Love Me Like You Do

De/constructed – Ellie Goulding

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. Unser Pattern ist diesmal an den Nr.-1-Hit Love Me Like You Do von Ellie Goulding angelehnt, die sich in den letzten Jahren vom Indie-Geheimtipp zum internationalen Superstar gemausert hat und mit diesem Titel den Soundtrack zum Film Fifty Shades Of Grey liefert.

Deconstructed

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Style-Analyse und Drums

Ellie Golding haben wir bereits zu ihrer Single Lights ein De/constructed gewidmet (s. S&R 03.2013). Damals wie heute wird ihr Sound von einer Mischung aus leichtfüßigem Pop, klassischem Songwriting und einer Prise Indie geprägt. Love Me Like You Do ist da trotz schwergängigerem Beat und einer zum Film passenden Melodramatik keine Ausnahme.

Die Mixtur ist wohldosiert, der Song lebt einerseits vom Popappeal der Hook und anderseits von der Atmosphäre und Dichte des Arrangements, bei dem viel mit Hallräumen und groß klingenden Sounds gearbeitet wird. Er steht damit auch in der Tradition großer Film- und 80er-Jahre-Balladen à la Phil Collins oder Sinead O’Connors Nothing Compares To You. Für die Umsetzung im Rechner kommen neben Native Instruments Battery, Spectrasonics Trilian und Omnisphere, sowie die Hall Plugins von Valhalla DSP zum Einsatz.

Drums

Ein 95 BPM schneller Breakbeat ist die Grundlage des Patterns. Soundbasis ist das Dragon Kit aus Battery, angereichert mit einer Realkick aus dem Kontakt Modern Drummer sowie weiteren Samples. Die Größe des Drumsounds wird vor allem durch den Valhalla Vintage Verb mit einer Nachhallzeit von rund zwei Sekunden erreicht, der als Insert auf der Drumgruppe eingefügt ist. Zusätzlich erhält die Snare im Refrain einen um eine Achtelnote verzögerten “Groove-Reverb”, der sich nach Belieben der Original-Snare zumischen lässt. Im Intro und Pre-Chorus des Songs werden die Drums durch in Reihe geschaltete Lo- und Hipass-Filter künstlich klein gemacht und dann per Automation zum Chorus hin aufgefahren, der dadurch richtig aufgeht. Einige über das Pattern verteilte Noise-Effekte auf der “1” verleihen dem Pattern dazu noch mehr Raum und Größe.

Drums mit großem Raum sind eine mixtechnische Herausforderung. Der Eindruck großer weiter Räume mit einem dichten Reverb-Sound entsteht durch die Kombination und Verschachtelung mehrerer Effekt-Instanzen.

Synths

Bass: Der Bass hat in diesem Fall nur eine untergeordnete Funktion und rundet das Pattern mit lang anhaltenden Grundtönen aus dem Spectrasonics Trilian (“Big Boy OSCar”) eher unauffällig nach unten hin ab. Im Chorus wird der Sound durch Hinzunahme einer weiteren Instanz verbreitert (“Deep and Fun – ky ATC”), außerdem wirkt er durch klassische Sidechain-Kompression mit dem Cubaseinternen Compressor nicht so statisch. Hierfür wird der Sidechain-Eingang des Kompressors über einen Send mit dem Kicksignal gespeist, wodurch der Bass bei jedem Kickschlag kurz in der Lautstärke reduziert wird.

Pads: Für weitere Größe und Sphäre sorgt ein Layer mehrerer Spectrasonics OmnispherePads, die allesamt liegende Akkorde spielen. Im Refrain-Part kommt ein schneidender Sägezahn-Synth dazu, der den Refrain öffnet und ebenfalls per Sidechain-Kompression mit jedem Kickschlag “weggedrückt” wird und dadurch viel dynamischer klingt. Große String-Pads und Linien unterstützen den filmischen Charakter. Die Sounds stammen zum einen von den East West Hollywood Strings und zum anderen aus der Kontakt Werks-Library. Pads und Strings werden ebenfalls in einen Valhalla Room bzw. Vintage Verb für mehr Größe und Weite getaucht.

Fetter, breiter, tiefer! Noch mehr Fülle bekommt der Track durch mehrfach geschichtete Pads.

Keys & Guitars: Rhodes und Piano haben die gleiche Funktion wie die Pads und Strings, nämlich durch liegende Chords Breite und Weite zu vermitteln. Bewegung entsteht eher durch kleine Arpeggios im Hintergrund, die mit Synths oder Gitarren erzeugt werden und so die starren, liegenden Harmonien etwas aufbrechen.

Arrangement & Master

Trotz aller Elektronik und filmischem Epos ist Love Me Like You Do ein leichtgängiger Popsong mit Strophen und Refrains, wobei das Arrangement so aufgebaut ist, dass die Strophen sich dynamisch zum Refrain steigern und dieser dann groß aufgehen kann. Dies wird z. B. durch die Automation/Filterung der Drums erreicht, die im Intro ziemlich dünn klingen, in den Strophen weiter geöffnet sind und zum Pre-Chorus wieder kleiner gefiltert werden, um dann im Refrain komplett geöffnet groß zu klingen. Ähnliches gilt für die Strings und Pads, die sich zum Refrain hin aufbauen, was vor dem zweiten Chorus sogar in einem Break samt großem Streicher-Aufgang gipfelt.

Finalisiert wird der Sound mit einer Kombination aus Mastering-Tools — auch hier wird nicht gespart.

Master: Die Summe wird zunächst von einem UAD Shadow Hills Mastering Kompressor mit ca. 2 − 3 dB Gain-Reduction verdichtet, wobei nur die diskrete Kompressorstufe zum Einsatz kommt. Es folgt der Brainworx bx2 Mastering EQ mit einem Low-Cut bei 21 Hz und einer Stereoverbreiterung auf 125 %. Als Limiter beschließt der UAD Precision Maximizer die Kette; Mix und Shape stehen hierbei auf 21,5 % bzw. 71,5 %.

Die Beispiel-Patterns (Steinberg Cubase Pro 8, Cubase Essential 4, Presonus StudioOne, Pro Tools 10, MIDI) zu diesem Artikel lassen sich hier herunterladen: Klick

Kommentare zu diesem Artikel

  1. @https://www.youtube.com/watch?v=Z55XvmDV_ss
    ab 2:08 bleibt der Bildschirm schwarz. War bestimmt nicht so gedacht,oder? ;o)

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  1. Was ist De/constructed? › SOUND & RECORDING

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