Wege eines Produzenten … oder Künstlers?

Produzent Musiker Künstler – Gordon Raphael im Interview

GordonRaphaelGuitar by Marco Magnago(Bild: Marco Magnago)

East- und West-Coast-Musikkultur − Keyboarder − Gitarrist − Sänger − Autodidakt − Produzent − Recording-Engineer − nochmal Autodidakt − viele Drogen − von Kurt Cobain angequatscht und dankend abgelehnt − die Strokes groß rausgebracht − zwischendurch immer wieder Songs geschrieben und stets auf der Suche nach den krassesten Sounds. Das in etwa umfasst den Musiker und Produzenten Gordon Raphael. Welchen Weg er genommen hat, um seinen Beruf heute auszuüben, und warum er nun mit The Half Full Flashes auch selbst wieder auf der Bühne steht, hat er uns im persönlichen Gespräch erzählt.

Als »Bicoastal« bezeichnet er sich eigentlich, wenn man ihn nach seinen musikalischen Wurzeln fragt. Aufgewachsen in New York und noch im jungen Alter von 8 Jahren nach Seattle umgezogen, hat er die Extremen der East- und West-Coast erleben dürfen. Bis in seine heutige Musik schlagen sich viele Elemente dieser verschiedenen Polkappen der Musikkulturen aus gleich mehreren Jahrzehnten nieder.

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Googelt man nach Gordon Raphael, stößt man vor allem auf seine Credits als Produzent, die er mit den Strokes (Is This It und Room on Fire), aber auch einigen anderen Hochkarätern eingeheimst hat − eine durchaus erfolgreiche Ausbeute, wenngleich sich der Erfolg relativ spät (Gordon ist Jahrgang 1957) eingestellt hat. Doch der Weg dahin war lang und geprägt von weiten Durststrecken. Jüngst machte er allerdings mit seiner eigenen Musik auf sich aufmerksam. Gordon Raphael & The Half Full Flashes nennt sich die Kapelle, mit der er Songs aus vier Jahrzenten Sex, Drugs & Rock’n’Roll spielt. Name des Albums: Sleep On The Radio − klingt beruhigend und rastlos zugleich, oder? Wir konnten ihn persönlich zu seiner Arbeit als Produzent und Musiker befragen und wie er davon profitiert, im Studio auf beiden Seiten der Scheiben zu stehen.

Gordon, wann kamst du zur Musik?

Ich habe mit Klavier angefangen, als ich 8 war, mit 13 war ich in meiner ersten Band, und seitdem bin ich auch mein ganzes Leben lang ins Bands.

Nicht jeder Musiker kommt zum Job des Produzenten. Wie hat es bei dir geklappt?

Als ich 19 war, habe ich einen Typen kennengelernt, der mit einem Vierspurrecorder seine Musik aufgenommen hat − das klang fantastisch. Ich hatte bis dato noch keine eigene Musik geschrieben, aber für mich war sofort klar, dass das mein Weg ist. Wenn ich lerne, mit dem Tape-Recorder umzugehen, dann lerne ich auch, Musik zu schreiben, zu singen und Gitarre zu spielen. Ich wusste auch, wenn mir bei diesem Prozess jemand zugesehen hätte, ein Recording-Engineer z. B., dann hätte ich nicht so gewagte Sachen aufgenommen. Also musste ich allein in einen Raum mit dem Tape-Recorder, und dann konnte ich verrückte Sachen machen.

Und das hat gleich funktioniert? Lerning by doing?

Das kann ich gar nicht mehr genau sagen, ich habe damals vielerlei Drogen genommen. Aber ich habe meine Synthesizer in Delays gestöpselt, habe die Nadeln ziemlich weit in den roten Bereich gefahren und damit auch furchtbare Aufnahmen gemacht, aber dadurch auch gelernt − trial & error eben.

Für mich war es, als würde mein Leben davon abhängen − es war für mich einfach das Allerwichtigste! Ich wollte unbedingt eine musikalische Persönlichkeit werden, mit einem eigenen Flugzeug, großem Haus mit Pool und vielen Mädels. Dafür musste ich meine eigene Musik schreiben und aufnehmen − so war damals mein verdrehtes Denken. Flugzeug und Eigenheim habe ich bis heute nicht bekommen, aber alles andere ist okay.

