Kopf an Kopf

TH900mk2 und TH909 – edelste Kopfhörer von Fostex getestet

Fostex ist seit vielen Jahren sowohl in Sachen Recording als auch im HiFi-Sektor aktiv. Überschneidungen der beiden Bereiche gibt es vor allem im Hochpreis-Segment, wo es um kompromisslose Audioqualität geht – so auch bei den beiden Premium-Kopfhörern TH900 MK2 und TH909, mit denen der japanische Traditionshersteller Musikenthusiasten wie Toningenieure gleichermaßen begeistern möchte.

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Geliefert werden beide Modelle in einer nobel designten Umverpackung. Zwei Drittel davon nimmt ein schwarzer Pappkarton mit goldenem Fostex-Aufdruck ein, in dem der edle Kopfhörer in einem Formeinsatz aus Schaumstoff gebettet liegt; beigelegt ist ferner ein Staubschutzbeutel aus schwarzem Kunstleder. Den restlichen Platz nimmt ein schmalerer schwarzer Pappkarton ein, in dem sich ein Kopfhörerständer befindet. Wer so viel Geld für einen Kopfhörer ausgibt, möchte diesen schließlich adäquat präsentieren. Womit wir bei der schnödesten Nebensache der Welt angekommen wären: Geld! Wer schon mal welches besaß, weiß, dass Geld nicht glücklich macht, ja im Übermaß gar neue Sorgen kreiert. Hinfort mit dem Zaster, bevor er zum Laster wird! Die unverbindlichen Preisempfehlungen der beiden Fostex-Kopfhörer liegen bei 1784,52 Euro für den TH900mk2 (so die offizielle Schreibweise) bzw. 1965,88 Euro für den TH909. Schauen wir mal, was der stolze Käufer als Gegenwert erhält!

Der Fostex TH900mk2 arbeitet nach dem geschlossenen Prinzip. Die Muschelabdeckungen sind in traditioneller Urushi-Art gestaltet. Bei diesem Sondermodell sind sie in einem transparenten Saphirblau lackiert. (Bild: Dr. Andreas Hau)

Japanische Lebensart

Während der TH900mk2 nach dem geschlossenen Prinzip arbeitet, handelt es sich beim TH909 um einen offenen Kopfhörer. Ansonsten haben die beiden Modelle sehr viel gemeinsam. Blickfang sind die farblich hervorstechenden Muschelabdeckungen aus japanischer Zierkirschen-Birke (Betula grossa). Diese wurden in traditioneller Handarbeit nach Urushi-Art gestaltet, d. h. das Holz wurde schwarz grundiert und anschließend mit zahlreichen Stücken schwefelbedampfter Silberfolie überzogen. Ein Finish aus transparentem Farblack verleiht dem Ganzen dann jenen besonderen, sehr edlen Look. Die Muschelabdeckungen des TH909 sind rot lackiert, und das ist auch die Standardfarbe für den TH900mk2. Letzterer ist, wie unser Testmodell, auch als limitierte Sonderedition in Saphirblau erhältlich; diese soll sich nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Klangabstimmung vom roten Standardmodell unterscheiden – was ich allerdings nicht nachprüfen konnte. An den Muschelabdeckungen lässt sich das akustische Prinzip ablesen: Die des TH900mk2 sind geschlossen, während die des offenen TH909 einen kreisförmigen Schalldurchlass aufweisen.

