Die ständige Frage ...

Kopfhörer zum Mischen?

Eine der am häufigsten gestellten Fragen lautet: Was ist der beste Kopfhörer fürs Mixing? Die eigentliche Frage sollte aber lauten: Sollte man überhaupt einen Kopfhörer zum Mischen zu verwenden? Um es ganz klar zu sagen: idealerweise nicht. Andererseits hat das wahre Leben mit Idealsituationen meist nicht viel zu tun …

Control von SPL

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Ein gute Lösung für anspruchsvolle Homerecordler: Der 2Control von SPL vereint Monitor-Controller für zwei Monitor-Paare und einen zusätzlichen Monolautsprecher mit der Crossfeed-Schaltung zur Simulation der räumlichen Wirkung von Lautsprechern beim Kopfhörer-Mix.

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Phonitor von SPL

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Schon kostspieliger und in 120-Volt-Technik realisiert ist der Phonitor desselben Herstellers − Kostenpunkt ca. 1.250,— Euro). Aber wer höchste Ansprüche auf den Kopfhörermix legt und auch schon entsprechend hochwertige Kopfhörer zum Mischen und Mastern besitzt, sollte sich den Phonitor auf jeden Fall mal beim Händler zeigen lassen.

Gegen das Mischen mit Studio Kopfhörer spricht…

…der „andere“ Stereoeindruck: Linker und rechter Kanal sind streng voneinander getrennt — was in der Natur oder der Lautsprecherwiedergabe so nicht vorkommt. Von links kommender Schall erreicht immer auch das rechte Ohr und umgekehrt. Ein weiteres Phänomen der Kopfhörerwiedergabe ist, dass Signale in der Stereomitte nicht vor der Nase, sondern im Kopf lokalisiert werden. Das Klangbild der Kopfhörerwiedergabe ist also in mancher Hinsicht unnatürlich. Beim Mischen unterm Kopfhörer wird man unwillkürlich immer versuchen, dies auszugleichen, d. h. einen natürlichen Klangeindruck herzustellen — der aber dann über Lautsprecher unbefriedigend klingt. Ein häufiger Fehler ist beispielsweise, dass man unterm Kopfhörer das Stereopanorama nicht in seiner vollen Breite ausreizt. Über Lautsprecher abgehört klingen viele Kopfhörermischungen daher „schmal“ und eingeengt.

Ebenfalls gegen das Mischen mit Kopfhörer spricht die Tatsache, dass manche unbedeutende Details zu genau wahrgenommen werden. Das macht es schwer, sich auf den Gesamtklang zu konzentrieren. Nicht ohne Grund beschreibt man Kopfhörer gern als eine Art „akustische Lupe“. Und so nützlich eine Lupe ist, um ein das Kleingedruckte zu entziffern, käme doch niemand auf die Idee, einen 500-Seiten-Roman mit der Lupe zu lesen. Was aber, wenn man gezwungenermaßen auf Lautsprecherwiedergabe verzichten muss? Am ehesten geeignet fürs Mixing sind offene Kopfhörer, vorzugsweise der etwas besseren Sorte, d. h. ab etwa 150 Euro aufwärts. Für jene, die sich’s leisten können, gibt’s außerdem hoch entwickelte Kopfhörerverstärker wie den SPL Phonitor, die mittels einer sogenannten Crossfeed-Schaltung den Höreindruck der Lautsprecherwiedergabe ein gutes Stück näher bringen.

Überhaupt sollte man bei allen Vorbehalten gegenüber der Kopfhörerwiedergabe einen gewichtigen Vorteil nicht unterschlagen: Die Raumakustik spielt keine Rolle. Und gerade die ist in vielen Homestudios der größte Schwachpunkt. Der Kopfhörer eignet sich daher prima zur Endkontrolle, insbesondere auch, um Probleme im Bassbereich aufzuspüren, die in der Lautsprecherwiedergabe unter akustisch nicht optimalen Bedingungen allzu leicht untergehen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Die Kritikpunkte gegen das Mischen mit Kopfhörer sind ja sicherlich berechtigt, vor allem, wenn man voraussetzt, dass man die Musik auch unter möglichst optimalen Bedingungen konsumiert wird, d.h. in einem gut klingenden Raum mit ordentlichen Lautsprechern. Genau das wird aber immer weniger!! Alle laufen nur noch mit ihren Knöpfen im Ohr, oder eben mit Kopfhörern durch die Gegend und ziehen sich den komprimierten Quark rein. Wofür machen sich die Künstler eigentlich noch die Mühe, mit z.T. sündhaft teurem Equipment zu mixen und zu mastern? Also doch gleich mit KH für KH mischen?

