Let’s rock!

Toontrack New York Studios Vol.3 SDX Library für Superior Drummer im Test

In den New Yorker Avatar-Studios (früherer Name: The Power Station) nimmt das schwedische Team von Toontrack offenbar sehr gerne auf, denn man traf sich hier schon zum dritten Mal mit den Toningenieuren Neil Dorfsman und Pat Thrall sowie dem Drummer Nir Z, um Volume 3 der beliebten New-York-Drum-Libraries zu erstellen. Die »3« im Namen ist auch gleich eine gute Eselsbrücke für die Anzahl der Drum-Kits, die hier gesampelt wurden.TOONTRACK-NEW-YORK-STUDIOS-VOL.3

Der Installer für diese Erweiterung zum Superior Drummer 2.0 bietet drei unterschiedlich große Installationsvarianten an: eine kleine mit rund 4 GB, eine mittlere mit ca. 12 GB und die volle Installation inklusive aller Ambiences und Bleeds, die auf knapp 18 GB kommt.

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Nach einiger Wartezeit für die Voll-Installation landen dann drei Drumsets der Firmen Ludwig, Slingerland und Rogers aus den Jahren 1979, 1964 und 1966 auf der Festplatte, jeweils bestückt mit passenden Snaredrums dieser Firmen. Zusätzlich gibt es zwei Snares: eine sogenannte »Burned Edge Zebra« (von der ich noch nie gehört habe), und eine GMS Aluminium in hoher und tiefer Stimmung.

Hinzu kommen 22 Cymbals (meist von Sabian), die in die insgesamt zehn Cymbal-Slots geladen werden können. Durch die vielen Slots kann man neben einer großen Auswahl Crashes, von denen viele große Durchmesser von 17″ und 18″ haben, gleichzeitig auch zwei Chinas, Splashes und Rides laden (übrigens sind alle vier zur Auswahl stehenden Rides 22″ groß) − das gefällt mir schon mal sehr gut!

Als Hi-Hat kommt ein Konstrukt zum Einsatz, das eigentlich gar keine Hi-Hat ist, denn hier wurden einfach zwei 16″ große Crashes aufeinandergelegt − ungewöhnlich, klingt aber klasse. Bei einer Hi-Hat ist eine Größe von 14″ eigentlich Standard, 15″ ist schon groß, und 16″ gibt’s selten − dieses spezielle Exemplar klingt aber nicht groß und scheppernd, sondern trotz allem schön hell, nur eben etwas voller.

Der Drum-Aufbau ist bei den Sets von Ludwig und Slingerland gleich: je eine Kick und Snare, ein Rack-Tom und zwei Floor-Toms. Dieser Aufbau ist vintage und modern zugleich, denn man sieht ihn in letzter Zeit immer öfter auch bei jungen Rock-Drummern. Das Rogers-Set hat stattdessen zwei Rack-Toms und nur ein Floor-Tom, was im GUI aber nicht repräsentiert wird, weil es hier nur eine Grafik für alle drei Sets gibt. Weil auch die Panorama-Verteilung dem Aufbau mit zwei Floor-Toms entspricht, nehme ich an, dass man das zweite Rogers-Rack-Tom einfach als erstes Floor-Tom aufgebaut hat.

Die Größen der Drums unterscheiden sich zum Teil erheblich. So besitzt das Ludwig mit 24″ x 16″, 13″ x 11″, 16″ x 16″ und 18″ x 16″ die größten Trommeln, während die beiden anderen Kits kleine 20″-Bassdrums besitzen und auch die Toms mit 12″, 14″, 16″ (Slingerland) bzw. 12″, 13″, 16″ (Rogers) etwas kleiner ausfallen.

Technik

Das Avatar besitzt einen sehr, sehr gut klingenden Aufnahmeraum, der Drums sowohl fein als auch mächtig abbilden kann. Entsprechend hat man verschiedene Stereo-Ambiences (close, mid und far) zur Auswahl, die man natürlich auch mischen kann. Zusätzlich gibt es zwei komprimierte Mono-Ambiences und vier sehr unterschiedliche Effekt-Ambiences, bei denen ein Kit zum Teil sehr verfremdet klingt (siehe Kasten oben).

Die Technik im Avatar ist edel: Zum Einsatz kamen bei Aufnahme und Processing u. a. das Neve 8068-Pult, Pultec- und GMS-Outboard sowie schicke Mikros beispielsweise von Shure und Sennheiser über Neumann und Coles bis zu Brauner und Schoeps.TOONTRACK-NEW-YORK-STUDIOS-VOL.3-3

Im GUI ist der Mixer im Übrigen nicht nur wegen der Ambiences sehr breit geworden, denn auch bei Bassdrum und Snare hat Toontrack großen Aufwand betrieben. Es gibt für beide Instrumente jeweils vier Kanäle: drei Mikrofon-Kanäle, die man nach Herzenslust kombinieren kann (Kick: innen, außen und Sub; Snare: oben, unten und Rim) sowie einen vierten Kanal mit einem komprimierten Signal.