Der Fostex TH909 arbeitet nach dem offenen Prinzip, was an den großen Schalleinlässen äußerlich erkennbar ist. (Bild: Dr. Andreas Hau)

Die mechanische Ausführung beider Hörer ist identisch: Die großen, ohrumschließenden Muscheln sind in einer Gabelaufhängung dreidimensional beweglich, um sich der individuellen Kopfform optimal anpassen zu können. Das Kopfband ist in acht Rastpositionen großzügig verstellbar. Der obere Teil des Kopfbands ist gepolstert und ebenso wie die Ohrpolster mit einem weichen, hautfreundlichen Kunstleder überzogen. An der Innenseite des Kopfbands ist rechts in einem kleinen Fensterchen die Seriennummer zu lesen. Von den Testexemplaren hat nur der TH909 Schriftmarkierungen für rechts und links. Dennoch wird man auch den TH900mk2 kaum falsch herum tragen, wenn man sich an der Kabelzuführung orientiert. Diese ist beidseitig, zeigt aber nicht nach unten, sondern schräg nach vorne. So werden mechanische Kabelgeräusche minimiert, da das Kabel nicht unmittelbar auf die Schultern bzw. den Hemdkragen herab hängt.

Das stoffummantelte Kabel ist von höchster Qualität; das Gehäuse des 6,3-mm-Klinkensteckers ist mit spiegelndem Rhodium beschichtet. (Bild: Dr. Andreas Hau)

Das Kabel ist austauschbar. Die zweipoligen Steckkontakte an den Kopfhörermuscheln sind verpolungssicher, um Phasendreher auszuschließen; auf die korrekte Rechts-Links-Orientierung muss man jedoch selbst achten. Das mitgelieferte Kabel ist drei Meter lang und von hervorragender Qualität; als optisches Schmankerl ist der 6,3-mm-Klinkenstecker am anderen Ende mit blitzblank spiegelndem Rhodium beschichtet. Das gut 5 mm dicke Kabel ist stoffummantelt und soll – laut Hersteller – die Tiefenwiedergabe verbessern. Eine technische Erklärung gibt Fostex indes nicht. Unstrittig ist, dass die beidseitige Zuführung das Übersprechen minimiert, da die Masseleitung für beide Kanäle gleich lang ist. Noch weiter minimieren lässt sich das Kanalübersprechen durch symmetrische Signalführung. Ein entsprechendes Kabel mit XLR-4-Stecker für entsprechend ausgestattete Kopfhörerverstärker ist optional bei Fostex erhältlich. Interessanterweise haben sich symmetrische Kopfhörer-Zuleitungen im High-End-Consumer-Segment bereits etabliert, während im Recording-Sektor umgekehrt eher Crossfeed ein Thema ist, d. h. gezieltes Kanalübersprechen, um ein Lautsprecher-ähnliches Klangbild zu erreichen. Ein wenig knauserig finde ich, dass den beiden Fostex-Kopfhörern kein zusätzliches Kabel für Mobilgeräte beiliegt, d. h. eins mit kürzerer Zuleitung und Miniklinkenstecker. Tatsächlich liegt noch nicht einmal ein simpler Adapter von 6,3-mm-Klinke auf 3,5-mm-Klinke bei. Das könnte man auf diesem Preisniveau schon erwarten.

Interessanterweise unterscheiden sich die beigelegten Ständer der beiden Kopfhörer: Der des TH900mk2 ist eine „luftigere“ Konstruktion als der massive Ständer des TH909. Beide bestehen aus Holz. Der Ständer des TH900mk2 gefällt mir persönlich besser, zumal er auf der Rückseite einen Holm bietet, an dem man das aufgewickelte Kabel aufhängen kann.

Der Ständer des TH900mk2 bietet auf der Rückseite einen Holm, an dem man das aufgewickelte Kabel aufhängen kann.
Der Fostex TH909 wird mit einem massiven Kopfhörerständer geliefert.

