Was ihr bei der Labelgründung beachten müsst!

Ihr wollt euer eigenes Label gründen? Wir zeigen euch wie es geht!

Der Gedanke eine eigene Plattenfirma zu gründen sitzt vermutlich vielen Musikern im Kopf. Doch wie geht man dabei vor, wenn man sich endlich dazu durchgerungen hat seinen Traum in die Tat umzusetzen? Was muss beachtet und berücksichtigt werden?

Die Gesellschaftsformen

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Zu Beginn steht erst einmal die Frage im Raum, welches Musikgenre bei eurem Label hauptsächlich bedient werden soll. Genrespezifische Tonträgerhersteller haben es häufig leichter sich am Musikmarkt zu etablieren. Habt ihr diesbezüglich eine Entscheidung getroffen – dies wird euch wahrscheinlich nicht allzu schwer fallen – folgt der nächste Schritt: Die richtige und passende Gesellschaftsform für euer Unternehmen zu wählen.

Grundsätzlich ist hier alles von der Einzelpersonengesellschaft bis hin zur AG, bei der mehrere Teilhabe involviert sind möglich. Der Unterschied liegt hauptsächlich bei der Haftung, sprich wer haftet mit wie viel Geld.

Unterschieden wird zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften. In diesem Artikel werden wir die gängigsten Formen betrachten.

Eine Personengesellschaft kann alleine, also als Einzelunternehmung oder mit mehreren betrieben werden. Nehmen wir an ihr entscheidet euch mit einem oder mehreren Partnern eine Personengesellschaft zu gründen, dann kommt für euch die GbR, die Gesellschaft bürgerlichen Rechts in Frage.

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Das Besondere hierbei ist, dass die Gründung mit der Meldung beim Gewerbeamt, gegen eine Gebühr von ca. 20€ pro Person erfolgt. Danach bekommt ihr eure Umsatzsteuer Identifikationsnummer vom Finanzamt zugeschickt. Hierbei haftet ihr allerdings als Privatperson und somit mit eurem Privatbesitz.

Bei einer Kapitalgesellschaft verläuft die Gründung etwas komplexer. Die bekannteste Form ist wohl die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung), bei welcher man nicht als Privatperson haftet.

Hier wird die Haftung auf einen bei der Gründung festgelegten Betrag (mindestens 25.000€) beschränkt. Wenn keine 25.000€ Kapital zur Verfügung stehen, kann eine Unternehmensgesellschaft, kurz UG, gegründet werden.

Hier beträgt das Stammkapital mindestens 1€. Bedenkt hierbei aber, dass ihr mit einem Kapital von einem Euro nach dem Erhalt der ersten Rechnung quasi schon insolvent seid.

Damit habt ihr eure Firma gegründet und könnt starten.

Im Folgenden möchte ich erklären was für euch, speziell als Musiklabel zu beachten ist, dazu zählen vor allem Codes.

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Codes, Codes, Codes 

Um eure CDs zu vertreiben benötigt ihr den ISRC (International Standard Recording Code), den LC (Labelcode) und ggf. einen EAN (European Article Number).

Der ISRC wird benötigt, um Songs im digitalen Bereich eurem Label zuzuordnen. Das heißt für euch, dass jeder Song mit einem einzigartigen Code versehen wird.

Ein Beispiel: DE – P55 – 10 – 00001

Hierbei steht DE für das Land, welches diesen ISRC vergeben hat. P55 steht für den sogenannten „Erstinhaberschlüssel“, welcher das Unternehmen also euer Label kennzeichnet. 10 steht für das Jahr und 00001 für die Aufnahme. Erworben werden kann dieser Code vom Bundesverband Musikindustrie für 250€.

Der Labelcode ist notwendig, um eine CD einem Label zuzuordnen. Dieser Code wird mit auf dem Artwork, also auf der CD und Verpackung platziert. Um den LC zu erhalten müssen einige Dinge beachtet werden.

Den LC bekommt ihr von der GVL, der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten. Bei der ersten Pressung müsst ihr hier u.a. eine Rechnung vom Presswerk, Vertriebs- und Künstlerverträge einreichen. Die Mindeststückzahl liegt bei 500 Exemplaren.

Die GVL möchte also, dass Labelcodes nur an Unternehmen vergeben werden, die mit genug Ernsthaftigkeit an die Sache ran gehen. Mit einem solchen Labelcode erhaltet ihr als Label Lizenzeinnahmen von bspw. Airplays im Radio.

Ein Labelcode ist eine vier- bis fünfstellige Ziffernfolge. Z.B.: LC 12345

Der EAN ist häufig als Barcode bekannt. Dieser Code muss auf Produkten vorhanden sein, damit diese im Handel vertrieben werden können. Möchtet ihr also eure Musik physisch vertreiben ist ein solcher Code Pflich. Ihr müsst allerdings keinen eigenen EAN kaufen sondern könnt auch ggf. einen vom Vertrieb oder Presswerk erhalten. Der Erwerb dieses Barcodes kostet einmalig für 10.000 Artikelnummern 330€.

Ihr seht, hier kommt schon einiges an Kosten zusammen. Eine Überlegung um diese Kosten zu senken wäre die Mitgliedschaft im VUT, dem Verband unabhängiger Tonträgerhersteller. Der Verband kümmert sich um die Interessen von Independent Labels und bietet einige Vergünstigungen, bis hin zu Rechtsberatung und Seminaren zur Weiterbildung.

