Unter dem Radar

Love The Machines: Hillwood/Firstman Synthesizer und Sequenzer

(Bild: Bernhard Lösener)

Es gibt eine Reihe von Synthesizern, die wohl niemals von Behringer geklont werden. Das liegt weniger daran, dass sie nicht gut klingen, sondern eher an ihrem mangelnden Bekanntheitsgrad. Wer erinnert sich heute noch den Firstman Pulser M 75 oder an einen Synthesizer mit dem wunderschönen Namen Hillwood Blue Comets 73?

Die japanische Firma Hillwood wurde 1972 von Kazuo Morioka gegründet und fertigte u. a. Synthesizer, Sequenzer und Effektgeräte. Der Firmengründer arbeitete in den frühen 80er-Jahren auch für Akai, wo er an der Entwicklung des Recording Systems MG 1212 und der AX-Synthesizer-Serie beteiligt war. Später hat er für Hohner das Keyboard PK-250 konzipiert. Dass Hillwood heute kaum in der Synthesizer-Szene bekannt ist, liegt z. T. daran, dass die Produkte auch unter anderem Namen auf den Markt kamen. So wurde ein Großteil der Geräte unter der Firstman-Flagge verkauft.

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Die Wahl des Firmennamens (Firstman International) wurde vermutlich durch einen Blick ins Englisch-Wörterbuch inspiriert, denn die wörtliche Übersetzung des Namens des Gründers „Kazuo“ bedeutet übersetzt „first man“. Firstman musste in der ersten Hälfte der 80er-Jahre Konkurs anmelden, weil das Interesse an analogen Klangerzeugern durch das Aufkommen digitaler Synths wie dem Yamaha DX-7 stark nachließ.

Multivox – Ein Behringer-Vorläufer?

Die Verwirrung um die Hillwood/Firstman-Geräte wurde noch größer, weil diese in den USA unter dem Multivox-Label vertrieben wurden. Die Wurzeln von Multivox liegen in der 1938 in Manhattan gegründeten Peter Sorkin Company; Multivox war ab Mitte der 70er-Jahre aktiv und galt damals als eine Art Behringer dieser Ära. Die amerikanische Firma pflegte (neben einigen Originalen) vor allem Instrumentenkonzepte anderer Firmen wie etwa Roland (mehr oder weniger) zu kopieren und unter dem Multivox-Label herauszubringen. Oft wurden auch Hillwood/FirstmanSynths durch Überkleben der Original-Logos für den amerikanischen Markt »re-badged«. Multivox brachte neben Synthesizern, Gitarren, Bässen, Drumcomputern, Tape-Echos und Verstärkern auch eine Reihe von Gitarren-Bodentreter Effekten unter dem Namen Big Jam heraus, die z. T. bei Sammlern begehrt sind.

Hillwood Blue Comests 73

Der lyrisch betitelte Blue Comets 73 wurde (na, wann wohl?) 1973 vorgestellt und ist der erste Hillwood-Synth. Es handelt sich dabei um einen monofonen Synthesizer mit einem ästhetisch sehr gelungenen, silber-schwarzen Design mit orgelartigen Registerwippen. Er verfügt über Presets, die sich mit den zehn Fadern Volume, Attack, Sustain, Vibrato-Speed & -Depth, Filterhüllkurve, Cutoff, Resonanz, Portamento und Bend-Amount verändern lassen.

Am Puls(er) der Zeit: Pulser M 75

Zu den Hillwood-Erzeugnissen, die unter ganz verschiedenen Bezeichnungen auf den Markt kamen, gehört der Firstman Pulser M 75, der auch als Multivox MX 75 in den USA angeboten wurde. Der kompakte, monofone Analog-Synth besitzt eine Klangerzeugung mit zwei VCOs, einem Lowpass-Filter und einem LFO, der auch die Hüllkurve triggern kann (um Sequenzer-artige Klangverläufe zu generieren). Dank eines Ringmodulators sind auch ungewöhnliche, geräuschhafte Sounds möglich. Der Synth ist mit einer Reihe von Presets ausgestattet, die sich modifizieren lassen. Wie viele Synths dieser Ära besitzt er eine Aftertouch-fähige Tastatur.

Polyfon

Polyfone Synthesizer von Hillwood/Firstman sind der anschlagsdynamische, achtstimmige Analogsynth PS 86 und der Pulser 85 aka Multivox MX 3000 (einem Multikeyboard im Stil des ARP Quadra) gab es z. B. den Firstman FS4V (Four Voice Polyphonic Synthesizer), der eine vierstimmige, subtraktive Synthesizer-Sektion mit einem String-Synth (mit fünf mischbaren Fußlagen und AD-Hüllkurve) kombiniert.

Firstman SQ-1

Zu den interessantesten und innovativsten Erzeugnissen der Firma gehört der monofone Synth SQ-01, der 1980 auf den Markt kam und ca. 1.000 Mark kostete. Da er mit einem integrierten Sequenzer ausgestattet ist und vor allem für Bassklänge konzipiert war, hätte er unter Umständen an die Stelle der später herausgekommenen Roland TB-303 treten und einer der wichtigsten Klangerzeuger der Techno- (und Acid-) Geschichte werden können. Obwohl zur Klanggestaltung nur das Allernötigste zur Verfügung gestellt wird (lediglich Cutoff, Resonanz, Oszillator-Tonhöhe und das Sustain der Hüllkurve lassen sich regeln), ist das, was hinten rauskommt, ziemlich klasse. Das 24-dB-Filter klingt toll, und das Gerät erzeugt sehr druckvolle und durchsetzungsfähige Sequenzer-Sounds.

Der integrierte Sequenzer hat eine Kapazität von 1.024 Steps und eine 32tel-Auflösung. Die Eingabe der Patterns erfolgt über die 13 Tasten umfassende Folientastatur. Eingesetzt haben den SQ-01 u. a. Pascal F.E.O.S. (der Besitzer des Testgerätes), Ohm und das japanische Elektronikprojekt Aube.

SQ-10: Ich bin kein Synthesizer …

… ich sehe nur so aus. Der rare SQ-10 von Firstman ist nämlich trotz seiner Tastatur ein Analogsequenzer ohne eigene Klangerzeugung. Er verfügt über vier Spuren und bietet zwei Ausgangssektionen, um sowohl Synthesizer mit HZ/Volt- (etwa Korg und Yamaha) als auch Oktave/Volt-Charakteristik zu steuern. Das Gerät kam auch als MX-8100 von Multivox heraus.

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Die SQ-Reihe zeigt, dass Hillwood immer auch innovative Geräte im Programm hatte. So wurde mit dem Fullroter (man beachte die kreative Schreibweise) eines der ersten elektronischen Leslie-Kabinett-Simulatoren überhaupt herausgebracht. Er bietet drei Rotor-Geschwindigkeiten und einen Intensitätsregler.

Unter dem Firstman-Label wurde auch der FS 10 C, ein monofoner Analogexpander mit der Möglichkeit, die Sounds auf Magnetkarten zu speichern, angeboten. Erwähnenswert sind außerdem der über Pedale spielbare Bass-Synth BS 999 und der Drumsynthesizer Synpuls SD 1 (bzw. Multivox MX-57), mit dem man die besonders im Disco-Kontext beliebten »Piuu«-Sounds erzeugen kann.

Die Geräte wurden uns freundlicherweise von Ingo Rippstein zur Verfügung gestellt (www.synthmaster.de).

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