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Sennheisers Ambeo Smart Headset für binaurale Audioaufnahmen im Test

Sennheisers AMBEO SMART HEADSET für binaurale Audioaufnahmen(Bild: Marc Bohn)

Das Ambeo Smart Headset von Sennheiser entstand in Zusammenarbeit mit dem Wandler-Hersteller Apogee und ist mehr als nur ein Kopfhörer. Die eigentliche Funktion ist nämlich die binaurale Aufnahme durch die auf der Außenseite der Ohrhörer angebrachten Elektret-Kleinmikrofone mit Kugelcharakteristik, wodurch bei der Wiedergabe mit Kopfhörern ein dreidimensionaler Raumeindruck entsteht. Ein Kunstkopf für jeden Kopf? Wir haben in den binauralen Ton reingehört!

Im Lieferumfang des Ambeo Smart Headsets befinden sich neben den Kopfhörern drei Passstücke für die Ohrstecker und eine kleine Stofftasche, die die Kopfhörer unterwegs vor Kratzern schützt und Kabelsalat vorbeugt. Unsere Test-Kopfhörer sind in Apple-weiß gehalten, und auch die Nutzung ist durch die Lightning-Steckverbindung erst einmal nur iOS-Geräten (ab iOS-Version 10.3.3.) vorbehalten.

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Am Kabel sind Mikrofon und eine Fernbedienung integriert. Im Gegensatz zum Mikrofon ist die Fernbedienung etwas wuchtig. Sie beinhaltet allerdings die benötigte Elektronik und die Wandlertechnik von Apogee (PureDIGITAL). Über eine kostenlose App können außerdem Updates eingespielt, ein grafischer EQ eingestellt, verschiedene Konfigurationen durchgeführt und dem Schiebeschalter namens Smart Slider auf der Fernbedienung verschiedene Funktionen zugewiesen werden, was sehr praktisch für einen schnellen Start ist.

Neben dem Smart Slider befinden sich auf der Fernbedienung eine LED, die den Recording-Status anzeigt, ein Volume-Up- und ein Volume-Down-Button zum Steuern der Lautstärke sowie ein Knopf zum Starten und Stoppen der Musik oder zum Annehmen von Anrufen, der bei Doppelklick ebenfalls Titelsprünge auslöst. Die Funktionen Trans- parent Hearing und Noise Canceling lassen sich über eine Schaltwippe anwählen. Dieser Knopf ist ganz wichtig bei ungeduldigen Nutzern, die direkt nach dem Auspacken mit der Aufnahme loslegen wollen. Ist das Noise Canceling nicht aktiviert, wird es bei lauten Umgebungsgeräuschen zu einer sehr unangenehmen Rückkopplung kommen! Während des Musikgenusses blendet Noise Canceling Umgebungsgeräusch wie Straßen- oder Fahrgeräusche aus. Per Transparent Hearing kann der User seine Umgebung wahrnehmen, hier gibt es drei Intensitätsstufen, über die der Pegel der Umgebungsgeräusche angepasst werden kann. Für mich ein herausragendes Feature, mit dem man sich nicht mehr so von seiner Umgebung isoliert fühlt und beim Musikhören als Fußgänger weniger Angst haben muss.

Musik auf dem Ohr

Beim ersten Aufsetzen fühlen sich die Bügel der Kopfhörer sehr gewöhnungsbedürftig an. Sie dienen allerdings der Stabilität und entkoppeln den Trittschall. Nach ein paar Minuten hat man sich dann aber an den Sitz gewöhnt und empfindet das Tragen als angenehm.

Der Kopfhörer basiert auf der Technologie der Momentum In-Ear-Kopfhörer, die ich persönlich selbst nutze. Die Klangqualität bei der Wiedergabe von Musik ist sehr gut und entspricht dem, was wir von Sennheiser gewohnt sind. Höhen, die aber nicht überpräsent sind, knackige Mitten und ein runder Bass erzeugen ein ausgewogenes und druckvolles Klangbild.

