So funktionierts

Mastered for iTunes

Kai und Jem Skyline
Kai Blankenberg (l.) und Jem an ihrem Arbeitsplatz in der Skyline Tonfabrik

Mit dem Start des „Mastered for iTunes“-Programms verfolgt Apple eine ehrgeizige Initiative zur Verbesserung der Audioqualität im iTunes Store. Der Konzern ermöglicht hierzu erstmals die Übermittlung von hochauflösenden Audiofiles und hat Richtlinien für die korrekte Vorbereitung der Masters veröffentlicht. Statt wie üblich WAV-Masters mit 16 Bit Wortbreite und einer Samplerate von 44,1 kHz zu übermitteln, verlangt Apple im Rahmen des Programms nach 24-Bit-Files mit einer Samplerate von bis zu 96 kHz.

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Der Hintergrund ist aber – zumindest aktuell – nicht, dass Apple auch in den audiophilen Markt mit verlustfrei gespeicherter Musik einsteigen möchte. Es geht vielmehr darum, die Codierung in das im iTunes Store gebräuchliche AAC-Format zu optimieren. Der Grundgedanke ist hier, dass ein optimales Ausgangsmaterial für die qualitativ hochwertigsten Wandlungsergebnisse sorgt. Da AAC ein verlustbehafteter („lossy“) Codec ist, spielt die Wandlung eine entscheidende Rolle. Hochauflösende 24-Bit-Files eignen sich wesentlich besser zur Konvertierung, die üblicherweise vom Label/Vertrieb übermittelten 16-Bit-WAVs sind dagegen selber bereits Endprodukte − nämlich für CDs − und liefern keine optimalen Wandlungsergebnisse.

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Über die Vorzüge von Samplerates jenseits der 44,1 kHz während der Produktion kann man sich bekanntlich leidenschaftlich streiten. Beim „Mastered for iTunes“-Programm ist die Rechnung ganz nüchtern − das Material ist in der höchsten verfügbaren Samplerate anzuliefern, wobei es natürlich keinen Sinn macht, eine Samplerate für die Übermittlung nachträglich zu erhöhen.

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Neben der Auflösung des Ausgangsmaterials geht es vor allem auch um die Lautstärke der Songs. Die Datenrate der im iTunes Store verkauften Musik ist mit 256 kBit/s relativ üppig, zumal der Codec durch die variable Datenrate die Möglichkeit hat, diesen Wert bei besonderen Events im Material zu überschreiten. Der Codec verteilt die zur Verfügung stehenden Bits auf das gesamte Frequenzspektrum, wobei besonders laute Frequenzbereiche eine höhere Anzahl an Bits erfordern. Das funktioniert sehr gut, solange das Ausgangsmaterial dynamisch ist und neben den lauten Frequenzbereichen auch gleichzeitig leisere Bereiche existieren. Bei besonders stark komprimierten Stücken kann es allerdings passieren, dass dem Codec die Bits ausgehen, da nun deren Allokation nicht mehr der natürlichen Dynamik des Materials folgt. Die Folge sind Verzerrungen bei der Wandlung ins AAC-Format. Das erklärt warum manche Stücke auch als AACs sehr gut klingen, während andere bei der Umwandlung stärker leiden.

>> Hier findet ihr ein Interview mit den Mastering Enginners von Udo Lindenbergs Œuvre <<

Apple hat daher Tools und Richtlinien veröffentlicht, um die maximale Lautstärke des übermittelten Materials zu reglementieren. Hier werden gewissermaßen auch mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn diese Maßnahme begegnet auch dem Loudness War, also der (gefühlten) Notwendigkeit, extrem laute Masters abzuliefern, um mit der Konkurrenz mitzuhalten. Natürlich sind die Stücke dann zunächst auch etwas leiser. iTunes und andere Programme bieten dafür aber schon seit langer Zeit die Option, Lautstärken von Titeln automatisch anzupassen. Ist diese Option erst mal aktiviert, klingen weniger stark komprimierte Titel im Vergleich zu stark komprimiertem Material wesentlich besser. Der Player kontrolliert damit die Lautstärke, und brachiales Limiting beim Mastering wird überflüssig.

Auf Dauer werden sich solche Mechanismen durchsetzen. Momentan steht das „Mastered for iTunes“-Programm nur angeschlossenen Partnern zur Verfügung. Es wird aber nur eine Frage der Zeit sein, bis Apple und andere Anbieter hochauflösende Daten akzeptieren und die Vorzüge allen zugänglich machen. Als Engineer kann man vom „Mastered for iTunes“-Programm schon jetzt profitieren: Apple bietet unter anderem das kostenlose Plugin AU-Round Trip AAC (leider nur für den Mac) an, mit dem man die Qualität der AAC-Wandlung bei verschiedenen Lautstärken im A/B-Vergleich zum Original hören und den optimalen Pegel für eine gute Wandlung ohne Verzerrung ins AAC-Format bestimmen kann.

Laut ist Out?? Loudness War: Spotify reduziert Playback Level

So lohnt es sich jetzt schon, die Lautstärke beim Mastern im Hinblick auf die Wandlung zu kontrollieren, auch wenn das fertige Produkt nicht als „Mastered for iTunes“ erscheint.

Wie laut geht es noch?? Loudness War – Interview mit Lautheitsforscher Rudi Ortner

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