Praxis

Beide Kopfhörermodelle liefern selbst an batteriebetriebenen Mobilgeräten und anderen „schlappen“ Ausgängen mehr als ausreichende Lautstärke. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie mit einer Impedanz von nur 25 Ohm sehr niederohmig ausgelegt sind. Außerdem erreichen sie dank ihrer großen 50-mm-Schallwandler mit Neodym-Magneten eine recht hohe Empfindlichkeit von 100 dB/mW. Die Kenndaten sind für beide Modelle übrigens gleich. Der Frequenzgang ist für beide Kopfhörer mit 5 – 45.000 Hz spezifiziert, was freilich nicht viel zu bedeuten hat, zumal ohne Angabe eines Toleranzbereichs. Ohnehin kann man die Frequenzdarstellung eines Kopfhörers nicht wie bei einem Lautsprecher nachmessen, da die Interaktion mit dem menschlichen Ohr zu komplex ist. Zwar gibt es spezielle Messaufbauten, etwa von Audio Precision, aber die so ermittelten Frequenzgänge sehen selbst bei erstklassigen Kopfhörern gruselig aus und sind entsprechend interpretationsbedürftig. So bleibt eigentlich nur eine Beurteilung nach Höreindruck.

Wie klingen die beiden Fostex-Kopfhörer? In einem Wort: großartig! Die subjektiv empfundene Klangbalance ist sehr ausgewogen; kein Frequenzbereich wirkt unterbelichtet. Die Höhen sind leicht angehoben, aber in einem Maß, das niemals zum Problem wird. Man gewöhnt sich sehr rasch an das Klangbild, sodass die beiden Fostex-Hörer durchaus auch für Mixing und Mastering taugen. Interessant ist, dass beide Kopfhörer nahezu identisch klingen. Anders als erwartet, hat der geschlossene TH900mk2 einen trockeneren Bass, während der offene TH909 in den tiefen Frequenzen einen fast körperlichen Schub entwickelt. Sonst verhalten sich offene und geschlossene Modelle gleichen Typs genau umgekehrt. Überhaupt gibt mir das akustische Prinzip des TH909 Rätsel auf: Normalerweise verändert sich das Klangbild eines offenen Kopfhörers drastisch, wenn man die Schalldurchlässe mit den Handflächen verschließt – beim Fostex TH909 tut sich dagegen wenig. Auch gibt er nur wenig Schall nach außen ab, kaum mehr als der geschlossene TH900mk2. Umgekehrt ist letzterer vergleichsweise „offen“ für einen geschlossenen Kopfhörer; Außenschall wird relativ wenig gedämpft. Das hat gewisse Nachteile, wenn man in lauten Umgebungen arbeiten oder Musik genießen möchte, macht den TH900mk2 aber zu einem sehr angenehmen Kopfhörer für Sänger, da sich die eigene Stimme weniger „fremd“ anhört als bei einem Modell mit sehr hoher Isolation.

Wirklich überragend ist die Darstellung feiner Klangdetails. Selten war mir so klar, dass es extrem charmant ist, wenn man einen Sänger bzw. eine Sängerin zwischen Gesangsphrasen leise atmen hört, da er/sie so durchgehend präsent bleibt. Vielleicht ein Grund, warum ältere Aufnahmen oft mehr „Seele“ haben als heutige, wo solche menschlichen Elemente vorschnell herauseditiert werden. Die beiden Fostex-Kopfhörer vermögen solche Feinheiten hörbar zu machen, ohne dabei analytisch zu wirken. Das Gesamtbild bleibt organisch. Ein sehr intensives Hörerlebnis hatte ich mit Joni Mitchells Meisterwerk Blue (1971) – eigentlich kein übermäßig audiophil aufgenommenes Album, aber die beiden Fostex-Kopfhörer lassen die höchst emotionalen Songs umso dringlicher wirken. Man glaubt jede Kopfbewegung, jede Variation des Lippenabstands zum Gesangsmikrofon zu hören. Auch opulente Arrangements wie I don’t Know What It Is von Rufus Wainwright lösen Fostex’ Premium-Kopfhörer ausgezeichnet auf und fördern dabei Details ans Ohr, die bei günstigen Kopfhörern in einem großen Klangbrei untergehen.

