Touched By Sound

Love The Machines – Vermona DRM 1

°Um die Jahrhundertwende brachte die nicht mehr existente Firma Touched By Sound mit dem Syncussion DRM 1 einen Drumsynth heraus, der sich klammheimlich zum Klassiker entwickelt hat. Er wurde von Vermona gebaut und im Laufe der Jahre unter der Vermona-Flagge angeboten und stetig verbessert.

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Percussion-Gold

Syncussion DRM1 – Drum-Synthesizer

Analoge Drum-Synths liegen ja wieder ziemlich im Trend. Viele Elektronik-Produzenten wünschen sich einen lebendigen Sound mit Direktzugriff auf alle Parameter. Dieses gewachsene Interesse ist u. a. auch vielen neuen Geräte wie dem Arturia DrumBrute und diversen Euro-Rack-Modulen von MFB oder Vermona geschuldet.

Der Syncussion DRM 1, wie das Gerät mit vollem Namen heißt, ist ein analoger Drumexpander mit acht Kanälen. Das Gerät kam 2001 auf den Markt, kostete 1.295,– Mark und gilt bis heute als eines der leistungsfähigsten Drum-Module. Eine etwas frühere Version des Drum-Synths (ebenfalls von Vermona gebaut) war schon vorher unter dem MAM-Signet (Music And More) erhältlich. Außerdem wurden von TBS zwei Module des DRM 1 als 19″-Gerät angeboten: das ACM 2, das technisch dem Clap-Kanal entspricht, und das Drum-Modul DRM 2.

Der Name „Syncussion“ lässt aufhorchen! Gab es nicht schon einmal ein Gerät mit diesem Namen? Aber ja, in den frühen 80ern baute der japanische Drum-Hersteller Pearl einen Drum-Synth namens „SY-1 Syncussion“, der aus zwei analogen triggerbaren Percussion-Synths besteht und mittlerweile Kultstatus besitzt.

Vermona

Vor 170 Jahren begann man in einem sächsischen Städtchen mit dem passenden Namen „Klingenthal“ mit der Anfertigung von Mundharmonikas und legte damit den Grundstein für eine traditionsreiche ostdeutsche Musikindustrie. In den 50er-Jahren wurden die vielen örtlichen Betriebe durch die Gründung der Vereinigten Mundharmonikawerke zusammengefasst. Weil Vereinigte Mundharmonikawerke nicht so richtig sexy klang, leitete man daraus den Markennamen VERMONA ab. Der VEB Klingenthal war der größte Musikinstrumentenhersteller der DDR.

Die heutige Synth- und Hardwareschmiede Vermona ist der in den 90er-Jahren vom Vermona-Team gegründete Nachfolger der berühmten DDR-Hardwareschmiede. Das Drum-Modul DRM 1, das ursprünglich von Vermona für Michael Thorpes Firmen MAM und Touched By Sound gebaut wurde, ist das erste Produkt der neuen Firma. Der DRM 1 wurde von Vermona weiterentwickelt und als eigenes Gerät (DRM MK II) auf den Markt gebracht. Die aktuelle Version heißt MK III.

Syncussion DRM 1

Das stabile Gehäuse des DRM 1 mit goldener Frontplatte ist so konzipiert, dass der Drum-Synth sowohl als Rack- wie auch als Pultgerät fungieren kann. 72 Regler aus angenehm griffigem Gummi laden zum Schrauben ein und sind hinsichtlich ihrer Größe und ihres Abstands voneinander so ausgelegt, dass auch Wurstfingerkandidaten keine Bedienprobleme haben. Einen Netzschalter sucht man leider vergeblich, das Gerät lässt sich nur abschalten, wenn das externe Netzteil aus der Steckdose gezogen wird.

Der DRM 1 kann acht Drum-Sounds (Drum 1, 2 und 3, Multi, Snare, Cymbal, Hihat, Claps) erzeugen, die anschlagsdynamisch spielbar sind. Jeder der acht untereinander angeordneten Soundkanäle hat neun Potis, von denen jeweils einer der Regelung der Lautstärke und einer der Panoramaeinstellung dient. Auf der linken Seite jeder Einheit befindet sich eine Trigger-Taste, mit der sich der Sound beim Einstellen manuell antriggern lässt. Rechts ist jedem Modul eine Einzelausgangsbuchse zugeordnet, die eine Insert-Funktion besitzt, sodass sich pro Kanal auch Effekte einschleifen lassen.

