Sample-Groovebox

Korg Electribe S (*2000)

Als Korg um die Jahrtausendwende die Electribe S herausbrachte, waren nicht nur die Bedroom-Producer verzückt, auch viele namhafte Acts wie Prodigy oder die Chemical Brothers setzten den mit Sampling-Fähigkeiten glänzenden Spross der Electribe-Familie sowohl live als auch im Studio ein.

Schon die beiden 1999 erschienenen Ur-Electribes A und E mit ihrer virtuell-analogen Klangerzeugung wurden für den japanischen Hersteller ein großer Erfolg. Die Kombination von Lauflichtprogrammierung, einfacher Bedienung, On-Board-Effekten, Umhängetaschen-freundlichem Format und einem Sampler war dann für viele Musiker ein ultimatives Hardware-Tool. Dabei ist die Electribe S (bzw. ES-1), die bei Markteinführung im Jahr 2000 1.390,− Mark kostete, eher ein avancierter Sample-Drumcomputer als ein echter Sampler, denn ihr fehlen typische Nachbearbeitungsmöglichkeiten, wie etwa das Loopen von Samples.

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User

Nicht nur Prodigy und die Chemical Brothers arbeiteten mit der ES-1, unter den Usern findet man viele illustre Namen wie etwa A Guy Called Gerald, Nine Inch Nails, The Crystal Method oder Radioactive Man. Vor allem auf der Bühne wird das Gerät in den Nullerjahren zu einem angesagten Beat-Lieferanten.

Äusseres

Beim Design der Electribes steht das intuitive Bedienkonzept im Vordergrund; die dreistellige LED-Anzeige mit Display und die beleuchteten Taster spielen ihre Stärken vor allem auf dunklen Bühnen aus. Das kompakte Plastikgehäuse mit dem Panel aus gebürstetem Metall macht einen stabilen Eindruck und verträgt auch mal einen Stoß. Das zentrale Bedienelement sind die Lauflicht-Taster

Klangerzeugung

Die achtfach polyfone Sample-Engine arbeitet mit 32-kHz/16-Bit-Auflösung und bietet 95 Sekunden Samplingzeit (mono). Es gibt neun Sampling-Parts, wobei vier von ihnen auch als zwei Stereo-Slots zusammengefasst werden können und zwei im »HiHat-Mode« arbeiten. Auch externes Audiomaterial kann zugeführt und wie ein Part verarbeitetet werden. Der interne Speicher fasst bis zu 150 Samples. Zur Nachbearbeitung stehen einige wenige Parameter zur Verfügung: Normalize, Start- und Endpunkt der Samples, Release-Phase der LautstärkeHüllkurve und Reverse. Direkten Zugriff hat man auf Pitch, Cutoff, Level und Panorama. Außerdem kann man längere Samples per Time-Slice zerlegen und tonhöhenunabhängig temposynchron abspielen. Zu den Highlights zählt die Resampling-Funktion für das Ausgangssignal. Leider lassen sich die Samples nur im One-Shot-Mode abspielen, was manchmal auch mal lästig sein kann, etwa wenn längere Samples nach dem Stoppen des Sequenzers munter bis zum Ende erklingen.

Klangbeispiel

FX

In der Effekt-Abteilung gibt es außer einem globalen Delay elf Effekte, die man den Parts individuell zuweisen kann. Neben einem aus heutiger Sicht eher lausig klingenden Reverb findet man u. a. einen Pitch-Shifter, WahWah, Resonanz-Filter, Chorus, Kompressor, Distortion und Ringmodulator. Leider kann neben dem globalen Delay nur ein Effekt aktiv sein. Mit den beiden Edit-Reglern hat man Zugriff auf zwei Effektparameter.

Sequenzer

Der Sequenzer fasst 128 Patterns mit maximal 64 Steps, die sich zu 128 Songs verketten lassen. Die Sample-Parts können bei laufendem Sequenzer auch manuell getriggert werden, und es gibt Solound Mute-Taster. Swing-, Roll- und Akzent-Funktionen sind natürlich auch an Bord. Das Tempo lässt sich bei Bedarf eintappen.

Bewegung

Zu den Features, die das Gerät auch heute noch attraktiv machen, gehören die Motion-Sequenzen: Alle Reglerbewegungen können auf Song- und Pattern-Ebene als Sequenz aufgezeichnet und wiedergegeben werden; sie lassen sich sogar nachträglich editieren. Mit den aufgenommenen TweakMoves lassen sich sehr lebendige und interessante Patterns erstellen.

MK II

Korg brachte noch eine weitere, »MK II« benannte Version des Gerätes heraus. Sie besitzt eine neue OS-Software und ein etwas anderes Design, ist aber technisch baugleich. Das neue Betriebssystem, das u. a. statt des WahWah-Effektes ein (in der Regel nützlicheres) Mod-Delay bietet, kann übrigens auch in die erste Version geladen werden.

Sound

Klanglich muss man aufgrund der verbauten Wandler und der 32-kHz-Samplefrequenz einige Abstriche machen. Das Gerät besitzt einen etwas grungigen Klang, der Hi-End-Schönklang-Fans nicht unbedingt zufriedenstellt, aber seinen ganz eigenen Reiz hat. Man darf nicht vergessen, dass viele kultige Sample-Drumcomputer wie etwa der E-Mu AP-12 mit ihrem deftigen Lo-Fi-Sound ganze Musikrichtungen geprägt haben. So wirkt auch die Electribe S charakterstark und lässt sich gerade durch ihren begrenzten Frequenzgang gut auch in dichtere Arrangements integrieren. Die Basswiedergabe ist zufriedenstellend, obwohl sie nicht mit dem Druck etwa einer Akai MPC-1000 mithalten kann. Die Effekte wirken leicht trashig, aber gerade das macht ihren Charme aus, vor allem, wenn sie mit den Motion-Sequenzen dynamisch nachbehandelt werden.

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