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  2. Hey Gerry, vollkommen recht hast du da. Anderes Klientel aussuchen ist meine Antwort. Und es funktioniert und macht richtig Laune – hier bekommst du noch handgemachte Musik und wirst für ordentliche Arbeit mit gutem Equipment gelobt. Du sagst es ja selbst: “…komprimierten Quark reinziehen”. Da stecken alle Aussagen drin: einfaches Equipment (komprimiert), schwache Künstler (Quark) und reinziehen (im Gegensatz zu genießen).

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    1. Das tut ein wenig weh… ich bedaure sehr, dass ich in einer Wohnung lebe, in der es unmöglich, über Zimmerlautstärke Musik zu hören. Ich hätte z. B. gerne weiter Gitarre gespielt, wenn es hier nicht zu jeder Tageszeit klopfen würde nach 5 Minuten. Dass ich froh sein kann, mir überhaupt Kopfhörer und einen Rechner leisten zu können. Deshalb werde ich aber kaum aufs Musikmachen verzichten, weil es mir ein ebenso starkes Bedürfnis ist wie Menschen, die “noch handgemachte” Musik machen. Musik sollte nichts Elitäres sein, das nur Leute mit entsprechenden Voraussetzungen kreiren dürfen. Vielleicht überdenken Sie Ihre Aussage noch einmal, dass man automatisch ein “schwacher Künstler” ist, der seine Musik zu Tode komprimiert und sich Musik nur reinzieht anstatt sie zu genießen. Kopfhörermusik ist meinetwegen anders, aber deshalb lange nicht schlechter. Ich arbeite ca 30 Wochenendstunden unter meinen Kopfhörern und mache das seit über 15 Jahren. Weil mir Musik mindestens so wichtig ist wie Ihnen. Und Ihre etwas arrogant anmutenden Aussagen beleidigen mich und sicher viele andere Künstler.
      Nix für ungut.

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      1. Hey Katja,

        bei dem Artikel geht es um das Mischen von Musik mit Kopfhörern und nicht das Musikmachen oder Musikhören. Das sind komplett unterschiedliche Dinge.
        Es wollte von uns niemand sagen, dass man Musik nicht mit Kopfhörern machen kann. Ich kann gut verstehen, dass man Musik zuhause mit Kopfhörern macht.
        Ich wohne selbst in einer kleinen Wohnung und habe eine kleine Tochter, die oft schläft. Und dabei möchte ich sie bestimmt nicht wecken! 🙂 Deshalb trage ich auch Kopfhörer, wenn ich Klavier oder Gitarre spiele.

        LG Marc

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  3. Ich habe mich viel mit Kopfhörer, Studio Monitore usw. auseinandergesetzt. Studio, Plugs, Equipement alles ist ein riesiger Markt mit dem wirklich Kohle gemacht wird. Ich Sch…auf die Bestenliste von Zeitschriften etc. Ich habe in teuren Studios mixen lassen und selber einen Mix mit Kopfhörern gemacht. Gleicher Song. Meiner war besser. Ich hab Leuten also Konsumenten entscheiden lassen, was Ihnen besser gefällt. Herrn X und Frau Y im Auto oder in der Küche fällt das nicht auf ob irgendwo auf dem Song zuviel Höhen sind. Entweder es gefällt oder nicht. Beatles hatten ein 4 Spur Gerät. Ein Song ist Erfolgreich wenn er X-mal im Radio gespielt wird. Irgendwann gefällt er dann…. Das ist unsere Musikindustrie !! Mein Statement, man kann aus Scheisse kein Gold machen. Auch nicht mit einem Millionen Studio.

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  4. Neuerdings besitze ich ein Zoom r16 um mein Schlagzeug aufzunehmen. Mittlerweile ist es mir zu langweilig geworden, nur mich zu hören und nicht auch noch das, was ich nachspiele von Cd. Zwecks Kontrolle und gelegentlich für Kollegen. Bin ein völliger Anfänger in Sachen Mixen/Abmischen aber auch mir ist es sehr schnell aufgefallen, dass es mit Kopfhörer genau zu dieser Problematik führt wie oben beschrieben. Mir fehlen immer die Bässe, wenn ich über meine Boxen zuhause diese WAV Files anhöre. Das Mischverhältnis zwischen Cd, Schlagzeug, Base ist milde geschrieben besch…eiden mit Kopfhörer. Das Mischpult immer hin und her schleppen ist für mich keine Option (abstöpseln, anstöpseln etc.), darum werde ich wohl oder übel noch Monitorboxen kaufen.

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