Get the job done!

Drum-Editing mit Presonus Studio One

Da es bei der Aufnahme von Schlagzeug um den wahrscheinlich komplexesten Teil einer Recording-Session geht, hofft man auf möglichst viel Unterstützung durch die verwendete Software. Wie kann uns Studio One hierbei unter die Arme greifen?

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(Bild: Matthias Zerres)

Ein Drumset sauber und akkurat zu mikrofonieren, ist eine Kunst für sich. Aber damit nicht genug: Hat man den Take erst mal im Kasten, beginnt die wahre Arbeit. Wir müssen eine große Anzahl an Spuren verwalten, säubern, komprimieren, korrigieren, im Raum staffeln etc. Und dabei darf man nie aus dem Blick verlieren, dass das Endergebnis schlüssig wie ein einzelnes Instrument klingen soll: nämlich das komplette Set! Keine leichte Aufgabe. Doch zum Glück finden sich bei den meisten DAWs leistungsfähige Tools, die diesen speziellen Prozess unterstützen. Was hat uns Studio One in dieser Richtung zu bieten? Beginnen wir mit der Verwaltung unserer Spuren.

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Group Comping — jetzt alle zusammen!

Beim »Comping« geht es darum, aus verschiedenen Takes eines Instruments die besten Stellen zu einer möglichst perfekten Aufnahme zusammenzufügen. Ein einfaches Beispiel: Der Gitarrist spielt das gleiche Solo drei Mal ein. Nun sucht er sich die »Sahnestückchen « aus den drei verschiedenen Spuren heraus und fügt sie zu einem kompletten Solo zusammen. Hierzu müsste er die einzelnen Tracks schneiden, die so entstehenden Teil-Aufnahmen auf einer neuen Spur zusammenfügen und die Übergänge per Crossfade »verwischen«. Alles in allem eine unbequeme Sache. Viele DAWs bieten inzwischen Möglichkeiten, um diese Vorgehensweise zu vereinfachen. In Studio One legt man hierzu verschiedene Ebenen von ein und derselben Spur an − das geht sehr einfach im Inspektor (Ebenen ÆEbene hinzufügen). Diesen Vorgang kann man beliebig oft wiederholen, sodass letztendlich eine Vielzahl von Aufnahmen auf derselben Spur erzeugt werden. Zu sehen ist hierbei immer die letzte Aufnahme. Im Inspektor kann man nun zwischen den verschiedenen Ebenen wechseln oder aber alle Ebenen parallel darstellen (rechter Mausklick ÆEbenen ausklappen). Jetzt beginnt der eigentliche Spaß: Durch einfaches Markieren von einzelnen Stellen innerhalb der Ebenen werden diese Versatzstücke automatisch zu einer Gesamtspur zusammengefügt, mit automatischen Crossfades!

Es kommt aber noch besser: Wie der Name »Group Comping« es schon andeutet, funktioniert dieses Verfahren nicht nur mit Einzelspuren. Da man es bei Schlagzeug-Aufnahmen schnell mal mit acht oder mehr Spuren zu tun hat, kann man diese Tracks gruppieren und gemeinsam auf verschiedene Ebenen aufnehmen. Der Clou: Beim Compen markiere ich (beispielsweise) eine Stelle innerhalb einer Ebene der Kick-Spur. Alle anderen gruppierten Tracks folgen nun dieser einen Markierung − Snare, Overhead, Toms etc. werden ebenfalls an derselben Stelle auf der gleichen Ebene markiert. Somit funktioniert das Compen genauso einfach wie bei einer Einzelspur!

Drum Replacement — Remix Deluxe

So weit, so gut − was aber tun, wenn ich im Nachhinein mit meinen aufgenommenen Signalen unzufrieden bin? Manchmal lässt sich trotz massivem Einsatz von Compressor und EQ eine Bassdrum nicht ordentlich in den Mix einfügen. Hätte man doch nur mal getriggert! Doch auch hier weiß die Digitaltechnik Rat: Mein bereits aufgenommenes Signal ist ja im Prinzip schon eine Trigger- Spur, die nur noch auf einen neuen Sound wartet.

