Modular Synthi aus Übersee

Modular Synthesizer – Make Noise René

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Modular Synthesizer – Make Noise René

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Make Noise aus Asheville, North Carolina, wurde im Jahr 2008 gegründet und gehört mit seinen aktuell über 20 Modulen zu den Topsellern unter den Modulherstellern. Das Multifunktions-Tool Maths hält sich auf der Website Modulargrid in der Liste der beliebtesten Module seit geraumer Zeit auf Platz Eins, das Echophon sowie das Erbe-Verb Modul wurden 2012 und 2014 mit dem Electronic Musician Editor’s Choice ausgezeichnet und auch ihre Komplettsysteme wie das Shared System oder das System Concrète sind bei den Usern begehrt und werden von bekannten Künstlern wie Alessandro Cortini von Nine Inch Nails oder Richard Devine gespielt.

Zu den persönlichen Lieblingsmodulen von Entwickler und Gründer Anthony Rolando zählt zum einen der Dual-Oszillator DPO sowie der analoge Sequenzer René, der den Namen des französischen Philosophen und Mathematikers René Descartes trägt. Nach ihm wurde das bis heute weltweit gebräuchliche kartesische Koordinatensystem benannt, dessen Konzept die Grundlage des Eurorack-Moduls darstellt, dem bislang ersten und einzigen kartesischen Stepsequenzer auf dem Markt.  Was das im Detail bedeutet und inwiefern sich René von anderen Sequenzern unterscheidet, werden wir uns im Folgenden genauer ansehen.

Von Koordinatensystemen und Spannungen – ein Überblick

Ähnlich wie viele klassische analoge Sequenzer besitzt auch René 16 Steps mit je einem Regler um die CV, also die Tonhöhe, einzustellen. Rechts neben den Drehreglern, ebenfalls in einem 4×4 Raster angeordnet, befinden sich 16 Touch Pads, die zu Performance- und Programmierungszwecken genutzt werden können. Die 16 Steps werden allerdings nicht wie sonst üblich Schritt für Schritt durchlaufen, da es hier auch keine feststehende Sequenz gibt. Anstelle dessen werden aus den eingehenden Daten, also in erster Linie Clock-Signalen, Koordinaten errechnet, die jeweils einem Step im 4×4 Raster zugeordnet werden. Diese Location, wie Steps hier auch genannt werden, springt René anschliessend an und gibt das entsprechende CV/Gate-Signal aus.

Das mag zunächst kompliziert klingen, ist in der Praxis allerdings schnell umgesetzt. Man patcht beispielsweise eine Clock in den X-CLK Eingang für die X-Achse des Koordinatensystems und eine andere Clock in den Y-CLK Eingang. An beiden Eingängen wird bei eintreffendem Signal eine Zahl zwischen 0 und 3 erzeugt. Wenn X nun eine 2 ausgibt und Y eine 3, dann springt die Sequenz in Folge zur Location 14. Ein simples Konzept mit sehr komplexen Ergebnissen.

Das Ziel ist es hier also nicht wie sonst üblich feststehende, lineare Sequenzen abzufeuern, sondern mit möglichst wenigen Eingangsdaten möglichst vielschichtige, non-lineare und teils auch unvorhersehbare Abfolgen zu generieren. Dem Musiker wird mit dieser ungewöhnlichen Arbeitsweise des Sequenzers ein Maximum an musikalischer Variation geboten, da die Reihenfolge der Steps, oder wie hier genannt Locations, mit nur wenigen Handgriffen scheinbar unzählbare Umwege nehmen kann.

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 Von Achsen zu Sequenzen – das Interface

Der satte 34 TE breite Rene ist mit seiner matt schwarzen Oberfläche und den kupfernen Touch Pads im Rack kaum zu übersehen. Er besitzt insgesamt sechs Eingangs- und vier Ausgangsbuchsen, von denen zwei die oben bereits erwähnten Clock-Inputs für die X- und die Y-Achse des Systems darstellen. Des Weiteren besitzt jede Achse einen Modulationseingang, X-MOD und Y-MOD, der sich je nach Einstellung auf den Programmseiten des René anders auf den Verlauf der Sequenz auswirken kann. Zu guter Letzt befinden sich auf der Frontplatte noch je ein X- und Y-CV Input mit einem Abschwächer, der abhängig vom eingehenden Signal eine Zahl generiert, die zur entsprechenden Achse dazu addiert wird und somit als weitere Variationsquelle für die Sequenz dienen kann.

