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UAD Moog Multimode Filter Collection im Test

Bob Moog und Bill Putnam haben durch ihre Erfindungen unsere heutige Musik- und Popkultur geprägt wie kaum jemand. Generationen von Musikern und Ingenieuren nutzen ihre Werkzeuge seither, um Klänge zu erschaffen, einzufangen und zu übermitteln. Universal Audio hat seit einigen Jahren zwei Plug-in-Versionen des Moog Ladder Filters im Repertoire. Beide haben sich klanglich längst bewährt, und mit der neuen Moog Multimode Filter Collection wird das Paket um das Multimode Filter XL erweitert – very amerikanisch, so true.

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Die Filter Collection besteht aus drei Plug-ins: dem Multimode Filter, seinem ressourcensparenden Bruder SE und der neuen XL-Version. Alle Plug-ins sind optisch und in ihren Funktionen an das klassische Moog-Design angelehnt und funktionieren auf den Apollo-Interfaces in echtzeitfähiger Unison-Technologie.

Das Multimode Filter ist, wie der Name schon sagt, eine virtuell gemodelte Version des Moog Ladder Filters, wie man es seit dem Minimoog kennt. Robert Moog patentierte

die Filterschaltung am 10. Oktober 1966, übrigens einen Tag, nachdem John Lennon Yoko Ono kennenlernte, und seither ist es Teil des Moog-Sounds, was in unzähligen Aufnahmen und Darbietungen der Musikgeschichte dokumentiert wurde. Von Kraut- über Jazzrock, von HipHop bis House – mit Sicherheit findet sich überall mindestens ein Element, das durch die Transistorkette gefiltert wurde.

Wie essenziell wichtig diese Schaltung ist, wird schon alleine dadurch klar, dass abgewandelte Versionen in anderen stilprägenden Filtern, wie in der TB-303 oder im A100, verbaut wurden. Grund für den großen Erfolg dieses Filters ist, dass es für das menschliche Ohr sehr »musikalisch« arbeitet und sich hervorragend dazu eignet, Audiomaterial zu erschaffen, zu mischen, zu filtern oder gar »zu zerstören« (Zitat Universal Audio). Die einzelnen Transistorstufen der Schaltung übersteuern in einer Art und Weise, die wir als angenehm empfinden.

moog multimode filter se
Das Multimode Filter SE

Multimode Filter

Das Plug-in ist recht simpel mit vier Baugruppen aufgebaut. Zuerst durchläuft das Signal die Input-Sektion, danach das Filter, den LFO und zuletzt die Output-Sektion − ein klassischer Signalfluss, wie man ihn mittlerweile gewohnt ist. Die Eingangsstufe verstärkt das Signal, und mit dem Envelope-Regler lässt sich einstellen, wie stark die Hüllkurve das Filter beeinflusst. Das darauffolgende Filter lässt sich als 2- oder 4-Pol entweder als Tiefpass, Hochpass oder Bandpass betreiben. Die LFO-Sektion moduliert das Filter, wodurch sich z. B. statische Signale im Handumdrehen zu wabernden Klangteppichen auswalzen lassen.

Multimode Filter SE

Das SE im Namen steht für »Slim-Edition«, also einer schlankeren Version, die nicht ganz so prozessorhungrig ist, da sie auf die Eingangsstufe verzichtet. An dieser Stelle werden dem Signal nämlich »nicht-lineare Komponenten«, also Verzerrungen, hinzugefügt, welche durch Physical-Modeling nicht nachgebildet werden können. Um solche nicht-linearen, Noise-ähnlichen Prozesse darzustellen, werden andere Verfahren genutzt, welche stochastisch arbeiten und somit einige Prozesse mehr für die interne Mathematik bedeuten. Die SE-Version spart sich die Stochastik, verzichtet somit auf etwas analogen Zauber und eignet sich dadurch hervorragend als Mix-Plug-in, um Signale zu filtern, ohne dabei den Grundklang zu verändern.

moog multimode filter xl hinten
Der 4-Spur-Sequenzer

Superzise Me!

Der Neue im Bunde nennt sich »Multimodefilter XL«, und wie der Name vermuten lässt, haben wir auch hier wieder das altbewährte Filter vor uns – allerdings in der XL-Version. Hinter dem XL verbirgt sich eine ganze Anzahl an neuen Features und Funktionen, wie ein zweiter LFO, ein ausgefuchsterer Signalfluss oder der neue 4-Spur-Sequenzer.