Hierzu wähle ich die zu ersetzende Spur an und aktiviere die Transienten-Erkennung (Audio oder rechter Mausklick auf die Spur Æ Transienten erkennen). Danach sieht mein Track deutlich anders aus, und die erkannten Transienten werden durch einen entsprechenden Peak gekennzeichnet. Nun lege ich eine neue Instrumenten-Spur mit dem Klangerzeuger meiner Wahl an. Zum Triggern einer Kick- Spur wähle ich idealerweise ein Drum-Modul und ziehe meine analysierte Audio-Spur auf den neuen Instrumenten-Track − fertig!

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Beim Group Comping können mehrere Spuren zu einer Editing-Gruppe zusammengefasst und gleichzeitig bearbeitet werden. Das erleichtert das Drum-Editing enorm.

Die erkannten Transienten werden automatisch in MIDI-Signale umgewandelt. Jetzt muss man gegebenenfalls noch den passenden Sound am gewählten Drum-Modul auswählen, und fertig ist die getriggerte Bassdrum. Da man mit einer reinen MIDI-Spur ja machen kann, was immer man will, sind der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt. So lassen sich beispielsweise Teile des Drumsets als Trigger für Synths umfunktionieren. Oder aber man doppelt entsprechende Tracks und behält die Originalspur, während die Kopie umgewandelt wird und synchron zum Originalsound eine fremde Klangquelle ansteuert.

So kann beispielsweise die Bassdrum mit einem fetten Sub-Bass unterlegt werden, die Snare lässt sich durch eine splitternde Fensterscheibe oder einen Gewehr-Schuss veredeln, das Floor-Tom erhält durch eine Explosion die nötige Durchschlags-Kraft, und das alles im Original- Timing des in natura eingespielten Schlagzeugs.

Drum Mixing

Für das Mischen unserer Drum-Spuren gibt es keine spezielle Funktion im eigentlichen Sinn. Vielmehr profitiert man von der allgemeinen Mixdown-Architektur, die Studio One bietet. So kann man beispielsweise das komplette Set oder aber Teile unseres Schlagzeugs (z. B. Overheads, Toms etc.) in einem oder mehreren Bussen zusammenfassen. Das erleichtert das Handling der Lautstärkenverhältnisse ungemein. Außerdem wird der Umgang mit Effekten dadurch vereinfacht. Ein Beispiel: Die Snare wird mit zwei Mikrofonen abgenommen (Fell/Teppich). Beide Einzelspuren bekommen getrennte EQs, Kompressoren und die passende Lautstärke, damit das Mischungsverhältnis beider Sounds stimmt. Nun fasst man beide Spuren zu einem Bus zusammen, der das fertig gemischte Snare-Signal in seiner Lautstärke in den Gesamt-Mix integrieren kann.

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Mit der Transienten-Erkennung in Studio One 3 können Drum-Signale in eine MIDI-Spur gewandelt werden, die auf einer weiteren Instrumentenspur ein Klangmodul nach Wahl antriggert.

Auch das Versorgen mit Hall macht über den Bus mehr Sinn. Auf diese Weise lässt sich ein aufwendig und mehrfach mikrofoniertes Drumset ganz einfach auf die Bereiche Kick/Snare/Hi-Hat/ Toms/Overheads reduzieren. Diese können dann ganz bequem im Raum platziert und in der Lautstärke angeglichen werden. Das Besondere hierbei: Die verwendeten Effekt-Ketten (egal ob Einzelspur oder Bus) können benannt und gespeichert werden. Diese quasi personalisierten Presets erscheinen dann automatisch im entsprechenden Menü und werden beim Bestücken der Kanäle direkt mit angeboten. Eine praktische Sache, da beim Mikrofonieren ja immer wieder ähnliche Situationen auftauchen.

Unter‘m Strich

Drum-Recording ist die Königsklasse der Studio-Disziplinen. Doch Presonus greift dem geplagten Tontechniker unter die Arme und stellt uns in Studio One sinnvolle und durchdachte Tools zur Verfügung, die intuitiv zu handhaben sind und das Handling der mühsam erkämpften Aufnahmen sehr elegant managen. Das Group-Comping ist ein hervorragendes Feature, welches nicht nur für Schlagzeug zu verwenden ist. Spielt beispielsweise die komplette Band zusammen live ein, lässt sich über die Technik der Ebenen viel Zeit sparen. Und das Drum-Replacement kann ein wahrer Retter in der Not sein. Alles in allem ist man mit diesen Funktionen auch der komplexesten und aufwendigsten Drum- Situation gewachsen.

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