehr ambitioniertes Projekt ist, und man sollte nicht von einer sich selber produzierenden Band erwarten, dass sie an den Regieraum mit einem solchen Anspruch herangeht.

Ebenso sollte allen klar sein, dass eine »normale« Regie nicht geeignet ist, um darin ernsthaft selber zu mastern. Jemand anderen mit dem Mastering zu betrauen, liegt nicht etwa allein in den Unzulänglichkeiten der eigenen Regie, sondern hat ja neben der Akustik auch noch ganz andere Hintergründe wie entsprechendes Equipment für akustische Kontrolle und die Bearbeitung des Materials, vor allem aber Erfahrung! (siehe auch Artikel »Mastering-Tipps auf den vorhergehenden Seiten 84 u. 85)

Auch wenn die Industrie diesen Gedanken in etwa vorgibt − man sollte nicht dem Irrtum verfallen, dass man mit einer DAW-Software wirklich alles selber machen kann, selbst wenn sogar Mastering-Plug-ins dabei sind.

Die Ohren optimieren

Bevor wir uns mit den technischen Dingen beschäftigen: Eine wichtige Voraussetzung ganz allgemein ist die persönliche Eigenschaft, den Biss zu haben, Gegebenheiten grundsätzlich zu hinterfragen und entsprechende Schritte zu unternehmen. Den selber aufgenommen Sound richtig zu beurteilen will gelernt sein. Man muss sich immer und immer wieder seine Aufnahmen unter den verschiedensten Bedingungen anhören, um anschließend entsprechende Änderungen am Mix erneut auszuprobieren. Auf die Raumakustik bezogen bedeutet das, dass man auch bereit sein muss, räumliche Änderungen in die Tat umzusetzen − verschiedene Raumakustiken lassen sich leider nicht auf Knopfdruck vergleichen. Daher neigen viele dazu, nichts zu ändern und gewöhnen sich an ungünstige Akustikbedingungen.

Änderungen protokollieren

Wer sein halbwegs ambitioniertes Heimstudio schon mal um 180 Grad im Raum versetzt hat, um die Abhörsituation zu optimieren, der weiß, dass dabei unter Umständen zwei Tage vergehen, bis endlich wieder alles läuft. Der Aufwand ist groß, kann sich unter Umständen aber lohnen. Es kann dennoch der Fall eintreten, dass die neue Anordnung der Abhöre nicht den erhofften Effekt bringt. Auch um das zu beurteilen, sollte man sich etwas Zeit nehmen. Ich möchte deutlich machen, dass der Faktor Zeit einem so manchen Streich spielen kann. Daher ist mein Tipp: Dokumentieren! Wer etwas Erfahrung beim Abhören hat, weiß, dass die aurale Aufmerksamkeit starken Schwankungen unterliegt. Vor allem wenn man das eigene Gehör als Kriterium für die Qualität der eigenen Raumakustik nehmen möchte (oder muss), sollte man sich die Möglichkeit der Vergleichbarkeit schaffen.

Ein paar Notizen, Skizzen und/oder Fotos sollten ausreichen, wenn man sie später zeitlich zuordnen und Details wie z. B. die Positionierung von Lautsprechern oder Akustikelementen vergleichen kann. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die in ihrer Wirkung einen großen Unterschied machen. Auch macht es Sinn, sich dieser Aufgabe mit einem oder zwei Partnern zu widmen und die wahrgenommenen Unterschiede zu diskutieren.


Akustikbau DIY-Tipps Für akustische Baumaßnahmen muss man sich nicht gleich in Unkosten stürzen. Auch als Anbieter von akustischen Modulen empfiehlt mbakustik seinen Kunden oft Materialien, die man für wenig Geld im Baumarkt bekommt.


 

Akustik messen?

Raumakustiker haben hier sicher einen anderen Ansatz als DIY-Musiker, aber die Mittel für Akustikmessungen sind heute sehr erschwinglich geworden. Ich würde nicht grundsätzlich davon abraten, selber Messungen zu machen − in einigen Fällen konnten wir aus selbst erstellten Messergebnissen unserer Kunden wertvolle Informationen gewinnen. Aus den Messungen dann aber die richtigen Akustikmaßnahmen abzuleiten, ist aus unserer Erfahrung für Laien zu komplex.

