Rickenbackers Bässter

Native Instruments Scarbee Rickenbacker Bass-Library für Kontakt 5 im Test

Der schwedische Sampling-Experte Thomas Skarbye ist seit geraumer Zeit ein festes Mitglied des Native-Instruments-Teams und hat mit seinen hervorragenden Bass- und Keyboard-Samples dazu beigetragen, Kontakt als Standard-Sampleplayersoftware in vielen Studios zu etablieren. Nun legt er mit seiner neuen Bass-Library erstmals einen mit dem Plektrum gespielten Rickenbacker 4003 vor. Ein Bass, der hierzulande als Waffe der Wahl für den typischen Hattler-Bass-Sound der Kultgruppe Kraan bekannt sein dürfte. Aber auch andere bekannte Bassisten von Paul McCartney bis Lemmie setzen auf den prägnanten Klang dieses Klassikers.NATIVE-INSTRUMENTS-SCARBEE-RICKENBACKER

Rick’n Roll

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Gesampelt wurde ein 4003-Modell mit Rotoso- und Roundwound-Saiten. Der typische perkussiv-drahtige Klang eines Rickenbacker-Basses wird durch den Einsatz eines Plektrums erzeugt. In der für ihn typischen Akribie hat Thomas Skarbye in zwei Jahren Entwicklungszeit jeden Ton auf jeder einzelnen Saite mit verschiedenen Anschlagstärken, Up und Downstrokes und Round-Robin-Variationen aufgenommen. Außerdem wurde jeder Pickup einzeln gesampelt und zusätzlich eine Version eingespielt, bei der die Saitenschwingung mit der Hand abgedämpft wird, was für einen kürzeren und weicheren Ton sorgt.

Insgesamt belegen alle Samples rund 12 GB auf der Festplatte. Die Qualität dieses Sample-Sets hat offensichtlich auch Rickenbacker überzeugt, die dieser Library ihren offiziellen Segen gegeben haben.

Der Player

Der Scarbee Rickenbacker ist kompatibel zum kostenlosen Kontakt-5-Player, kann aber natürlich auch mit der Vollversion von Kontakt verwendet werden. Die Bedienoberfläche ist typisch für Native Instruments in einem gerenderten 3D-Stil gehalten und bietet neben den Möglichkeiten, zwischen den verschiedenen Bass-Pickups umzuschalten, auch eine Amp-Simulation, mit der man den Bass mehr in Richtung Motörhead verzerren kann, sowie diverse auf Impulsantworten basierende Lautsprecherboxen bis hin zu Emulationen von Bandsättigung, Kompressoren und Equalizern. Da beide Pickups einzeln gesampelt wurden, kann man natürlich auch beide gleichzeitig verwenden, um den berühmten Rick-o-Sound in Stereo zu erzielen.

Das Script

Für das Scripting zeichnet wie bei allen Scarbee-Instrumenten Nils Liberg verantwortlich. Dank seiner hervorragenden Programmierung wird immer abhängig von den gespielten Noten automatisch die richtige Saite ausgewählt, was deutlich zur Authentizität beiträgt. Wer lieber selbst bestimmen möchte, welche Saite gespielt wird, kann das über entsprechende Keyswitches, die genialerweise auf den entsprechenden Tasten e, a, d und g liegen, tun.

Typische Spieltechniken wie Hammer-on und Pull-off werden vom Script wunderbar emuliert, und sogar Triller können mit verblüffendem Realismus erzeugt werden. Bei Legato-Spiel kann man durch Einsatz des Sustain-Pedals ein Glissando zwischen zwei Tönen realisieren. Dabei ist im automatischen Modus zu beachten, dass sich bedingt durch den Saitenwechsel manche Intervalle nicht realisieren lassen; in dem Fall muss man auf die manuelle Saitenauswahl umschalten.

Bassistenwitze

Die kennt man ja zur Genüge, und ein immer wieder gern strapaziertes Klischee ist, dass Bassisten oft zu spät kommen. Ähnlich wie das Anblasgeräusch bei einem Saxofon zeichnen sich mit Plektrum gespielte Bässe durch ein Geräusch aus, das dem jeweiligen Ton vorangestellt ist und durch die Berührung der Saite mit dem Plektrum erzeugt wird. Native Instruments bezeichnet dieses Geräusch als »Scrape«. Es ist im Schnitt ca 40 ms lang und führt dazu, dass beim Einspielen die Tasten entsprechend früher angeschlagen werden müssen, damit der eigentliche Attack des Tons genau auf den Punkt kommt. Eine anschließende Quantisierung führt dabei natürlich unvermeidlich dazu, dass die gesamte Basslinie zu spät wiedergegeben wird. In dem Fall hilft nur ein Vorziehen der gesamten Bass-Spur um ca. 40 ms.

Wer lieber ohne Scrapes einspielt, kann die Länge der Scrapes entsprechend verändern bzw. diese komplett eliminieren. Allerdings fehlt dem Sound anschließend das magische Element, das die einzelnen Töne in einer Basslinie miteinander verbindet. In dem Fall empfiehlt es sich, erst ohne Scrapes einzuspielen, danach die Scrapes wieder zu aktivieren und den Track dann um 40 ms vorzuziehen. Nicht unbedingt die intuitivste Art zu arbeiten, aber durchaus praktikabel.

Fazit

Der Sound des Rickenbacker 4003 ist ein echter Klassiker in der Geschichte der Rockmusik, und Thomas Skarbye hat es zweifelsohne geschafft, dessen Charakter bestmöglich einzufangen. Der mittenlastige Grundsound des Instruments setzt sich im Mix gut durch und eignet sich hervorragend dazu, ihn mit einer entsprechenden Amp-Einstellung in die Sättigung zu treiben, um brutale Basslines à la Lemmie zu realisieren. Aber vor allen Dingen der perkussive, cleane Klang, für den Chris Squire und Hellmut Hattler bekannt sind, lässt sich mit dieser Library prima emulieren.

Bei einigen Samples des Hals-Pickups schwingen in bestimmten Bereichen Obertöne mit, die es schwer bis unmöglich machen, bestimmte Akkorde bzw. Intervalle lupenrein zu intonieren. Das ist allerdings ein Problem des gesampelten Instrumentes und stellt in der Praxis bei monofonem Spiel kein Problem dar.

Hersteller/Vertrieb

Native Instruments

UvP

99 Euro

www.nativeinstruments.com

+++ realistischer Klang

+++ hervorragendes Scripting

–– Scrape-Samples erzeugen Latenz, die das Einspielen in Echtzeit erschwert

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