Hervorzuheben ist, dass hier nicht mit stark angehobenen Höhen getrickst wird, um hohe Detailauflösung vorzugaukeln. Die beiden Fostex-Kopfhörer punkten mit echter Auflösung und einem ungemein sauberen Transientenverhalten. Dabei arbeiten TH900mk2 und TH900, anders als die Modelle aus Fostex’ RP-Serie (wie der kürzlich getestete T60 RP), nicht mit Magnetostaten sondern mit „normalen“ dynamischen Tauchspul-Schallwandlern – allerdings mit einem besonderen „Biodyna“-Membranmaterial aus Bio-Zellulose, der anorganische Fasern beigemischt wurden. Keine Ahnung, was das Geheimnis ist, aber diese beiden Fostex-Kopfhörer klingen wirklich außergewöhnlich sauber, dynamisch und hochauflösend. Auch die Stereodarstellung begeistert: Die Klangbühne wirkt breit, aber nicht übertrieben auseinander gezogen. Die Phantommitte ist äußerst präzise, während die kopfhörertypische Im-Kopf-Lokalisation nur schwach ausgeprägt ist. Mit anderen Worten: Das Klangbild wirkt in jeder Hinsicht extrem natürlich. Ich wüsste wirklich nicht, wo ich meckern soll.

Auch am Tragekomfort gibt es nichts auszusetzen. Man kann die Fostex-Kopfhörer stundenlang ermüdungsfrei tragen. Das leicht erhöhte Gewicht von 390 g (ohne Kabel) verteilt sich dank softer Memory-Foam-Polster gleichmäßig und irritiert nicht. Der Anpressdruck liegt im unteren Bereich; bei raschen Kopfbewegungen neigen die Hörer daher zum verrutschen. Auch im Liegen hielten die Fostex-Kopfhörer ihre Position nicht so recht, jedenfalls auf meinem Schädel. Wer gerne im Bett Musik hört, sollte sich vor dem Kauf eine Couch für ein Test-Nickerchen suchen.

Fazit

Die beiden Fostex-Flaggschiffe TH900mk2 und TH909 klingen wirklich ausgezeichnet. Ihre Detailauflösung ist überragend, dennoch wirkt das Klangbild keineswegs kühl-analytisch sondern transportiert die Emotionalität der Musik gänzlich unverstellt und unverschleiert. Man fühlt sich dem Interpreten sehr „nah“. Tonal unterscheiden sich die beiden Modelle nur wenig. Der offene TH909 hat einen etwas satteren Bass, und das Klangerlebnis ist insgesamt noch etwas immersiver. Der TH900mk2 ist ihm dicht auf den Fersen; ich habe noch nie einen so „offen“ klingenden geschlossenen Kopfhörer gehört. Allerdings schirmt er auch recht wenig vor Außengeräuschen ab. Umgekehrt ist der TH909 für einen offenen Kopfhörer relativ „geschlossen“, da er recht wenig Schall nach außen abgibt. Den TH909 könnte daher auch Mancher in Erwägung ziehen, der bislang aus Rücksicht gegenüber Mitmenschen auf geschlossene Modelle setzte. Der TH909 lärmt weit weniger als viele andere offene Kopfhörer.

Während es klanglich absolut nichts zu meckern gibt, selbst wenn man mit der Lupe sucht, bleibt mir unverständlich, warum so teure Kopfhörer mit nur einem Kabel geliefert werden. Ein zusätzliches kurzes Kabel mit Miniklinkenstecker für Mobilgeräte würde den Spaß glatt verdoppeln, zumal die beiden Fostex-Hörer mit ihrer niedrigen Impedanz bestens mit Smartphones und tragbaren MP3-Playern harmonieren. Einen so großartigen Klang möchte man doch überall genießen!


www.megaaudio.de

Hersteller Fostex

UvP: 1.784,52 Euro bzw. 1965,88 Euro

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detailreiches, dennoch harmonisches Klangbild

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ausgewogene Frequenzdarstellung

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hohe Impulstreue

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hochwertige Verarbeitung


kein kurzes Kabel für Mobilgeräte

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Danke für diesen tollen Blog. Macht weiter so.

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