Auf der Rückseite befindet sich neben dem MIDI-Trio ein Stereoausgang, die Sounds lassen sich über MIDI anschlagsdynamisch spielen. Benutzt man einen Einzelausgang, wird das entsprechende Instrument aus der Summe herausgenommen.

Die Tastenbelegung der Sounds ist programmierbar: Hält man beim Einschalten (d. h. beim Einstecken des externen Netzteils) eine Triggertaste gedrückt (was abhängig davon, wo sich die Steckdose befindet, zu Zwangsakrobatik und einem mittelschweren Rückenleiden führen kann), lässt sich die Soundbelegung frei wählen, indem man der Reihe nach die Tasten drückt, die man belegen will.

Piuuuu…

Die ersten drei Modul-Sektionen sind identisch und hören auf den profanen Namen DRUM 1, 2 und 3. Außer der Lautstärke und der Panoramaposition hat man Zugriff auf folgende Parameter: Decay, Pitch, Attack, Autobend, FM-Intensität- und -Frequenz sowie Distortion. Mit diesem Modul lassen sich sehr unterschiedliche Sounds erzeugen. Möglich sind sowohl schöne Retro-Kickdrums als auch Snares oder kranke, metallische Klänge, bei denen besonders die bis in den Audiobereich reichende Frequenzmodulation (der Oszillator wird mit einer Sinuswelle moduliert) gute Dienste leistet. Für Simmons-ähnliche Sounds ist die Autobend-Funktion gut geeignet. Sie kann den Tonhöhenverlauf entweder positiv („piuuu“) oder negativ („puiii“) beeinflussen. Mit dem Attack-Regler lässt sich dem Klang ein kurzer Impuls beimischen, sodass die Anschlagsphase betont wird; dies kann z. B. bei Bassdrum-Sounds nützlich sein.

Der Distortion-Effekt gefällt, er ist nicht zu extrem, sondern hat eher einen warmen Charakter und steigert die Durchsetzungsfähigkeit des Signals.

Multi

Die nächste Klangerzeugungsabteilung heißt „Multi“ und hat mit der vorherigen die Parameter Decay, Pitch und Bend gemeinsam. Die Besonderheit ist hier die polyfone Struktur des Sounds! Mithilfe der Regler „Pitch 2“ und „Pitch 3“ können zum sinusartigen Oszillator nämlich zwei Obertöne addiert werden, sodass akkordähnliche Sounds möglich sind. Die Tonhöhe der mit den Pitch-Reglern 2 und 3 erzeugten zusätzlichen Oszillatoren ist immer vom Grundton abhängig, d. h., wird dessen Tonhöhe modifiziert, verändern sich auch die anderen Töne. Dreht man die zusätzlichen Pitch-Regler ganz nach links auf Nullstellung, wird außer dem Basisoszillator kein Ton erzeugt. Als weiterer Parameter steht ein Hochpassfilter mit regelbarer Frequenz zur Verfügung.

Neben akkordähnlichen Sounds, die vor allem bei langen Decay-Zeiten ziemlich abgefahren klingen können, kann man hier auch Cowbell-artiges generieren.

Snare

Auch das Snare-Modul beruht auf einem sinusartigen Klang und Weißem Rauschen. Der Sinusoszillator erzeugt hier einen etwas längeren Ton, der der Snare „Body“ gibt und durch ein Filter geführt wird. Das mit Frequenz- und Resonanz-Parameter ausgestattete Filter arbeitet mit 48 dB Absenkung und einer Kompressor-artigen Schaltung, die speziell für Drum-Sounds optimiert ist. Eine Resonanz bis zur Eigenschwingung ist allerdings nicht möglich. Bei der Noise-Sektion lässt sich der Anteil des Noise-Oszillators („Noise“) und seine Abklingzeit („Decay N“) einstellen.

Eimerkette marsch!