Erstes Mal binaural

Kommen wir nun zur wesentlichen Funktion des Ambeo Smart Headsets (ASH): der binauralen Tonaufnahme. Je nach App wird das ASH automatisch als stereo- oder mono- fones Eingangssignal erkannt. Zu empfehlen ist hier der MetaRecorder von Apogee selbst, der für Aufnahmen mit dem ASH ausgelegt ist. Binaurale Videoaufnahmen funktio- nieren mit der iPhone-Foto-App ohne Probleme. Die Lokali- sierung der Geräusche ist bei einer Wiedergabe über Kopfhörer wirklich außergewöhnlich. Hier eignet sich tatsächlich jeder Kopfhörer, wobei In-Ears die Interferenzen der Ohrmuschel am wenigsten verfälschen und den räumlichen Klang besser wiedergeben als On-Ears.

Beim Anschauen meiner selbstgedrehten Videos passiert es mir oft, dass ich mich in die Richtung drehe, aus der ich den Schall wahrnehme. Das ist ein Indiz dafür, dass die Ortung der Geräusche über, unter, hinter, neben mir bzw. komplett um mich herum funktioniert! Die Lokalisation ist wirklich sehr genau, und es fühlt sich verblüffend real an. Hier ist auch zu erwähnen, dass die Aufnahme extrem rauscharm ist, was wohl den Apogee-Wandlern zu verdanken ist. Die Mikrofonempfindlichkeit lässt sich innerhalb der App in zwei Stufen regeln, sodass auch Aufnahmen in lauten Umgebungen verzerrungsfrei und binaural abgebildet werden können.

Beim Test ist allerdings aufgefallen, dass die Mikrofone sehr windempfindlich sind. Störgeräusche können auch nicht durch Kapuzen oder sonstigen Windschutz gedämpft werden, da diese den binauralen Effekt zerstören würden. Hier gibt es von Sennheiser aktuell noch keine Lösung.

Fazit

Das Ambeo Smart Headset von Sennheiser ist mehr als nur ein 3D-Audio-Spielzeug, was der Preis auch deutlich unter- mauert. Neben einem sehr guten Kopfhörer zum Musikhören und einem Headset fürs Telefonieren bekommt man für sein Geld als Haupt-Feature ein handliches Setup, um spontane und trotzdem qualitativ hochwertige 3D-Audio-Aufnahmen durchzuführen. Zu bemängeln gibt es lediglich den etwas gewöhnungsbedürftigen Tragekomfort durch die Ohrbügel, die allerdings ihren Zweck haben, und die Windempfindlich- keit der Mikrofone.

Trotzdem ist das Ambeo Smart Headset für mich ein geniales Sounddesign-Tool, für das man gerne tiefer in die Tasche greift. Wer sich selbst ein Klangbild von der Qualität machen möchte, braucht einfach nur YouTube zu besuchen. Dort gibt es mittlerweile jede Menge Videos, die mit dem ASH aufgenommen wurden, darunter natürlich zahlreiche Städte-Videos.

+++ geniales Sounddesign-Tool
+++ Noise Canceling & Transparent Hearing
++ hohe 3D-Audioqualität
– Tragekomfort

Hersteller/Vertrieb Sennheiser
UvP/Straßenpreis 299,− Euro / ca. 289,− Euro

www.sennheiser.com

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. was soll der hype? ähnliche systeme anderer Hersteller für binaurale Aufnahmen in Kopfhörerform gibt es schon seit Jahren…

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  2. Was soll der Hype? 🙂 Das frage ich mich auch. Kunstkopfaufnahmen gab es schon Ende der 60er, Anfang der 70er. Habe ich damals auch ausprobiert und mein Freund, der die Dinger verkaufte, hat mich damals echt total schockiert, weil ich nicht wußte, wie unglaublich echt sich das ganze anhörte. Ich arbeite auch mit 3D Audio, aber in echt:-) Mein Verfahren heißt RaumClang und nutzt 8 Kanäle… Klar, das ist was ganz anderes als Kunstkopfstereophonie. Dafür kann man es frei im Raum hören… Und der Hype? Der ist gut fürs Geschäft und zur Ablenkung der Lemminge vom Leben. Sie sitzen dann am PC, ballern sich gegenseitig in Ambeo Soundqualität ab:-)))

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