Update

Steinberg Cubase 6.5 Update im Test

Pünktlich zur Musikmesse 2012 lassen die Hamburger Neues von sich verlauten. Ihr hochbeliebter Softwaresequenzer erfährt einige Neuerungen hinsichtlich Workflow und Klangerzeuger-Repertoire. Steinberg ist für eine gute Produktpflege bekannt, und dass ein »Zwischen-Update« kostenpflichtig angeboten wird, macht doppelt neugierig …steinberg-cubase-6.5

Erst im letzten Release bestand Grund für reichlich Lob, hat Steinberg doch mit Einführung der »Tempo Detection« und Audio-Quantisierung sowie verbesserter Comping-Funktionen seinen Sequenzer auf ein neues Niveau gehoben. Der Hersteller ruhte sich auf den Lorbeeren jedoch nicht aus und tüftelte seitdem fleißig weiter an diesen wichtigen Features. Bisher war der Prozess folgender: Ein markierter Bereich innerhalb eines Takes musste per Doppelklick aktiviert werden, wodurch automatisch Schnitte an den Bereichsenden über alle Unterspuren hinweg entstanden. Nun geht es noch ein bisschen schneller. Der neue Kandidat in der Werkzeugleiste namens »Comp-Tool« erstellt mit nur einem Drag-Klick die gewünschte Auswahl mitsamt Schnitten und fügt den Bereich nahtlos in der Hauptspur ein. Wirklich sehr gut umgesetzt!

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»Hitpoints« und »Audio Warp« − für viele Nutzer ein Segen, für andere immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Ab sofort liegen diese abstrakten Begriffe höchst bedienungsfreundlich kombiniert im allgemeinen »Quantize Panel« vor. Cubase erstellt die notwendigen »Warp Marker« automatisch aus den vorliegenden »Hitpoints« und quantisiert diese nach Vorgabe des aktuellen Quantisierungsrasters. Das klappt nicht nur hervorragend bei Drum-Tracks, sondern auch mit rhythmischen Gitarren oder Bassläufen − für einzelne Loops oder das komplette Arrangement, nicht-destruktiv versteht sich. Durch diese Funktion ist es auch ein Leichtes, Groove-Muster aus MIDI-Phrasen zu extrahieren und diese auf Audiomaterial zu übertragen.

Um Warp-Marker im Nachhinein zu verschieben, muss man aber leider immer noch den Umweg über den Sample-Editor nehmen. Die Integration direkt im Arrangement wäre doch eine nette Hausaufgabe für Version 7.

Nun ist dieses Feature nicht zuletzt für Multitrack-Aufnahmen interessant. Ähnlich der letztlich vorgestellten Slice-Quantisierung ist es vorerst nötig, die betroffenen Spuren in einer Ordner-Spur abzulegen und dort die Gruppenbearbeitungs-Option zu aktivieren.

Im »Quantize Panel« lässt sich dann die Hitpoint-Analyse für die vorhandenen Spuren individuell priorisieren. So kommt man auch mit »Warp Quantize« zu einem perfekten Timing − ohne Lücken!

Zwar gehört die Funktion »Upload to Soundcloud« definitiv zu den Neuigkeiten hinsichtlich des Workflows, viel interessanter ist jedoch der Fakt, dass Cubase nun auch Audiodateien im »FLAC«-Format importieren, exportieren und direkt im Projekt aufnehmen kann.steinberg-cubase-6.5-2

Neue Synthesizer

Nach den Klassikern »Monologue« und »Prologue« bringt Steinberg mit »Retrologue« einen weiteren subtraktiven Synthesizer an den Start. Was denn, noch eine Analog-Emulation? Das schon, aber mit einigen Finessen, auf die die man nicht verzichten möchte, wenn man sie einmal ausprobiert hat. Die Besonderheit liegt in den beiden Oszillatoren, denn jeder kann mit einem von vier Modi arbeiten: Neben »Single«, »Sync« und »Cross« ist in erster Linie »Multi« interessant. So lässt sich die erzeugte Wellenform bis zu acht Mal multiplizieren, was teilweise ziemlich ausdrucksstarke Unison-Effekte hervorruft − polyfon spielbar wohlgemerkt.

Des Weiteren lassen sich ein Rauschgenerator und ein Suboszillator hinzuschalten. Ist der Schalter »Mono« deaktiviert, kann Retrologue seine Polyfonie auf bis zu 128 Stimmen erhöhen. Sonst verläuft der Signalpfad ganz klassisch weiter in einen von 12 Filtern und je nach Belieben in die Effektsektion. Der Sound ist schön knackig und eignet sich primär für Bass- oder Lead-Sounds, aber auch schöne Pads gehören dank satter Pulsweitenmodulation zum Repertoire des Retrologue. Wem die Modulations-Matrix zu kompliziert ist, kann auf rund 300 Presets zurückgreifen. Hier ist gutes Material am Start, das sich mit wenigen Handgriffen individuell gestalten lässt. Retrologue ist nämlich überhaupt nicht kompliziert und lädt zum kreativen Soundschrauben ein.