Vier No-Budget-Tipps

Bevor man sich als DIY-Musiker tief in die Theorie stürzt, gibt es einige Dinge, die man akustisch in Angriff nehmen kann, und zwar ganz und gar ohne Geld für akustische Baumaßnahmen zu investieren. Sicher ist jeder Raum speziell, aber mit den vier folgenden Kochrezepten lassen sich gute Voraussetzungen für ein Nahfeld-Monitoring schaffen:

Tipp 1 − Stereo-Symmetrie: Man sollte keinen L-förmigen Raum nehmen und die Monitore so positionieren, dass der linke und der rechte Lautsprecher ungefähr den gleichen Raumanteil als akustische Impedanz haben. Ebenfalls sollen die Übertragungswege von beiden Lautsprechern auf die Ohren annährungsweise gleich sein. Das ist die wichtigste Voraussetzung für eine Phantommitte.

Tipp 2 − Raummitte vermeiden: Wenn man sich aus Gründen des Stereobildes bereits in der Mitte der Raumbreite befindet, sollte sich der Regieplatz nicht auch in der Mitte der Raumlänge befinden. Besonders in der Mitte können die Bassmoden starke Effekte haben: Die Grundmode hat dort ein Loch, eine Oktave höher ist wieder eine Anhebung, eine weitere Oktave darüber gibt es wieder eine Absenkung usw.

Tipp 3 − Längsausrichtung vermeiden: Wenn ich einen 3 x 5 Meter großen Raum habe, sollte man als Stirnwand möglichst die kürzere Wand wählen, da in der Längsausrichtung wiederum Bass-Probleme zu erwarten sind. Nicht immer, aber meistens ist die längste − also tiefste − Bassmode im Raum dominant, und in diese begibt man sich, würde man den Regieplatz genau in der Mitte des Raumes stellen.

Tipp 4 − Experimentieren! Die Tipps 1 bis 3 sollen kein Dogma sein, in den seltensten Fällen erlaubt die räumliche Anordnung eine optimale Aufstellung des Regieplatzes. Man kann sich sogar ganz bewusst für eine nicht symmetrische Aufstellung entscheiden, so kann es völlig legitim sein, wenn z. B. ein Techno-Producer auf die möglichst exakte Stereoabbildung verzichtet zugunsten einer Positionierung, die für ihn den besseren Bass-Response hat. Ebenso ist jeder Raum anders, und ohne Herumprobieren kriegt man die beste Positionierung nicht heraus. Außerdem kann ich nur empfehlen, immer wieder verschiedene Referenz-Aufnahmen zu hören und zu vergleichen.

 


Studioakustik: Der tieffrequente Bereich – Was tun, wenn´s dröhnt?

 

Control room package von concept-A: Blick auf die Rückwand mit zwei Breitband- Resonanzabsorbern und zwei Diffusoren (Bild: HMP Architekten + Ingenieure / concept-A)

„Was tun, wenn’s dröhnt?” Die Frage steht stellvertretend für viele raumakustische Probleme, die im tieffrequenten Bereich vor allem in kleinen Räumen auftreten. Um die Frage zu beantworten, müssen wir zuerst die Frage klären, was eigentlich dazu führt, dass viele Räume ein so unausgeglichenes Verhalten im tieffrequenten Bereich zeigen. Die Ursache dafür sind Interferenzen und Raummoden, allgemein als „Stehende Wellen” bezeichnet.

