Ein sexy Synth-Schlachtschiff

Oberheim OB-Xa – Synthesizer

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(Bild: Jörg Sunderkötter)

Oberheim war die Synthesizer-Hausmarke von Prince. Das ultraproduktive Universalgenie, der jetzt in anderen Sphären schwebt, liebte den kraftvollen, funkigen Sound der amerikanischen Hardwareschmiede. Neben dem OB-8 kam auf seinem bekanntesten Album Purple Rain vor allem der Oberheim OB-Xa zum Einsatz.

Dieser äußerlich ziemlich ehrfurchtgebietende Synth-Bolide, der sich schnell zu einem absoluten Klassiker entwickelte, wurde ab 1980 für knapp 6.000,− Dollar angeboten (hierzulande kostete er 12.000,− bis 14.000,− Mark). Der OB-Xa beerbte den OB-X und war als sechs- oder achtstimmige Version verfügbar.

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MINNEAPOLIS-SOUND
Prince galt zu Recht als hyperaktives Multitalent mit einem unglaublichen Output. Er bildete die Grundlage für den nach seiner Heimatstadt benannten Minneapolis-Sound, der sich aus den Ingredienzien Funk, New Wave, Synthpop und Rock zusammensetzt. Er produzierte vor allem in den frühen 80erJahren neben seiner eigenen Musik unzählige Acts, die oft wirkten, als seien sie aus einem sexbesessenen Parallel-Universum gekommen. Dazu gehören u. a. The Time, die späteren Jackson-Produzenten Jimmy Jam, Terry Lewis, Morris Day, Jesse Johnson, Vanity 6, Apollonia oder Mazarati and The Family. Auch Bands außerhalb der Prince-Sphäre wie Ready For The World (Oh Sheila) wurden vom Minneapolis-Sound beeinflusst.

Neben den klassischen Oberheim-Synths Four Voice, OB-X, OB-Xa und OB-8 war vor allem die Linn LM-1 stilprägend für diese Musikrichtung. Prince baute dem geliebten innovativen, digitalen Drumcomputer von Roger Linn sogar einen Altar im Paisley Park Studio. Der tiefer gestimmte, manchmal durch einen Flanger geschickte Rimshot war eines der typischen Elemente des Minnea – polis-Sounds, ein weiteres die − vor allem bei Balladen − stark verzögerte Snare bzw. Clap. Dazu kamen die funkigen, massiven, manchmal bläserartigen Stabs der Oberheim-Synths und eine meist clean gespielte Funkgitarre.


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USER
Der OB-Xa hat den Sound der 80er-Jahre mitgeprägt und ist auf unzähligen Produktionen zu hören. Neben Prince zählen folgende Acts zum User-Kreis des blauen Boliden: Simple Minds (New Gold Dream), Van Halen (Jump), Rush, Jean-Michel Jarre (Concerts In China), Talk Talk, Gary Numan (Berserker), Queen (Flash Gordon), Stranglers, New Order, Thompson Twins, Cyndi Lauper (She’s So Unusual) und Laurie Anderson (z. B. auf dem empfehlenswerten Album Big Science).

ÄUSSERES
Mit seinem raumgreifenden Design und den schönen Echtholz-Seitenteilen ist der OB-Xa wie seine Vorgänger und Nachfolger das ideale Tool für den Keyboarder mit Gotteskomplex. Auf dem blauen quergestreiften Bedienpanel aus Metall gibt es viel Platz und eine Menge Bedienelemente zum lustvollen Soundschrauben. Das fünfoktavige Keyboard der Firma Read/Pratt ist allerdings nicht anschlagsdynamisch und neigt mit den Jahren dazu, klapperig und »klebrig« zu sein. Abhilfe schafft hier das Anbringen neuer KeyboardBushings (siehe virtual-music.at).

Klangbeispiel:

KLANGARCHITEKTUR
Pro Stimme stehen zwei synchronisierbare Oszillatoren mit Sägezahn und modulierbarer Pulswelle (VCO 2) zur Verfügung. Auf die heftige Crossmodulation des Vorgängers OB-X wurde leider verzichtet. Dafür lässt sich das Tiefpass-Filter wahlweise mit 12 oder 24 dB Absenkung betreiben.

Weitere Features sind zwei ADSR-Hüllkurven, zwei LFOs (die auf den VCO, Filtereckfrequenz und die Pulsweite geroutet werden können), ein White-Noise-Rauschgenerator, Keyboard-Tracking, polyfones Portamento, eine Chord-Funktion und natürlich eine (dringend notwendige) Autotune-Funktion. Der Synth lässt sich außerdem im Doubleund Split-Mode (mit frei bestimmbarem SplitPoint) spielen, was die klanglichen Möglichkeiten erheblich erweitert.

Im Gegensatz zum Vorgänger OB-X, dessen Klangerzeugung größtenteils auf den Oberheim-SEM-Modulen beruht (nur die Hüllkurven werden von CEM 2210-Chips erzeugt), arbeitet der OB-Xa mit folgenden Curtis-Chips: 2 x CEM3360 (Dual VCA), 16 x CEM3340 (VCO), 16 x CEM3310 (Hüllkurven) und 16 x CEM3320 (VCF).

SOUND
Der OB-Xa ist einer der klangstärksten Synths der 80er-Jahre. Er besitzt Punch und Charakter und kann problemlos die typische Oberheim-Klangpalette mit breiten Brass- und Pad-Sounds, fetten Bässen, hämmernden, bösen Sequenzer-Sounds etc. erzeugen. Die leichte Oszillatorendrift ist dabei das Salz in der Suppe. Die Hüllkurven arbeiten nicht softwarebasiert und sind schön schnell, sodass zuschnappende, perkussive Klänge gut realisierbar sind. Legendär sind auch die kraftvollen Sync-Sounds des Instruments. Der Curtis-Chip-basierte OB-Xa klingt dabei ähnlich, aber nicht ganz so kraftvoll und wild wie der größtenteils diskret aufgebaute OB-X; dafür hat er mehr Modulations-Möglichkeiten.

Seine Nachfolger, der ab 1983 verfügbare OB-8 und der Matrix-12, wirken deutlich cleaner und etwas zahmer als der OB-Xa, was auch an der größeren Stimmstabilität liegt.

Das Gerät wurde uns freundlicherweise von Ingo Rippstein (www.synthmaster.de) zur Verfügung gestellt.

Fotos: Dieter Stork, Jörg Sunderkötter

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