Mehr analoge Power für den Softsynth

Steinberg Retrologue 2

Retrologue ist als klassischer Virtual-Analog-Synthesizer konzipiert und dabei auf möglichst geringe CPU-Anforderungen getrimmt – ganz nach dem Motto: Besser geht immer, aber was nützt einem der maximale Klang, wenn der Synthesizer wegen der hohen der CPU-Last die schnellsten Rechner komplett auslastet?

Genau die richtige Ausrichtung also für Produzenten und Musiker, die bei der Arbeit gerne viele Synthi-Sounds gleichzeitig nutzen möchten. Mit Retrologue 2 ist es kein Problem, mehrere Instanzen gleichzeitig zu spielen, um z.B. verschiedene Sounds zu layern oder komplexe Arrangements aus Bassline, Pads, Sequenzer-Linien, Synth-Sound-FX etc. zu bauen.

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Bereits die erste Version von Retrologue konnte mit dieser Eigenschaft punkten, wobei man aber sagen muss, dass trotz geringer Rechenpower guter Sound geliefert wird. Vor allem gefiel uns der Synth im KEYBOARDS-Special Software-Synthesizer in Ausgabe 6.2012 (kostenloser Download hier) auch wegen seiner klanglichen Flexibilität, die jetzt mit der Version 2 nochmals deutlich erhöht wird.

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Retrologue 2: Mehr analog, mehr Möglichkeiten, mehr Sound!

Wer das Update auf die aktuelle Cubase-Version 8.5 gemacht hat, der bekommt Retrologue 2 frei Haus geliefert, ansonsten bietet Steinberg das VST-Instrument aber auch einzeln zum Download an. Lohnen sich also die knapp 100,- Euro? Und überhaupt: Gibt es nicht schon genug Software-Synthesizer, die nach dem klassischen subtraktiven System – VCO, VCF, VCA, LFO, Envelopes & Co – aufgebaut sind? Zum Glück gibt es eine große Auswahl an Instrumenten, und es ist immer wieder eine Überraschung, welche unterschiedlichen Schwerpunkte Software-Synthesizer setzen. Retrologue 2 zeigt sich hier deutlich flexibler als ein simpler Analog-Synth. Dennoch vereint Retrologue die wichtigsten Eigenschaften analoger Synthesizer in sich: Warmer Grundsound und einfachste Handhabung. Die großen Neuerungen bei Retrologue 2 sind ein dritter Oszillator, mehr Modulationsmöglichkeiten, mehr Effekte und neue Presets.


 

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Sound&Recording 02/16 – Brass Recording Special 

In der Sound&Recording-Ausgabe 02/16 steht die Mikrofonierung von Blasinstrumenten im Fokus. Wir haben mit jeweiles über 25 Mikrofonenan Trompete, Posaune und SaxofonAudiobeispiele erstellt, die ihr hier auf der Website über SoundCloud auch anhören könnt. In unserem Brass Recording Special im Heft geben wir euch einen Einblick hinter die Kulissen der Recordings mit dem Bläsersatz aus „Sing mein Song – Das Tauschkonzert“. In unseren Tests findet ihr das Kleinmembranmikrofon-Stereoset Telefunken M60 FET. Für alle Homerecorder zeigt S&R-Leser Felix Krawcyk, wie er sein Homestudio aufgepimpt hat. Im zweiten Teil unsererDAW History Reihe geht es um den Game-Changer Ableton Live. Alle Love The Machines Fans können sich auf den Yamaha DX200 (*2001) freuen.

Hier könnt ihr die Sound&Recording-Ausgabe 02/16 versandkostenfrei bestellen <<

 


 

Drei Oszillatoren, Sub-OSC, Noise

Waren es anfangs zwei Oszillatoren, haben wir nun drei Schwingungserzeuger. Und die haben es in sich, denn neben den Grundwellenformen Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck (mit variabler Pulsweite) lassen sich die Oszillatoren auf unterschiedliche Weise einsetzen. Jeder Oszillator beherbergt bereits mehrere Oszillatoren in sich. So lassen sich bereits einem einzigen Oszillator komplexe, geräuschhafte und Glocken-ähnliche Sounds entlocken. Dafür schaltet man auf Cross-Modulation oder XOR um, wobei letzteres ein bisschen nach Ringmodulation klingt, die es aber nochmal extra gibt, zuschaltbar für OSC 1 und OSC3.

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Die drei Hauptoszillatoren lassen sich vielfältig konfigurieren.

 

Fette, schwebungsreiche Sounds mit nur einem Oszillator? Auch kein Problem: entweder moduliert man dafür die Pulsweite der Rechtweckform oder schaltet auf den Multi-Oszillator um. Dieser kann dann auf bis zu acht Oszillatoren aufgepumpt und per Detune angedickt werden. Dance-typische Stab-Leads macht Retrologue 2 damit ganz wunderbar. Wer das ohrenbetäubende Summen eines Hornissenschwarms simulieren möchte, schaltet einfach alle drei Oszillatoren auf Multi. Der Multi-Oszillator ist ungefähr vergleichbar mit der SuperSaw-Wellenform von Roland-Synthesizern, nur funktioniert das Ganze bei allen Wellenformen.

Halten wir also fest: bereits mit geschickter Kombination der Oszillatoren kann Retrologue 2 fett, brachial, böse, aber auch breit und weich wie Watte klingen. Weitere Zugaben sind ein Sub-Oszillator, frei einstellbar in der Oktavlage, und ein Noise-Generator der Rauschen in weiß und rosa in reiner und abgefilterter Form liefern kann.