Der Knaller des Snare-Moduls ist aber der Reverb-Effekt. Hier handelt es sich nämlich nicht um einen Digital-Hall, sondern um ein waschechtes Analog-Reverb mit Eimerkettenschaltung. Diese Art von Hall trieb ambitionierten Tontechnikern in den 70ern und frühen 80ern aufgrund ihres unnatürlichen Klanges, der mehr den Charakter einer Rauschfahne als eines Raumklanges hatte, die Tränen in die Augen. Er eignet sich allerdings wunderbar, um damit merkwürdige Drum-Sounds mit Retrofeeling zu erzeugen. Das Schöne dabei ist, dass der Reverb-Effekt das Filter durchläuft und so mithilfe einer erhöhten Resonanz interessante Sound-Effekte ermöglicht werden. Einstellbar sind die Parameter Intensität und Nachhallzeit.

Mit dem Snare-Modul lassen sich alle möglichen Arten von unnatürlich klingenden Snares erzeugen, die z. T. an frühe Drumcomputer wie z. B. die Boss DR-55 erinnern. Wer allerdings exakte Kopien von TR-808- und 909-Snares braucht, ist mit anderen Geräten besser bedient.

Die aktuelle DRM 1-Version MK III von Vermona bietet gegenüber der ersten Version einige Verbesserungen, wie z. B. ein integriertes Netzteil mit Netzschalter, eine rauschärmere Schaltung und einen eigenen Bassdrum-Kanal für noch druckvollere, modernere Kickdrums. Statt des Distortion-Effekts gibt es jetzt einen Regler zum stufenlosen Überblenden der Wellenform von Sinus nach Rechteck. Auf der Rückseite des DRM 1 MK III findet man MIDI-Ein- und Ausgänge, ein Stereoausgang-Pärchen und einen Kopfhöreranschluss. Optional kann man auch eine etwas teurere Trigger-Version des Gerätes erwerben, die mit acht Trigger-Inputs ausgestattet ist. (Bild: Dieter Stork)

Cymbal & HiHat

Auch in die Cymbal-Klangerzeugung ist das oben beschriebene Filter integriert. Zusätzlich wird noch ein Hipass-Filter zur Verfügung gestellt. Basis des Sounds sind ein Noise-Generator und ein hohes Tonsignal, das sich aus mehreren unharmonischen Sinustönen zusammensetzt und mit dem „Mix“-Regler stufenlos überblendet werden kann. Mit dem Attack-Poti lässt sich dem Signal ein kurzer Anschlagsimpuls hinzufügen, der dem der ersten drei Drum-Module ähnelt, aber höher gestimmt ist. Außerdem stehen noch die Parameter Decay und Bend zur Verfügung. Die Parameterbestückung der Hi-Hat-Abteilung ist mit der des Cymbals identisch, lediglich die Tonhöhe der Attack- und des Tonoszillators differieren etwas.

Mit dem Hi-Hat- und dem Cymbal-Modul kann eine große Bandbreite von brauchbaren analogen HiHat-und Beckensounds generiert werden, die von TR-808-artigen Sounds bis zu eigenständigen Kreationen reicht.

Claps

In der Abteilung für Clap-Sounds findet man wieder das von der Snare bekannte Eimerketten-Reverb und das Filter. Mithilfe des Noise-Parameters kann man den Clap-Impulsen Rauschen beimischen, um den Sound durchsetzungsfähiger zu machen. Abgerundet wird das Ganze durch ein nachgeschaltetes Hipass-Filter.

Auch der Clap-Sound klingt überzeugend, lässt sich gut einsetzen und kann sowohl dezent als auch breit und hart klingen, ohne dabei eine Kopie von Drumcomputer-Klassikern zu sein.

Fazit

Der DRM 1 und seine Nachfolger MK II und MK III (ca. 650,– Euro) sind seit Jahren die besten analogen Drumsynths auf dem Markt. Um ein ähnlich leistungsfähiges Gerät mit Modulen in einem Modularsystem an den Start zu bringen, müsste man wesentlich mehr investieren. Das Teil klingt wirklich überzeugend (wenn man alte Beatbox- und Electro-Sounds mag) und ist sehr durchsetzungsfähig. Auf MIDI-Steuerung der Klangparameter oder sogar Sound-Speicherplätze muss man allerdings verzichten: what you see is what you get.

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