Schallausbreitung als Strahlen in der Akustik

Die klassischen raumakustischen Modelle betrachten Schallausbreitung geometrisch. Das heißt, sie gehen davon aus, dass Schallausbreitung in Form von Strahlen stattfindet. Diese Strahlen bewegen sich geradlinig durch den Raum und werden – wenn sie auf Gegenstände oder Wände treffen – je nach Materialeigenschaften mehr oder weniger reflektiert. Die Reflexion erfolgt geometrisch, der Ausfallswinkel ist also gleich dem Einfallswinkel. Auf dieser Grundlage basieren nahezu alle raumakustischen Simulationsverfahren. Diese Verfahren liefern gute Ergebnisse bei der Simulation von großen Räumen, wie Theater- oder Konzertsälen, Kirchen, Mehrzweckhallen und Konferenzräumen. Bei der Berechnung kleiner Räume stoßen diese Verfahren jedoch im tieffrequenten Bereich an ihre Grenzen, da hier Effekte auftreten, die durch eine geometrische Beschreibung der Schallausbreitung nicht mehr zu erfassen sind. Welleneigenschaften Um die akustischen Vorgänge im tieffrequenten Bereich in kleinen Räumen beschreiben zu können, benötigt man eine Theorie, die die Welleneigenschaften der Schallausbreitung berücksichtigt. So genannte wellentheoretische Betrachtungen werden dann interessant, wenn die Wellenlängen nicht mehr klein sind im Vergleich zu den beteiligten Gegenständen oder Räumen, sondern in die Größenordnung von deren Abmessungen kommen. Wellentheoretische Betrachtungen betreffen folglich auch in der Akustik je nach Raumgröße vor allem den tieffrequenten Bereich. Da in diesem aber in der Regel die größten Probleme auftreten, werden wir uns auch immer wieder mit der Beseitigung dieser Probleme beschäftigen.

Dazu zunächst die Theorie zur Akustik in Kurzform: Trifft eine Schallwelle auf eine Wand, wird sie reflektiert. Unmittelbar vor der Wand ergibt sich aus der Überlagerung der einfallenden und der reflektierten Welle eine Überhöhung des Schalldruckpegels, da die Phasenverschiebung zwischen den beiden Wellen hier noch sehr gering ist. Entfernt man sich von der Wand, nimmt der Schalldruckpegel ab, da die Phasenverschiebung zwischen den beiden Wellen zunimmt, bis es in einem Abstand von einer viertel Wellenlänge zu einer Auslöschung der beiden Wellen kommt, da die beiden Wellen an diesem Punkt genau gegenphasig sind. Danach nimmt der Schalldruckpegel wieder zu usw. Sitzt nun in einem Abstand von einer halben Wellenlänge zur Wand eine weitere Wand, so kommt es wieder zu einer Reflexion. Die erneut reflektierte Schallwelle ist in Phase mit der ursprünglichen Welle. Der Effekt verstärkt sich und es bildet sich eine Raummode, allgemein bekannt als „Stehende Welle”. Ein ähnlicher Effekt zeigt sich bei der doppelten Frequenz, der dreifachen Frequenz usw. Es ergeben sich wieder Raummoden, die allerdings mehrere Schalldruckminima besitzen und dazwischen weitere Schalldruckmaxima.

Mehr zum Thema Raummoden findest du hier.

Im Raum treten Moden in allen Richtungen und vor allem auch in Kombination der einzelnen Richtungen auf. Je höher die Frequenz, desto größer ist die Dichte der so genannten Eigenfrequenzen, also der Frequenzen, bei denen Moden auftreten. Im mittel- und hochfrequenten Bereich liegen die Eigenfrequenzen selbst in kleinen Räumen sehr dicht und die Moden sind nicht mehr als einzelne Schwingungsformen erkennbar. In der tieffrequenten Region dagegen ist die Dichte der Eigenfrequenzen gering, die zugehörigen Moden sind dafür jedoch umso ausgeprägter. Sie führen zu Überhöhungen und Einbrüchen in der Übertragungsfunktion, zu einem räumlich unausgeglichenen Schallfeld und es kommt, da Moden schwingungsfähige Systeme sind, bei ausgeprägten Moden frequenzabhängig zu einem resonanten Nachschwingen des Raumes. Soviel zur Theorie in Kürze. Allen, die sich ausgiebig mit dem Thema Wellentheorie auseinander setzen wollen, empfehlen wir die Lektüre von Lothar Cremer und Helmut Müller: „Die wissenschaftlichen Grundlagen der Raumakustik, Band II”.Wir werden von Zeit zu Zeit auch wieder auf das Thema Wellentheorie und unter anderem auch auf die Berechnung der Eigenfrequenzen eines Raumes zurückkommen.