Gordon Raphael Keys
Gordon Raphael spielt am liebsten die Keys. Auf der Bühne nutzt er ein iCon Controller-Keyboard mit Sounds aus dem Mac. Die Samples — zum größten Teil vom ARP Odyssey — hat er alle selbst kreiert und aufgenommen. (Bild: Dirk Heilmann)

Wann hat das bei dir eine professionelle Richtung eingeschlagen?

Sehr, sehr spät − fast zwei Jahrzehnte nachdem ich angefangen hatte. Ich bin damals, in den späten 90ern, das zweite Mal nach New York gezogen und dort habe ich eine Band getroffen, die gehört hat, dass ich interessante Aufnahmen mache. Die Band war sehr zufrieden damit, und dann hat der Schlagzeuger noch mit einer anderen Band bei mir aufgenommen, und nach nur drei Monaten habe ich jeden Tag Bands aufgenommen. Recording-Engineer oder Produzent zu werden, hatte ich nie beabsichtigt.

Was genau meinst du mit »interessanten« Aufnahmen?

Eine junge Musikerin, Pamela Laws, hat nach einem innovativen Vorgehen beim Recording mit kreativen Sounds gesucht − ein Freund hat sie damals zu mir geschickt. Ich habe ihr ein paar meiner eigenen Sachen vorgespielt, die ich in den vergangenen Jahrzehnten aufgenommen hatte, und sie war so sehr von dem Sound angefixt, den wollte sie dann auch auf ihrer Platte.

Und damals wusste ich noch gar nicht, wie das geht, also dass man sich engagieren lässt und wie ich als Produzent mit den Künstlern umgehen muss. Aber es hat alles funktioniert, sie war glücklich, und ich hatte damals dringend einen Job gesucht, um meine Miete zu bezahlen.

Was waren denn die Sounds, von denen du dich hast inspirieren lassen?

All die Musik, die ich in meiner Jugend und auch später noch gehört hatte, hat immer sehr spezielle Sounds gehabt, die es sonst auf keiner anderen Platte gab. Z. B. Freak Out von Frank Zappa, bei Jimmy Hendrix gab’s immer viel Feedback, Delay, rückwärtsabgespielte Gitarren etc., das hatte ich einfach noch nie gehört. Im Soundtrack von A Clockwork Orange wurde viel Klassische Musik mit Synthesizern nachgespielt, was für mich total neu war. Da habe ich schon gemerkt: Was mich wirklich interessiert, sind Sounds, die ich noch nie zuvor gehört habe. Und mit meinen Synthesizern, Delays und mit meiner Poesie konnte ich das auch selbst machen und in Songs einfließen lassen. Für mich war das ein Statement: mit ungewöhnlichen Wörtern und ungewöhnlichen Sounds die Leute zu reizen.

Kannst du mal ein Bespiel nennen, um »interessante« Sounds aufzunehmen?

Klar! Ich habe gerne Gitarre gespielt, das ist an sich ja ein relativ simples Instrument, aber ich wollte auch gerne so spielen wie Jimmy Hendrix, also psychodelische Gitarrensoli, aber das konnte ich natürlich nicht. Also habe ich die Gitarre richtig laut gedreht, viel Distorsion, Delay und Modulations-Effekte genutzt. Mit meinen Fingern glitt ich dann wie wild über das Griffbrett und manchmal entstanden dabei kleine, sehr coole Teile. Das meiste klang natürlich furchtbar, das habe ich dann weggeschnitten, aber den guten Teil habe ich in einem Lied als Solo verwendet − das klang dann schon, als käme es von einem Genie.

Ich habe auch meinen ARP Odyssey rausgeholt und überlegt, wie es klingt, wenn jetzt ein UFO mitten auf dem Gitarrensolo landet. Mit dem ARP habe ich dann irgendwelche wabbelnden Sounds kreiert, diesen von links »reinfliegen« lassen, und so habe ich dem Ganzen eine weitere Dimension aufgesetzt. Ähnliches habe ich mir dann noch für den Gesang überlegt.

Übrigens: Computer gab’s ja damals zum Musikaufnehmen noch nicht, und Geld hatte ich keins, also habe ich mir immer viel Equipment von Freunden zusammengeliehen.