Aus Wellen Klänge formen

Mit Sägezahn, Rechteck, Ring- und Crossmodulation erzeugen die Oszillatoren komplexes und obertonreiches Material, das sich mithilfe von Filter- und Modulationssektionen auf vielfältige Weise formen und steuern lässt. Klassisch für subtraktive Synthese ist das Filter mit 24-dB-Lowpass-Charakteristik, die der Retrologue 2 auch geschmackvoll rüberbringt. Aber es gibt noch viele andere Filter-Charakeristiken, die die unterschiedlichsten Klangverläufe ermöglichen. Das Tiefpassfilter gibt es in den Abstufungen 18, 12, und 6 dB, außerdem verschiedene Hochpass-, Bandpass- oder Bandsperre-Varianten bis hin zum Allpass-Filter sowie Kombinationen aus den Filterarten. Ob tiefe zupackende Bass- und Brass-Sounds per Lowpass mit 24 dB Flankensteilheit bis hin zu fein brizzelnden Pads per Band- oder Highpass ist hier alles möglich. Das Filter macht seinen Job schon mal recht gut und ermöglicht eine riesige Bandbreite an Synthsounds. Und mit ein bisschen Tube-Distortion werden die Sounds richtig schön druckvoll. Großartig!

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Mit den zahlreichen Filtercharakteristiken bietet Steinbergs Retrologue 2 weit mehr als normale Klangkost.

Filterverläufe kann man durch gleich eine Vielzahl von Modulationsquellen steuern, die sich über die Modulationsmatrix geschickt kombinieren lassen. Vier LFOs sowie ein zusätzlicher (dritter) Envelope bringen die Sounds in Bewegung, wobei der maximale Spaß in der Arpeggiator-Sektion beginnt. Hier finden sich drei 32-Step-Modulatoren, die sich den Modulationszielen frei zuweisen lassen. Und die Step-Sequenzer-Grooves, die sich damit realisieren lassen, sind ein Highlight des Retrologue 2.

Die Echtzeit-Modulation der Parameter geht natürlich auch, wobei sich das Modulationsrad als Morph-Controller ins Spiel bringen lässt: Einfach ein Rechtsklick auf den Regler, Minimum- und Maximum-Wert definieren und schon ist es möglich, mit einem Modwheel-Schwenk den Sound auf dramatische Weise zu modulieren.

Einzig bleibt ein kleiner Kritikpunkt bei den Envelopes: Parameteränderungen werden erst nach erneutem Anspielen des Sounds wirksam, was spontan erst mal irritierend sein kann.

Steinberg Retrologue 2 - Arpeggiator und Step-Modulatoren
Groovetool inklusive: Lässt man die drei Step-Modulatoren auf die Synthparameter los, entstehen tolle Sound-Grooves.
Steinberg Retrologue 2 Modwheel-Morphing
Mittels Parametermorphing kann man sehr komplexe Klangverläufe mit dem Modulationsrad steuern

Und noch ein paar Effekte oben drauf…

Auffällig ist die große Resonator-Sektion der Effekt-Page, die nochmal ein gewaltiges Sounddesign-Tool darstellt. Die drei parallelen Bandpass-Filter lassen sich unabhängig voneinander justieren und bearbeiten immer den kompletten Sound. Sehr interessante Modulationseffekte werden in Verbindung mit dem LFO möglich, den jedes Filter besitzt. Wunderbar für langsam mäandernde Filterfahrten, aber auch für beat-synchrone Filtermodulationen – in Verbindung mit den Step-Modulatoren der Wahnsinn! Außerdem finden wir in dieser Abteilung einen EQ sowie Chorus, Delay und Reverb – die Klangqualität dieser Effekte macht Freude.

Steinberg Retrologue 2 Effekte
Ein sehr flexibles Sounddesigntool ist der 3fach-Resonator in der Effektsektion des Steinberg Retrologue 2.

Retrologue 2: Mehr als ein einfacher Analog-Clone

Das 8.5-Update lohnt sich für Cubase-User allemal, alleine schon wegen Retrologue 2. Wer also Retrologue 2 ohnehin an Bord hat, sollte den Softsynth ruhig mal anwerfen. Die Presets sind reichhaltig und inspirierend, außerdem macht das Schrauben an eigenen Sounds großen Spaß.

Ansonsten lohnt sich der Softsynth für alle, die einen gut klingenden und flexiblen VST-Synthesizer brauchen und dabei auch Wert auf Ressourcen-schonenden DSP-Verbrauch legen. Steinberg Retrologue 2 ist ein richtiges Arbeitstier unter den virtuell-analogen Softsynths – empfehlenswert vor allem auch für Synth-Einsteiger. Denn trotz des nicht kleinen Funktionsspektrums ist Retrologue 2 einfach und intuitiv zu bedienen.

Steinberg Retrologue 2

Hersteller/Vertrieb: Steinberg

Formate: VST 2.4/3 AU, 32/64 Bit

Preis: 99,99 Euro

Internet: www.steinberg.net

 

PLUS/MINUS

+ klar strukturiertes Syntheseprinzip

+ flexible Klangmöglichkeiten

+ guter Grundsound bei geringer CPU-Auslastung

+ vielseitige Modulationsmöglichkeiten

– Parameteränderungen der Envelopes werden erst nach erneutem Anspielen eines Tons wirksam

 

 

 

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