Praxis: Nachschwingen beseitigen

 

Die beiden Diagramme zu Messung 1 zeigen zwei unterschiedliche Darstellungen der gleichen Messung: Die Messung wurde mit dem MLS-Verfahren durchgeführt (mit raumakustischen Messverfahren werden wir uns in einer späteren Folge beschäftigen). Da das Studio gerade im Umbau war und die neuen Lautsprecher noch nicht installiert waren,wurde mit einem mitgebrachten Studiolautsprecher gemessen. Auf der linken Seite ist das Zerfallsspektrum im Bereich von 20 Hz bis 500 Hz abgebildet. Es zeigt das frequenzabhängige Nachschwingen des Raumes. Deutlich erkennbar ist darin das resonante Nachschwingen von drei Raummoden bei 32 Hz, 64 Hz und 96 Hz. Das rechte Diagramm zeigt die Übertragungsfunktion im Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz, in der sich die Auswirkung der drei Moden im tieffrequenten Bereich klar zeigt.

Der Raum hört sich genauso an, wie die Messungen aussehen: Er dröhnt. Der tieffrequente Bereich ist dominiert durch das lange Nachschwingen einzelner Frequenzen und unterschiedliche Positionen im Raum klingen extrem unterschiedlich. Der Einfluss auf die Arbeit im Studio ist offensichtlich: Eine Beurteilung oder Bearbeitung der Aufnahme im tieffrequenten Bereich ist schwierig bis unmöglich. Durch eine günstigere Wahl der Raumproportionen ließe sich die Verteilung der Eigenfrequenzen und damit die Übertragungsfunktion ausgeglichener gestalten. In vielen Fällen sind natürlich – wie in diesem – die Raumform und damit die Verteilung der Eigenfrequenzen vorgegeben. Um die Probleme, die durch zu ausgeprägte Raummoden entstehen, zu beseitigen, können Raummoden durch Absorption bedämpft werden. Absorption kann breitbandig durch poröse Absorber, also durch offenporige Schaumstoffe, Textilien, Faserdämmstoffe etc. erfolgen. Allerdings werden die Maß- nahmen natürlich nur greifen, wenn die Absorption auch den entsprechenden Frequenzbereich erreicht. Für Breitbandabsorber, die in der Lage sind, sehr tieffrequent zu absorbieren und die damit zur Bedämpfung tieffrequenter Moden geeignet sind, sind auf Grund ihrer physikalischen Wirkungsweise sehr große Materialstärken notwendig.

Das wirksamste Werkzeug gegen zu ausgeprägte Raummoden sind dagegen Resonanzabsorber. Resonanzabsorber bestehen aus Feder-Masse-Systemen, die dem Schallfeld frequenzabhängig sehr wirkungsvoll Energie entziehen. Zu Konstruktionsweisen von Resonanzabsorbern kommen wir in einer späteren Folge. Resonanzabsorber arbeiten am effektivsten im Druckmaximum des Schallfeldes. Das heißt, wenn die Positionen der Schalldruckmaxima nicht eindeutig bekannt sind, sollten Resonanzabsorber in den Kanten des Raumes platziert werden, da sich dort tendenziell die größten Druckmaxima befinden.

 

Das Zerfallsspektrum zu Messung 2 zeigt den gleichen Raum mit zwei Breitband-Resonanzabsorberelementen mit einer Fläche von jeweils 2 qm. Die Absorberelemente, flächige Bauteile, in diesem Fall mit einer Breite von 1 m und einer Höhe von 2 m, die in den Ecken des Raumes an der Wand hängen, entziehen dem Raum im problematischen Frequenzbereich Energie. Dadurch wird die im rechten Diagramm dargestellte Übertragungsfunktion wesentlich ausgeglichener und das lange Nachschwingen der Raummoden wird erheblich verkürzt. Und auch die extremen Schwankungen, die vorher zwischen unterschiedlichen Positionen im Raum aufgetreten sind, sind erheblich reduziert. Der Resonanzabsorberteil der verwendeten Absorberelemente ist auf eine Resonanzfrequenz von 80 Hz abgestimmt. Durch die Abstimmung der eingesetzten Materialien erreicht der Absorber eine große Bandbreite und erfasst so einen Frequenzbereich von unterhalb 60 Hz bis oberhalb 120 Hz, wie an der Veränderung der Übertragungsfunktion in den Messdiagrammen zu erkennen ist. Die tiefste Raummode bei 32 Hz wird durch diese Maßnahme natürlich nur kaum erfasst, was aber auch nicht zur Zielsetzung der Maßnahmen gehörte, da die für den Raum vorgesehenen Studiolautsprecher diesen Frequenzbereich praktisch nicht mehr anregen.