Hast du bestimmte Vorlieben und Vorgehensweisen beim Produzieren?

Also, ich bin kein großer Freund der digitalen und mathematischen Perfektion. Weder kann ich das, noch will ich das. Wenn ich versuche, perfekt bei Rhythmus und Melodie zu sein, merke ich, dass das nicht Teil meiner DNA ist. Ich mache eben mein Ding − ein Statement, das sich nach meinem Leben anfühlt. Mir geht es auch mehr darum, meine Gedanken durch die Musik zu präsentieren, und nicht da – rum, möglichst professionell zu klingen oder die Nr.1 aller Künstler mit den meisten verkauften Alben zu sein.

Gordon Raphael u. Eleni
Manchmal sing er nur, manchmal spielt er Gitarre. Auch die anderen Half Full Flashes (hier Eleni Zafiriadou) sind alle Multiinstrumentalisten. (Bild: Dirk Heilmann)

Klingt es immer genau, wie du es dir vorstellst?

Bei meiner eigenen Musik? Ja, definitiv. Wenn ich den Sound nicht mag, schmeiße ich den Song weg. Ich habe schon ganz früh gemerkt, dass der Sound für mich enorm wichtig ist. Ich habe wirklich wirres Zeug aufgenommen und es stolz allen Leuten zeigen müssen, auch wenn sie schon ziemlich genervt von mir waren. Einmal habe ich ein ganzes Jahr lang Geld gespart, um damals in einem richtigen Studio aufzunehmen, damit alles sauberer und professioneller klingt, aber ich habe gemerkt, dass das nicht nötig ist − es war nicht besser als das, was ich selbst aufnahm.

Was nimmst du heute zum Aufnehmen?

Jetzt habe ich natürlich mein eigenes Studio, um Bands aufzunehmen, mit eigenem professionellem Equipment. Wenn ich also singe, dann tue ich das in feine deutsche Mikrofone, gekoppelt mit englischen Preamps. Es ist etwa das gleiche Equipment, das die Beatles und ähnliche Bands benutzt haben, und ich bin wirklich froh, dass ich Neumann und Neve habe.

Findet man bei dir wirklich nichts Digitales?

Doch, das auf jeden Fall! Ich nehme natürlich auf einem Computer auf, und ich liebe auch Pro Tools. Ich möchte allerdings nicht, wenn ich z. B. einen großartigen Bassisten wie Daniel habe (gemeint ist Daniel Benjamin von Gordon Raphael & The Half Full Flashes; Anm.d.Red.), dass ich dann jede einzelne Note rausschneide und sie an die mathematisch »perfekte« Position ziehe. Ich bin großer Fan der menschlichen Emotion und Bewegung. Ich lasse auch solange einsingen, bis es gut ist. Aber ich möchte nicht ständig Vocal-Pitch nutzen, und ich habe auch keine Lust, Stunden damit zu verbringen, den Gesang zu korrigieren. Lieber arbeite ich mit dem Sänger wirklich zusammen, sorge dafür, dass er sich wohlfühlt, und gebe ihm noch ein paar Tipps. Vielleicht korrigiere ich auf einem Album ein oder zwei Noten, aber nicht so, dass ich das ständig nutze, sonst würde ich meinen Job an den Nagel hängen.

Wie ist dein Umgang mit Bands, wenn du für sie als Produzent arbeitest?

Ich würde sagen, ich habe eine sehr gesunde Beziehung zu den Bands, die ich produziere. Wenn ich meine eigene Musik mache, dann kann ich mich dafür einschließen und alles genau so aufnehmen, wie ich es mir vorstelle. Arbeite ich mit Bands zusammen, habe ich nur eine Sache im Kopf: Wenn ich als Künstler einen Produzenten engagiere, Geld und Zeit investiere und Hoffnung in meinen Liedern setze, was soll er dann für mich machen? Ich möchte, dass er mir zuhört, meinen Ideen zuhört und mir hilft, diese zu verwirklichen.