Einen komplett anderen Weg beschreitet der zweite Neuzugang namens »Padshop«. Dieser Klangerzeuger nähert sich dem doch eher anspruchsvollem Thema der Granularsynthese auf erfreulich übersichtliche Weise, sodass man recht schnell herausbekommt, diese teils recht komplex und fremd wirkenden Sounds in Produktionen einzusetzen.

Der Browser listet eine sehr umfang – reiche Auswahl von Texturen, Instrumenten und Voices, die dann als grundlegende Wellenform für den Grain-Oszillator dienen. In jedem Oszillator lassen sich bis zu acht Grain-Streams erzeugen, und durch die zwei unabhängigen Layer − mit einem Crossfader versehen − ist jede nur erdenkliche Klangkombination möglich: von düsteren Drone- und Atmo-Sounds über organisches Knacksen und Blubbern bis hin zu dynamischen Flybys und Swooshes.

steinberg-cubase-6.5-4Nun verleitet die große Wellenformdarstellung automatisch dazu, eigene Samples aus dem Arrangement oder dem Browser per Drag&Drop dort abzulegen − leider erfolglos. Auch eine Suche in Padshops Ordnerstruktur auf dem Rechner brachte keinen eigenen Ordner mit Wav-Schnipseln, den man vielleicht selbst nachrüsten könnte, zum Vorschein. Das wäre mein sehnlichster Wunsch. Ansonsten macht es riesigen Spaß, mit den Sounds von Padshop zu experimentieren.

Neben synthesespezifischen Parametern zur Konfiguration von Grain-Position oder -Dauer findet sich auch hier eine Modulations-Matrix wieder. Es lassen sich zahlreiche Quellen vorgeben, u. a. auch der integrierte »Step Modulator«, der mit bis zu 32 Schritten auch sphärischen Klängen zu mehr Rhythmus verhilft. Ein großartiges Tool, das im Übrigen für 50 Euro auch separat erhältlich ist.

Effekte

Neu an Bord ist der »DJ EQ«. Dieser Equalizer verfügt, wie bei den meisten Club-Mixern üblich, über drei Bänder, die je einen Regelweg zwischen +6 und −32 dB besitzen. Die Bänder lassen sich einzeln hinzuschalten und bieten zudem einen Kill-Switch für harte Frequenzauslöschungen. Ein wirklich spaßiges Teil! Es hätte aber gewiss nicht geschadet, zusätzliche Einstellmöglichkeiten für die Frequenz – weiche zu integrieren. Um eine Filterfahrt über das gesamte Frequenzspektrum zu realisieren, kann man aber auf das altbekannte »Dual Filter« zurückgreifen oder das brandneue »Morph Filter« einsetzen.

steinberg-cubase-6.5-5Der Begriff »Morphing« ist in erster Linie durch das integrierte X/Y-Pad begründet, wodurch sich zwei seriell verschaltete Filter gleichzeitig bedienen lassen. Durch den Regler an der Y-Achse kann man zwischen beiden Filtern stufenlos überblenden. Der Regler der X-Achse hingegen steuert die Grenzfrequenz von zwei der zwölf frei wählbaren Filtertypen. Während man im oberen Teil vier Hochpassfilter mit einer Flankensteilheit zwischen 6 und 24 dB/Oktave sowie zwei Kerbfilter mit 12 und 24 dB/Oktave vorfindet, stehen im unteren Bereich die entsprechenden Tiefpass- und Bandpassfilter gegenüber. Die ResonanzEinstellung wirkt sich auf beide Filter gleichermaßen aus. Es lassen sich Filtertyp, Cut – off und Resonanz individuell automatisieren, dennoch wäre ein zuweisbarer LFO sicher eine praktische Sache gewesen …

Fazit

Mehr Workflow, mehr Sound und Plug-ins − gerade die kreativen Arbeitsprozesse profitieren immens von den Neuerungen. Die bessere Integration der Warp-Funktion erleichtert die Arbeit mit MIDI- und Audiomaterial, und das Comp-Tool beschleunigt das Zusammenschneiden von Aufnahmen, was für das Arbeiten mit Gesangs-Takes sehr nützlich ist, aber auch lustige Drumloops möglich macht. Während die neuen Effekte eher als eine nützliche Dreingabe zu werten sind, punktet das überarbeitete Cubase durch die beiden neuen Klangerzeuger.

Das Update für Cubase 6.5/Cubase Artist 6.5 steht ab sofort im Steinberg Onlineshop als Download bereit. Auch wenn die bisherigen »halben Major-Updates« sonst kostenlos waren, ist der Download angesichts des »Padshop«, der alleine schon 50 Euro kostet, fast schon ein Muss.

Anwender, die Cubase 6 nach dem 01. Januar 2012 aktiviert haben, zahlen übrigens nichts.

Hersteller/Vertrieb

Steinberg

UvP

49,99,− Euro (von Cubase 6), 199,− Euro (von Cubase 4 u. 5)

www.steinberg.net

+++ neue Klangerzeuger und Effekte

+++ verbessertes Audio-Warping

+++ praktisches Comp-Tool

−−− Padshop importiert keine Samples

−−− keine Warp-Marker im Arrangement

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