Studioakustik: Was tun, wenn’s dröhnt? – Etwas Raum für Akustik

 

Akustik in einem professionellen Studio: Regie 1 der Teldex Studios in Berlin (Bild: HMP Architekten + Ingenieure / concept-A)

 

Til Schweigers Antwort auf unsere Headline kennen alle: „Dröhnen lassen.” Im Studio führt das aber selten zu guten Ergebnissen. Studioakustik ist für viele ein schwer zu fassendes Thema. Nicht zuletzt, weil die Meinungen darüber so kontrovers sind. 

Studioakustik ist für viele ein schwer zu fassendes Thema. Nicht zuletzt, weil die Meinungen darüber so kontrovers sind. Die Beiträge zu diesem Thema reichen von grobem Unfug und physikalisch völlig unhaltbarem esoterischem Blödsinn über abstrakte Normen und Vorschriften bis hin zu schwer verständlicher und für den Anwender kaum hilfreicher Fachliteratur. Die von den Herstellern angebotenen Produkte unterscheiden sich im Preis untereinander um ein Vielfaches, und oft hat der Preis wenig mit der Leistung zu tun. Für den Käufer ist es auf Grund unvergleichbarer oder gar nicht vorhandener Produktdaten schwer bis unmöglich, vor dem Kauf die Vorzüge des einen oder anderen Produkts überhaupt zu erkennen.

Wir wollen in dieser neuen Serie in jeder Folge einer Fragestellung der Akustik sachlich und nachvollziehbar auf den Grund gehen. Keine Sorge, wir werden keine Differentialgleichungen wälzen und keine Normen breittreten. Für alle, die daran interessiert sein sollten, verweisen wir an den entsprechenden Stellen auf die geeignete Literatur. Wir werden uns von Zeit zu Zeit mit grundlegenden Dingen wie der zeitlichen Zusammensetzung des Schallfeldes, der Entstehung von stehenden Wellen, der Nachhallzeit von Regie- und Aufnahmeräumen und der Funktionsweise von Absorbern auseinandersetzen. Vor allem wollen wir uns aber mit praktischen Fragen, wie dem sinnvollen Einsatz von Absorbern, dem Positionieren und Einmessen von Lautsprechern auch für Mehrkanaltonwiedergabe, der gezielten Nutzung eines Bass-Managements und der rechtlichen Situation in Mietshäusern bis hin zur gewaltfreien Beseitigung der Ursachen von Nachbarschaftsstreitereien beschäftigen. Zunächst müssen wir zwei grundsätzliche Themenschwerpunkte der Studioakustik voneinander trennen: Bauakustik und Raumakustik.

Die Aufnahmekabine der Rocket Studios in Berlin (Bild: HMP Architekten + Ingenieure / concept-A)

Bauakustik

Die Bauakustik wird oft auch als „baulicher Schallschutz” bezeichnet. Dabei geht es um die Schallübertragung zwischen Räumen innerhalb eines Gebäudes sowie zwischen Gebäuden und der Umgebung. Als erstes steht dabei natürlich die Frage, wie leise man es im Studio gerne hätte und wem man wie viel Lärm zumuten kann und darf. Die Aufgabenstellungen sind also der Schutz der Studioräume vor Störungen von außen und vor gegenseitigen Störungen untereinander sowie der Schutz der Nachbarn vor Störungen aus dem Studio. Die Mittel der Bauakustik reichen im Studiobau vom Ausstopfen der Kabelkanäle über das Aufschneiden von Estrichfugen bis hin zu federnd gelagerten Stahlbeton-Raum-in-Raum-Konstruktionen. Hausmittelchen zur Lösung bauakustischer Probleme stehen dabei genauso auf unserer Themenliste wie professionelle Konstruktionen. Wir werden das eine oder andere professionelle Studio aus der Sicht des Akustikplaners vorstellen und von Zeit zu Zeit wird uns auch die rechtliche Situation im Immissionsschutz beschäftigen.