Ich kann also Vorschläge machen, die dann die Künstler annehmen können, oder sogar ein Synthesizersolo einspielen, das vielleicht so cool ist, dass sie es sofort all ihren Freunden zeigen wollen. Und manchmal singe ich eine Harmonie, und sie sagen: »Die Harmonie ist total scheiße, nimm das mal gleich wieder weg«, und ich sage: »Okay, es ist deine Musik.«

Manchmal passiert es sogar − selten, aber es passiert −, dass z. B. ein Gitarrist am Montag ein Solo aufnimmt, das für mich der Höhepunkt des Songs ist, weil es einfach der absolute Wahnsinn ist und ich mich richtig darin verliebe, und am Dienstag kommt er wieder und sagt: »Hey Gordon, ich habe ein neues Solo.« Dann befürchte ich schon immer das Schlimmste, weil das Solo einfach super ist − wie sollte er es besser machen können?

Und vielleicht spielt er ein Solo, das ich dann gar nicht mag. Dann kann es passieren, dass ich reagiere wie ein verwöhnter Teenager und sage: »Du Idiot, du ruinierst das ganze Solo, du hast den besten Teil des Songs verdorben!« Da – bei kann ich wirklich sehr emotional reagieren, wenn ich eben ein Fan von dem Solo bin. Aber er sagt »Ja Gordon, ich weiß, dir gefiel das alte Solo besser, aber − fuck you! − es ist mein Solo, und ich will es genau so haben!« Damit muss ich dann leben. Aber das passiert sehr selten, und es ist auch irgendwie lustig, wie emotional ergriffen ich von einem Solo sein kann.

Die meiste Zeit bin ich einfach da und helfe, und ich sehe es als meine Aufgabe, den Künstler so zu unterstützen, dass er einen leichteren Job hat. Ich mag den Job jetzt auch sehr gerne. Ich habe erst 1998 damit angefangen und habe da immer noch Interesse und Spaß dran. Erst demnächst gehe ich nach Argentinien, um dort mit einem sehr coolen Künstler einen Monat aufzunehmen.

Weißt du schon was bei dir als Nächstes ansteht?

Um genau zu sein, habe ich das die letzten Wochen herausgefunden. Ich dachte nämlich, dass die Tour mir nicht wirklich Spaß machen wird. Ich hatte Bedenken, dass die Band auf die Bühne geht und viele Fehler macht und nicht wirklich weiß, wie meine Lieder gehen. Und ich dachte, ich würde auch etliche Fehler machen, dass meine Gitarre verstimmt sein würde und ich mich in Soli verhasple. Außerdem hatte ich keine Lust, acht Stunden im Auto zu sitzen und zu schwitzen, um dann an einem Ort zu kommen mit einer einzigen schmutzigen Matratze, auf der wir alle schlafen müssen.

Aber die Wahrheit ist, die Band spielt unglaublich gut, wir haben alle unglaublich viel Spaß − auch auf der Bühne − und es gibt gutes Essen. Außerdem haben wir überall ein Publikum. Ich meine, mein ganzes Leben habe ich meine Musik vor zwei bis zehn Leuten gespielt, und nun sind überall Leute. Und wir spielen ruhige Sachen, akustische, progressive, laute und wilde Sachen − was immer wir den Leuten entgegenwerfen, die hauen gar nicht ab! Das ist für mich wirklich eine neue Erfahrung.

Also, das Nächste was ich tun möchte, ist diese Band weiter am Leben halten, touren und die Musik aufnehmen.

In welchem Studio hast du dein Album aufgenommen? In deinem eigenen?

Ich war in einem multi-millionen schweren Studio in Buenos Aires aus den 80ern, die Musikindustrie war damals sehr groß da. Das ist ausgestattet mit all dem besten Equipment der ganzen Welt und einem gigantischen Raum. Vor allem hatte ich die Ehre, in drei der historisch wichtigsten Studios der Stadt zu arbeiten. Das waren die El Pie, Panda und Ion Studios.

Dazu hatte ich zwei verschiedene Bands, eine bestand aus drei Mädels, die andere aus fünf Jungs. Mein Album ist eine Kombination dieser beiden Bands.

Welches Equipment hast du am liebsten für die Aufnahmen genutzt?