Der Input-Sektion wurden 20 dB mehr Gain hinzugefügt, welche nach Belieben dazugeschaltet werden können, um das Eingangssignal brutal bis in die Sättigung zu fahren. Der Envelope-Regler aus der kleinen Version ist nun zur kompletten Envelope-Sektion herangewachsen. Die Regler Sensitivity und Amount steuern die Intensität, mit der hier zugepackt wird. Die Dauer des Zupackens regeln die Attack- und Release-Potis. Das Hüllkurven-Signal lässt sich nun verschiedenen Zielen wie der Output-Lautstärke, der LFO-Rate oder dem Filter zuweisen, wodurch sich schon alleine ohne die LFO-Sektion ein breites Spektrum an Sounds aus dem Eingangssignal filtern lässt.

Die LFO-Sektion heißt jetzt »Modulation« und ist statt mit einem mit zwei LFOs ausgestattet. Diese lassen sich in der Intensität, Balance und der Stereobreite einstellen. Beide LFOs sind unabhängig voneinander in ihren Parametern, lassen sich wahlweise miteinander synchronisieren und haben jeweils sieben Wellenformen zur Auswahl. Auch Filter und Output-Sektion sind um einige Funktionen reicher, und es lassen sich neue Filterkurven (Filter Slope A, B, C, D) nutzen.

Die wichtigste Neuerung ist jedoch der Sequenzer. Über den Edit-Button gelangt man auf die Sequenzer-Seite des Plug-ins. Der Sequenzer ist ein recht rudimentärer, aber höchst effektiver 16-Step-Sequenzer mit vier Spuren. Die jeweiligen Kurven lassen sich mit der Maus schnell einzeichnen, und die Anzahl der Steps, die Abspielrichtung, Swing sowie Host-Sync können angepasst werden.

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Praxis

Durch die ganzen Neuerungen im XL-Modell ergibt sich eine ganze Reihe möglicher Einsatzgebiete für das Plug-in. Die Input-Stage bietet eine breite Palette an Verzerrungen – von leichtem Anrauen bis hin zur Brachialverzerrung ist hier alles möglich.

Als Erstes schicke ich eine simple 909- Bassdrum durch das Plug-in; das Filter macht in diesem Falle nichts und ist komplett geöffnet. Schon alleine dadurch, dass das Plug-in auf der Spur liegt, bekommt die Kick mehr Punch und rückt etwas weiter nach vorne im Mix − ähnlich wie beim LA-2A- oder dem Fairchild-Kompressor-Plug-in, welche auch nur durch ihre bloße Anwesenheit den Klang positiv beeinflussen. Füge ich nun etwas mehr Drive hinzu, machen sich erste Kompressions-Effekte bemerkbar, der Attack verschwindet langsam, und ich finde es erstaunlich, wie gut die Bassdrum trotz der Verzerrungen klingt. Ein LED-Lämpchen signalisiert den Pegel der Input-Sektion in Ampelmanier von grün bis rot, grün bis gelb für Punch, und ab der Farbe rot beginnt die Kick, langsam nach Gabba zu klingen.

Als Nächstes benutze ich das Plug-in auf einer Percussion-Gruppe. Durch die Envelope-Regler lässt sich einstellen, wie stark und ab wann gefiltert wird. Durch die beiden LFOs entstehen je nach Einstellung heftige Stereo-Effekte, und so wird aus einem Percussion-Loop plötzlich ein Schwarm selbstoszillierende Möwen, die einem links und rechts um die Ohren fliegen. Ok, ein wenig zu weit gegangen an dieser Stelle, aber auch das ist charakteristisch für das Plug-in, denn es verleitet schlicht zum Übertreiben. Egal wie extrem die Werte gewählt werden, es klingt einfach klasse und macht Spaß.

filter schaltung
Schaltbild des Ladder-Filters

Als Nächstes wollen wir einmal schauen, was der Sequenzer so drauf hat. Hierzu nutze ich einen lang klingenden Akkord als Eingangssignal. Mit dem Play-Button lässt sich der Lauflicht-Sequenzer starten, und die verschiedenen Spuren können nun mit dem Mauszeiger eingezeichnet werden. Dadurch, dass verschiedene Längen für die einzelnen Spuren möglich sind, lassen sich hierdurch sehr komplexe Modulationen mit wenigen Mausklicks erschaffen. Da sich jeder Filter-Parameter mit einer der vier Spuren verknüpfen lässt, sind die Möglichkeiten zu Klangverbiegung exorbitant hoch; die Fülle an mitgelieferten Presets scheint dies zu belegen.