 

Raumakustik

Die Raumakustik beschreibt den Klang eines Raumes. Es geht dabei also um die Schallübertragung innerhalb von Räumen. Eine Schallwelle wird von der Quelle, einem Instrument, einem Sänger, einem Sprecher oder einem Lautsprecher, abgestrahlt, im Raum übertragen und vom Empfänger, dem Ohr oder einem Mikrofon, aufgenommen.Wie stark und in welcher Form der Raum die Übertragung vom Sender zum Empfänger beeinflusst, hängt von der Raumform, der Positionierung der Quelle und des Empfängers innerhalb des Raumes und der akustischen Gestaltung der Oberflächen des Raumes ab.

Das Zerfallsspektrum zeigt die stehenden Wellen in einem nur hochfrequent bedämpften Regieraum (Bild: HMP Architekten + Ingenieure / concept-A)

Eine beliebte Vorgehensweise bei der Gestaltung der Akustik von Studioräumen ist nach wie vor, möglichst viel Absorptionsmaterial an die Wände zu kleben und sich zu wundern, warum der Raum nur dumpf wird, die Probleme aber nicht weniger werden. Bei der raumakustischen Planung von Industriehallen und Büroräumen besteht die vorrangige Zielsetzung tatsächlich darin, durch möglichst großflächige und möglichst effektive Absorption die Nachhallzeit zu senken, um dadurch den Diffusfeldpegel zu reduzieren und die Sprachverständlichkeit zu verbessern. Im Studiobau dagegen geht es vielmehr darum, ein gezieltes Reflexionsverhalten, eine ausgeglichene Übertragungsfunktion und ein homogenes Nachschwingen des Raumes,kurz gesagt also ein neutrales und einwandfreies Klangbild zu erzielen, ohne dabei die Nachhallzeit des Raumes zu weit absinken zu lassen.

 


Studioakustik: Warum nicht im eigenen Wohnzimmer mischen? – Flatterechos, Kammfilter und Raummoden

Der Regieraum der Deck 9 Studios mit Blick über die Dächer Münchens. Eine professionelle Arbeitsumgebung kann durchaus auch ansprechend gestaltet sein. (Bild: HMP Architekten + Ingenieure / concept-A)

„Die Leute, die meine Musik kaufen, hören ja auch nicht im Regieraum. Warum mische ich also nicht in meinem Wohnzimmer?“ Grund genug, sich dieser mittlerweile fast schon philosophischen Frage wieder von einem unvoreingenommenen technischen Standpunkt aus zu nähern.

Das, was ich in meiner Regie erzeuge, muss in einer Vielzahl von Wiedergabeanordnungen klingen: im Wohnzimmer wahlweise auf der HiFi-Anlage aus dem Elektromarkt und auf der Highend-HiFi-Anlage, im Küchenradio, über den mp3-Player, auf der Disco-PA und nicht zu vergessen: im Auto. Nur ein paar Beispiele, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Jede dieser Anordnungen bringt ihre eigenen akustischen Eigenheiten mit sich. Die akustischen „Fehler” und Unwägbarkeiten der Wiedergabeanordnung beim Endverbraucher habe ich nun mal nicht im Griff. In den meisten Fällen kann ich froh sein, wenn zumindest die Lautsprecheranordnung in irgendeiner Form sinnvoll ist. Lasse ich nun aber bereits in meinem Regieraum akustische Fehler zu, werden sich die daraus resultierenden Fehler der Mischung mit den Fehlern der Wiedergabeanordnung beim Konsumenten addieren. Darauf zu hoffen, dass die Fehler der Wiedergabeanordnung des Konsumenten den Fehlern meiner Anordnung ähnlich sind und sie sich so kompensieren würden, wäre unrealistisch.