Die Mitgliedschaft kostet 220€ jährlich für ein Unternehmen, welches weniger als 50.000€ Umsatz macht, zzgl. einer einmaligen Aufnahmegebühr von 50€. Dafür erhaltet ihr 50% auf den Erwerb des ISRC’s und den EAN für 49€ statt 330€.

Außerdem profitiert ihr von vorteilhaften Konditionen, welche der VUT mit der GEMA ausgehandelt hat. Hier zahlt ihr bei der Pressung von GEMA pflichtiger Musik nur 8,7% statt ca. 10% vom Händlerabgabeprei pro vervielfältigtem Tonträger. Der HAP ist der Preis zu dem der Vertrieb den Tonträger an den Einzelhandel abgibt. Die Mitgliedschaft ist keine Pflicht für euch, sollte aber in Betracht gezogen werden.

Damit habt ihr das formelle abgearbeitet und könnt euch daran machen Partner zu finden und Marketing zu betreiben. Natürlich solltet ihr euch auch daran machen vielversprechende Künstler zu finden. Bedenkt, dass ihr bei einem Bandübernahmevertrag einen Künstler für das Album unter Vertrag nehmt mit der Möglichkeit eine „Option“ zuziehen, was soviel bedeutet, dass ihr das darauf folgende Album ebenfalls veröffentlichen dürft.

Ihr tragt zwar keinerlei Produktionskosten, dafür allerdings die Kosten drum herum. Ihr müsst in Vorkasse treten und womöglich lange auf euer Geld warten, denn das Album muss nach dem Release erst mal verkauft werden.

Die Kosten für Promotion und Marketing für eine Veröffentlichung belaufen sich auf mindestens 2.000€. Und auch die Pressung, GEMA und Künstlersozialkasse muss von euch getragen werden.

Hier ein kleines Rechenbeispiel einer Album-Veröffentlichung (übliche 80/20 Verteilung):

Ihr erstellt eine Auflage von   1000 Exemplaren

  • Davon fallen für Promo an      200
  • Bleiben für den Verkauf           800
  • Retourenquote von ca.             10%
  • Der Endverbraucherpreis liegt brutto bei       16,99€
  • Der EVP netto liegt bei                                        14,28€
  • HAP (Händlerabgabepreis)                                9,50€
  • HAP (durchschnittlich)                                       8,50€ (Abzüglich Vertrieb ca. 1,50€)
  • Abgabepreis                                                           6€
  •  Für das Label bleiben dann                     4,80€

Das heißt ihr verdient ca. 4,80€ pro verkauften Tonträger. Beachtet ihr nun die Kosten seht ihr schnell, dass mindestens 625 Stück verkauft werden müssen, damit ihr eure Kosten decken könnt.

Dies gilt natürlich nur für den physischen Vertrieb. Dazu kommen noch Lizenzeinnahmen, wenn euer Künstler im Radio gespielt wird und der Umsatz aus dem digitalen Bereich.

Ich hoffe wir konnten euch einen Einblick in die Welt der Musikindustrie geben und viele eurer Fragen beantworten.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Naja als UG kann man ja auch Investment von Privatpersonen bekommen, insofern ist man dann eben nicht Insolvent 😉

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  2. plus kosten für: covergestaltung, marketing, arbeitszeit, porto für promos etc.

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  3. GEMA = 10% vom Endkundenpreis, nicht vom HAP.

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  4. Abgabepreis 6€
    Für das Label bleiben dann 4,80€
    was sind die 1,20 weniger?

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    1. Hier wird von einer 80/20 Verteilung ausgegangen, 1,20€ bekommt also der Künstler.

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  5. Warum soll man das Gewerbe erst anmelden wenn man Gewinne macht? Man hat ja erstmal viele Ausgaben die man absetzen kann, was ja auch total Sinn macht. Man kann diese Ausgaben auch ab Firmengründung für einen bestimmten Zeitraum rückwirkend steuerlich geltend machen, aber es ist doch viel besser gleich in der Anfangsphase so liquide wie möglich zu sein.

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    1. Hallo KingKiwi,
      das ist auch davon abhängig wie “steil” du gehst am Anfang deiner Firmengründung. Steuern absetzen kann man (wenn mich nicht alles täuscht) erst wenn es kein Kleingewerbe mehr ist (ein Jahresumsatz von 18.000 pro Jahr waren das etwa). Danach wird’s dann sauf jeden Fall spannender.
      LG

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      1. Nicht ganz richtig, bei weniger Jahresumsatz ist die Umsatzsteuerbefreiung durch Kleingewerbe nur eine Option. Man kann auch unter diesem Jahresumsatz Regelbesteuert sein, man muss es nur bei Firmengründung angeben.

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  6. Was ist wenn Sachen wie Cover-Gestaltung etc. von Studenten etc. gemacht wird… Es gibt so dermaßen viele “Künstler”, die für nen Hungerlohn bzw. Promo Covers, Flyer und Plakate machen würden…

    Und Pressung könnte durch Online-Handel umgehen werden (Itunes etc.) ist zwar auch nicht das beste, aber man spart sich Distributionskosten, Materialkosten etc. oder irre ich mich da ? Lasse mich sehr gerne belehren

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  7. Heutzutage werden keine CD mehr verkauft das Geld wird online verdient

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    1. Hallo,
      das kaum noch CDs verkauft werden ist wohl richtig, aber ein Label macht mehr als nur CDs pressen. Dahinter steht z.B. bürokratische und finanzielle Arbeiten.
      Lieben Gruß

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  1. Die Entwicklung der Plattenfirmen über mehr als 100 Jahre › SOUND & RECORDING

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