Eine Kleinigkeit fehlt mir beim Sequenzer dann doch, denn es wäre noch obendrein schön gewesen, wenn die einzelnen Spuren auch in ihren Abspielrichtungen autark wären. Zwar kann man den Sequenzer vorwärts, rückwärts, hin und her laufen lassen, allerdings gilt dies dann für alle vier Spuren. Aber gut, ob irgendwer im Nachhinein hört, dass meine dritte Spur alle zwei Takte rückwärts läuft, sei dahingestellt.

Alleine durch den Sequenzer kann man fast aus einem eintaktigen Loop durch geschicktes Wählen der Längen und Parameter eigene Kompositionen entstehen lassen. Seitdem ich das Plug-in selber nutze, habe ich fast in jedem Stück mindestens auf einer Spur den Multimode XL, um Bewegung zu erzeugen.

Fazit

Mit der Kombination aus Dual-LFO, Sättigung und dem Sequenzer hat Universal Audio eine absolute Waffe im Programm. Durch die Unison-Technik können User der Apollo-Interfaces direkt durch das Plug-in in die DAW aufzeichnen, wodurch es sowohl zum Mixen als auch zum Tracken verwendet werden kann. Dank der neuen Features scheint die Palette an Klängen schier riesig. Es ist erstaunlich, dass es sich hierbei »nur« um ein Filter handelt. Ich selber habe auf meinem Schreibtisch den Moog Miniatur stehen, welcher ebenfalls das klassische Ladder-Filter beherbergt, und bisher habe ich alle Signale, die mir zu »digital« schienen, da durchgeschickt. Mit dem UAD Multimode Filter XL scheint diese Ära nun vorüber, denn ich kann keinen Unterschied feststellen zwischen einem Signal, das durch das Plug-in oder durch den Miniatur läuft.

Durch die Möglichkeiten, die das Plug-in zusätzlich bietet, hat man noch mehr Optionen für die weitere Verarbeitung. Zwar scheint der Preis von 249,− Euro etwas hoch für drei Filter-Plug-ins, allerdings handelt es sich eben auch um etwas mehr als ein simples Filter − für den Preis erwirbt man schlicht ein Stück Musikgeschichte für die eigene Audio-Werkzeugkiste.

Robert Moog war dafür bekannt, als Visionär »outside of the box« zu denken, er selber bezeichnete sich gerne und tiefstapelnd als »Toolmaker«, also Werkzeugmacher, für Musiker. Genau das beschreibt die Multimode Filter Collection am besten: Das hier sind verdammt gute Werkzeuge für die eigene Tool-Box − und was gibt es Wichtigeres als gutes Werkzeug?!


Track – Bob Moogs Freaking Frequencies

Ich habe mich dazu entschieden, einen kleinen Filter House Track zur Veranschaulichung zu bauen, da sich dieses Genre hervorragend dazu eignet, um Sättigung und Filter Verhalten zu testen.

 

Multimode Filter

Erstes schicke ich eine simple 909-Bassdrum durch das Plug-in; das Filter macht in diesem Falle nichts und ist komplett geöffnet. Schon alleine dadurch, dass das Plug-in auf der Spur liegt, bekommt die Kick mehr Punch und rückt etwas weiter nach vorne im Mix.

Bsp. 1) 909 Kick ohne Sättigung

Bsp 2.) 909 Kick mit Sättigung


Füge ich nun etwas mehr Drive hinzu, machen sich erste Kompressions-Effekte bemerkbar, der Attack verschwindet langsam, und ich finde es erstaunlich, wie gut die Bassdrum trotz der Verzerrungen klingt. Ein LED-Lämpchen signalisiert den Pegel der Input-Sektion in Ampelmanier von grün bis rot, grün bis gelb für Punch, und ab der Farbe rot beginnt die Kick, langsam nach Gabba zu klingen.


Als Nächstes benutze ich das Plug-in auf einer Percussion-Gruppe. Durch die Envelope-Regler lässt sich einstellen, wie stark und ab wann gefiltert wird. Durch die beiden LFOs entstehen je nach Einstellung heftige Stereo-Effekte, und so wird aus einem Percussion-Loop plötzlich ein Schwarm selbstoszillierende Möwen, die einem links und rechts um die Ohren fliegen.

Bsp 3) Percussion Gruppe ohne Moog Filterung

Bsp 4) Percussion Gruppe mit Filter-(Ab)-Fahrt

 

 

 

UAD Moog Multimode Filter Collection

Hersteller/Vertrieb: Universal Audio

www.uaudio.com

UvP 245,– Euro

 

+++ Klang

+++ Sequenzer

+++20 dB mehr Input-Gain

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