Ein einfaches Beispiel: ein Kammfilter

Zur Erinnerung: ein Kammfilter entsteht durch die Überlagerung von zwei Schallwellen, z. B. dem Direktsignal und der Reflexion von einer Wand oder von einem Einrichtungsgegenstand. Dabei entstehen durch die Phasenverschiebung der Wellen im Spektrum Einbrüche und Überhöhungen, deren Lage von der Strecken- bzw. Laufzeitdifferenz der beiden Schallwellen zueinander abhängt. Die erste Auslöschung entsteht, wenn die Differenz d der Strecken, die die beiden Wellen zurückgelegt haben, einer halben Wellenlänge entspricht und die beiden Schallwellen damit gegenphasig eintreffen, also bei

wobei c0 die Schallgeschwindigkeit darstellt. Bei der doppelten Frequenz sind die beiden Schallwellen gleichphasig und es kommt zu einer Überhöhung im Spektrum, bei der dreifachen Frequenz kommt es wieder zu einer Auslöschung usw. Das Diagramm zeigt den Einfluss eines Kammfilters auf die Übertragungsfunktion für den Fall ebener Wellenausbreitung bei einem Absorptionsgrad der reflektierenden Fläche von 0,1. Die Frequenz ist normiert auf die erste Auslöschung.

Der Einfluss eines Kammfilters auf die Übertragungsfunktion (die Frequenz ist auf die erste Auslöschung normiert)

Führen nun ein oder mehrere Kammfilter im Regieraum zu einer deutlichen Senke in der Übertragungsfunktion, wird der Toningenieur diese spektrale Lücke intuitiv kompensieren. Die Mischung wird in diesem Frequenzbereich eine spektrale Überhöhung aufweisen. Besitzt nun die Wiedergabeanordnung des Endkunden im gleichen Frequenzbereich ein entgegengesetztes Verhalten, also eine Überhöhung, werden sich die Überhöhung der Mischung und die der Wiedergabeanordnung addieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kammfilter der beiden Abhörsituationen ähnlich sind, ist verschwindend gering. Entsteht die Mischung dagegen in einem Raum mit neutralen Abhörbedingungen, wird in der Gesamtkette maximal der Fehler der Wiedergabe beim Endkunden auftreten.

Gemeinsamer Nenner

Der Regieraum ist also der gemeinsame Nenner aus einer Vielzahl von Wiedergabesituationen. Eine Regie soll nicht „schön” klingen, sondern ehrlich. Ob das das Gleiche ist, hängt vom Geschmack und von der Einstellung des Hörers zur Musik ab. Ein Flügel, der ohne weitere künstlerische Eingriffe zur gezielten Beeinflussung des Klangcharakters als Flügel aufgezeichnet wurde, soll in der Regie im Rahmen des Möglichen auch wie ein Flügel klingen. Der Regieraum muss mich in die Lage versetzen, das zu beurteilende Material zuverlässig und ungeschönt, einschließlich aller Details der Aufnahme wahrzunehmen, ohne durch sein eigenes unkontrolliertes Reflexionsverhalten das Reflexionsverhalten der Aufnahme zu maskieren, aber vor allem, ohne mir irgendetwas vorzutäuschen, das in Wirklichkeit gar nicht da ist, z. B. eine in dieser Ausprägung nicht vorhandene Räumlichkeit der Aufnahme. Arbeite ich nun in einem Raum, der in seinem akustischen Verhalten nicht objektiv ist, werde ich viel Zeit und Energie darauf verschwenden, die Unzulänglichkeiten meines Raumes zu umgehen. Sei es nun dadurch, dass ich nach den langen Jahren, die ich mich über die Akustik meines Raumes geärgert habe, genau weiß, wie „schlecht” etwas in meinem Raum klingen muss, damit es in einem anderen Räumen gut klingt und das intuitiv kompensieren kann, oder dadurch, dass ich mich zum „Referenzhören” immer wieder in eine Vielzahl anderer Räume oder am Ende in mein Auto setze.

Also doch tot machen?

Das bedeutet nun aber eben keineswegs, den Regieraum vollständig seines klanglichen Charakters zu berauben, also ihn zu bedämpfen, bis ihn der letzte Rest von akustischem Eigenleben verlassen hat. Die Probleme einer zu starken Bedämpfung des Raumes haben wir bereits in der letzten Folge betrachtet. Vielmehr bedeutet das, die bestehenden akustischen Defekte des Raumes, also Kammfilter, Raummoden, Flatterechos und störende Reflexionen durch gezielte Maßnahmen auf ein erforderliches Maß zu bedämpfen bzw. zu reduzieren und dem Raum ein natürliches und zuverlässiges Klangbild zu geben. Und dazu gehört nun mal auch eine angemessene und nicht zu niedrige Nachhallzeit. Von größter Bedeutung ist in diesem Zusammenhang eine Standardisierung der Abhörbedingungen, auch um eine Kompatibilität von Abhörräumen untereinander zu erzielen.