Ich mag zwei Mikrofone für Gesang sehr gerne: Zu 90 % nehme ich das U87 für Rock-Vocals, außerdem nutze ich viel meinen alten Neve 1074-Preamp − das ist quasi der 1073, aber mit gestuften EQ − und den LA-2A-Kompressor für die Vocal-Kette. Dabei achte ich immer darauf, dass ich den Gesang nicht überkomprimiere, sofern nicht ein wirklich verzerrter Gesang gewünscht ist.

Ich mag auch den Avalon 737SP, womit ich auch sämtlichen Strokes-Gesang aufgenommen habe. Gerne verwende ich auch das Neumann TLM170 R, das eigentlich wie das U87 klingt, aber eben jünger, weniger prähistorisch, weniger klassisch ist, aber die gleiche Power hat und genauso klar ist. Natürlich nutze und mag ich auch sehr die Plug-ins von UAD, da gibt es einige ganz exzellente, wie den EMT-Platten-Hall oder auch den API Graphic EQ.

Das meiste ist live, zumindest das Instrumentale. Der Gesang wurde separat aufgenommen, und in meinem Studio in Berlin habe ich noch mit dem ARP einige Sachen drübergelegt.

Sleep on the Radio
Gordons Debütalbum Sleep on the Radio ist im April 2018 unter dem Label Zero Hour (Rough Trade) erschienen. Die Songs darauf sind eine Art Best Of der letzten Jahrzehnte.

Stimmt es, dass Kurt Cobain mal versucht hat, dich für Nirvana zu gewinnen?

Ja, das hat sich wirklich zugetragen. 1989 habe ich in New York gelebt, und es war eine sehr drogenreiche Zeit. Ich war auf dem Weg zu Jonathan Poneman, das ist übrigens der Gründer von Sub Pop Records, und er meinte: »Hey Gordon, ich habe eine Band namens Nirvana unter Vertrag genommen, die spielen heute Abend. Wenn du willst, setzte ich dich auf die Gästeliste, die werden dir gefallen.« Das war einer ihrer ersten Gigs in New York, da waren vielleicht 150 Leute. Sie hatten Gitarren und Bässe in die Luft geworfen, viel geschrien und viel Power in den Liedern − das hatte mir schon gefallen.

Dann bin ich die nächsten fünf Tage auf dem Weg zu meinem Drogendealer immer an der Ecke Avenue A und 7th Street vorbeigekommen. Und da saßen die Jungs von Nirvana auf einer Treppe und haben Bier getrunken und Zigaretten gequalmt. Sie kannten mich nicht und ich sie nicht, aber ich habe sie erkannt. Es war mir auch etwas unangenehm, da ich wirklich nicht gut aussah zu der Zeit − ich habe nicht viel gegessen, hatte weiße Haut, war extrem dünn. Ich wollte also auch gar nicht, dass sie mich sehen und war froh, dass sie mich nicht kannten. Am fünften Tag rief dann Kurt zu mir rüber: »Hey, bist du aus Seattle?« »Ja, ich bin aus Seattle.« »Spielst du Gitarre?« »Ja, ich spiele Gitarre und Keyboard.« »Wie spielst du Gitarre?« »Ich spiele wie Pink Floyd. Mit viel Delay Effektpedalen und Distortion.« »Wir werden als Nächstes in England touren und unseren Gitarristen rauswerfen, und wir brauchen einen neuen. Willst du mitkommen?«

Ich habe für eine Minute nachgedacht und überlegt: Moment, mein Drogendealer lebt hier auf der Straße, und ich bin nicht fähig, die Straße oder die Stadt zu verlassen, weil’s mir ohne meine Drogen ziemlich schlecht gehen wird. Ich habe mir aber auch gedacht, dass ich keine Lust habe, die Songs von jemand anderen zu spielen, denn ich habe meine eigenen Songs. Also war meine simple Antwort: »Nein, danke«, und ich ging weiter.

Ich habe ihn noch ein zweites Mal, vier, fünf Jahre später in Seattle gesehen, als sie auf ihrem Höhepunkt waren, aber er hat mich leider nicht mehr erkannt. Nach Cobains Tod bin ich mit Sweet 75 (die Band vom Nirvana-Bassisten Krist Novoselic) und meiner Band, Sky Cries Mary, noch durch Amerika getourt. Das war die Geschichte.

www.gordotronic.com

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