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An Ausgängen stehen zwei CV- sowie zwei Gate-Ausgänge zur Verfügung. Der Output mit Namen QCV gibt quantisierte Steuerspannungen aus und kann genutzt werden, um klassischerweise die Tonhöhe eines Oszillators oder sonstigen Klangerzeugern anzusteuern. Der zweite CV-Ausgang wird nicht quantisiert ausgegeben und lässt sich mitunter für die Modulation diverser Parameter wie der Cutoff-Frequenz oder der Pulsweite nutzen oder auch um sonstige Klangfarben im Gesamtpatch organischer klingen zu lassen.

Die Outputs Gate X und Y schliesslich geben immer dann ein Gate- oder je nach Einstellung alternativ auch ein Puls-Signal aus, sobald eine Bewegung auf der entsprechenden Achse stattfindet, sich also die Location auf der X- oder der Y-Achse ändert. Mit diesen Signalen lassen sich andere Module im Rack ansteuern und in den Gesamtpatch integrieren, man kann mitunter weitere Klangerzeuger antriggern oder sonstige Funktionsgeneratoren synchron starten lassen.

Vom Kupfer zur Logikfunktion – die Programmierung des Rene

Mit den 16 kupfernen Flächen auf der rechten Seite des Moduls kann man den Sequenzer direkt wie ein Instrument spielen oder alternativ in die Progammebene hinabwandern, um diverse Modi, Funktionen und Optionen anzuwählen. In normalem Play-Modus werden durch Berühren der Kupferflächen die Töne beziehungsweise CVs, die mit den entsprechenden Drehreglern links eingestellt wurden, direkt ausgegeben und so lange gehalten bis man die Fläche wieder loslässt. So kann man in Live-Situationen eine Sequenz pausieren, an anderer Stelle weiterlaufen lassen oder zwischendurch auch gezielt eine ganz andere Melodie anspielen.

Über dem 4×4 Raster befinden sich schliesslich zwei weitere Touch Pads, die der Navigation durch die sechs Programmseiten des Moduls dienen. Hier lassen sich diverse Funktionalitäten des René entdecken, darunter verschiedene Möglichkeiten der Sequenzbewegung wie Vorwärts, Rückwärts, Pendulum oder auch der sogenannte Snake Mode, interessant für diejenigen, die René gerne linear betreiben möchten. In diesem Modus durchläuft der Sequenzer alle 16 Locations in gewohnter Reihenfolge ohne Variationen oder Sprünge im Koordinatensystem. Des Weiteren lässt sich hier die Glide Funktion, also ein Portamento zwischen den einzelnen Locations, aktivieren, es können einzelne Locations bei Bedarf komplett deaktiviert werden, man kann bestimmen welche der Locations ein X- oder Y-Gate-Signal ausgeben sollen und sich darüber hinaus bis zu vier verschiedene Sets an festgelegten Tonhöhen, die man vorab mit den Drehreglern einstellt, abspeichern. Für weitere Logikfunktionen oder Operationsmodi des René sei an dieser Stelle auf das Manual auf der Website von Make Noise verwiesen.

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Fazit

Während Sequenzer im Allgemeinen oft sehr vorhersehbar sind und es in den meisten Fällen auch sein sollen, ist Renè hier gewollt anders, überrascht in seiner Komplexität und eröffnet mit seinen kartesischen Sequenzen neue Kompositionsmöglichkeiten. Die Bedienung ist nach kurzer Einarbeitung sehr intuitiv und erlaubt in Echtzeit einen schnellen Zugriff auf alle Parameter des René. Für all diejenigen, die noch tiefer in den Sequenzer einsteigen möchten gibt es diverse Zusatzfunktionen, die sich durchweg sehr musikalisch auswirken und weitere Möglichkeiten der Melodie- und auch Rhyhthmusfindung eröffnen. So ist es zum Beispiel möglich eigene Skalen abzuspeichern, René auf der aktuellen Tonhöhe “schlafen” (Sleep Mode) zu lassen, wenn die Sequenz auf eine deaktivierte Location springen möchte oder sonstige Logikoperationen durchführen zu lassen, die sich alle auf den Programmseiten finden und einstellen lassen. So ermöglicht es der Sequenzer von Make Noise dem User gewisse Daten vorzugeben und das Modul dann in vorgegebenem Rahmen “schalten und walten” zu lassen. Wie sehr es dann schaltet und waltet kann man mit besagten Optionen selbst bestimmen.

Alles in allem ist der Stepsequenzer sowohl für Einsteiger als auch fortgeschrittene User geeignet und ist eine bislang nicht nachgeahmte Rarität auf dem Modularmarkt.


Anschlüsse

Eingänge: X-Clock, X-Mod und X-CV; Y-Clock, Y-Mod und Y-CV

Ausgänge: Quantized CV Out, CV Out, Gate-X Out, Gate-Y Out

Abmessungen

3 HE Eurorack-Modul, 34 TE breit, 24 mm tief

Preis

545,- Euro

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