Da sich die Standardisierung der Abhörbedingungen beim Konsumenten erfahrungsgemäß nur in begrenztem Umfang erreichen lässt, was die Raumakustik und die Anordnung der Lautsprecher angeht, beschränkt sich die Standardisierung in der Praxis größtenteils auf die produktionsseitigen Abhörbedingungen. Grundsätzlich betrifft diese Standardisierung natürlich eben nicht nur die Nachhallzeiten, sondern auch das Reflexionsverhalten, die Übertragungsfunktionen und das Ruhegeräusch, aber natürlich auch grundsätzliche Anforderungen an die Anordnung der Lautsprecher, die Eigenschaften der einzusetzenden Lautsprecher und die Einmessung des gesamten Abhörsystems. In den Empfehlungen EBU Tech. 3276 und SSF- 01.1 sind Mindestanforderungen für Regie und Hörräume für Zwei- und Mehrkanalstereophonie dargestellt. Natürlich bringt die Mehrkanalwiedergabe auch neue Anforderungen an die Gestaltung der Regie- und Hörräume mit sich. Mit Anordnungen für Mehrkanalstereophonie werden wir uns in einer der nächsten Folgen auseinander setzen.

Produkt: Sound & Recording 11/2019
Sound & Recording 11/2019
ANALOGVIBES: Analoge Hardware-Legenden als DIY-Nachbau +++ MIXPRAXIS: Louis Bell – Magie und Musikproduktion +++ SYLVIA MASSY - Die Session zu einem Event machen +++ PSI AVAA C20 - Aktiver Bass-Absorber

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ja, da ist fast alles richtig. Nur beim Thema minimalphasig/linearphasig sind die Grundlagen falsch wiedergegeben. Eben weil die Fehler der Lautsprecher-Übertragungsfunktion zum überwiegenden Teil minimalphasig sind, muss die zugehörige Entzerrung auch minimalphasig sein. Eine linearphasige Entzerrung (wie mit FIR-Filtern möglich) würde nur den Betragsfehler des Lautsprechers korrigieren, aber den Phasenfehler des Lautsprechers unkorrigiert belassen.
    Prof. Dr.-Ing. Manfred Zollner

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  2. Lieber Stephan und Peter, vielen Dank für die ausführlichen Betrachtungen zur Raumakustik! Wir werden den Dachboden für meinen Sohn ausbauen und sind momentan in der Planungsphase mit der Trockenbaufirma. Leider sind beide Seiten keine Fachleute im Bereich Studiogestaltung und ich kann aus den verschiedenen von dir vorgestellten Raumkonzepten einiges ziehen. Und ich habe sogar das Gefühl ich habe verstanden worum es geht! LG, Kyra

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  3. Es ist ein guter Hinweis, dass Wände bekleben nicht ausreichend ist für eine gute Raumakustik. Mein Freund und ich haben einen Raum in unsere Wohnung umgestaltet und selbstklebende Formteile angeklebt, um die Akustik etwas zu steuern. Wir mussten ein bisschen herumprobieren, um den richtigen klang zu bekommen, aber jetzt ist es perfekt, naja so gut wie möglich.

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  4. Interessant, dass an auch in normalen Räumen aufnehmen kann und durch Umstellung von Möbeln eine andere Akustik erreichen kann. Ich und meine Freundin wollen gerne ein Album aufnehmen. Wir haben uns schon die Tontechnik gekauft nun fehlt nur noch der geeignete Raum.

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  5. Gut zu wissen, dass Schaumstoffplatten die Schallwellen absorbieren. Jetzt, dass ich mehr Zeit für meine Hobbys habe, möchte ich gerne ein kleines Studio bei mir einrichten. Ich hätte gedacht, ich musste die Wände mit Eierkartons bedecken.

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  1. Was sind Raummoden? Raumakustik für dein Studio vorher planen | SOUND & RECORDING

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