Sound-Libraries für Maschine

Native Instruments Maschine Expansions im Test

Maschine hat sich seit einigen Jahren als Rhythmus-Erzeuger in vielen Produzentenherzen etabliert; selbst unverbesserliche Laptop-Hasser und Hardware-Taliban schwören mittlerweile auf die pfiffige Hardware/Software-Kombination.

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(Bild: Archiv)

Native Instruments hat sich auch in Sachen Content nicht lumpen lassen und bietet mittlerweile fünf Maschine-Expansions für verschiedene Stilrichtungen an. Jedes Set verfügt neben den Samples und Effekt-Settings auch über eine Menge nützlicher Beispielpatterns, die man als Ausgangspunkt für Eigenkreationen nutzen kann.

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Die Installation der Expansions geht anstandslos vonstatten. Die Sounds enthalten Metatags, wodurch die Suche in der MaschineLibrary erleichtert wird.

Vintage Heat

Vintage Heat basiert größtenteils auf den Samples von Analog- und Digitalklassikern wie der Roland-TR-Riege (808, 909, 626, 505, 77 etc.), der CR-78, Emu SP-12, Akai MPC und anderen Legenden. Das ca. 600 MB umfassende Material enthält auch Multisamples von Analogsynthesizern wie dem Korg MS-20, Korg Delta oder dem Roland Juno-6, JX-3P, SH-101, aber auch von einigen Digitalsynths der 80er. Dazu kommt noch Audiomaterial aus diversen Quellen (Vinyl etc.), mit dem diverse Hits, Bleeps und Effektsounds erstellt wurden. Bei der Nachbearbeitung der Samples kamen klassische und aktuelle Tools sowie Effekte zum Einsatz, darunter ein Harrison-Equalizer, analoge Bandmaschinen, ein Roland-Bandecho und der UBK Fatso. Verantwortlich für die Soundsammlung ist der neuseeländische Produzent Goldbaby.

Die Bandbreite der 51 Kits und der dazugehörigen Patterns reicht vom klassischen Detroit-Techno über House, Downbeat, Electro (à la LFO), Drum’n’Bass, Jazzhop, Urban, G-Funk und Dancehall bis zu aktuellerer Clubmusik. Die Stärken liegen vor allem in den gelungenen und gut einsetzbaren klassischen Synthsamples. Bei den Drumsounds vermisst man noch ein oder zwei Simmons-Sets und ein Linndrum-Kit. Ich hätte mir auch ein etwas kraftvolleres TR-808-Kit und ein gutes Chicagohouse-Set mit TR-707 sowie mehr Klänge analoger Drumsynths gewünscht. Ansonsten aber ein gelungenes Klangarsenal der elektronischen Musik, wobei alles tendenziell eher warm und analog klingt.

Transistor Punch

Wem die Drumsounds bei Vintage Heat zu soft sind, der kann sich bei Transistor Punch austoben. Produziert wurde die Expansion von Martin Buttrich, der sich mit seinen Tracks auf Desolat oder durch seine Zusammenarbeit mit Leuten wie Timo Maas einen Namen gemacht hat. Auf der Basis von 250 MB Samplefutter werden 30 Drumkits geboten, die schön druckvoll und ausdruckstark agieren. Wer im Bereich Techno, TechHouse, Electro-House, Electro, Schranz und auch Industrial unterwegs ist, wird hier schnell fündig werden. Die Sounds fühlen sich äußerst präsent an und auch bei böseren, verzerrten oder mit Effekten verwursteten Klängen hat man keine Angst. Bis zu vier zugehörige Patterns pro Kit sind zum größten Teil liebevoll produziert, sodass man eine Menge Groove-Stoff in der Hand hat.

True School

HipHop im weitesten Sinne, wobei der Blick nach vorn gerichtet ist. Herzstück der ca. 1,3 GB großen Soundsammlung sind 40 Drumkits mit wunderbar rauen, griffigen und durchsetzungsfähigen Drumsamples, die äußerst kompetent zusammengestellt und teils heftig nachbearbeitet und mit Artefakten angereichert sind. Mit schön verschleppt-verspulten, funkig-modernen Grooves illustrieren die Patternsets, was man mit den True-School-Sounds anstellen kann − Underground-HipHop-Aficionados werden sich sofort zuhause fühlen. Aber auch für andere Bereiche wie etwa Leftfield-Dubstep à la Flying Lotus, TripHop, Breakcore-Irrsinn à la Squarepusher, Breakbeat, Big Beat sowie New Soul sind die Sounds gut geeignet. Als Beigabe finden sich noch zwei Special-»Songwriter«-Kits mit Timberland-artigen, geslicten Synth-Patterns, die in verschiedenen, zueinander passenden Tonarten erstellt wurden.

Dark Pressure

Der thematische Schwerpunkt der Dark-Pressure-Expansion ist die aktuelle Clubmusik im Bereich Techno, Tech-House und Minimal. Mit 239 MB Samples fällt diese Expansion etwas kleiner aus − dennoch haben es die Sounds in sich. Die Drumsounds sind absolut State-of-the-Art und sehr gut einsetzbar; dabei ist man nicht auf das Techno-Genre beschränkt, es gibt auch einige schöne Electro-Sounds, und auch Produzenten, die minimalistischen Dubstep mögen, wie man ihn etwa vom Hyperdub-Label kennt, werden fündig werden. Enthalten ist auch eine Reihe von praxisnahen Effektketten und Synth- und Effektsounds. Während die Synth-Auswahl brauchbar, aber nicht superoriginell ist, findet man bei den Effektsounds (es gibt sogar zwei FXKits) viel Interessantes, das sich gut in die Grooves integriert. Die etwa 200 Patterns wurden detailgenau und liebevoll erstellt und sind eine echte Groovebank.

Platinum Bounce

Bei dieser erst kürzlich erschienenen Expansion werden die Goldketten wieder rausgeholt und der BPM-Bereich von 65 bis 128 beackert. Zielgruppe sind HipHop-, Urban- und R&B-Produzenten, wobei auch die Produktion charttauglicher, aktueller Popmusik mit dem gewissen Bling-BlingFaktor mit dieser Soundsammlung erleichtert wird.

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(Bild: Archiv)

Die 45 Drumkits der Library liefern eine tolle Grundausstattung, die von zeitgenössischen Popdrums bis zu HipHop und House reicht. Darunter findet man Timberland-artiges genauso wie böse TR-808- Sounds à la Dirty South, die man etwa bei True School vermisst hat. Naturdrums gibt es allerdings hier nicht. Alles ist schön künstlich und auf Clubtauglichkeit ausgerichtet. Die Kits sind allesamt sehr druckvoll, und die dazugehörigen, teilweise sehr gut programmierten Patterns (in der Regel eines pro Kit) geben einen guten Eindruck zum gedachten Einsatzzweck. Dazu kommen 54 Keyboard-Sounds, die zum Teil auf Samples legendärer Synthesizer wie dem Roland Jupiter-6, dem Oberheim SEM oder dem Minimoog basieren. Sie bieten dem User eine nicht herausragende, aber brauchbare Grundausstattung mit gut einsetzbaren Pad-, Lead-, Orgel-, E-Piano- und Bass-Sounds. Effekt-Chains werden hier leider nicht mitgeliefert, dafür findet man zwei Kits mit Effektsounds und acht Kits mit Synthloops, funky Gitarrenloops und schönen Brass-Sounds und –Loops.

Hersteller/Vertrieb: Native Instruments

UvP/Straßenpreis: je 49,− Euro

www.nativeinstruments.com

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