Sounds

Alle Toms und Bassdrums wurden eher tief gestimmt und klingen sehr satt, haben demnach einen schicken Attack und dennoch viel Wärme und schöne Bässe.

Das Ludwig-Kit macht auf Anhieb den rockigsten und zugleich modernsten Eindruck, was aber beim Default-Kit auch daran liegt, dass hier die sehr hoch gestimmte und knallige Slingerland-Snare am Set steht. Stellt man sich im Ludwig-Alternate-Kit stattdessen die Black Beauty ans Set, geht es automatisch in Richtung vintage, weil diese Snare sehr tief und platschig gestimmt ist.

Das Kit von Slingerland klingt etwas offener und auch höher, dennoch geht es auch hier in Richtung Rock, und selbst die 20″erKick braucht sich vor der großen Ludwig-Kick nicht zu verstecken.

Das Rogers-Kit klingt relativ platschig, obwohl die Toms lange ausklingen − der Ausklang ist gegenüber dem Attack aber sehr leise und wird in vielen Playbacks eher untergehen. Die Snare ist hier als einzige auch direkt gedämpft und erzeugt keinen singenden Kesselton, wie er bei allen anderen Snares − manchmal sogar zu stark − zu hören ist.

Alle Snares liegen aber auch in einer gedämpften Variante vor, die den Kesselton stark unterdrückt, ohne Höhen zu schlucken, sodass man sich hier schicke Sets zusammenstricken kann. Ohnehin gibt es für alle Trommeln mehr Schlagvarianten als sonst üblich, also etwa neben Rimshots auch Schläge nur auf den Spannreifen oder Flams und kurze Rolls auf der Snare. Als Schmankerl gibt es bei den Ride-Cymbals gar Varianten, bei denen nicht mit der Stockspitze, sondern mit dessen Schaft auf dem Profil gespielt wird. Ich gestehe zudem: Ich bin ein Fan von Rimshots auf der Snare, und da vermisse ich bei diesen Sets einfach die Rimshots der gedämpften Snares, denn die Kesseltöne sind oft einen Hauch zu stark vertreten.

Was sich beim Ausprobieren verschiedener Set-Zusammenstellungen zeigte, war, dass mich das Default-Ludwig am stärksten beindruckte, wenn man eine andere Snare (Slingerland oder GMS high) dazustellte und die Kick gegen die von Rogers austauschte. Letztere ist zwar kleiner, macht aber mehr Druck und besitzt auch einen längeren Ton. Size matters − hier nicht! 😉

Grooves

Wie in letzter Zeit bei Toontrack üblich, kann man nach dem Registrieren die passenden Grooves von der Toontrack-Website laden. Dabei handelt es sich wieder um Material höchster Güte und äußerster Praxistauglichkeit mit Grooves und Fills in vielen Tempi von der Ballade mit 69 BPM bis zum geshuffelten Train-Beat mit 200 BPM. Bedient werden alle rockigen und verwandten Styles, und natürlich funktionieren auch alle Grooves der anderen Toontrack-Libraries problemlos, weil stets mit der gleichen Notenbelegung gearbeitet wird. Top!TOONTRACK-NEW-YORK-STUDIOS-VOL.3-2

Fazit

Wie sich schon in allen Details angedeutet: Hier wird gerockt! Toontrack hat drei repräsentative Drum-Kits zur Umsetzung vieler Soundvarianten dieses Genres genommen, sie mit schönen, großen Cymbals kombiniert, die trotzdem brillant klingen, in einen tollen Aufnahmeraum gestellt und das Ganze mit bestem Equipment so hervorragend aufbereitet, wie man es sich heute nur wünschen kann.

Bezüglich der Set-Größe dürften kaum noch Wünsche offen bleiben, und wer etwas vermisst, kann sich ja ein weiteres Tom, eine zweite Kick oder noch ein Cymbal mit dem »X-Drum«-Feature des Superior Drummer 2.0 dazubasteln.

Die große Auswahl an grundverschiedenen Ambiences lässt die Sets glänzend aussehen und den Wunsch nach zusätzlichen bzw. externen Plug-ins oder Hallräumen/-geräten erst gar nicht aufkommen.

Der Spaß ist nicht ganz billig, wenn man bedenkt, dass man für die Extension auch das Basis-Plug-in des SD2 braucht. Dennoch ist hier jeder Cent gut investiert. Ich freue mich jetzt schon auf Vol.4.

Hersteller/Vertrieb

Toontrack

UvP

159,− Euro

www.toontrack.de

+++ wunderbare Rock-Sounds

+++ reichlich Artikulationen

+++ viele, auch schräge Ambiences

+++ mitgelieferte Groove-Library

– keine Rimshots für die gedämpften Snares

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